Mein Weg zur VBA2C… Teil 1 #Gastartikel

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Vor einiger Zeit schrieb ich hier über meine Gefühle zur Schwangerschaft meiner Freundin Kitty. Heute möchte sie sich selber an euch wenden. Sie hat nicht so tolle Geburtserfahrungen machen dürfen und wünscht sich für ihr drittes Kind eine natürliche und interventionsarme Geburt.

VBA2C : vagnial birth after 2 cesarean sections. Also die vaginale Geburt nach 2 Kaiserschnitten.

 

Kitty erzählt euch von ihrer ersten Geburt und welche traumatischen und weitreichenden Folgen es für sie und ihren Sohn L. hatte. An dieser Stelle möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen. Das erlebte ist wirklich schwer zu verdauen für zarte Gemüter.

 

Für alle die sich fragen, nanu – wer schreibt denn da?

Ich bin Kitty, 34 Jahre jung und Mutter von 2 tollen Jungs! Mein Großer (L.) ist 2002 geboren und der Kleine (M.) 2010. Mit dem 3. Jungen bin ich aktuell in der 18. SSW. Und natürlich, auch wenn ich damit gar nicht so gerechnet hätte, kommt alles wieder hoch: ich wünsche mir eine heilende Geburt und ich habe Angst, dass alles schief geht. Leider werden einem eine Menge Steine in den Weg gelegt wenn man ein 3. Kind nach 2 Sectios spontan zur Welt zu bringen will.

Ich möchte euch teilhaben lassen, es gibt so viele Frauen, denen es ähnlich geht. Und so viele trauen sich nicht, werden mit noch mehr Ängsten wieder nach Hause geschickt. Die Ärzte und Hebammen machen Druck, man fühlt sich allein und denkt, man kann es nicht schaffen.

 

Allein Geburtsberichte zu bekommen, obwohl es gesetzlich jedem zusteht, ist ein Stein! Denn so einfach machen sie es einem nicht.

 

Aber nun erstmal zu meiner Geschichte, die Geburt meines ersten Sohnes!

Bei L. bin ich mit Wehen hier ins örtliche Krankenhaus gegangen, freute mich auf die Geburt, über die Wehen, war guter Dinge und uninformiert, es ging los! Endlich!

In ein paar Stunden würde ich Mama sein! Wunderbar! Soweit bis dahin. Es kam alles anders als gedacht. Nichts von alldem hatte ich vorher schonmal gehört, ich war auf nichts vorbereitet was dann kam. Damals hatte ich auch keine Hebamme, keinen Geburtsvorbereitungskurs, wir hatten kein Internet und so lief ich mit meiner rosa Brille, Jung und Naiv direkt in die Arme meiner persönlichen Geburtshölle.

Ich lag da also auf dem Bett, am Dauer CTG, warum? – das hatte mir keiner gesagt. Ich durfte nicht aufstehen, lag da alleine, mich fragend was denn los war, bekam aber keine Antworten. Es ist so lange her und ich habe mittlerweile vergessen, wie lange das alles gedauert hat. Es wird schon einige zeit gewesen sein, aber große Sorgen machte ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht, vielleicht war das auch einfach normal so.

 

Irgendwann kamen auf einmal mehrere Leute rein, ich weiß nicht wer das war. 

 

Krankenschwestern, Hebammen, Praktikanten, Zirkusdirektoren, Ärzte…. keine Ahnung! Einer der Menschen, ich schätze das war der Arzt, kam zu mir und wollte mich vaginal „untersuchen“. Dafür musste ich mich mit dem Poppes direkt an den Bettrand legen. Er legte los und nur einige Sekunden später platschte es, ich wurde nervös, fragte was das war und dann wurde es hektisch um mich herum.

Die ganzen Menschen stürmten um mich herum, verfrachteten mich auf ein anderes Bett, zogen mir da irgendwas anderes an, während mir eine einen Katheter legte und ich im gleichen Atemzug etwas unterschreiben musste, von dem ich nicht mal wusste, was das war. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Unterschrift komisch aussah… na klar – währenddessen wurde mir ja auch noch ein Venenzugang gelegt.

Ich wußte nicht was los war, ich weiß auch nicht mehr, was und ob man mit mir sprach. Als das alles getan wurde, brachten sie mich in den Aufzug und ab da weiß ich irgendwie nichts mehr. Ich weiß nicht mehr wie ich im Aufzug lag, in den OP kam und an die Narkose kann ich mich auch nicht erinnern.

Die erste Erinnerung ist dann die, als ich aufwachte und meine Mama neben mir am Bett saß und das einzige was ich fragte war, „Wo ist mein Baby!?“ Ich weiß nicht mehr wie oft ich das wiederholte. Es war wie ein Traum, ein schlimmer Traum. Ich wußte nicht was passiert ist, war mir nicht mal sicher ob ich noch lebe oder gestorben bin, ob mein Baby noch lebt. Alles war verschwommen und ich hatte furchtbare Angst. Was meine Mama antwortete weiß ich leider auch nicht mehr. Ich weiß nur, wie blaß sie war. Sie hatte auch Angst.

Der Papa von L., der während des ganzen Spektakels die ganze Zeit eine verzerrte Randfigur war, war verständlicherweise genauso fertig mit der Welt. Und ich frage mich immer wieder, wie können Menschen mit anderen Menschen so umgehen.

Nächste Erinnerung ist, dass ich auf ein Zimmer gebracht wurde. Es war Mittag. Ich fragte ob ich meinen Sohn sehen könnte, wurde aber verneint, da er auf der Säuglingsstation lag, er hatte wohl grünes Fruchtwasser, Kindspech hineingemacht, müsste beobachtet werden.

 

Man brachte mir ein Polaroid.

 

Später erfuhr ich dann, das ich, nachdem die Fruchtblase geplatzt ist, einen Nabelschnurvorfall hatte. Ich durfte nicht aufstehen, mein ganzer Körper war ein Schmerzklumpen, keiner konnte mir sagen warum. Tage später erfuhr ich, dass es wohl vom Gas kommt, womit ich aufgepumpt wurde und das jetzt durch meinen Körper wandert um raus zu kommen. Es waren solche Schmerzen, ich konnte beim weinen nicht mal ein wenig zucken. Und ich hab viel geweint.

Tage später durfte ich aufstehen und man fuhr mich im Rollstuhl nach oben auf die Station. Im ROLLSTUHL!! Wobei mich die Schwester so unsanft einfach überall gegen fuhr und so lieblos und unfreundlich war. Ich kam dann oben an, sah das kleine Bündel und sah das Bettschild, das Armbändchen.

 

Da stand ein falsches Datum, das wurde einfach einmal durchgestrichen…

 

…und das richtige drauf geschrieben. Und die ersten Tage manifestierte sich der Gedanke, die haben was falsch gemacht, ihn vertauscht, obwohl er aussah wie sein Vater. Aber manchmal macht das Gehirn seltsame Dinge mit einem. Ich wurde wieder auf mein Zimmer gebracht und am nächsten Morgen brachten sie ihn mir in mein Zimmer, stellten ihn ab und gingen wieder. Da saß ich dann. Leer, voller Angst, weinend, hilflos und donnerte geradewegs in eine fette Postnatale Depression. Und keiner bemerkte es, oder wollte es bemerken.

Am Abend wurde es richtig schlimm. Ich habe mich vorher in meinem Leben noch nie so gefühlt, ich wußte nicht, dass es so eine Welt überhaupt gab. Und es war so schlimm, dass ich eigentlich dafür keine Worte finden kann. Ich hatte Panik, bekam kaum Luft, weinte als gäbe es kein Morgen mehr, wünschte mir, ich wäre nicht am Leben, ich konnte diese Gefühle nicht aushalten, sie zersprengten mich, sie legten mich lahm, ich hatte keinen Gedanken mehr, der mir hätte helfen können.

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Mein Ich lag am Boden und verschmolz mit ihm zu einer Masse aus einzigem Schmerz.

 

Alle dachten es wäre Heimweh. Also dachte ich das auch. Woher sollte ich auch wissen, was es sonst sein könnte? Morgen, wenn ich zuhause bin wird alles gut! Das war der letzte Funken Hoffnung der mich aufrecht hielt. Ich denke, jeder kann sich jetzt denken, dass nicht alles gut wurde.

Ich besorgte mir auf anraten einer Schwester im Krankenhaus eine Hebamme, bzw tat sie das für mich, sie kam auch und versuchte irgendwas zu retten und war auch total überfordert, sie hatte sowas selber noch nicht erlebt. Ich konnte nicht schlafen, selbst die Schlaftabletten haben nicht geholfen.

Ich hatte Panik Attacken, war nur am weinen und hatte viele schlimme Gedanken. Ich konnte mich nicht um dieses kleine Baby kümmern. Ich hatte Angst vor ihm. Der Vater und ich lebten nicht mehr zusammen, er wohnte ein paar Häuser weiter und war gerade am renovieren. Und jedesmal, wenn L. wach wurde bekam ich Panik und musste ihn anrufen, damit er kommt.

Das legte sich etwas nach einiger zeit und ich konnte L. versorgen. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich ihn das erste mal alleine baden konnte! Das muss man sich mal vorstellen…. das kann man nicht, wenn man es nicht selber erlebt hat.

Damals wurde so eine Depression noch nicht so thematisiert wie heute! Heute fängt man endlich an, sie zu sehen, die Frauen zu sehen, denen es so geht. Und es sind viele. Früher gab es das nicht, keiner wußte irgendwie so recht was damit anzufangen. Und so blieb sie bei mir wohnen. In mir, neben mir. Jahrelang.

Als L. knapp 3 Jahre alt war, ging es mir wieder sehr schlecht. Ich habe es nie geschafft, eine Bindung zu meinem Kind aufzubauen. Ich habe ihn nie sehen können als das was er ist. Ein super süßes, total einfaches, entspanntes, tolles Baby und Kind! Heute zerreißt es mir mein Herz, wenn ich daran denke, Bilder von früher sehe und ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen und dieses kleine süße Bündel einfach in den Arm nehmen und es lieben. Es wieder gut machen.

Seit er knapp 3 Jahre alt war, lebte er bei meiner Mama. Sie hat ihn zu sich genommen als ich nicht mehr konnte. Mittlerweile wohnt er bei seinem Papa und seiner neuen Familie, er ist schon so groß, es geht ihm gut, er ist ein wirklich toller Mensch geworden. Wir haben Kontakt, wir schreiben uns und das was mich am meisten berührt ist, dass er nicht einmal böse auf mich ist, dieser liebe Junge, der sich sogar total freute als er erfuhr, dass sein kleiner Bruder M. unterwegs war.

 

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Nachdem L. zu meiner Mutter ging, wurde es natürlich nicht einfacher.

 

Die Menschen sind schlimme Wesen und als wäre mein schlechtes Gewissen und meine Selbstgeisselung nicht genug, ich bekam von allen Seiten Hiebe und Schläge. Keiner fragte warum aber alle wußten genau bescheid. Ich war ein schlimmer Mensch, ich wollte das arme Kind nur nicht, weil ich lieber feiern wollte und noch viele andere Dinge. Es war schlimm.

Und auch heute noch, so viele Jahre später, hab ich diese Schuldgefühle und es tut mir so leid. Mittlerweile ist es mir egal, was irgendwelche Menschen denken. Die mussten da nicht durch gehen. Und für mein Kind war es die beste Entscheidung, ihn bei meiner Mutter leben zu lassen.

 

Ein Kind brauch Liebe und Geborgenheit und jemand, der es küsst und kuschelt. All das konnte ich nicht. So sehr ich es versuchte.

 

Und bis heute kann ich über diese Geschichte nicht sprechen. Sobald es in die Richtung geht und ist es nur, dass ich erzählen muss, wie er auf die Welt kam, bin ich gefangen und ich muss weinen. Während ich diesen Text schreibe weine ich ununterbrochen. Es schmerzt immer noch und ich denke es wird auch niemals aufhören. Aber es ist gut, dass ich das jetzt schreibe. Wenn reden nicht geht, dann geht schreiben und endlich kann ich sagen, was ich gefühlt habe, das kann ich nicht, wenn ich es aussprechen muss. Wie es bei M. ablief, werde ich im nächsten Beitrag berichten!

 

Bis dahin – bleibt stark und steht für euch ein! Viele Grüße, Kitty

 

(copyright : Kitty Trashcore/ Keins bestellt, 2 bekommen)

 

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HILFE! Meine Freundin ist schwanger!!!!

Links: das Wampi von J. im 4ten Monat Rechts mein Wampi im 8ten Monat

Links: das Wampi von J. im 4ten Monat Rechts mein Wampi im 8ten Monat.

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Passend zum letzten Beitrag und den vielen anderen darüber wie mies es mir ergangen ist schreibe ich heute mal darüber wie es eigentlich ist wenn Freundinnen schwanger sind.

J. und ich kennen uns schon eeeeeewig. Damals war ihr Mini noch miniklein. Heute geht er schon zur Schule. Sie ist/war auch alleinerziehend und wir haben immer den Kontakt gehalten. Mal mehr, mal weniger, doch wenns drauf ankam war sie da. So half sie wie ganz selbstverständlich beim Umzug mit, hat sogar ihren Freund verpflichtet obwohl wir uns ewig nicht sahen. Ich mag sie sehr.

Schon länger wünschen sie und ihr Freund sich ein Baby, im neuen Jahr wollten sie anfangen an einem Baby zu basteln, doch wie das manchmal so ist: Der neue Erdenbürger hat sich schneller eingeschlichen als erwartet.

Die Schwangerschaft löst zugegeben gemischte Gefühle bei mir aus. Immer noch schwingt Neid mit, wenn andere Frauen so unkompliziert schwanger sein können. Doch sehe ich diese Schwangerschaft auch als Chance für mich. Ich kann lernen und aktiv sehen wie eine Schwangerschaft sein kann, das es nicht schrecklich und lebensbedrohlich sein muss. Ich erlebe wie man achtsam mit dem Thema umgeht. Das alles ist ein Gewinn für mich. Mein Ziel ist es abschließen zu können und bisher habe ich den Eindruck das es mir,mit der Hilfe von J und ihrem Baby, gelingen könnte.

Irgendwas hat sich verändert und ich spüre wie ich mich mit dem Thema Schwangerschaft auf einer anderen Ebene befasse. Es tut mir gut das alles noch einmal passiv aber ganz nahe dran erleben zu können, denn J bezieht mich in viele Aspekte ihrer Schwangerschaft mit ein. Auch wünscht sie sich Begleitung und Unterstützung von mir, auch wenn noch nicht klar ist wie weit und in welchem Umfang, aber sie lässt mich bei so vielen Dingen Teil haben und ich bin genauso ungeduldig und aufgeregt als wäre ich selber schwanger, nur ohne dickes Wampi und ohne Kotzen. Man könnte es secondhand schwanger nennen und ich finde ganz langsam meinen Frieden mit meiner eigenen Schwangerschaft, denn ich sehe das es anders sein kann und ich habe Hoffnung das ich das auch so erleben darf.

Ich freue mich unglaublich darauf ein neues Menschenkind in meinem Leben begrüßen zu dürfen. Und ich verspreche euch: ich werde es weg schnüffeln.

Das große ABER:

ich bin neidisch. Nicht das ich ihr ihr Glück missgönne . Im Gegenteil ich freue mich sehr für sie aber da sind so kleine Stiche :

Sie darf unkompliziert schwanger sein.

Sie darf überhaupt schwanger sein.

Sie wird ein Baby haben.

Ich habe das alles nicht.  Das ist doof, denn ich wünsche mir mehr Kinder  ( Gott bin ich gestört), ich wünsche mir eine unkomplizierte Schwangerschaft.  Und einen Partner der sich das auch wünscht.

Habe ich aber nicht, also genieße ich secondhand Glück und fühle mich ganz gut dabei. Immerhin sind es ihre schlaflosen Nächte, ihre 1532o10472 Windeln am Tag , ihre Babykotze , ihre Wehen und ihre doofe Anfangsphase beim Stillen. Nicht meine! Finde ich auch nicht so schlecht. Ich kann derweil schön Baby schnüffeln, sie unterstüzen wenn nötig, grinsend an die letzten Jahre denken und sagen: habe ich hinter mir.

Ich weiß ja nicht, vielleicht ist das  auch generell so ein Mütterding:

Babyneid, gemeinsame Freude, Genugtuung das man es „hinter sich“ hat. Denn so richtig weiß man ja auch nicht mehr wie die ersten Monate mit Baby waren. Nur das was extrem toll war oder extrem scheiße. Hormone sind schon eine seltsam gestörte Angelegenheit , unsere Psyche ebenfalls.

Warum macht es so ambivalent wenn andere Frauen ein Baby bekommen und man selber nicht? Darauf habe ich echt keine Antwort.

Ich freue mich auf einen neuen Schritt in Richtung Seelenheil. Ich freue mich auf ein neues Menschenleben. Ich freue mich für J und B und auf viele neue Erinnerungen in meinem Kopf die das alte löschen werden wenn es an der Zeit sein wird.

 

Außerdem möchte ich mich bei allen für meinen kleinen SCHABERNACK entschuldigen. Ich bin nicht schwanger und habe trotz aller Babysehnsucht nicht vor daran derzeit was zu ändern denn ich habe noch viel vor, und wenn ich das erreichen konnte, dann werde ich bestimmt noch ein oder zwei Babys bekommen!

 

Copyright: Kitty Trashcore und Keins bestellt, 2 bekommen!

Break the Silence! #Triggerwarnung traumatisches Geburtserlebnis

Der November steht für nicht wenige Frauen vor allem für ein Thema: Gewalt in der Geburtshilfe.

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Ich bin selber davon betroffen gewesen und stelle im Umgang mit anderen Frauen fest: Gewalt in der Geburtshilfe ist vielfältig und wird oft mit einem „Hauptsache uns geht es gut“ abgetan. In meinem aktuellen BabySteps Kurs gibt es außer mir noch 4 andere Frauen. 4 von uns haben interventionsreiche Geburten erlebt bis hin zum Not-Kaiserschnitt. Diese Frauen reden nur sehr verhalten über das erlebte. Es schwingt die Angst vor dem Urteil mit.

Hat man wirklich versagt? Ist es wirklich nicht so schlimm? Wenigstens leben wir ja noch alle…

Genau das ging mir in den ersten Monaten nach meiner Geburt auch so.

Ich wurde erlöst, den Kindern geht es gut. Narben verblassen, Wunden heilen . Nur ganz langsam brach die Erinnerung über das erlebte in mein Bewusstsein ein und es stürzte mich in ein Loch .

Aufmerksame Blogleser wissen das meine Schwangerschaft sehr heftig verlief und ich nur noch wenige Ressourcen hatte. Ich hatte viel negatives im Bezug auf die Hyperemesis zu hören bekommen und bekam von allen Seiten sehr viel Druck gemacht. Ich freute mich so auf die Geburt. Aber in Wirklichkeit machte die Geburt das Trauma „Kinder bekommen“ erst richtig groß .

Mitten in der Nacht ging es los. Da mich keiner ins Krankenhaus bringen konnte, musste ich die Kollegen vom Rettungsdienst anrufen. Selber fahren war keine Option. Während ich packte und meine Tiere versorgte spürte ich eine tiefe Einsamkeit . Von allen verlassen würde ich meine Kinder zur Welt bringen. Das wenigstens meine Hebamme dabei sein würde gab mir halt. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus. Meine Hebamme verkabelte mich am CTG ( gegen meine Willen), gab mir ein Antibiotikum ( ohne Indikation), hängte mich an eine Dauerinfusion ( warum?) und verschwand während ich allein den Kreißsaal in Rückenlage voll kotzte. Lagewechsel? Unmöglich alleine. Zu viele Schläuche und Kabel.

Meine Hebamme kam zurück mit einer Anästhesistin. Neben der PDA- Einverständnis hatten die beiden auch noch Aufklärungsunterlagen für einen Kaiserschnitt mitgebracht ( wollte beides nicht aber war zu schwach um mich zu wehren).

Nach der Zwangs-PDA ging gar nichts mehr. Sie wurde zu hoch dosiert. Keine spürbaren Wehen, keine Möglichkeit mich selbstständig zu bewegen und ständig dieses Kotzen. Ich war alleine bis ca 10.30. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits mehr als 6 Stunden im Kreißsaal. Überwiegend alleine, ganz alleine, mutterseelenallein! Dann kam Hektik auf. Der Wehentropf kam auf Vollgas und man versuchte mich zum pressen zu zwingen ( weil ich nichts mehr spürte hatte ich kein Bedürfnis dazu). Ich wurde angebrüllt, ich wurde in Zwangslange gebracht, meine Beine fixiert und rums : aus dem mittleren Becken heraus wurde Motte mit der Saugglocke geholt. Sie war nur kurz bei mir, dann wurde sie weggebracht. Kurz darauf das gleiche Spiel mit Knödel. Das ich zusätzlich extreme Verletzungen hatte brauche ich wohl niemandem erklären der sich ein bisschen auskennt.

Auch das Knödelchen sollte nur kurz bei mir bleiben, dann war auch er weg. Derweil ging das muntere treiben weiter.

Noch ein Wehentropf und dann gab’s n Ruck, ein flatsch und weg war ich. In dem Moment in dem man die Plazenten aus meinem Uterus zog verlor ich den Kontakt zur Welt. Ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an das was dann passierte. Ich hörte meine Mama und durfte sie nicht sehen, ich lag in Schocklage und bekam Sauerstoff. Ich erinnere mich an hektische Blutdruckmessungen und daran das ich das Gefühl  hatte, Tod zu sein. Die nächste Erinnerung kommt aus dem OP. Ich musste ausgeschabt werden, man musste mich umfangreich nähen. Wieder Nebel.

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Ich erwache in einem Mini-Zimmer. Meine Mutter und eine Freundin sind da. Sie halten meine Babys. Ich will sie haben doch ich bin kaum in der Lage sie zu halten. Ich will stillen und kuscheln. Ich bekomme jedoch kaum Hilfe.  Dann ist die Hebammen da, sie fummelt kurz rum sagt klappt nicht testet den Blutzucker der Kids und bringt Flaschen.

Meine Kinder sind unterzuckert und ausgekühlt. Knödel wurde direkt weggebracht. Motte durfte noch 2 Stunden bleiben.

Ich hatte kein Bonding, kein intuitives Stillen, kein Stillen nach Bedarf und auch kein Kuscheln. Ich hatte ja nicht mal Kinder da.

Meine Hebamme entband neben mir noch weitere Frauen. Es lagen von 4 geborenen Kindern 3 auf der Neo-Intensiv. Meine Hebamme war auch jetzt nicht greifbar und nur der engagierten Stillberaterin Eva ist es zu verdanken das es überhaupt klappte mit dem Stillen.

Ich kämpfte derweil mit den Folgen der Geburt und kämpfte mit den Ärzten um die Verlegung meiner Kinder. An meinem Geburtstag sollte ich entlassen werden. Ich machte deutlich das ich meine Kinder nicht zurücklassen würde und sie auch gegen die Empfehlung mitnehmen würde. Natürlich wurde das nicht so gern gehört. Wie so vieles.

Ich fasse zusammen:

In der Schwangerschaft wurde ich entweder nicht ernst genommen mit meinen Beschwerden oder unter Druck gesetzt weil ich nicht den Vorgaben bezüglich Vorsorge und Geburt folgte. Ich erlebte verbale, psychische Gewalt.

Unter der laufenden Geburt war ich quasi komplett allein. Niemand der mich begleitete oder hätte anleiten können. Stattdessen bekam ich ein Dauerctg, Infusionen und Medikamente. Und mir war so kalt. Es gab aber keine Decken, das sei im Kreißsaal nicht vorgesehen, nur ein dünnes kaltes Laken bekam ich. Man zwang mir eine PDA auf. Ich musste in zwanghafter Rückenlage gebären. Ich wurde beschimpft und angebrüllt. Meine Beine wurden fixiert und ich bekam einen Dammschnitt der nicht gewollt war. Meine Plazenten wurden gezogen, keiner hatte Zeit abzuwarten, meine Kinder wurden sofort abgenabelt und weg gebracht. Es gab kein Bonding und keine Hilfe beim ersten Stillen.

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Während ich versorgt wurde, wurden meine Kinder nicht versorgt sondern meiner Mutter und einer Freundin überlassen. Keiner besah sich die massiven Hämatome durch die VE.

Man ließ mich nur alle 3-4 Stunden zu meinen Kindern, man gab ihnen ohne Absprache Schnuller und Flaschen. Man wollte sie nicht mit mir zusammen entlassen.

Diese 5 Tage sind schlimmer gewesen als all die Monate zuvor in denen ich mehr starb als lebte. Man hatte mich fast umgebracht in der gesichtslosen Maschinerie Krankenhaus. Man hat den Zwillingen und mir so vieles genommen das wir über sehr sehr lange ganz intensiv nachholen mussten. Über uns wurde entschieden als wären wir Ware.

Meine Hebamme war zu keinem Zeitpunkt der Nachsorge bereit mit mir zu reden oder mir zu sagen das ich volle Kanone in die Depressionen rauschte. Sie sagte mir nicht wo ich Hilfe finden würde. Sie war nie dazu bereit mit mir über die Geburt zu sprechen obwohl ich den Bedarf deutlich gemacht habe. Stattdessen wurde alles was ich tat belächelt oder als falsch dargestellt. Ich wurde auch nach der Geburt nicht ernstgenommen mit meinen Sorgen.

Fast ein Jahr lang war mein Leben von Fremden bestimmt die keine Minute auf mich und meine Bedürfnisse geachtet haben. Ich habe so gut es geht gekämpft für mich und meine Selbstbestimmung aber am Ende war ich zu schwach, zu ausgelaugt und ohnmächtig um zu bestehen. An meiner Schwangerschaft war nichts selbstbestimmt, ebenso wenig wie bei der Geburt der Zwillinge. Vom Schwangerschaftstest bis viele Wochen nach der Entbindung war ich lediglich eine Goldmiene für Ärzte und Hebammen.

Das alles zeigt, wie wichtig die adäquate Versorgung durch Hebammen ist, die nicht überlastet sind sondern frei sind sich bestmöglich um ihre Gebärenden zu kümmern. Es zeigt auch das Zeit Geld bedeutet. Und Geld ist wichtiger als das Seelenheil einzelner Frauen die vielleicht nicht nach Plan gebären oder gar eigene Wünsche diesbezüglich haben. Geld darf nicht bestimmen wie und wo wir gebären und auch darf es nicht bestimmen welche Diagnose man bekommt damit man ein guter Fall zum abrechnen wird. Die Politik zerstört wissentlich eine Geburtskultur die seit so vielen 1000 Jahren funktionierte. Warum sollten Frauen heute nicht mehr in der Lage sein selbst zu gebären wie sie es immer taten? Ich verstehe das nicht.

Meine Wünsche hatte ich vor der Geburt sowohl mit dem Krankenhaus als auch mit meiner Hebamme ausdrücklich besprochen und einen Geburtsplan formuliert. Letztlich hat mir diese Vorbereitung nichts aber auch gar nichte gebracht außer Hoffnungen die nicht wahr wurden. Keiner nahm sich letztlich die Zeit sich damit zu befassen und keiner war da meine Interessen für mich durchzusetzen als ich es nicht konnte.

Seit 3 Jahren nehme ich mir vor am 25.11. Eine Rose niederzulegen und einen Brief zu schreiben. Ich kann es nicht. Die Angst vor dem Ort des Grauen ist noch immer zu groß und zu präsent. Ich bin traumatisiert und vieles hat sich in meinem Leben deswegen verändert. Sex? Keine Chance. Die Angst ist zu groß. Einem Arzt vertrauen? Ich bin doch nicht lebensmüde. Wieder als Krankenschwester arbeiten? Niemals werde ich wieder Teil des Gesundheitswesen in Deutschland. Nicht solange der Profit vor den Menschen kommt.

Der Roses Revolution Day ist am 25.11. Er will aufmerksam machen und betroffenen Frauen eine Stimme geben. Die mediale Aufmerksamkeit ist nämlich mehr als gering. Mit Frauen die keine Traumgeburt hatten kann eben nur wenig Geld verdienen. Daher hat Nora Imlau zur Blogparade aufgerufen und dieser Beitrag ist Teil davon.

Break the Silence ! Name it! Each  Woman is a Rose!

 

Hast du selber auch Gewalt während der Geburt deines Kides oder deiner Kinder erlebt und möchtest darüber schreiben melde dich, auf meinem Blog ist Platz für dich und deine Geschichte!

Wie ich Muttertier wurde… Teil 2

“Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.” Gertrud von le Fort (1876-1971)

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Immer wieder merke ich, dass viele Menschen die mir in den verschiedenen Netzwerken folgen ein völlig anderes Bild von mir haben, als ich es selber habe. Niemanden wundert es das ich Langzeitstillerin bin, spontan Geboren habe, im Familienbett schlafe, einen Faible für Tragetücher habe und in Zukunft sogar mit Müttern und ihren Babys arbeiten werde.

In Teil 1 habe ich euch über mich erzählt, über das „Ich“ von früher. Geendet habe ich im Januar 2014 mit einem positiven Schwangerschaftstest. Hier werde ich euch von meiner Wandlung berichten.

Ungewollt Schwanger…

Februar 2014:

Mir geht es nicht gut, ich habe nicht nur erfahren das ich Zwillinge erwarten werde, ich darf auch nicht mehr arbeiten, denn  ich leide an Hyperemesis Gravidarum. Und nicht nur das, ich habe bereits zwei mal Blutungen gehabt. Ich fühle mich bestraft. Und schmiede pläne. Natürlich werde ich einen Kaiserschnitt bekommen und stillen geht auch nicht, Twinpapa wird in Elternzeit gehen und ich wieder arbeiten. Ich liege den ganzen Monat im Krankenhaus. Ich möchte gern sterben. Ich suche auf FB nach anderen Betroffenen und finde sie, außerdem bin ich jetzt in einer Gruppe für vegane Schwangere, schadet ja nicht zu wissen worauf man achten muss.

Mai 2014:

Natürlich werde ich meine Kinder tragen. Tragetücher finde ich toll, meine Freundin Jess hat ihr Kind auch getragen, das finde ich cool. Aber ob das geht mit Zwillingen? Ich bin mir nicht sicher. Ich bin fast immer alleine, die Beziehung zum Twinpapa musste ich beenden. Es funktionierte nicht, er verstand nicht, was ich im Umgang mit den Kindern erwarte und kann es nicht mal bei dem großen umsetzen.

Wandlungen…

Juni 2014:

Dieser Sommer ist die Hölle, ich habe schlimme Wassereinlagerungen und Kreislaufprobleme. Meine Hebamme ist keine große Hilfe. Draußen ist es unerträglich für mich, ich verlasse die Wohnung nur noch abends. Gott sei Dank kann ich im nächsten Ort bist 24.00 Uhr einkaufen gehen. Tagsüber liege ich im Bett unter der Klimaanlage und vertreibe mir die Zeit mit Recherche. Ich habe in verschiedenen Gruppen tolle Frauen kennen gelernt. Außerdem habe ich etwas entdeckt das Attachment Parenting heißt. Das finde ich wahnsinnig interessant und auch einleuchtend. Da ich mich schon beruflich mit Pädagogik beschäftigt hatte erscheint mir das Konzept von AP, Unerzogen und GFK sehr natürlich und Intuitiv. Es fühlt sich richtig an, wie der Schlüßel zum Erfolg in Sachen selbstbewusste, empathische Kinder… Ich bin beigeistert und denke das ist super einfach.

Juli 2014:

Ich bin die Heldin im GVK, die anderen sind beeindruckt das ich meine Kinder spontan gebären will und das ich sie stillen und tragen möchte. Das ich all dies eigentlich abgelehnt habe bis ich schwanger wurde weiß keiner, es fühlt sich auch für mich sehr fern an. Auch einen Plan für eine selbstbestimmte, interventionsarme Geburt habe ich bereits. Leider ist es mir körperlich nicht mehr möglich, nach dem vierten Mal weiter  zum Kurs zu gehen, aber ich fühle mich trotzdem gut vorbereitet. Ich lese das Hypnobirthing-Buch und beschäftige mich mit dem Gebären allgemein. Ich habe ein deutliches Bild davon wie meine Geburt aussehen soll.

August 2014:

Nestbau ist angesagt. Ich habe lange überlegt und entschieden das ich Babybetten kaufen möchte. Irgendwann würden meine Kinder darin schlafen. Mein Bruder nimmt sich Urlaub und fährt mit mir zum Babyshopping zum Möbel- Schweden. Gemeinsam mit meinem besten baut er die Möbel auf während ich die Babywäsche wasche.

September 2014:

Es geht los, ich habe um Beendung der Schwangerschaft gebeten. Mir geht es so scheiße, ich kann nicht mehr warten. Bald wird eingeleitet werden, doch ich habe Glück und es geht von allein los. Obwohl ich so einen guten Plan habe, werden meine Wünsche ignoriert. Ich erlebe eine Geburt aus der Hölle, es gibt kein Bonding und kein sofortiges Stillen im Kreißsaal. Dafür gibts ne Not-Op, Neo-Intensiv und Blutkonserven. Nix ist geworden wie ich es will. Aber wir Leben.

Dezember 2014:

Ich zweifel an meinem Weg. Egal was ich tue, meine Grenzen sind fast erreicht. Ich tue wirklich alles für meine Kinder, doch es scheint nicht zu reichen. Auch ein Besuch beim Osteopathen hat keine Besserung gebracht. Ich kann es nicht ertragen. Willen brechen. Osteo-Ferbern. Obwohl ich früher dachte das ich mich über meine Kinder hinweg setezn muss. Ich freue mich auf die Feiertage bei meinen Eltern. Es ist die Hölle, die kleinen sind völlig überreizt. Angeblich ist meine Erziehung schuld, obwohl ich einfach nur meinem Instinkt folge. Meine Babys wohnen praktisch auf mir.

Januar 2015:

Das Knödelkind ist sehr krank, muss ins Krankenhaus. Ich stehe vor der schlimmsten Entscheidung überhaupt: Wer muss ohne mich auskommen? Gemeinsam mit dem Twinpapa entscheide ich, dass wir Knödel auf eigene Verantwortung wieder mitnehmen, seine Werte sind stabil. Ich hätte nie wählen können wer ohne mich auskommen muss. Wir gehen jeden Tag zum Arzt und lassen das Knödelbaby untersuchen, der Kinderarzt hat veranlasst das ich im Notfall mit beiden Kindern ins Krankenhaus aufgenommen werden kann. Es mag verantwortungslos erscheinen, doch ich habe mich dafür entschieden den bedürfnisorientierten Weg zu gehen und will nicht das einer von beiden Leiden muss, so lange ich die Verantwortung für eine Behandlung zu Hause tragen kann. Langsam aber sicher bessert sich das Zustand von Knödel. Alles wird gut.

April 2015:

Ich werde umziehen meinen Kindern zu Liebe, ich kann mich nicht mehr gut um ihre Bedürfnisse kümmern, meine eigenen kann ich nicht einmal mehr erspüren.

September 2015:

Wir haben das erste Jahr überlebt. Nicht immer habe ich so bedürfnisorientiert gehandelt wie ich es möchte, doch ich werde immer besser darin die Bedürfnisse meiner Kinder, von mir und meinen Mitmenschen zu erkennen und zu benennen. Ich habe ein paar Mädels kennen gelernt, die ähnlich ticken wie ich. Das freut mich.

Dezember 2015:

Ich werde wirklich das erste mal seit 2 Jahren ausgehen. Ich mache mir große Sorgen meine Kinder könnten das nicht gut verkraften, doch ich möchte auch endlich mal wieder meine Bedürfnisse pflegen, seit dem ich Kinder habe, habe ich nur für sie gelebt. Ich habe meine ganzen Ansichten auf den Kopf gestellt und vielen Menschen damit vor den Kopf gehauen. Ich versuche es gelassen zu nehmen.

Unklare Zukunft

Januar 2016:

Die Mädels und ich haben eine tiefe und ehrliche Freundschaft entwickelt, im Kontakt mit ihnen merke ich erst, wie sehr ich das Konzept von Attachment Parenting und GFK verinnerlicht habe, mehr sogar als ich je erwartet hätte. Ich bin quasi ein AP Handbuch geworden das bei jedem Konflikt versucht die einzelnen Bedürfnisse der argierenden Personen zu ergründen, ich schaue wie ich meine Ansichten gewaltfrei anbringen kann. Manchmal gelingt es mir ganz gut, doch gerade mit meinen Eltern scheitere ich oft. Sie wissen welche Knöpfe sie drücken müssen.

Ich überlege wie unsere Zukunft aussehen soll, ich habe bereits länger den Wunsch allumfassend für Mütter, Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere, Kinder, Babys und Familien da zu sein. Doch wie soll ich das angehen?

März 2016:

Die Beziehung hat für mich einen immer höhren Stellenwert, ich kann ohne Probleme überall mit meinen Kindern hingehen, sie sind ausgeglichen und neugierig. Sie sind ein gutes Beispiel dafür das es richtig ist, seine Kinder nicht zu erziehen. Ich habe eine gute und spürbare Beziehung zu meinen Kindern aufgebaut, ich stille ihre Bedürfnisse immer noch so gut ich kann, doch manchmal sage ich auch stopp, jetzt bin ich dran. Ich begreife immer mehr den Wert der Kommunikation und verstehe das Erziehung und Beziehung nur ein paar kommunikative Nuancen weit auseinander liegen. Ich fühle mich angekommen, denn ich darf auch in Zukunft den Menschen den Wert von Beziehungen, Bedürfnissen und Kommunikation nahe bringen.

Abschließend:

Ich habe mich wirklich komplett verändert, zumindest in meiner Art zu kommunizieren und in meiner Einstellung zu Kindern, Babys und Geburten. Aus meiner Anti-Haltung heraus ist es mir gelungen das Beste aus mir heraus zu holen. Meine Kinder wecken das Beste in mir, denn ich stelle fest: Ich bin mehr als nur mein Job und die letze Party. Ich bin ein Mensch mit vielen Facetten und diese darf ich jetzt als Mutter voll ausleben. Nie habe ich gedacht das mich die Rolle als Mutter erfüllen könnte, mir Zufriedenheit schenken würde. Lange habe ich mit dem Schicksal Zwillinge gehardert, auch nach der Geburt, als die beiden kleinen Wesen untröstlich geschrien haben, fühlte ich mich oft bestraft, weil ich doch dachte ich würde alles richtig machen. Heute weiß ich viel mehr über Babys, Pädagogik und Geburten so das ich mich viel besser auf Babys einlassen kann, und natürlich auch auf meine Kinder. Ich habe gelernt zu verstehen das Babys das überbleibsel der Evolution sind. Sie werden es vermutlich auch für immer sein. Steinzeitbabys und Kinder. Sie können nicht anders sein als sie sind, aber das ist okay.

Ich bin all das was ich nie sein wollte, doch ich bin sehr glücklich und es erfüllt mich mit Stolz sagen zu können:

“ Ich bin Ela, meine Kinder sind 18 Monate alt, ich habe sie spontan geboren, wir stillen immer noch und wir schlafen zusammen im Familienbett. Ich trage meine Kinder an meinem Körper durch das Leben wann immer sie diese Nähe benötigen und einfordern. Ich lasse meine Kinder auch jetzt nicht schreien, obwohl ich scheißen müde bin und mir wünsche endlich mehr wie 4-5 Stunden pro Nacht zu schlafen. Mein Küchenboden sieht seit 10 Monaten aus wie das Buffet eines Hotels, aber meine Kinder lieben es selber zu essen und taten es von Anfang an, und sie essen fast alles.

Ich nehme finanzielle Einbusen in Kauf um meine Kinder mindestens bis zu ihrem dritten Lebensjahr zu hause betreuen zu können. Und gebe sie so selten wie möglich, so häufig wie nötig ab um mal für mich sein zu können. In meinen geliebten Job werde ich nicht mehr zurück gehen, die Zeit mit meiner Familie ist wertvoller als ein dickes Konto“

Ich bin ein Muttertier und stolz drauf. Meine Geschichte erklärt deutlich warum ich das Zitat von von le Fort wählte. Ich wurde durch die Geburt meiner Kinder zur Mutter, nicht nur körperlich auf emotional. Meine Kinder schenkten mir das Leben als Mutter, ich schenkte ihnen das Leben als unschuldige kleine Babys. Wir sind gemeinsam geboren worden, wir werden gemeinsam wachsen. In Liebe und Geborgenheit.

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Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort! #1 Uli

Uli ist eine bemerkenswerte Person, Mutter von 3 Kindern, selbstständige Friseurmeisterin, eine Menge Kleinvieh und ein Ehemann runden ihren Alltag ab. Doch was ich sehr beeindruckend finde: Uli stillt ihre Zwillinge und spendet außerdem noch Muttermilch- für einen erwachsenen Mann, der an Krebs erkrankt ist. Keine Frage, diese Frau müssen wir näher kennen lernen.

 

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1. Erzähl doch mal ein bisschen über dich:
Ich heiße Uli, bin verheiratet und Mama von 3 Kindern. Frida im Mai 2013 geboren und ihre Zwillingsbrüder Hugo und Franz nicht ganz 2 Jahre danach im Mai 2015. Mein eigentlicher Traumberuf war immer Altenpflegerin.Will was Gutes tun! Habe mich dann aber doch spontan dazu entschieden Friseurin zu werden.

Mein Job hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und deshalb habe ich mich viel weitergebildet und irgendwann dann den Meister gemacht um selbstverständig zu sein. Mein Motto ist: „wer aufhört besser zu sein, hat aufgehört gut zu sein“. Mein Geschäftlein (ganz bewusst 1 Mann Betrieb) ist sofort explodiert.

Ich habe mein Leben genossen. Hatte nen sehr geilen Job, mit klasse Kunden, ein tolles Haus, auf großem Grundstück, viele Freunde und einen tollen Mann! Es war alles so perfekt! Jeder Tag war ein Abenteuer! Es gab ein ganz großes „aber“: mein Mann wünschte sich sehnlichst ein Baby/Kind. Wenigstens eines… Ein Kind kam aber für mich nicht so schnell in Frage. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich nicht sogar einfach gar keines möchte 😕 und ein Einzelkind schon gleich gar nicht!
Mein Mann hat mir 10 Jahre wirklich jeden Wunsch erfüllt, den ich hatte (das tut er übrigens heute auch noch) und mein 30er rückte auch immer näher.

Auf der Hochzeit meiner liebsten Freundin, bei der ich sogar Trauzeugin sein durfte, habe ich meinem Mann gesagt, dass ich bereit bin Mama zu werden. Und was soll ich sagen…. 8 Tage später war die kleine Frida in meinem Bauch 😅 meeeega Schock, aber ich habe mich natürlich auch gefreut. Und mein Mann war vom ersten Tag an voll mit dabei.

Die Schwangerschaft war ganz böse. Mir ging es schlecht und die Diagnosen waren nicht gut! Ich hatte eine Hausgeburt angedacht, dann wollte ich im Geburtenhaus entbinden. Da das kleine Ding in meinem Bauch aber nicht richtig wachsen wollte, wurde mir da auch abgesagt. Zum Schluss wurde ich mit Plazentaablösung eingeleitet und hatte trotzdem eine traumhafte Geburt! Das Mädchen war gesund!!! Wir hatten es nicht mal mehr gehofft. Für mich heute noch ein Riesen großes Wunder! Wir gingen nach einem Tag mit den süßesten 1800g heim, die ich je in den Armen halten durfte. Frida war gesund, und der Start war traumhaft! Es war so perfekt!

Die Welt hätte schöner nicht sein können! Meinen Job vermisste ich überhaupt nicht! Ich wollte nur noch Mama sein! Mein Haushalt, meine Ehe, mein Familienglück, es war alles so perfekt. Frida entwickelte sich prächtig und war mein ganzes Glück! Ich merkte aber recht schnell, dass ich mehr Kinder will. Das Mädchen soll auf keinen Fall alleine bleiben. Ich wollte wieder was kleines 😅

Als sie 15 Monate alt war, haben wir dann die Verhütung weg gelassen. Da ich noch stillte, dachte ich, dass es sicher eh länger geht. Hahaha, falsch gedacht! Nach ein paar Tagen war ich wieder schwanger 😂
Mit dem positiven Test dann zur Frauenärztin, die hat mir Blut abgenommen und einen Termin zum ersten Ultraschall ausgemacht.
Hier dann der Schock.

Fruchthöhle war da, aber keinen Herzschlag. Die Ärztin meinte, da es so ein frühes Stadium ist, würde es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit selbst abgehen. Nach einer Woche ohne Veränderungen, dann Schmerzen im Unterbauch. Wieder zur Ärztin. Die Fruchthöhle sah größer aus. Aber immer noch kein Herzschlag. Meine Ärztin meinte, wir müssen mein Blut nochmal untersuchen und in 2 Tagen nochmal schallen. Sollten meine Hormone nicht gestiegen sein, müssen wir zum Ausschaben (schreckliches Wort).

2 Tage später dann plötzlich beim US einen Herzschlag. Winzig klein in der rechten Ecke der Gebärmutter. Mein Mann hatte mich begleitet. Wir waren überglücklich und erleichtert! Als die Ärztin nach dem Grund für meine Schmerzen suchte, tauchte auf einmal links oben nochmal was auf. Nochmal ein Herzschlag. Mein Mann lachte nur noch. Er fand es total witzig! Ich allerdings weinte Wochenlang. Die Zeit mit Frida war so innig! Ich konnte so viel mit ihr machen.

Mir war klar, dass bei Zwillingen alles anders ablaufen wird und muss. Dazu muss ich erwähnen, dass ich keine Oma habe, die mir die Kinder mal für 1-2 Stündlein abnehmen kann oder mich unterstützen kann. Im Gegenteil! Da mein Mann Einzelkind ist, versorgen wir die so gut es geht alleine mit.
Meine Große geht seit der Zwillingsschwangerschaft in die Kita. Nur Vormittags. Sie geht leidenschaftlich gerne und ich konnte in der Zeit Arzttermine wahrnehmen und alles was so anfiel machen. Nachmittags und Abends bin ich ausschließlich Mama und für meine Familie da!

2. Wie läuft ein typischer Tag bei euch ab?
Einen ganz typischen Tag gibt es bei uns nicht, da mein Mann im Schichtdienst ist. Die Kinder stehen um 6:30 Uhr auf und um 19:30 Uhr gehen sie ins Bett. Der Rest ist flexibel. Ich mache den Haushalt und den größten Teil mit den Kindern und mein Mann seine Eltern, und den Zoo (Hund, Kaninchen und 2 Nager).

Jeder unterstützt den anderen da, wo es nötig ist und geht. So funktioniert es hier echt ganz gut! Sonntags kommen häufig die Patentanten und das ist das Highlight der Woche. Da wird viel gespielt, sich unterhalten, und immer besonders lecker und manchmal auch aufwendig gekocht (weil ich dann gut in die Küche stehen kann, weil die Tanten Babysitten).
Mein frohes Gemüt habe ich aus Dankbarkeit! Ich bin jeden Tag so sehr froh über mein wahnsinnig erfülltes und glückliches Leben, dass ich einfach gar nicht dauerhaft schlecht drauf sein kann!!

Klaro weine ich und schimpfe ich auch! Ich hatte sehr lange mit dem Schicksal Zwillinge zu kämpfen. Habe mich jetzt aber einfach damit abgefunden und liebe die zwei Buben von ganzem Herzen! Ich bin so froh, dass ich sie habe! So schlimm und so viel Arbeit, wie ich dachte ist es echt nicht!

Schade einfach nur, dass so viel schönes wegfällt!
Arbeiten tu ich im Moment noch nicht. Ich stehe zwar immer wieder in meinem Geschäftlein, aber für meinen Mann, meine Tochter, meine Schwestern, die Omas oder den Opa und die engsten 3 Freundinnen. Als Friseurin nicht zu arbeiten geht glaub gar nicht 😁

3.  Was ich bemerkenswert finde: du spendest deine Muttermilch. Jedoch nicht für ein Krankenhaus, sondern für einen erwachsenen Mann. Wie kam es dazu? Das ist ja nicht alltäglich.
Ich bin durch das ständige Stillen sehr viel online.  Sobald ich stille, habe ich meistens das Handy in der Hand. Facebook ist für mich der Blick nach draußen und die Möglichkeit trotz Vollzeitmama auch Freundschaften zu pflegen.

Vor ein paar Wochen ist mir dann bei Facebook in einer Regionalen Gruppe aufgefallen, dass Muttermilch gesucht wird. Ich bin von Grund auf ein sehr neugieriger Mensch und das Thema Muttermilch und Stillen für mich persönlich generell sehr spannend, da ich meine 9,5 Monate alten Bubis noch voll stille.

Also habe ich dann einfach mal nachgefragt, wofür die Muttermilch denn gesucht wird und wieviel gebraucht wird.
Eine junge Frau antwortete mir dann, dass ihr Onkel an Magenkrebs erkrankt sei und sie für ihn Milch suchten. Darauf hin habe ich der Frau erlaubt, Kontakt zwischen mir und der Tochter des Erkrankten herzustellen.
Die Tochter erzählte mir, dass sie fest an die Kraft der Muttermilch glauben (was mir natürlich sehr imponierte). Sie schien so fest davon überzeugt zu sein, dass meine Milch ihrem Papa helfen kann, dass ich einfach Zusagen musste, Milch zu spenden.

Das Pumpen waren meine Brüste überhaupt nicht gewöhnt! Es kam nur Tropfenweise oder sogar gar nichts! Ich trank Malzbier, kaufte mir Boxhornkleekapseln, futterte Kalorien wie eine verrückte. Trank 2 Liter Stilltee und pumpte in jeder freien Minute.

Recht schnell merkte ich, dass mehr Milch produziert wurde, aber die wollte einfach mit der Pumpe nicht so richtig raus. Ich entleerte dann von Hand, kaufte mir ein anders Bruststück, lieh mir 3 Tage mal ne andere Pumpe in der Apotheke. So richtig half erst mal nichts!
Von meiner lieben Freundin Caro habe ich dann eine Handmilchpumpe bekommen. Mit der komme ich gut zurecht. Ich pumpe zum Anregen und entleere von Hand. Das mache ich jetzt schon seit ein paar Wochen so und es kommt jeden Tag ein bissel mehr mit der Pumpe, dass ich auch immer weniger von Hand entleeren muss 👍🏼

Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich pumpte bis zu 600ml am Tag ab. Merkte dann aber schnell, dass es für mich zu viel ist. Ich kam mit Essen nicht mehr hinterher, hatte Schwierigkeiten mit dem Kreislauf und wurde einmal sogar ohnmächtig. Auch meine Zähne begannen zu leiden. Also habe ich beschlossen schweren Herzens nur noch 200ml am Tag zu pumpen. Jetzt geht es mir wieder besser und ich habe die letzten 2 Tage wieder 400ml geschafft.

Mein Mann schaut mir da mit einem weinenden und einem lachenden Auge zu. Er findet mein Engagement super, hat aber Bedenken, dass ich mich übernehme.

Mit der Tochter des Patienten stehe ich über Whatsapp im Kontakt. Sie appelliert auch immer an mich, dass weder ich noch meine Familie daran Schaden nehmen sollen! Hier muss ich noch erwähnen, dass ich selten mit jemandem so herzlichen zu tun hatte! Ich kenne die Frau kaum, aber ich mag sie wahnsinnig gerne!

Auch mit dem kranken Mann fühle ich mich sehr verbunden, obwohl er mir komplett fremd ist, fieber ich mit jedem Ergebnis mit und hoffe so arg auf Verbesserung der Krankheit.

4. Gab es negatives Feedback?

Was für mich ganz überraschend ist, dass ich bis jetzt von überhaupt niemandem was negatives gesagt oder geschrieben wurde! Als Stillmami muss man sich schon oft Kritik und Widerspruch konfrontieren lassen. Manchmal glaube ich, wenn man in den ersten 6 Lebensmonaten des Babys nicht stillt, ist man eine Rabenmutter, und wenn man über die 6 Monate raus stillt, hat man nen psychischen Schaden! Schade, dass Stillen nicht als das angesehen wird, was es ist: einfach nur natürlich und normal!

Zu den Milchspenden bekomme so viel Anerkennung und Zuspruch, dass mich das echt zusätzlich pusht! Freunde und Bekannte finden die Aktion richtig toll!
Der Ansturm an Mails und lieben Worten, seit die Stillbuchautorin Dora Schweitzer (tolle Frau übrigens) meine Geschichte veröffentlicht hat, geht echt ins unermessliche! Einziger Skeptiker ist da mein Mann. Der hat manchmal Angst, dass ich mich übernehme….

5. Wie geht dein Mann damit um? Du sprichst immer nur sehr positiv von ihm.

Wir streiten auch 😂 aber noch viel wichtiger: wir respektieren und akzeptieren uns! In seinen Augen bin ich das tollste Fettarschwalross, dass er kennt (ich liebe meinen Spitznamen).
In seinen Augen sollte ich manchmal auch mal an mich denken. Er glaubt (fälschlicherweise), dass ich das nicht tue. Das stimmt aber nicht! Er und die Kinder sind mein Leben!! Und ich opfere mich nicht, sondern ich gehe in meiner Rolle voll auf! Er und die Kinder sind das Beste, was mir passieren konnte!
Er würde sich glaub manchmal wünschen, dass ich weniger im Haushalt machen würde und auch mal über nen Wäscheberg hinweg sehen könnte. Da war ich vor den Kindern sehr gut darin 😂 Mittlerweile weiß ich aber, dass es ihn nicht um den Haushalt geht, sondern um mich ❤️

6. Was willst du den Lesern noch mitgeben?

Mein Appell an alle Menschlein da draußen:
Tut Gutes! Lächelt, sagt „Danke“ und „Bitte“ oder auch mal „Entschuldigung“. Seid geduldig und nachsichtig und ihr werdet positiv überrascht sein, was mit eurem eigenen Leben passiert.

 

Also ich finde ja das Uli ein knaller ist, wenn ihr das ähnlich seht, sagt uns doch, was ihr so denkt über diese Powerfrau!

Wenn auch ihr etwas zu sagen habt, dann meldet euch gern, ich quetsche euch aus 🙂

Spontan entbinden?

Im Verlauf meiner Schwangerschaft bekam ich immer wieder folgendes zu hören:

Wann wird denn ein Kaiserschnitt gemacht? Wenn ich darauf antwortete das ich dies nur im Notfall in Erwägung zöge, stieß ich zu meist auf großes Schweigen oder auch Unverständnis. Man warf mir sogar vor verantwortungslos zu sein!

Doch auch Zwillinge können ohne Probleme spontan geboren werden, wenn die Voraussetzungen stimmen und sich die werdende Mutter dies zu traut.

Für mich war es sehr wichtig, es auf natürlichem Wege zu versuchen. Hier zu suchte ich mir in der 15. oder 16. Schwangerschaftswoche ( so genau weiß ich das nicht mehr) eine Hebamme mit Erfahrungen im Bereich Zwillinge. Die fand ich auch recht schnell und wir besprachen was mir wichtig ist ( an anderer Stelle werde ich darüber schreiben, warum man ruhig mit mehrern Hebammen sprechen sollte, bevor man sich für eine entscheidet!). Sie erläuterte mir welche Vorraussetzungen meine Minis und ich erfüllen sollten:

– das führende Kind liegt in Kopflage

– das Gewicht beider Kinder liegt nicht mehr wie 500 gr auseinander

– die körperliche Verfassung und Konstitution der Mutter müssen passen ( da ich groß bin ist das eher weniger ein Problem gewesen, meine körperliche Verfassung hingegen schon wie sich rausstellen wird)

– die Schwangerschaft ist älter als 30 Wochen

Die Vorraussetzungen stimmten im groben: Mädchenbaby lag kopfüber, Männerbaby war noch unentschloßen : mal Schädel-, mal Beckenendlage. Doch dies ist kein Indikator für einen Kaiserschnitt, da die Klinik, die ich wählte auch BEL-Kinder spontan entbindet. Oft mals wird ein manueller Wendeversuch unternommen, dies jedoch erhöht die Gefahr eines Notkaiserschnitts erheblich. Wer mit dem Po voran raus will, sollte auch dürfen!

Auch die Gewichte lagen laut Schätzungen immer nah zusammen. Besser gings also nicht.

Für mich war es am wichtigsten so natürlich wie möglich zu enbtinden und auf möglichst alle invasiven Maßnahmen zu verzichten. Um einiges kam ich nicht drum rum ( letztlich wurde meinen Wünschen in keinster Weise entsprochen aber darum soll es hier nicht gehen), einiges jedoch ließe sich, so meine Hebamme, kaum vermeiden.

So wurde mir empfohlen auf jeden Fall eine PDA legen zu lassen, welche jedoch meinen Wunsch im Wasser zu gebären zu nichte machte ( dies wäre ohnehin nicht gegangen, da die Klinik nicht mitmachen wollte).

Grundsätzlich ist es also möglich, Zwillinge spontan zu gebären, nur das Ding mit der Natürlichkeit lässt stark zu wünschen übrig, allerdings muss man sich immer darauf einstellen, das es doch noch zu einem (Not-) Kaiserschnitt kommt, oder auch zum Einsatz invasiverer Methoden, wie Dammschnitt, Wehentropf und Saugglocke. Dies ist jedoch alles nur ein kann und kein muss.

Ich hab leider die volle bereitseite an Komplikationen gehabt, wie schon in der Schwangerschaft, doch ich konnte einen Notkaiserschnitt vermeiden und meine beiden kamen am 2.9.14 um 11:27 und 11:57 spontan, aber nicht ganz natürlich, in der 37 SSW ( 36+1) auf die Welt und begrüßten mich mit einem Schrei und verschlafenen Blicken, bevor es dunkel um mich herum wurde da ich durch den hohen Blutverlust kollabierte. ( Einen Geburtsbericht werde ich schreiben, sobald ich die Kraft dafür finde das ganze in vernünftige Worte zu fassen)

Schwanger und Krank!

Für fast jede Frau ist es eine große Überraschung wenn es heißt : Herzlichen Glückwunsch sie sind schwanger. Neben der Überraschung kommen oft mals viele Zweifel die einen mental sehr belasten können. Fragen wie: Können wir das schaffen? Wie sieht das finanzielle aus? Werden sie Gesund sein? Hoffentlich kommt es nicht zu früh! Das sind nur einige von den Dingen die einem durch den Kopf gehen.

Doch neben der mentalen Belastung ist eine (Zwillings)schwangerschaft auch für den Körper eine massive Herrausforderung.

Die Belastung ist größer, das Risiko von Komplikationen ist um ein vielfaches erhöht.

Einer Komplikation möchte ich jetzt  etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Zum einen weil ich selbst darunter litt, zum anderen weil sie recht unbekannt ist und von vielen, auch vom Fachpersonal verkannt wird.

Es handelt sich bei dieser Komplikation um Hyperemesis Gravidarum.

Hyperemesis Gravidarum ist eine Krankheit die ausschließlich in der Schwangerschaft auftritt. Sie zählt zu den so genannten Frühgestosen. Doch was verbirgt sich hinter dem Namen?

Hyperemesis Gravidarum beschreibt das übermäßige Erbrechen in der Schwangerschaft, es setzt sich aus den Wörtern Hyper ( grie. über, oberhalb) Emesis ( grie. Erbechen) und Gravidarum ( lat. Schwangerschaft). Diese Krankheit, im folgenden HG genannt, stellt einen lebensbedrohlichen zustand dar, der dringend Behandlung bedarf.

Ca. 1-2% aller schwangeren Frauen erkranken an HG, besonders gefährdet sind neben Zwillingsschwangeren, Erstgebärende, Frauen die Mädchen erwarten ( wo bei sich diese These im Austausch mit anderen Betroffenen nicht halten lies) und Frauen deren nahe Verwandte ( Mutter, Großmutter oder Schwester, seltener auch Tante) betroffen waren.

Die Symptome sind vielfältig, die Diagnostik schwierig, da keine eindeutige Definition des Krankheitsbildes besteht und auch die Schweregrade von Frau zu Frau, und oft von Schwangerschaft zu Schwangerschaft stark variieren ( dazu wird es zu gegebener Zeit zwei Berichte von Betroffenen Frauen geben).

Neben dem unstillbaren Erbrechen und der anhaltenden, alles verschlingenden Übelkeit gehören die Exsikkose, Gewichtsverlust von mindestens 5%,, Mundtrockenheit, Kreislaufbeschwerden und Tachycardie und Hypotonie, Elektrolytentgleisung und Acetongeruch ( oral) zu den Hauptsymptomen, außerdem sind oft Ketone im Urin zu finden und der Körper übersäuert extrem. Dazu kommen die individuellen Symptome wie Geruchsempfindlichkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit so wie Zahnfleischblutungen und -entzündungen, Verdauungsprobleme, Depressionen und soziale Isolation.

Am Anfang steht immer die Hoffnung: in 12-14 Wochen ist es vorbei, doch meist haben die Frauen bis dahin schon mehrere Krankenhausaufenthalte so wie ambulante Infusionstherapien hinter sich. Mit jeder weiteren Woche schwindet die Hoffnung darauf, dass sich etwas ändert. Der Leidensdruck ist groß. Und die Gesellschaft, Ärzte, Hebammen und anderes medizinisches Personal verstärken ihn massiv, wenn kein verständnis für die Krankheit besteht. Früher wurde fälschlicher Weise angenommen, es sei eine psycho-somatische Störung und es würde ausreichen, das noch ungeborene kleine Wesen in seinem Körper an zu nehmen, doch warum sind auch Frauen mit Kinderwunschbehandlung betroffen? Das kann also nicht die Ursache sein,. Auch eine besodere Wehleidigkeit wird oft vorgeschoben, Man hört  Sätze wie: Stell dich nicht so an, du bist schwanger und nicht krank! Oder da muss jede durch, das bisschen spucken gehört dazu.

Doch die HG-Schwangeren sind krank! Sie sehen krank aus, sie fühlen sich krank, sie benötigen Infusionen und Medikamente zum Überleben. Das hat nix mit Wehleidigkeit zu tun. Welche Frau, die ein Kind erwartet, liegt schon gern im Krankenhausbett statt sich voller Eifer auf den Nestbau zu konzentrieren?

Doch wie sieht die Behandlung eigentlich aus?

Der berühmte Keks am Morgen? Der wird meist gar nicht runterbekommen, so bald sich die Augen öffnen übergibt man sich!

Viele kleine Mahlzeiten? Keine Chance, man ist schon froh wenn man Flüssigkeit zu sich nehmen kann.

Globuli? Achtung Erstverschlimmerung ( darüber hinaus sollten Globuli immer mit einem Homoöpathen individuell abgestimmt werden)

Akupunktur? Aua , bringt kaum bis gar nichts, oft wird es gar schlimmer!

Akupressurarmbänder? Sehen nicht gut aus, stören und verursachen Schmerzen!

Ingwer in jeglicher Form? Fragen sie mal eine Betroffene nach ihrem Verhältniss zu Ingwer 😉

Also was macht man? Hausmittel funktionieren nicht. Neben einem Gynäkologen, der die Krankheit frühzeitig erkennen sollte, gehören Infusionen und Medikamente aus dem Bereich der Antiemetika zur Standarttherapie. Nicht jede Frau kommt mit jedem Mittel zurecht, doch gibt es eine große Liste an möglichen Arzneien, einzusehen bei http://www.embryotox.de oder auch telefonisch erfragbar. Auch kann eine pschologische Betreuung hilfreich sein mit der oft schwer traumatisierenden Situation umzugehen. Doch das wichtigste: nehmt die Frauen ernst! Es ist ein grausamer Zustand der nicht enden will.

Ich war selber betroffen. Habe von der 4. Schwangerschaftswoche bis zur Entbindung bis zu 40 mal am Tag erbrochen. Neben Medikamenten und Infusionen hat mir eins am meisten geholfen: VERSTÄNDNIS!

Dieses fand ich vor allem bei anderen betroffenen Frauen, welche ich in einer Facebookgruppe für betroffene fand.

Mein Appell an euch: wenn ihr jemanden kennt der betroffen ist und Hilfe braucht, macht ihm Mut, zeigt das ihr der schwangeren glaubt und unterstützt sie bei der Suche nach hilfe und verurteilt sie nicht, weil sie trotz Schwangerschaft Medikamente nimmt, sondern akzeptiert und motiviert die betroffene genau diese zu nehmen, denn dadurch kann viel Leid erspart werden

http://www.hyperemesis.de/

https://www.facebook.com/groups/789097041137278/?fref=ts

https://www.embryotox.de/

http://www.helpher.org/