Mittagsschlaf adé – wie das fehlen einer Stunde mich aus dem Rhythmus bringt

Das Thema “ Schlafen“ war lange Zeit ein großes Reizthema für mich:

erst schlief hier gefühlt keiner, dann nur auf mir drauf. Später wurde dann ständig nur kurz auf mir geschlafen usw. Irgendwann platze dann der Knoten: ich konnte die schlafenden Zwillinge ablegen. Zunächst nur abends, später dann auch tagsüber. Zum ersten Mal seit über einem Jahr hatte ich wieder Zeit nur für mich. Was für eine Offenbarung: ALLEINE etwas machen. Lesen, malen, baden oder schlicht nur Serien ansehen oder Haushalt erledigen. Der Zeitraum in dem die Kinder alleine schliefen wurde immer größer. Die Freiheit auch. Ich konnte lange Telefonate führen oder auch skypen. Ich konnte viele Artikel schreiben und Kontakte pflegen. Mit der Zeit etablierte sich ein Rhythmus: Um 6.30 Uhr aufstehen, um 12 Uhr ins Bett zum Mittagsschlaf und zwischen 14.30 und 15 Uhr wieder raus, zum Nachtschlaf gings um ca. 20.30 Uhr. Was für tolle Zeiten! Ich habe meinen Tagesablauf darauf abgestimmt und alles war toll. Für so 5 Monate zumindest. Denn dann wurde hier der Mittagsschlaf von den Knödels abgeschafft.

 

Hilfe mir fehlt ne Stunde!!!

 

Mit dem Wegfall des Mittagsschlafs ist auch mein Tagesablauf abhanden gekommen. Die Kinder schlafen länger und gehen früher ins Bett. Dazwischen gibt es aber keine Zeit in der ich mal zur Ruhe kommen kann. Und damit kam ich ins schleudern, mein Rhythmus ist abhanden gekommen. Dadurch das ich morgens mit den Kindern aufstehe  fehlt mir morgens (gefühlt) ne Stunde Zeit in der ich schnell grob Ordnung schaffen konnte, einen Kaffee trank und den Kindern ein Frühstück richtete. Je nachdem was wir geplant hatten folgte Haushalt oder Unternehmungen, pünktlich zum Mittagsschalf sind wir wieder heim gegangen, dann gings ins Bett und ich erledigte den Rest der liegen geblieben war, wartete auf das Aufwachen der Kinder und startete dann das Nachmittagsprogramm und bereitete mit ihnen das Abendessen zu. Dann gings in die Badewanne und ins Bett. So richtig schön spießig und planbar. Nach dem mir ja morgens schon ne Stunde gefühlte Zeit fehlt in der ich nicht in den Trott komme, fehlt Mittags auch ne Stunde und gleichzeitig ist es eine zu viel, das was ich früher in der Zeit machte, ging nicht mehr und was ich jetzt in der Zeit machen soll weiß ich nicht so genau, da probieren wir gerade was für uns passt aber gefunden haben wir noch nichts.

Die Stunde zu wenig/ zu viel macht den Nachmittag zäh und langatmig und führt dann später zu Stress den Abends fehlen gleich 2 Stunden! Während ich noch versuche einen Rhythmus zu finden, muss ich eigentlich das Abendessen vorbereiten und pünktlich auf den Tisch schaffen, sonst droht ne Katastrophe in Form von übermüdeten zweihjährigen. Ihr kennt das oder?

 

Auf der Suche nach einem neuen Beat!

 

Nachdem ihr jetzt also wisst das mir im Laufe eines Tages 3 Stunden abhanden gekommen sind und ich davon eine zur falschen Zeit wieder gefunden habe, erzähle ich euch mal welchen weiteren Einfluss das auf unseren Alltag hat:

Da ich nicht weiß wie ich wann und womit anfangen soll herrscht hier Chaos. Treffen mit Freunden scheitern zur Zeit an den Schlafenszeiten aller beteiligten Kinder oder aber an den Arbeitszeiten von uns. Oder an Terminen sonstiger Natur. Nachmittags das Haus zu verlassen ist gleichbedeutend mit einer Einladung zum Abendessen:

Da die anderen Kinder noch einen Mittagsschlaf machen können wir erst spät los und müssen früh wieder weg. Da wir zum Teil ne ordentliche Strecke fahren müssen kollidiert das brutal mit der aktuellen Bettzeit der Zwillinge – ohne Abendessen direkt ins Bett ist aber auch nichts -> Nachts gibts dann schmacht! Und wecken zum Essen? Neee das würden beide mir extrem Übel nehmen. Vormittags ist es übrigens das Gegenteil: Da Motte und Knödel erst zwischen 8 und 8.30 Uhr aufstehen und erst ab 10.00 Uhr ausgeh/besuchsfertig sind artet es dann in Stress aus: ab 12.30 läuten die anderen Kids den Mittagsschlaf ein während meine beiden gerade erst warm gelaufen sind.

Um das Chaos zu minimieren versuche ich gerade verschiedene Abläufe und Motivationsmöglichkeiten aus, zumindest funktioniert das inzwischen so weit, dass hier wieder Ordnung herrscht, auch das mit dem Essen am Abend habe ich wieder im Griff, nur ne gute Zeit für das regelmäßige Bad, das die kleinen so lieben, habe ich noch nicht gefunden. Und ne Lösung für die sozialen Kontakte ist auch noch nicht so wirklich da.

 

Und gerade als wir einen neuen Rhythmus fanden brach alles wieder zusammen..

Nachdem wir uns wieder eingespielt hatten passierte dann ja auch so ziemlich das dümmste was kommen könnte: Ich brach mir meinen Zehen und bin vorübergehend zum nichts tun verdammt. Und wisst ihr was? Ich bekomme mal wieder nichts auf die Reihe…

Wie war das denn bei euch so, als der Mittagsschalf von euren Kids abgeschafft wurde? Und wie habt ihr euch wieder eingespielt?

P.S. Mein gelegentlich gegönntes Mittagsschläfchen ist ja jetzt auch passé… Welch unglück!

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Faultier-Tag

Wir hatten eine laaaaaaange, anstrengende Woche. Wir waren täglich von morgens bis spät abends unterwegs. Und bei hypersensiblen Kindern ( und Müttern) rächt sich das. Das Knödel-Kind hin bereits gestern mit Fieber in den Seilen, das Motten-Kind trägt Augenringe und blassen Teint durch die Welt. Logische Konsequenz: NICHTS TUN!

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Ich vermisse diese faulen Sonntage aber lang hatte ich immer ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Kinder wenn ich so einen Tag in Erwägung zog. Stichwort: Dein Alltag ist ihre Kindheit. Doch ist ihre Kindheit auch mein Alltag. Wir leben ja schließlich in einer Beziehung zueinander, mit dieser Erkenntnis fiel mir die Umsetzung des faulste, und langweiligsten Tags überhaupt wirklich sehr viel leichter. Unsere Woche war ja wirklich reich an Action. Wir waren so viel Unterwegs und haben so viel erlebt und voran getrieben und bei uns allen ist das Limit erreicht.

Unser Sonntag startete somit nicht mit dem Wecker und Stress, sondern mit möglichst lange schlafen, viel kuscheln zum wach werden. Wir frühstückten auf dem Sofa begleitet mit TV-Programm, wir kuschelten. Später gabs noch einen Besuch meiner lieben Freundin M nebst Energiebündel E, wir haben zusammen einfach nichts gemacht außer rum sitzen und die Kinder beim Spielen beobachten. Dazu gabs Tee bzw. Kaffee. Herlich entspannt. Nur leider gehts heute nicht mehr ganz ohne was tun, das habe ich gemerkt und dafür habe ich auch gar nicht die Ruhe. Ich erledigte also schnell die nötigste Hausarbeit damit wir nicht im ultimativen Chaos versinken. Die Minis sind erst spät zum Mittagsschlaf gegangen und werden demnach auch heute lange wach sein.

Wir werden heute Nachmittag genauso viel tun: nichts außer viel kuscheln, viel ungesundem Futter und TV. Wir haben uns das verdient und ich habe auch fast kein schlechtes Gewissen weil ich die kleinen bei dem wirklich super Spätsommerwetter nicht draußen durch die Welt schubse um irgendwas zu besichtigen, zu sammeln oder zu lernen. Wir entsprechen eh nicht der klassischen Vorzeigefamilie, also können wir uns das heute auch mal sparen. Wir haben diese Woche nämlich schon alles erledigt: Wir waren im Wald, auf dem Spielplatz, in der Stadt, zum Eis essen, am Wasserspiel, bei Freunden zum Spielen, ganz entspannt einkaufen, Kuchen backen, mit meiner Familie essen, mit Freunden kochen und essen, in der Opa-Werkstatt usw.

Ich befriedige unser Bedürfnis nach Ruhe und unter uns sein. Es zeichnete sich bereits in den letzten Tagen ab, wie sehr die Twinies sich danach sehnten. Sind sie sonst die ersten an der Tür wenn wir weg wollen, so musste ich sie in den letzten Tagen schon sehr motivieren überhaupt ihre Schuhe zu holen und ins Auto zu steigen. Sie zeigten auch abends deutlich das sie nicht mehr können. Essen? Keine Chance, sie wollten nur noch abschalten und ließen sich das notwendigste von mir anreichen und sind über müde ins Bett gefallen und konnten doch nur schlecht Ruhe finden und einschlafen. Mir ging es genauso, ich konnte keine Ruhe finden, so viele Eindrücke, so viele wichtige Termine, so viel Stress. Mein Kopf ist einfach zu voll gewesen um entspannen zu können, selbst ein bisschen Yoga konnte mir nicht helfen. Dieser faule Tag ist also wirklich nötig für uns alle, damit wir gestärkt und entspannt in die neue Woche starten können, die leider schon wieder viele Termine für usn bereit hält. Termine auf die ich mich sehr freue, so werde ich zum Beispiel zu Attachment Parenting Kongress nach Hamburg fahren, doch auch das ist mit Stress für die Kids und mich verbunden, wir müssen packen, fahren, es gibt Input ohne Ende.

Positiver Stress motiviert, aktiviert doch auch da ist irgendwann das Maß voll und man bricht unter all dem Druck zusammen. Das kenne ich schon, daher versuche ich diesen Tag zu genießen, mein schlechtes Gewissen zu beruhigen in dem ich mir genau das vor Augen führe: Wir 3 brauchen Ruhe, wir dürfen auch mal nichts tun, es sind Bedürfnisse die wir befriedigen müssen, sonst geht es uns nicht gut.

Ich weiß natürlich das viele diese Freizeitgestaltung nicht gut heißen, bei gutem Wetter drinnen, TV für Kleinkinder usw. Aber wenn man sich an die Zeit vor den Kindern erinnert, werden viele erkennen das sie sich auch mal so schändlich faul verhalten haben. Elternschaft ist aber kein Marathon der wer machts am besten und korrektesten, das geht gar nicht, denn jede Familie ist anders und hat andere Bedürfnisse, daraus muss man keinen Wettkampf machen, das raubt nur unnötige Zeit in der man sich auch mit viel Achtsamkeit um sich und seine Familie kümmern kann.

Überhaupt habe ich oft das Gefühl das diese Achtsamkeit viel zu kurz kommt, weil man immer diesen Satz im Kopf hat wie ein Mantra. Dein Alltag ist ihre Kindheit. Dein Alltag ist ihre Kindheit.

Kinder sollten Kinder sein, ihnen wird es nicht schaden wenn sie nicht Tag für Tag mit Reizen beladen werden, sie werden nicht darunter leiden wenn sie einfach mal nichts tun müssen, sondern einfach nur Kind sein, gerade auch wenn Kinder in die Betreuung gehen. Sie erleben jeden Tag so viele Dinge, sie lernen so viel Neues, sie müssen nicht auch noch am Wochenende ein straffes Programm absolvieren. Selbstverständlich verstehe ich, das Eltern nach einer langen Woche möglichst viel Quality Time mit ihren Kindern möchten, doch diese zeichnet sich nicht durch eine endlose Abfolge von Aktivitäten aus, sondern vor allem darin eine gute Zeit zu haben, Entspannung zu finden und viel Liebe zu versprühen.

Dieser Text ist ein Plädoyer für Faulheit, seid faul, habt euch lieb und tut einfach mal nichts, baut ne Höhle und esst darin Kekse, verbringt den Tag im Schlafanzug. Genießt die Stunden ohne Termine, ohne Erwartungen und seid zusammen glücklich. Ein Wellness-Wochenende wird nicht mehr Entspannung für euch herzaubern. Celebriert Faultier-Tage wenn ihr das Gefühl habt der Alltag frisst zu viel von euch als Familie. Tut einfach mal nichts, habt langeweile, unterhaltet euch.

Schönen Sonntag

 

Ela

 

 

( Bild von http://www.abenteuer-regenwald.de)

Selbstbestimmt schlafen

Immer wieder kommt das Thema unter Eltern-Bloggern auf. Es gibt die Pro-Seite, die Contra-Seite und die funktioniert das wirklich Seite. Ich gehöre ganz klar zu der Seite der Befürworter. Viele wie zum Beispiel Frida von 2Kindchaos stecken da oft nicht so richtig freiwillig drin.

Meine süßen waren schon immer schlechte schläfer. Sie schliefen, spät ein, wachten früh wieder auf und brauchten ganz schnell nur noch einen Mittagsschlaf von maximal 1 Stunde. Jegliche versuche die beiden zu einem mir angemessen erscheinenden Rhythmus zu bewegen scheiterten kläglich. Das kürzen von Schläfchen war genauso wirkungslos wie das frühere wecken ( vor allem Knödel nimmt einem das extrem übel) oder das schrittweise vorziehen vom Nachtschlaf. Nichts hat geklappt, es wurde höchstens mit gebrüll der Marke BUHÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ quittiert. Nichts hat funktioniert, wirklich gar nichts. Geschlafen haben sie schon immer nur wenn sie müde genug waren und auch in der Stimmung tatsächlich schlafen zu wollen.

 

Ungefähr 9 Monate habe ich versucht so etwas wie einen Rhythmus zu etablieren, ich ritualisierte alles mögliche. Ich trug, schob und schaukelte meine Minis durch die Gegend, bot ihnen die Brust an, bettelte, weinte vor Müdigkeit. Immer diese Stimme im Kopf die mir sagt: Schaffe einen Rhythmus, schaffe Rituale und Struktur, sie werden schlafen und nicht mehr schreien. Vergeblich. Es gibt keine Tages- oder Nachtzeit zu der die kleinen nicht schon ihren vorübergehenden Rhythmus etabliert hatten. Sie haben ihn immer wieder angepasst, ohne meine Hilfe. Irgendwann habe ich aufgegeben mit den Bestrebungen, immer mal wieder kamen sie wieder aber ich versuchte es nur noch halbherzig, meistens dann wenn die beiden eine äußerst nervige, anstrengende Phase durchlebten, wenn meine Kraft schwand und ich mich nach nichts mehr sehnte als nach etwas ME-Time.

Letztlich habe ich dann komplett aufgegeben, und siehe da: es wurde alles gut! Meine Kinder haben die Chance bekommen ihren eigenen Rhythmus zu finden, und das taten sie auch. Und mit dem Rhythmus verbesserte sich ihr Schlafverhalten stetig, so dass sie mit 20 Monaten angefangen haben durchzuschlafen, naja zumindest in 6 von 7 Nächten tun sie das, aber hey! Ich will nicht meckern, denn ich weiß das es bei vielen anderen viel schlimmer aussieht und ich selber auch ganz schlimme Zeiten mit meinen süßen hatte in denen sie nur auf mir schliefen ( 8 Monate lang), in denen sie nur mit Körperkontakt und an der Brust schliefen ( bis 14 Monate) wo sie mindestens alle 1-2 Stunden erwachten, häufig sogar noch öfter und immer und immer nur die Brust gefodert haben, mich gefordert haben und mir gezeigt haben: Mama wir brauchen dich so sehr.

Sie begannen besser zu schlafen, als ich sie an der Entscheidung beteiligte, als ich nur noch eine begleitende und gelegentlich auch führende Rolle übernahm und ihnen auch die Freiheit gab sich lösen zu dürfen von mir und eine Bindung zu anderen aufbauen lies.

Mir ist bewusst das es nicht überall funktioniert weil die Kinder zum Beispiel Probleme mit der Selbstregulation haben, weil sie überreizt sind weil sie so extrem anfällig dafür sind. Oder weil die Kinder ihren eigenen Rhythmus noch nicht etablieren konnten, weil sie ihn selber noch nicht kennen. Gründe warum es nicht funktioniert gibt es viele. Aber genauso viele Gründe gibt es dafür das es funktioniert.

Vielleicht noch eine kleine Erläuterung dazu wie ich selbstbestimmt schlafen derzeit empfinde:

 

Meine Kinder müssen nicht zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett weil ich denke das es notwendig ist. Motte und Knödel fordern es entweder selber ein, in dem sie sich ihr Buch wünschen, nach der Brust fragen oder eben direkt nach oben ins Schlafzimmer gehen. Manchmal gelingt ihnen das jedoch nicht, zum Beispiel wenn sie einen aufregenden Tag hatten, oder weil sie so sehr ins Spiel vertieft sind ( oder vor der Glotze kleben geblieben sind), dann übernehme ich die Führung, ich beobachte die beiden, benenne meinen Eindruck, kündige das Ende von Aktivitäten nach xyz an, biete ihnen dann an ihr Buch im Bett zu lesen, ihnen ihren Schlafanzug anzuziehen und die Zähne zu putzen bzw die Zahnbürsten zu richten. Sie nehmen diese Führung gerne an, und kooperieren und gehen gerne ins Bett, sie freuen sich auf diese ablenkungsfreie Exklusivzeit in der es nur um uns 3 geht, wir ganz eng zusammen liegen, ein schönes Buch lesen, den Tag resümieren, kuscheln und auf Wunsch auch stillen. Nie gibt es Proteste darüber das die Zeit zum ins Bett gehen wohl doch erreicht wurde ( weil sie einfach kaum noch die Augen aufhalten können und nur noch herum stolpern), wenn sie meine Angebote jedoch ablehnen, akzeptiere ich das für den Moment, in der Regel kommen sie wenig später dann doch von alleine oder ich wiederhole mein Angebot 15-20 Minuten später noch mal. Ganz ohne Druck, ganz ohne müssen.

Doof ists trotzdem manchmal, als es so schön war, da tobten die Knödels nach 22 Uhr noch hier herum, zerstochen von Mücken und Energie geladen durch die schönen Erlebnisse, die Sonnenstrahlen, des entspannten Lebens das es nur gibt wenn das Wetter so unglaublich schön und heiß ist, wenn man selber einfach nur entspannt das Leben genießt. Doof ist auch wenn sie ihren Mittagsschalf nicht machen möchten. Dann ist hier um spätestens 17-18 Uhr ende im Gelände und für mich ist dann klar: um 3-5 Uhr ist hier der Tag am start. In der Regel jedoch stehen sie zwischen 6 und 7 Uhr auf, halten um ca 12 Uhr einen kurzen Mittagsschlaf und gehen zwischen 20.30 und 21.30 zu Bett, selten das es früher oder später ist. Uns allen geht es gut mit diesem Rhythmus, ich mein okay, ich habe mich damit arrangiert das ich nie wieder ausschlafen werde obwohl ich gedacht hatte genau das in meiner Elternzeit tun zu können, denn immerhin stehe ich seit mittlerweile 23 JAHREN!!! früh auf, aber meine Kinder schlafen endlich, sie schlafen ohne dauerhaften Körperkontakt, ohne dauerhaft an der Brust zu sein, sie schlafen meistens durch und sie gehen gerne schlafen, sie freuen sich auf diese extreme Kuschelzeit. Das bestätigt mich in meinem Weg.

 

Jetzt würde ich natürlich gerne wissen: wie läuft es denn bei euch mit dem ins Bett gehen und schlafen? Seid ihr da eher entspannt oder habt ihr feste, vielleicht durch euch, vorgegebene Zeiten?

 

Liebe grüße Ela

(copyright für die Bilder bei Keins bestellt, 2 bekommen)

Erinnerungen

Jeder hat diese eine Erinnerung an seine Kindheit die er unbedingt mit seinen Kindern neu auflegen will. Meine Lieblingserinnerung ist diese:

Es ist Sommer, meine Mama arbeitet. Mein kleiner Bruder und ich verbringen den Tag bei unseren Großeltern. Opa ist schon recht betagt, doch ein ausbund an Wissen. Mein Opa weiß einfach alles. Und er liebt die Natur. Nicht weit vom Hof meiner Großeltern liegt ein recht großer Wald. Höchstens 5 Gehminuten. Im Zentrum des Waldes befindet sich das Forsthaus. Drum herum befinden sich Ländereien und Pferdekoppeln. Am Forsthaus gibt es Eis und Cola.

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Wenn ich an diese Tage denke, ich war vielleicht 5 oder 6, an das Streifen durch den Wald, dann habe ich diesen Geruch des Waldes in der Nase, den Geschmack des Balla-Eis im Mund, die Stimme meines Opas, leicht außer Atem, in den Ohren und ich sehe meinen Opa auf der Bank vor dem Forsthaus wie er Kraft für den Rückweg schöpft. Ich sehe wie mein Bruder und ich die Pferde ansehen.

Nun ist dieser Wald nur 20 Minuten mit dem Auto von unsere Wohnung entfernt. Seitdem die Knödels so scharf aufs spazieren sind, wollte ich schon seit Wochen in den Wald fahren, durch die Wege streifen und mit den kleinen Rast am Forsthaus machen. Ich wollte ihnen meine Erinnerungen schenken.

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Ich weiß das es das Forsthaus nicht mehr gibt, bzw das es nicht mehr als Forsthaus dient. Man hat  daraus ein Klostercafe gemacht, denn auf dem Gelände wurde das Kloster ausgegraben, ziemlich modern rekonstruiert und für die Touristen schick gemacht. Es gibt keine Pferde mehr, kein Eis. Dafür Kuchen, Führungen durch die Ruine und einen Spielplatz. Nur der alte, tote Baum ist noch da. Aber das Gefühl von früher fehlt. Genau wie die Stimme von Opa.

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Trotzdem gehe ich gern in den Wald, auch wenn es dort nicht mehr so ruhig ist wie früher. Heute gibt es Kindergartengruppen, Touristen und geführte Reitausflüge. Aber wenn man früh genug ist und abseits der historischen Pfade unterwegs ist, dann ist es fast wie früher. Abgesehen von den Zombiemücken die sich aufführen als hätten sie noch nie Menschenblut gekostet. Wir fanden kleine Froschkinder und viele viele Schnecken. Motte war entzückt. Sie wollte alle Tiere einsammeln und mitnehmen. Hach, es tat weh ihr zu sagen das die Tiere in den Wald gehören und das sie sie nicht mitnehmen darf. Dieses flehende Gesicht, diese traurige Stimme die immer wieder „mit“ sagt wenn sie ein Tier fand, lassen das Mamaherz schon arg beben.

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Enfant terrible…

Das Leben mit Kindern ist ja schon besonders.

Besonders schön.

Besonders spannend.

Besonders anstrengend.

Besonders ermüdend.

Besonders ätzend…

Doch zurück auf den Anfang:

Wenn man schwanger ist, glüht man voller Vorfreude auf das was einen als Eltern erwartet. Wie wird es sein ein Kind zu haben, wie wird das Kind aussehen. Ist man dem ganzen gewachsen? Ihr kennt das.

Das erste Lebensjahr mit Zwillingen:

Müdigkeit kennt keine Grenzen. Wirklich. Man ist ein stillender, Windeln wechselnder Mombie mit fettigen Haaren und Kotze auf der Kleidung. Also wenn man denn Kleidung trägt. Meistens reicht es nur für den Schlafanzug oder ein ausgebeultes Tshirt mit Jogginghose ( braucht man sonst eh nicht mehr, Zeit für Sport gibt es ja nicht).

Wenn frau es dann doch mal geschafft hat geduscht und kotzfrei gekleidet zu sein, hat sie einen Termin. Und wird zu spät kommen. Immer. Weil einer schreit und der andere scheißt. Und zwar so viel das es aus der Hose läuft.

Doch es gibt auch schöne Momente die für so vieles entschädigen. Das erste lächeln, die ersten selbstständigen Bewegungen. Die Kinder lernen sich zu drehen, zu robben, zu greifen, zu krabbeln und vielleicht macht der Nachwuchs noch die ersten Schritte. Die kleinen werden sich selbstständig hinsetzen, sie werden beginnen zu essen. Sie fangen an sich mitzuteilen.

Das erste Jahr ist wirklich schön und auch wenn man immer müde ist, wünscht man sich mit Ende des ersten Jahres immer mal wieder zurück zu der Zeit wo die Kinder nur essen, schlafen und kacken im Sinn haben. Denn je älter sie werden, desto mehr treiben sie dich in den Wahnsinn…

Das zweite Lebensjahr mit Zwillingen:

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Unser zweites Jahr neigt sich dem Ende zu, wir sind zwar noch nicht ganz am Ziel aber wir nähren uns dem sehr sehr rasch.

Die ersten 6 Monate des zweiten Jahrs sind wunderbar: die Kinder schlafen noch recht viel, sind leicht zufrieden zu stellen. Sie folgen und sind einfach zauberharft. Man neigt dazu zu denken: ich habs geschafft. Meine Kinder sind wunderbar. Keine Dramen, keine Wutanfälle etc. Das zweite Jahr macht Spaß!

Aber ist das nicht ein bisschen zu früh mit der Freude?

Nach den ersten 18 Monaten verändern sich eure Kinder.

Wirklich!

Zum einen lernen sie Sprechen. Da liegen Freud und Leid nah bei einander. Auch wenn die Kinder keine komplexen Sätze zustande bringen, so sind sie doch schonungslos ehrlich… Alte Oma, Oma ist alt, Onekl J schmeckt wie Pizza sind da noch harmlose verbale Entgleisungen. Auch wenn es braucht Monate den kleinen das erste MAMA zu entlocken, so erlernen diese unschuldigen kleinen Wesen mit unglaublicher Geschwindigkeit Worte wie: scheiße, fuck, kacke, geil usw. Auch Worte wie Eis, Pizza, Kekse und Kakao ( so wie Cola???) lernen sie unglaublich schnell.

Das führt dann zu solchen Dialogen:

Motte, willst du was trinken?

Oh ja, Cola!

Aber Motte wir haben keine Cola. Magst du was anderes?

Ja, Eis. Is läääääckaaaaa!

 

Grmpf. Spiel, Satz und Sieg Motte.

Knödelchen konnte das Wort Kekse tatsächlich früher sagen als Mama. Aber er nascht nur hochwertig. Gekaufte Kekse? Ne danke, von Mama oder Oma gebacken? Wenns sein muss. Bevorzugt werden die Kekse von Uroma gegessen. Nun ist meine Oma eine in ehren ergraute, nicht mehr so ganz gesunde 85 jährige, die sich redlich bemüht den Kekshunger zweier fast 2 jähriger zu stillen ( so wie den aller anderen Enkel, Urenkel und Ururenkel!! Ja von uns gibt es viele viele Generationen 😉 )

Doch was wirklich gruselig ist, ist folgendes:

AUTONOMIE!

Man nennt es Trotz oder Autonomiephase… Ich nenne es Autonomieentwicklung, denn es ist keine Phase sondern ein lebenslanger Prozess.

Mit dem Beginn der Autonomie wird es spannend. Das ist mein Ernst. Je nach Temperament des Kindes wird es extrem oder krass extrem.

Ich weiß ja nicht ob es bei euch auch so ist, aber meine beiden sind ein bisschen am durchdrehen. Sie wissen was sie wollen, aber sie können es noch nicht ausdrücken, während sie ziemlich gut ausdrücken können das die Kuh auf dem benachbarten Feld gerade gekackt hat. ( Kuhhhh kackaaaaa). Das ganze birgt also ein großes Potential für Konflikte. Mein Stesslevel steigt mit der Lautstärke des buhäääää. Meine Hilflosigkeit übrigens auch.

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Neben dem buhääää und ich will das aber ich kann es nicht sagen gibt es noch etwas tolles:

nalllleiiiiiiiiineeeee! Egal was, sie wollen es alleine machen. Hilfe wird grundsätzlich abgelehnt. Auch wenn sie im Begriff sind sich umzubringen. Wage ich es dennoch helfend einzugreifen, landen wir automatisch wieder bei: ich will das nicht, aber was ich will kann ich nicht sagen. Dieses Alleine machen ist wirklich anstrengend. Nicht nur das wirklich alles ewig dauert, ich muss es später heimlich noch einmal machen. Zum Beispiel die Wäsche aufhängen oder die Fenster putzen. Ich liebe es zwar wenn sie so geschäftig sind, aber mich nervt es wahnsinnig das ich ihnen nicht helfend zur Seite stehen soll, ihnen nicht zeigen darf wie sie es auch machen könnten. Und ab und zu bleibt mir auch das Herz stehen wenn die Minis im affenzahn eine über 2 Meter hohe Rutsch hoch klettern, dabei mehrfach nicht umsichtig sind und daneben treten, doch auch hier: Hilfe, nein danke. Ich übe mich also in scheinbarer Gelassenheit, immer auf dem Sprung meine in den vermeindlichen Tod stürzenden Knödels zu retten. Mein Stresslevel bleibt also oben.

Dann kommt noch der wechsel von der oralen Phase zur sogenannten genitalen Phase. Sie stecken nicht mehr alles in den Mund ( sondern nur noch das was gefährlich ist) und sie entdecken das sie ausscheiden können. Im Idealfall ist das der Zeitpunkt an dem man mal das Töpfchen oder die Toilette anbietet. In der Realität wird ständig irgendwo ein Haufen oder eine Pfütze hinterlassen und mit den Worten “ Gucke Haufe“ kommentiert. Manche Exemplare der Mini-Autonomen gehen sogar noch einen Schritt weiter und gehen in direkten Kontakt mit ihren Ausscheidungen und verteilen diese großzügig auf sich und der Umgebung. Selbst Windeln schützen hier vor nicht. Denn es gibt ja noch diese gemeinsamen Machenschaften in denen sie sich gegenseitig dazu verhelfen noch mehr Blödsinn zu machen. Da wird dann dem Geschwister oder dem Kumpel beim entfernen der ungeliebten Windel geholfen.

Natürlich sind das jetzt die extremen Beispiele der letzten Wochen, es gibt auch tolle Momente. Es ist so wunderbar zu sehen wie sie Tag für Tag riesige Schritte nach vorne machen ( und es nervt gleichzeitig extrem weil sie sich nebenbei wieder zurück entwickeln), sie gehen so neugierig und voller Wissensdurst in die Welt ( und schockieren mich damit, das sie sich neurdings für geschriebene Worte und Buchstaben interessieren).

Es ist auch unglaublich schön das sie mir erzählen wie toll ihre „Busie-Milch“ schmeckt, und wo nach ( heute wechelste es zwischen Kakao und Mayo ( danke Papa, für diesen Floh)) aber das sie quasi am Mops wohnen und permanent die Brust fordern nervt auch mega, zumal wir eigentlich mal nur noch zum schlafen gestillt hatten.

Die zweite Hälfte des zweiten Lebensjahrs ist also wie folgt zu betrachten:

Freud und Leid liegen genauso nah bei einander wie das gerührt sein und das genervt sein.

Es gibt ja diese Meinung das das dritte Lebensjahr die terrible Two genannt werden sollte. Ich bekomme eine Idee davon, warum und hoffe inständig das wir verschont bleiben. Doch die Chancen stehen sehr sehr schlecht…

Trotzdem freue ich mich auf das was die nächsten Monate so bringen wird, und ob sich das ganze wirklich noch bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus steigern wird, und vor allem wie das aussehen mag…

Zwillinge stillen? Geht doch gar nicht! Oder doch???

Am Anfang meiner Schwangerschaft war für mich klar: Zwillinge stillen , das geht ja nicht. Im Verlauf reifte der Wunsch es zumindest zu versuchen. Zugegeben, der Start zum stillen war kein leichter. Ob eine erfolgreiche Stillbeziehung entstehen kann steht und fällt jedoch mit der Wahl des Geburtsortes und dem Personal. Das heißt zwar nicht grundsätzlich das man im Krankenhaus keinen guten Stillstart haben kann, doch ist man schon deutlich abhängiger von der Einstellung und dem Fachwissen der Schwestern und Hebammen. Auch bei einer ambulanten, Geburtshaus oder Hausgeburt kann immer etwas schief gehen und der Stillstart wird behindert.

Ein großer Faktor für das erfolgreiche Stillen ist das erste Bonding und das intuitive Stillen im Kreißsaal. Gerade bei Zwillingen ist aber hier schon ein potenzielles Problem zu finden: was ist wenn die kleinen zu früh in die Welt starten, es ihnen aus anderen Gründen nicht gut geht oder es viele Interventionen im Geburtsverlauf gab? Alles sind Punkte die Einfluss auf das stillen haben, die das Bonding stören. Viele Kinder sind auf Grund des durchschtnittlich niedrigeren Geburtsgewichts trinkschwächer.

Wenn die Kinder dann noch für eine Zeit auf der Neo-Intensiv betreut werden müssen, ist man auch noch häufig in den festgefahrenen Strukturen gefangen. Dann heißt es nur alle 4 Stunden stillen, maximal 15 Minuten soll das Kind an der Brust bleiben. Meldet sich das Neugeborene zwischen diesen Einheiten gibt es häufig , ohne Absprache mit den Eltern, einen Schnuller um das Baby auf seine Zeiten zu ziehen. Dann gibt es noch diese schrecklichen sogenannten Stillproben die nicht selten zu Verzweifelung und zufüttern mit Formulanahrung führen. Für viele Mütter mit Stillwunsch bedeutet dies der Anfang vom Ende, das Kind verweigert die Brust, der Milcheinschuß verzögert sich, die Milch reicht scheinbar nicht.

Der Weg zum Vollstillen ist an dieser Stelle ein schwerer für die Wöchnerin, er erfordert viel Geduld, Verständnis und Unterstützung im Umfeld. Doch gerade das Umfeld ist oft nicht hilfreich, es kommen Fragen ob man sich das wirklich antun möchte, eine Flasche wäre doch viel schneller und leichter gemacht, außerdem könnte man das Kind dann ja auch leichter abgeben. Neben der Tatsache, dass  diese Kommentare, genauso wie“ das Kind schreit vor Hunger, gib doch ne Flasche“, unter Umständen sehr verletzend und übergriffig empfunden werden, wird außer acht gelassen das zum besseren Bonding das Fläschchen vor allem in den ersten Lebensmonaten von den primären Bezugspersonen mit viel Körperkontakt gegeben werden sollen. Das sind in der Regel jedoch nicht die lieben Omas sondern Mama und Papa und das sollte von allen respektiert werden.

Doch was tun, wenn das Kind eigentlich schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen, es Stilprobleme gibt und man in dem Teufelskreis des zufütterns geraten ist?

Zunächst einmal sollte man natürlich seinen Wunsch mit seiner Hebamme besprechen, im Idealfall ist diese ausgebildete Stillberaterin, wenn nicht stellt sie Kontakt her.

Je nachdem wie der Gewichtsverlauf ist sollte man das zufüttern umgehend abbrechen oder, wenn das Gewicht noch problematisch sein sollte, tgl reduzieren. Es empfiehlt sich auf stillfreundliche Methoden wie das Fingerfeeding oder Bechern zurück zu greifen. Eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin könnte die frische, stillwillige Mama im Umgang mit einem Brusternährungsset schulen. Darüber hinaus:

Das Wochenbett gehört ausgiebig zelebriert:

Eine Woche im Bett

Eine Woche am Bett

Eine Woche ums Bett herum.

So sagen es die alten Hebammen gerne.

Außerdem: viel kuscheln, am besten nackt um viel Hautkontakt zu haben, das steigert die Ausschüttung von Oxytocin und unterstützt das Bonding, beides wichtige Indikatoren für das erfolgreiche Stillen. Auch das stillen nach Bedarf, das oft Nerven zerrende Cluster Feeding und das weglassen von Fremdsaugern unterstützen das Stillen, auch das abpumpen von Muttermilch kann, muss aber nicht, die Milchmenge steigern. ( auf der Seite http://www.stillkinder.de gibt es eine Anleitung zum „Power-Pumpen“).

Hilfreich ist es auch sich verschiede Positionen zum Stillen von Zwillingen zeigen zu lassen, von der LLL gibt es außerdem schöne Grafiken auf den verschieden Positionen schematisch dargestellt werden, denn Tandemstillen ist gerade in den ersten Wochen ein Lebensretter für stillende Mehrlings- oder mehrfach Mütter die länger stillen wollen. Die Milch fließt leichter, die Milchmenge reguliert sich schneller.

Und sollte es trotz der vielen Bemühungen nicht funktionieren, dann ist es zwar oft eine traurige Nachricht für die frisch gebackene Mama, doch auch die Zwiemilch-Ernährung, das Pump-Stillen oder das alleinige Füttern von Formulanahrung sind nicht allein entscheidend für eine glückliche Kindheit und eine sichere Bindung. Stillen ist nur einer von vielen Faktoren die eine sichere Bindung unterstützen. Dogmatismus ist an dieser Stelle nicht angebracht, und Vorverurteilungen ebenso. Das wichtigste ist immer das es Mutter und Kind gut geht mit dem Weg den man gewählt hat, unwichtig ist was andere denken.

Wie ich Muttertier wurde… Teil 2

“Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.” Gertrud von le Fort (1876-1971)

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Immer wieder merke ich, dass viele Menschen die mir in den verschiedenen Netzwerken folgen ein völlig anderes Bild von mir haben, als ich es selber habe. Niemanden wundert es das ich Langzeitstillerin bin, spontan Geboren habe, im Familienbett schlafe, einen Faible für Tragetücher habe und in Zukunft sogar mit Müttern und ihren Babys arbeiten werde.

In Teil 1 habe ich euch über mich erzählt, über das „Ich“ von früher. Geendet habe ich im Januar 2014 mit einem positiven Schwangerschaftstest. Hier werde ich euch von meiner Wandlung berichten.

Ungewollt Schwanger…

Februar 2014:

Mir geht es nicht gut, ich habe nicht nur erfahren das ich Zwillinge erwarten werde, ich darf auch nicht mehr arbeiten, denn  ich leide an Hyperemesis Gravidarum. Und nicht nur das, ich habe bereits zwei mal Blutungen gehabt. Ich fühle mich bestraft. Und schmiede pläne. Natürlich werde ich einen Kaiserschnitt bekommen und stillen geht auch nicht, Twinpapa wird in Elternzeit gehen und ich wieder arbeiten. Ich liege den ganzen Monat im Krankenhaus. Ich möchte gern sterben. Ich suche auf FB nach anderen Betroffenen und finde sie, außerdem bin ich jetzt in einer Gruppe für vegane Schwangere, schadet ja nicht zu wissen worauf man achten muss.

Mai 2014:

Natürlich werde ich meine Kinder tragen. Tragetücher finde ich toll, meine Freundin Jess hat ihr Kind auch getragen, das finde ich cool. Aber ob das geht mit Zwillingen? Ich bin mir nicht sicher. Ich bin fast immer alleine, die Beziehung zum Twinpapa musste ich beenden. Es funktionierte nicht, er verstand nicht, was ich im Umgang mit den Kindern erwarte und kann es nicht mal bei dem großen umsetzen.

Wandlungen…

Juni 2014:

Dieser Sommer ist die Hölle, ich habe schlimme Wassereinlagerungen und Kreislaufprobleme. Meine Hebamme ist keine große Hilfe. Draußen ist es unerträglich für mich, ich verlasse die Wohnung nur noch abends. Gott sei Dank kann ich im nächsten Ort bist 24.00 Uhr einkaufen gehen. Tagsüber liege ich im Bett unter der Klimaanlage und vertreibe mir die Zeit mit Recherche. Ich habe in verschiedenen Gruppen tolle Frauen kennen gelernt. Außerdem habe ich etwas entdeckt das Attachment Parenting heißt. Das finde ich wahnsinnig interessant und auch einleuchtend. Da ich mich schon beruflich mit Pädagogik beschäftigt hatte erscheint mir das Konzept von AP, Unerzogen und GFK sehr natürlich und Intuitiv. Es fühlt sich richtig an, wie der Schlüßel zum Erfolg in Sachen selbstbewusste, empathische Kinder… Ich bin beigeistert und denke das ist super einfach.

Juli 2014:

Ich bin die Heldin im GVK, die anderen sind beeindruckt das ich meine Kinder spontan gebären will und das ich sie stillen und tragen möchte. Das ich all dies eigentlich abgelehnt habe bis ich schwanger wurde weiß keiner, es fühlt sich auch für mich sehr fern an. Auch einen Plan für eine selbstbestimmte, interventionsarme Geburt habe ich bereits. Leider ist es mir körperlich nicht mehr möglich, nach dem vierten Mal weiter  zum Kurs zu gehen, aber ich fühle mich trotzdem gut vorbereitet. Ich lese das Hypnobirthing-Buch und beschäftige mich mit dem Gebären allgemein. Ich habe ein deutliches Bild davon wie meine Geburt aussehen soll.

August 2014:

Nestbau ist angesagt. Ich habe lange überlegt und entschieden das ich Babybetten kaufen möchte. Irgendwann würden meine Kinder darin schlafen. Mein Bruder nimmt sich Urlaub und fährt mit mir zum Babyshopping zum Möbel- Schweden. Gemeinsam mit meinem besten baut er die Möbel auf während ich die Babywäsche wasche.

September 2014:

Es geht los, ich habe um Beendung der Schwangerschaft gebeten. Mir geht es so scheiße, ich kann nicht mehr warten. Bald wird eingeleitet werden, doch ich habe Glück und es geht von allein los. Obwohl ich so einen guten Plan habe, werden meine Wünsche ignoriert. Ich erlebe eine Geburt aus der Hölle, es gibt kein Bonding und kein sofortiges Stillen im Kreißsaal. Dafür gibts ne Not-Op, Neo-Intensiv und Blutkonserven. Nix ist geworden wie ich es will. Aber wir Leben.

Dezember 2014:

Ich zweifel an meinem Weg. Egal was ich tue, meine Grenzen sind fast erreicht. Ich tue wirklich alles für meine Kinder, doch es scheint nicht zu reichen. Auch ein Besuch beim Osteopathen hat keine Besserung gebracht. Ich kann es nicht ertragen. Willen brechen. Osteo-Ferbern. Obwohl ich früher dachte das ich mich über meine Kinder hinweg setezn muss. Ich freue mich auf die Feiertage bei meinen Eltern. Es ist die Hölle, die kleinen sind völlig überreizt. Angeblich ist meine Erziehung schuld, obwohl ich einfach nur meinem Instinkt folge. Meine Babys wohnen praktisch auf mir.

Januar 2015:

Das Knödelkind ist sehr krank, muss ins Krankenhaus. Ich stehe vor der schlimmsten Entscheidung überhaupt: Wer muss ohne mich auskommen? Gemeinsam mit dem Twinpapa entscheide ich, dass wir Knödel auf eigene Verantwortung wieder mitnehmen, seine Werte sind stabil. Ich hätte nie wählen können wer ohne mich auskommen muss. Wir gehen jeden Tag zum Arzt und lassen das Knödelbaby untersuchen, der Kinderarzt hat veranlasst das ich im Notfall mit beiden Kindern ins Krankenhaus aufgenommen werden kann. Es mag verantwortungslos erscheinen, doch ich habe mich dafür entschieden den bedürfnisorientierten Weg zu gehen und will nicht das einer von beiden Leiden muss, so lange ich die Verantwortung für eine Behandlung zu Hause tragen kann. Langsam aber sicher bessert sich das Zustand von Knödel. Alles wird gut.

April 2015:

Ich werde umziehen meinen Kindern zu Liebe, ich kann mich nicht mehr gut um ihre Bedürfnisse kümmern, meine eigenen kann ich nicht einmal mehr erspüren.

September 2015:

Wir haben das erste Jahr überlebt. Nicht immer habe ich so bedürfnisorientiert gehandelt wie ich es möchte, doch ich werde immer besser darin die Bedürfnisse meiner Kinder, von mir und meinen Mitmenschen zu erkennen und zu benennen. Ich habe ein paar Mädels kennen gelernt, die ähnlich ticken wie ich. Das freut mich.

Dezember 2015:

Ich werde wirklich das erste mal seit 2 Jahren ausgehen. Ich mache mir große Sorgen meine Kinder könnten das nicht gut verkraften, doch ich möchte auch endlich mal wieder meine Bedürfnisse pflegen, seit dem ich Kinder habe, habe ich nur für sie gelebt. Ich habe meine ganzen Ansichten auf den Kopf gestellt und vielen Menschen damit vor den Kopf gehauen. Ich versuche es gelassen zu nehmen.

Unklare Zukunft

Januar 2016:

Die Mädels und ich haben eine tiefe und ehrliche Freundschaft entwickelt, im Kontakt mit ihnen merke ich erst, wie sehr ich das Konzept von Attachment Parenting und GFK verinnerlicht habe, mehr sogar als ich je erwartet hätte. Ich bin quasi ein AP Handbuch geworden das bei jedem Konflikt versucht die einzelnen Bedürfnisse der argierenden Personen zu ergründen, ich schaue wie ich meine Ansichten gewaltfrei anbringen kann. Manchmal gelingt es mir ganz gut, doch gerade mit meinen Eltern scheitere ich oft. Sie wissen welche Knöpfe sie drücken müssen.

Ich überlege wie unsere Zukunft aussehen soll, ich habe bereits länger den Wunsch allumfassend für Mütter, Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere, Kinder, Babys und Familien da zu sein. Doch wie soll ich das angehen?

März 2016:

Die Beziehung hat für mich einen immer höhren Stellenwert, ich kann ohne Probleme überall mit meinen Kindern hingehen, sie sind ausgeglichen und neugierig. Sie sind ein gutes Beispiel dafür das es richtig ist, seine Kinder nicht zu erziehen. Ich habe eine gute und spürbare Beziehung zu meinen Kindern aufgebaut, ich stille ihre Bedürfnisse immer noch so gut ich kann, doch manchmal sage ich auch stopp, jetzt bin ich dran. Ich begreife immer mehr den Wert der Kommunikation und verstehe das Erziehung und Beziehung nur ein paar kommunikative Nuancen weit auseinander liegen. Ich fühle mich angekommen, denn ich darf auch in Zukunft den Menschen den Wert von Beziehungen, Bedürfnissen und Kommunikation nahe bringen.

Abschließend:

Ich habe mich wirklich komplett verändert, zumindest in meiner Art zu kommunizieren und in meiner Einstellung zu Kindern, Babys und Geburten. Aus meiner Anti-Haltung heraus ist es mir gelungen das Beste aus mir heraus zu holen. Meine Kinder wecken das Beste in mir, denn ich stelle fest: Ich bin mehr als nur mein Job und die letze Party. Ich bin ein Mensch mit vielen Facetten und diese darf ich jetzt als Mutter voll ausleben. Nie habe ich gedacht das mich die Rolle als Mutter erfüllen könnte, mir Zufriedenheit schenken würde. Lange habe ich mit dem Schicksal Zwillinge gehardert, auch nach der Geburt, als die beiden kleinen Wesen untröstlich geschrien haben, fühlte ich mich oft bestraft, weil ich doch dachte ich würde alles richtig machen. Heute weiß ich viel mehr über Babys, Pädagogik und Geburten so das ich mich viel besser auf Babys einlassen kann, und natürlich auch auf meine Kinder. Ich habe gelernt zu verstehen das Babys das überbleibsel der Evolution sind. Sie werden es vermutlich auch für immer sein. Steinzeitbabys und Kinder. Sie können nicht anders sein als sie sind, aber das ist okay.

Ich bin all das was ich nie sein wollte, doch ich bin sehr glücklich und es erfüllt mich mit Stolz sagen zu können:

“ Ich bin Ela, meine Kinder sind 18 Monate alt, ich habe sie spontan geboren, wir stillen immer noch und wir schlafen zusammen im Familienbett. Ich trage meine Kinder an meinem Körper durch das Leben wann immer sie diese Nähe benötigen und einfordern. Ich lasse meine Kinder auch jetzt nicht schreien, obwohl ich scheißen müde bin und mir wünsche endlich mehr wie 4-5 Stunden pro Nacht zu schlafen. Mein Küchenboden sieht seit 10 Monaten aus wie das Buffet eines Hotels, aber meine Kinder lieben es selber zu essen und taten es von Anfang an, und sie essen fast alles.

Ich nehme finanzielle Einbusen in Kauf um meine Kinder mindestens bis zu ihrem dritten Lebensjahr zu hause betreuen zu können. Und gebe sie so selten wie möglich, so häufig wie nötig ab um mal für mich sein zu können. In meinen geliebten Job werde ich nicht mehr zurück gehen, die Zeit mit meiner Familie ist wertvoller als ein dickes Konto“

Ich bin ein Muttertier und stolz drauf. Meine Geschichte erklärt deutlich warum ich das Zitat von von le Fort wählte. Ich wurde durch die Geburt meiner Kinder zur Mutter, nicht nur körperlich auf emotional. Meine Kinder schenkten mir das Leben als Mutter, ich schenkte ihnen das Leben als unschuldige kleine Babys. Wir sind gemeinsam geboren worden, wir werden gemeinsam wachsen. In Liebe und Geborgenheit.

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