In freudiger Erwartung…

Guter Hoffnung sein…

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Für die Schwangerschaft gibt es viele Synonyme. Erwartung… Hoffnung… Das beschreibt den Umstand einer Schwangerschaft sehr deutlich wie ich finde. Man macht sich Gedanken um das kleine Wesen im eigenen Bauch. Man überlegt wie es aussehen wird und auch welches Geschlecht es haben wird. Ob es gesund sein wird. Aus dem „es“ im Bauch wird irgendwann eine Person. Ein Name. Man folgt dem Bauchgefühl und versucht zu erspüren wer dort in einem wächst. Man schafft eine Verbindung und ein Bild. Und dieses Bild kann vielfältig aussehen. Ist es ein Mädchen? Ist es ein Junge? Mit diesem Bild beginnt die Hoffnung. Natürlich ist es am wichtigsten das das Baby gesund sein wird, doch so ganz tief in einem schlummert die Hoffnung auf ein bestimmtes Geschlecht. So auch bei die Rabenmutti, die über ihre Gefühle nach dem Geschlechtsouting schreibt. Das was sie schreibt ist hart und für viele schwer nachzuvollziehen.

Ich verstehe es…

Zumindest ein bisschen. Man kann zwar darüber streiten ob man so etwas öffentlich macht und wie man das macht aber ja: ich verstehe sie ein bisschen.

Mein 25 Jahre altes Ich konnte mit Kindern nichts anfangen. Mein 26 Jahre altes Ich- frisch schwanger-kannte nur einen Gedanken: Bitte einen Jungen. Einen! An Zwillinge dachte ich zum Zeitpunkt nicht. Mein Gefühl war klar: ein Junge. Als das Zwillingsouting kam blieb die Hoffnung: Bitte Jungs. Bitte keine 2 Mädchen! Das schaffe ich nicht. Ich kann mit diesem Mädchenkram nichts anfangen. In der 16. SSW gab es ein erstes Outing: 80% Junge und 50% Junge. Ich war wie auf Wolken! Ich hätte nicht glücklicher sein können und malte mir bereits die wildesten Spiel mit meinen 2 Jungs aus. Nicht eine Minute lang zweifelte ich daran das es 2 Jungen sein könnten.

 

 

Herzlichen Glückwunsch, es wird ein Pärchen!

 

Wenige Wochen später hatte ich einen Termin in der Pränataldiagnostik – durch die HG und die Medikamente wurde mir eine feindiagnostische Untersuchung ans Herz gelegt. Ich hatte gemischte Gefühle und war gleichzeitig gespannt was ich alles sehen würde und hatte Angst vor dem was eventuell gefunden werden könnte.

Während der Arzt meinen Bauch ausgiebig mit dem Ultraschallkopf bearbeitete beobachtete ich die Bilder sehr genau. Ichkonnte nicht glauben was ich sah: Der 50% Junge zeigte sich als 100% Mädchen.

 

Achterbahn der Gefühle

 

Das kann ich nicht war mein erster Gedanke. Ich konnte und wollte mich darauf nicht einlassen zu dem Zeitpunkt. Ich hatte bereits alles besorgt für die Jungs. Ich brachte es nicht über mich viel für ein Mädchen zu kaufen. Nur ein kleines Set kaufte ich. Fürs Krankenhaus. Ich weinte viel, ich war wirklich traurig. Mein Wunsch, meine Hoffnung? Weg! Zumindest ein Name war schnell gefunden.

 

Am Ende wird alles gut!

 

Motte, meine Tochter, das Mädchen das mich so traurig machte, erlöste mich schließlich gändigstens so schnell wie sie konnte von meiner Schwangerschaft in dem sie den Ärzten ein Schnippchen schlug. Sie war führend und somit die erste die Geboren werden würde. Mein erstes Baby! Die einzigen 10 Minuten im Leben meiner Kinder in denen sie mich ganz allein für sich haben konnten gehörten meiner Tochter. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Es war nicht wichtig welches Geschlecht sie hatte – nur das sie da war. Danach wurde es dunkel. An den ersten Kontakt mit Knödel kann ich mich kaum und nur sehr verschwommen erinnern denn direkt danach kollabierte ich. Doch das macht nichts, er hätte mich nicht versöhnen können mit der Tatsache das mein Männerdoppel ein Pärchen wurde.

 

Ganz langsam kam ich an im Leben mit einem Pärchen

 

Je mehr ich mich mit meinen Kindern und dem Thema Zwillinge beschäftigte, desto glücklicher wurde ich darüber das es ein Pärchen wurde. Eine größere Chance auf ein individuelles Aufwachsen konnten sie nicht haben. Mir wurde gezeigt das am Ende nicht das Geschlecht entscheidend ist, sondern die Persönlichkeit eines Menschen, eines Kindes. Wir haben die Freiheit unsere Kinder weitgehend frei von solchen Fragen aufwachsen zu lassen ( zumindest bis zum Kindergarten).  Kinder sind einfach Kinder und nicht nur ein Geschlecht. Diese Freiheit macht es meinen Kindern möglich zu sein wer sie wollen. Motte ist der leicht verlotterte Wildfang, Knödel der zarte, verschmuste dauerkuschler. Sie entsprechen nicht den allgemeinen Erwartungen die ihr Geschlecht weckt. Sie sind einfach sie selber, und das ist gut so.

Die Enttäuschung über das vermeintlich „falsche“ Geschlecht kann grenzenlos sein, ich habe selber gespürt wie sehr es schmerzen kann wenn das Bild des eigenen Babys im Kopf zusammen bricht und man aus diesen Trümmern ein neues errichten muss, wenn man seine Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen ziehen lassen muss und neue finden wird. Jeder findet seinen Weg damit umzugehen, zu trauern.

 

Ela

 

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