Mein Weg zur VBA2C… Teil 1 #Gastartikel

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Vor einiger Zeit schrieb ich hier über meine Gefühle zur Schwangerschaft meiner Freundin Kitty. Heute möchte sie sich selber an euch wenden. Sie hat nicht so tolle Geburtserfahrungen machen dürfen und wünscht sich für ihr drittes Kind eine natürliche und interventionsarme Geburt.

VBA2C : vagnial birth after 2 cesarean sections. Also die vaginale Geburt nach 2 Kaiserschnitten.

 

Kitty erzählt euch von ihrer ersten Geburt und welche traumatischen und weitreichenden Folgen es für sie und ihren Sohn L. hatte. An dieser Stelle möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen. Das erlebte ist wirklich schwer zu verdauen für zarte Gemüter.

 

Für alle die sich fragen, nanu – wer schreibt denn da?

Ich bin Kitty, 34 Jahre jung und Mutter von 2 tollen Jungs! Mein Großer (L.) ist 2002 geboren und der Kleine (M.) 2010. Mit dem 3. Jungen bin ich aktuell in der 18. SSW. Und natürlich, auch wenn ich damit gar nicht so gerechnet hätte, kommt alles wieder hoch: ich wünsche mir eine heilende Geburt und ich habe Angst, dass alles schief geht. Leider werden einem eine Menge Steine in den Weg gelegt wenn man ein 3. Kind nach 2 Sectios spontan zur Welt zu bringen will.

Ich möchte euch teilhaben lassen, es gibt so viele Frauen, denen es ähnlich geht. Und so viele trauen sich nicht, werden mit noch mehr Ängsten wieder nach Hause geschickt. Die Ärzte und Hebammen machen Druck, man fühlt sich allein und denkt, man kann es nicht schaffen.

 

Allein Geburtsberichte zu bekommen, obwohl es gesetzlich jedem zusteht, ist ein Stein! Denn so einfach machen sie es einem nicht.

 

Aber nun erstmal zu meiner Geschichte, die Geburt meines ersten Sohnes!

Bei L. bin ich mit Wehen hier ins örtliche Krankenhaus gegangen, freute mich auf die Geburt, über die Wehen, war guter Dinge und uninformiert, es ging los! Endlich!

In ein paar Stunden würde ich Mama sein! Wunderbar! Soweit bis dahin. Es kam alles anders als gedacht. Nichts von alldem hatte ich vorher schonmal gehört, ich war auf nichts vorbereitet was dann kam. Damals hatte ich auch keine Hebamme, keinen Geburtsvorbereitungskurs, wir hatten kein Internet und so lief ich mit meiner rosa Brille, Jung und Naiv direkt in die Arme meiner persönlichen Geburtshölle.

Ich lag da also auf dem Bett, am Dauer CTG, warum? – das hatte mir keiner gesagt. Ich durfte nicht aufstehen, lag da alleine, mich fragend was denn los war, bekam aber keine Antworten. Es ist so lange her und ich habe mittlerweile vergessen, wie lange das alles gedauert hat. Es wird schon einige zeit gewesen sein, aber große Sorgen machte ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht, vielleicht war das auch einfach normal so.

 

Irgendwann kamen auf einmal mehrere Leute rein, ich weiß nicht wer das war. 

 

Krankenschwestern, Hebammen, Praktikanten, Zirkusdirektoren, Ärzte…. keine Ahnung! Einer der Menschen, ich schätze das war der Arzt, kam zu mir und wollte mich vaginal „untersuchen“. Dafür musste ich mich mit dem Poppes direkt an den Bettrand legen. Er legte los und nur einige Sekunden später platschte es, ich wurde nervös, fragte was das war und dann wurde es hektisch um mich herum.

Die ganzen Menschen stürmten um mich herum, verfrachteten mich auf ein anderes Bett, zogen mir da irgendwas anderes an, während mir eine einen Katheter legte und ich im gleichen Atemzug etwas unterschreiben musste, von dem ich nicht mal wusste, was das war. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Unterschrift komisch aussah… na klar – währenddessen wurde mir ja auch noch ein Venenzugang gelegt.

Ich wußte nicht was los war, ich weiß auch nicht mehr, was und ob man mit mir sprach. Als das alles getan wurde, brachten sie mich in den Aufzug und ab da weiß ich irgendwie nichts mehr. Ich weiß nicht mehr wie ich im Aufzug lag, in den OP kam und an die Narkose kann ich mich auch nicht erinnern.

Die erste Erinnerung ist dann die, als ich aufwachte und meine Mama neben mir am Bett saß und das einzige was ich fragte war, „Wo ist mein Baby!?“ Ich weiß nicht mehr wie oft ich das wiederholte. Es war wie ein Traum, ein schlimmer Traum. Ich wußte nicht was passiert ist, war mir nicht mal sicher ob ich noch lebe oder gestorben bin, ob mein Baby noch lebt. Alles war verschwommen und ich hatte furchtbare Angst. Was meine Mama antwortete weiß ich leider auch nicht mehr. Ich weiß nur, wie blaß sie war. Sie hatte auch Angst.

Der Papa von L., der während des ganzen Spektakels die ganze Zeit eine verzerrte Randfigur war, war verständlicherweise genauso fertig mit der Welt. Und ich frage mich immer wieder, wie können Menschen mit anderen Menschen so umgehen.

Nächste Erinnerung ist, dass ich auf ein Zimmer gebracht wurde. Es war Mittag. Ich fragte ob ich meinen Sohn sehen könnte, wurde aber verneint, da er auf der Säuglingsstation lag, er hatte wohl grünes Fruchtwasser, Kindspech hineingemacht, müsste beobachtet werden.

 

Man brachte mir ein Polaroid.

 

Später erfuhr ich dann, das ich, nachdem die Fruchtblase geplatzt ist, einen Nabelschnurvorfall hatte. Ich durfte nicht aufstehen, mein ganzer Körper war ein Schmerzklumpen, keiner konnte mir sagen warum. Tage später erfuhr ich, dass es wohl vom Gas kommt, womit ich aufgepumpt wurde und das jetzt durch meinen Körper wandert um raus zu kommen. Es waren solche Schmerzen, ich konnte beim weinen nicht mal ein wenig zucken. Und ich hab viel geweint.

Tage später durfte ich aufstehen und man fuhr mich im Rollstuhl nach oben auf die Station. Im ROLLSTUHL!! Wobei mich die Schwester so unsanft einfach überall gegen fuhr und so lieblos und unfreundlich war. Ich kam dann oben an, sah das kleine Bündel und sah das Bettschild, das Armbändchen.

 

Da stand ein falsches Datum, das wurde einfach einmal durchgestrichen…

 

…und das richtige drauf geschrieben. Und die ersten Tage manifestierte sich der Gedanke, die haben was falsch gemacht, ihn vertauscht, obwohl er aussah wie sein Vater. Aber manchmal macht das Gehirn seltsame Dinge mit einem. Ich wurde wieder auf mein Zimmer gebracht und am nächsten Morgen brachten sie ihn mir in mein Zimmer, stellten ihn ab und gingen wieder. Da saß ich dann. Leer, voller Angst, weinend, hilflos und donnerte geradewegs in eine fette Postnatale Depression. Und keiner bemerkte es, oder wollte es bemerken.

Am Abend wurde es richtig schlimm. Ich habe mich vorher in meinem Leben noch nie so gefühlt, ich wußte nicht, dass es so eine Welt überhaupt gab. Und es war so schlimm, dass ich eigentlich dafür keine Worte finden kann. Ich hatte Panik, bekam kaum Luft, weinte als gäbe es kein Morgen mehr, wünschte mir, ich wäre nicht am Leben, ich konnte diese Gefühle nicht aushalten, sie zersprengten mich, sie legten mich lahm, ich hatte keinen Gedanken mehr, der mir hätte helfen können.

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Mein Ich lag am Boden und verschmolz mit ihm zu einer Masse aus einzigem Schmerz.

 

Alle dachten es wäre Heimweh. Also dachte ich das auch. Woher sollte ich auch wissen, was es sonst sein könnte? Morgen, wenn ich zuhause bin wird alles gut! Das war der letzte Funken Hoffnung der mich aufrecht hielt. Ich denke, jeder kann sich jetzt denken, dass nicht alles gut wurde.

Ich besorgte mir auf anraten einer Schwester im Krankenhaus eine Hebamme, bzw tat sie das für mich, sie kam auch und versuchte irgendwas zu retten und war auch total überfordert, sie hatte sowas selber noch nicht erlebt. Ich konnte nicht schlafen, selbst die Schlaftabletten haben nicht geholfen.

Ich hatte Panik Attacken, war nur am weinen und hatte viele schlimme Gedanken. Ich konnte mich nicht um dieses kleine Baby kümmern. Ich hatte Angst vor ihm. Der Vater und ich lebten nicht mehr zusammen, er wohnte ein paar Häuser weiter und war gerade am renovieren. Und jedesmal, wenn L. wach wurde bekam ich Panik und musste ihn anrufen, damit er kommt.

Das legte sich etwas nach einiger zeit und ich konnte L. versorgen. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich ihn das erste mal alleine baden konnte! Das muss man sich mal vorstellen…. das kann man nicht, wenn man es nicht selber erlebt hat.

Damals wurde so eine Depression noch nicht so thematisiert wie heute! Heute fängt man endlich an, sie zu sehen, die Frauen zu sehen, denen es so geht. Und es sind viele. Früher gab es das nicht, keiner wußte irgendwie so recht was damit anzufangen. Und so blieb sie bei mir wohnen. In mir, neben mir. Jahrelang.

Als L. knapp 3 Jahre alt war, ging es mir wieder sehr schlecht. Ich habe es nie geschafft, eine Bindung zu meinem Kind aufzubauen. Ich habe ihn nie sehen können als das was er ist. Ein super süßes, total einfaches, entspanntes, tolles Baby und Kind! Heute zerreißt es mir mein Herz, wenn ich daran denke, Bilder von früher sehe und ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen und dieses kleine süße Bündel einfach in den Arm nehmen und es lieben. Es wieder gut machen.

Seit er knapp 3 Jahre alt war, lebte er bei meiner Mama. Sie hat ihn zu sich genommen als ich nicht mehr konnte. Mittlerweile wohnt er bei seinem Papa und seiner neuen Familie, er ist schon so groß, es geht ihm gut, er ist ein wirklich toller Mensch geworden. Wir haben Kontakt, wir schreiben uns und das was mich am meisten berührt ist, dass er nicht einmal böse auf mich ist, dieser liebe Junge, der sich sogar total freute als er erfuhr, dass sein kleiner Bruder M. unterwegs war.

 

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Nachdem L. zu meiner Mutter ging, wurde es natürlich nicht einfacher.

 

Die Menschen sind schlimme Wesen und als wäre mein schlechtes Gewissen und meine Selbstgeisselung nicht genug, ich bekam von allen Seiten Hiebe und Schläge. Keiner fragte warum aber alle wußten genau bescheid. Ich war ein schlimmer Mensch, ich wollte das arme Kind nur nicht, weil ich lieber feiern wollte und noch viele andere Dinge. Es war schlimm.

Und auch heute noch, so viele Jahre später, hab ich diese Schuldgefühle und es tut mir so leid. Mittlerweile ist es mir egal, was irgendwelche Menschen denken. Die mussten da nicht durch gehen. Und für mein Kind war es die beste Entscheidung, ihn bei meiner Mutter leben zu lassen.

 

Ein Kind brauch Liebe und Geborgenheit und jemand, der es küsst und kuschelt. All das konnte ich nicht. So sehr ich es versuchte.

 

Und bis heute kann ich über diese Geschichte nicht sprechen. Sobald es in die Richtung geht und ist es nur, dass ich erzählen muss, wie er auf die Welt kam, bin ich gefangen und ich muss weinen. Während ich diesen Text schreibe weine ich ununterbrochen. Es schmerzt immer noch und ich denke es wird auch niemals aufhören. Aber es ist gut, dass ich das jetzt schreibe. Wenn reden nicht geht, dann geht schreiben und endlich kann ich sagen, was ich gefühlt habe, das kann ich nicht, wenn ich es aussprechen muss. Wie es bei M. ablief, werde ich im nächsten Beitrag berichten!

 

Bis dahin – bleibt stark und steht für euch ein! Viele Grüße, Kitty

 

(copyright : Kitty Trashcore/ Keins bestellt, 2 bekommen)

 

Und dann geht einfach einer // Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort #3 Tamara

 

Meine liebe Bekannte Tamara hat lange für ihr kleines Glück kämpfen müssen. Bereits 2013 erlitt sie eine stille Geburt in der 24 SSW. Anfang 2014 war sie erneut schwanger, es sollten Zwillinge werden, doch leider kam es dann ganz anders. Das bezaubernde kleine Mädchen, das eigentlich ein Zwilling ist, machte sich im August 2014 alleine auf den Weg zu ihren Eltern Tamara und Jens. Tamara hat sich bereit erklärt für euch darüber zu reden, wie es ist einen Stern auf die Welt zu bringen und wie es ist eine Zwillingsmama mit nur einem Kind an der Hand zu sein und ob was dran ist, an den verwaisten Zwillingen, denn auch darüber wird sie mit euch reden!

Triggerwarnung

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Tamara, es wäre nett wenn du dich kurz vorstellen würdest!

Ich bin 30 Jahre alt, seit 2009 verheiratet mit einem wundervollen Mann Namens Jens und habe seit August 2014 eine wundervolle Tochter mit dem Namen Ida an der Hand.

 

Du hast bereits vor deiner Zwillingsschwangerschaft einen kleinen Jungen in der 24 SSW verloren. War damit zu rechnen das so etwas passieren würde oder traf euch dieses Schicksal ganz unerwartet? Was ist passiert?

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Dieses Schicksal traf uns völlig unerwartet. Wir waren unterwegs an diesem Wochenende. Abends sagte ich schon zu Freunden, dass ich mein Baby nicht spüre aber man sagt ja es sei völlig normal in der Zeit. Meine Schwangerschaft lief bis zu diesem Zeitpunkt völlig perfekt. Außer, dass ich mich regelmäßig übergeben musste war alles wie es sein sollte. Sonntag tagsüber verließ mich mein komisches Gefühl nicht und ich betete morgens noch in der Kirche das Gott doch bitte auf mein über alles ersehnte Baby aufpassen soll, doch das war wohl schon zu spät.

Am Abend rief ich meine Hebamme an. Sie gab mir den Rat mal laut auf einen Topf zu schlagen das könne das Baby wohl hören und wenn keine Reaktion kommt ins Krankenhaus zu fahren nur um sicher zu gehen.

Es kam keine Reaktion und ich sagte zu meinem Mann das Gefühl zu haben alleine zu sein und das Babys Herz nicht mehr schlägt.

Im Krankenhaus angekommen meinte die Hebamme im Kreißsaal sie müsse erstmal fragen ob ein Arzt überhaupt schallt weil es ja so häufig vorkommt zu dieser Zeit das man mal nichts spürt. Der Arzt kam und ich sah auf dem Ultraschall schon das kein Herzschlag da war. Mein Mann brach zusammen und weinte. Ich stand unter Schock und funktionierte nur noch. Der Arzt war unglaublich einfühlsam und schallte eine Stunde lang leider ohne Ergebnis.

Am nächsten Tag sollte eingeleitet werden und ich erfuhr dass ich mein Baby auf natürlichem Weg gebähren muss. Ich wollte die Nacht zu Hause verbringen und am nächsten Tag traten wir den schwersten Weg unseres Lebens an und fuhren ins Krankenhaus. Vermutlich war es eine Thrombose in der Plazenta. Mein Sohn Klaas wurde also nicht mehr ausreichend versorgt.
Eine stille Geburt ist das schlimmste was eine werdende Mutter sich vorstellen kann. Wie hast du diese Geburt erlebt? Konntest du Abschied nehmen? Was hat dir in deiner Trauer geholfen?

 

Die Einleitung dauerte drei Tage bis es richtig los ging. Mir wurde am Abend vom 29.01.13 eine PDA gelegt damit ich nochmal schlafen konnte. Um 23 Uhr merkte ich aber das die Entspannung für mich wohl auch loslassen hieß, denn die Wehen wurden heftiger und ich wurde in den Kreißsaal gefahren.

Dort angekommen wurde es auch immer stärker. Irgendwann wurde mir die Fruchtblase aufgestochen und zwei Wehen später war mein wunderschöner viel zu kleiner Sohn auf der Welt. Ich hatte solche Angst vor diesem Moment. Wie sieht er wohl aus? Wie klein ist er? Diese Sorgen waren unbegründet. Mein Sohn war das schönste viel zu kleine Baby auf der ganzen Welt. Durch die Hormonausschüttung empfand ich einfach nur bedingungslose Liebe.

Leider schrie er nicht und öffnete nicht seine Augen. Es war der schönste und gleichzeitig schlimmste Moment meines Lebens. Auf der einen Seite bin ich Mutter geworden und wollte es in die Welt hinausschreien. Auf der anderen Seite musste ich das wichtigste und wertvollste was ich habe wieder gehen lassen.

Ich wollte und musste es doch beschützen… und konnte nicht. Uns wurde nahegelegt uns um einen Bestatter zu kümmern. Das war unglaublich. Ich danke meinem Vater von Herzen dafür das er, dass alles für uns übernommen hat!!!
Wenn ein Baby im Mutterleib verstirbt, ist es oft schwer zu begreifen, man stellt sich selber und seinen Körper in Frage. Wie hast du gelernt wieder Vertrauen in dich und deinen Körper zu fassen?

Puuuhhh …

Ich habe das Vertrauen bis heute (was eine Schwangerschaft betrifft) nicht 100% ig wieder aber zu 80%. Idas Geburt und der Umstand das sie als wundervolles Wesen völlig gesund ist haben mir geholfen meinem Körper wieder zu vertrauen. Ausserdem hat mein Körper mir bei Klaas schon gesagt das etwas nicht stimmt. Und das war völlig richtig.

 

Ein Verlust wie eurer ist unermesslich. Wie seid ihr als Paar mit der Trauer umgegangen? Wie ist dein Mann damit zurecht gekommen?

Wir haben uns sehr gestützt und es hat uns noch so viel enger zusammengeschweißt. Er war für mich der Fels der mich ohne Worte in den Arm nahm, wenn ich ohne Pause geweint habe.

Allerdings hat er sich zu der Zeit sehr zurückgenommen und kämpft noch heute sehr oft mit Gefühlen die ihn ohne Vorwarnung überrollen. Auch er hat sich das Kind sehnlichst gewünscht. Wir haben viel geredet und waren einfach füreinander da. Anfangs waren wir täglich zusammen am Grab. Dieser Weg war für uns sehr wichtig als Eltern.
Wenige Monate nach der stillen Geburt warst du erneut schwanger. Es sollten Zwillinge werden! Wie hast du die Botschaft aufgenommen? Welche Ängste hattest du hinsichtlich der Tatsache das es zwei Babys geben sollte? Das verdaut man, bzw. ich, ja nicht mal eben so.

 

Wir haben uns im ersten Moment sehr gefreut. Zwei Kinder auf einen Rutsch! Genau so wie wir uns das immer gewünscht hatten. Irgendwie hätten wir das gestemmt, immerhin haben wir uns so sehr nach einer Familie gesehnt. Allerdings hatte ich kein Vertrauen zu meinem Körper und hatte Angst, dass es beide nicht schaffen.
Schon um die 9./10. SSW gab es leider schon wieder keine gute Nachricht. Das Herz von einem der Zwillinge hatte aufgehört zu schlagen. Wie hast du das erlebt? Welche Auswirkungen hatte das auf deine weitere Schwangerschaft mit eurer Tochter? Wie bist du nach der Geburt damit umgegangen das du eigentlich eine Zwillingsmama bist, aber nur ein Baby in den Arm schließen konntest?

Es war kein riesiger Schock da der Zwilling von Anfang an kleiner war. Es wurde oft geschaut ob der Zwilling noch da ist bei den darauf, folgenden Untersuchungen. Ich hatte im ersten Moment Angst davor dieses Baby in mir zu behalten. Man erklärte mir das der Körper das Baby resorbiert oder es mitgeboren wird. Mit dieser Erklärung konnte ich leben und musste auch irgendwie erst nach Idas Geburt so wirklich Abschied von ihrem Zwilling nehmen.

Gab es einen Moment in dem du Erleichterung verspürtest über die Tatsache das du einen Zwilling verloren hast weil du angst hattest der Aufgabe als Zwillingsmutter nicht ausreichend gewachsen zu sein?

Ich war natürlich traurig aber auch erleichtert. Bitte nicht falschverstehen! natürlich habe ich um den Zwilling getrauert aber ich dachte so kann sich mein Körper auf ein Baby konzentrieren und dieses gesund zur Welt bringen. Ich hatte so schlimme Angst am Ende wieder kein Baby behalten zu dürfen.

Siehst du dich trotzdem als Zwillingsmama? ( ich tue es, es waren zwei. Einer ging zu den Sternen, geliebt, erwartet und betrauert.)

Irgendwie sehe ich mich schon als Zwillingsmama, ich frage mich sehr oft ob es ein Mädchen oder Junge geworden wäre und wie es jetzt wäre. Es war jemand da, wenn auch nur kurz und dieser jemand gehört einfach zu meiner Tochter.

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Eure Tochter ist ein verwaister Zwilling. Bemerkst du unterschiede zwischen ihr und Einlingen? Hast du das Gefühl das Ida eine weiterhin bestehende Verbindung zu ihrem Zwilling hat, oder hältst du solche Überlegungen für unsinn? Werdet ihr Ida von ihren Geschwistern in den Sternen erzählen? Wie würdet ihr das machen?

Ida ist ein besonderes Kind. Sie ist sehr emphatisch, einfühlsam und ich glaube, nein ich bin überzeugt das sie um ihren Zwilling weiß. Meine Hebamme sagte damals was Schönes: „ Vielleicht hat Ida einen Begleiter ins Leben gebraucht und das war ihr Zwilling“.

Das eine weiter Verbindung besteht kann ich mir gut vorstellen. Ida ist sehr anhänglich und braucht immer jemanden an Ihrer Seite. Ganz anders als bei anderen Kindern. Aber so wie ich es bei deinen Kindern beobachten konnte. Nur das da jetzt Mama und Papa für da sind. ( Amn: Tamara und ich lernten uns bei der Kursleiterausbildung kennen, saßen völlig ungeplant nebeneinander, unsere Kinder sind nur wenige Wochen auseinander. Wink des Schicksals,oder?)

Wir gehen immer mit Ida zum Friedhof und erzählen Ihr sehr oft von Ihren Geschwistern. Der kleine Prinz ist dafür eine tolle Stütze.

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Welchen Stellenwert haben eure Sternenkinder in eurem Familienleben?

Einen sehr großen. Sie gehören dazu Tag für Tag auch wenn wir nicht jeden Tag darüber sprechen. Manchmal kullern heute noch Tränen weil Sie uns fehlen ( Sie wie jetzt wo ich darüber berichte) Oder weil man andere Familien glücklich mit zwei der drei Kindern sieht und unsere Plätze am Tisch leer sind. Es wird immer ein Teil von uns sein.
Hat dich der Verlust deiner beiden Kinder zu einem anderen Menschen gemacht? Hat es dich stärker oder schwächer gemacht? Wie hat sich Ingesamt eure Ehe dadurch verändert?

Ja hat es. Man lacht nicht mehr so unbeschwert. Das Herz ist gebrochen und lässt sich leider nicht mehr reparieren. Der Alltag geht weiter und es gibt unglaublich tolle unbeschwerte Tage und doch holt es einen immer wieder ein. Ich bin nicht mehr so belastbar und schnell traurig. Es hat mich zwar irgendwie stark gemacht aber auch auf eine Art geschwächt. Ohne den Rückhalt von meinem Mann traue ich mich nicht mehr wichtige oder mutige Schritte zu gehen.

Ich brauche Ihn, meinen Fels der hinter mir steht damit ich nicht falle. Vor den Erfahrungen war ich aufgeschlossen, mutig und immer positiv und gut drauf. Leider kann ich das bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht so ganz wieder sein, aber ich werde es immer ein bisschen mehr.
Wünscht ihr euch noch weiter Kinder, oder habt ihr Angst vor einem weiteren Verlust?

Ja und ja. Wir wünschen uns sehr noch ein lebendes Geschwisterchen für Ida. Einen verbündeten für Sie der unser Familienleben komplettiert. Aber ich habe so große Angst dann noch so ein Verlust schaffe ich nicht…

 

Vielen Dank für deine offenen und ausführlichen Antworten! Es war sicher nicht leicht für dich, so direkt über eure Verluste zu sprechen. Ich drücke dich und deine kleine Familie und freue mich euch kennen zu dürfen.

 

( Copyright der Bilder: Tamara und Jens Vasikonis)

Bist du Zwillingsmama und möchtest aus dem Nähkästchen plaudern, dann schreib mir eine Email oder kontaktiere mich auf Facebook.

 

Attachment Parenting Kongress 2016 // #WiB

Weleda hat Blogger zum AP-Kongress nach Hamburg eingeladen und ich durfte für euch dabei sein. Der Attachment Parenting Kongress wurde von Frauke Ludwig und Diana Schwarz ins Leben gerufen. Letztes Wochenende fand er zum zweiten mal statt in Hamburg im Grand Elysée.

Am Samstag morgen sollte es los gehen, leider konnte ich aus logistischen Gründen erst zum Mittag anreisen ( verschlafen, noch länger schlafende Kinder, warum schlafen die eigentlich immer so lange wenn man was vor hat? Außerdem stand ich ständig im Stau oder wurde in Umleitungen umgeleitet) und was soll ich sagen:

BEEINDRUCKEND!!!! Das Hotel, die Organisation, die Messe und auch die Referenten, alles mehr als erstklassig. Nach einem Rundgang über die Messe und ein paar Begrüßungen ( Laura es war so toll dich zu sehen <3) ging es direkt los: der erste Vortrag den ich mir ansehen wollte war der von André Stern.

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Und ich war nicht die einzige. Bis auf den letzten Platz war der Raum voll. Viele standen hinten im Raum oder saßen gar zwischen den Stuhlreihen auf dem Boden. Aber wer ist dieser Mann überhaupt? Unter den Anhängern von Unscholling, Unerzogen und weiteren alternativen Bewegungen rund um die Elternschaft ist André Stern sehr bekannt, denn er ging nie zur Schule und hat trotzdem einen beeindruckenden Lebensweg!

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Sein Vortrag handelte von der Ökologie der Kindheit: von der Rückkehr des Vertrauens. Er benannte anschaulich wie Kinder lernen und was das überhaupt mit spielen und Kind sein zu tun hat. Mit vielen großen Gesten und Anekdoten aus dem eigenen Familienleben stellte er dar wie Kind sein funktioniert. Er benutzte anschauliche Metaphern und logische Beispiele aus der Natur und dem Leben einer Familie. Seine Thesen stützte er auf die Veröffentlichungen von Gerald Hüther.

Dann war auch schon Zeit für Kaffee, Kuchen und networking, wie man so schön sagt. Ich traf meine Blogger-Kollegen Carmen ( vegane Familien) und Kathrin (Öko-Hippie-Rabenmütter) es wurden Fotos von den BabySteps-Kursleiterinnen gemacht, ein bisschen Smalltalk gehalten und dann ging es weiter im Programm:

Ich habe mich zunächst für einen Beitrag von Wiebke Gericke entschieden. Ihr Thema behandelte die spielerische Kommunikation über Gebärden mit Babys und Kleinkindern. Nach einer Einleitung kamen wir direkt zum praktischen Anteil: Wiebke zeigte wie wir mit Hilfe von Gebärden das Vorlesen und Lieder singen begleiten konnten. Dazu gab es schönes Videomaterial das den Zuschauern das erlernen von Gebärden vereinfacht hat.

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Leider konnte ich den Vortrag nicht zu ende verfolgen, denn meine Neugier trieb mich in den großen Ballsaal.

Dort referierte Katia Saalfrank über auffälliges Verhalten bei Kindern und Jugendlichen. Ich konnte noch ein wenig den Ausführungen zum Thema kindliche Aggressionen folgen, bevor ich leider schon gehen musste, denn ich stand ein wenig unter Zeitdruck, da Twinpapa noch einen Termin am abend haben würde und ich wirklich pünktlich zurück sein musste. Das tat den unglaublich intensiven Eindrücken aber keinen Abbruch.

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Der Sonntag startete nicht weniger stressig, denn ich habe verschlafen. Ich pendelte ein wenig zwischen den Vorträgen, hörte Anja Gaca eine Weile zum Thema „ Vom Stillen nach Bedarf zur Beikost nach Bedarf“, nach ca. einer Stunde wechselte ich zu Dr Eliane Retz die über das Thema „Sichere Bindungen durch Attachment Parenting? Befunde & Praxis“ sprach. Doch dann zog es mich in den Vortrag von Michel Odent, er nahm sich dem Thema „Geburt. Wissenschaft versus Tradition“. Der Vortrag wurde auf französisch gehalten, da alle Kopfhörer für die Übersetzung bereits vergeben waren musste ich meine zugegeben sehr rostigen Französichkenntnisse bemühen und hörte ganz verzückt zu, denn niemand spricht so hingebungsvoll diese Sprache wie Muttersprachler es zu tun pflegen.

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Nach der Pause sollte der letzte Vortrag für mich stattfinden. Nach ein wenig zögern und dem zureden von Kathrin ( Öko-Hippie-Rabenmütter) begleitete ich sie und Carmen in den für mich besten Vortrag des Kongresses. Wir hörten Joachim Bensel zum Thema „Der erste Weltenwechsel – wie eine behutsame elternbegleitete Eingewöhnung als Erfolg verbuchen kann“. Er zeigte Strategien und Probleme anschaulich dar, und sobald ich meine Notizen sortiert habe werde ich darauf noch weiter eingehen, doch es ist schön eine Meinung zwischen Renz-Polster und Dr Hüther zu hören.

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Danach ging es für mich schon wieder zurück, die Zwillinge kränkelten etwas und länger konnte und wollte ich weder die Kinder noch den Twinpapa damit alleine lassen.

Ich habe wirklich sehr viele Eindrücke gewinnen können, bin immer noch wie beflügelt von dem vielen Input an diesem Wochenende und freue mich schon so unglaublich auf den dritten Kongress, der aber leider erst 2018 stattfinden wird.

Wart ihr auch dabei?

Und wie erziehst du so?

Mir schwirrt der Kopf, je mehr ich mich mit Themen der Erziehung befasse, desto mehr habe ich den Eindruck das das aufwachsen von Kindern einem Wettkampf gleicht:

Wer hat am längsten gestillt? Wer hat am längsten getragen? Wo gibt es das größte Familienbett? Wer ist am vegansten, plastikfreisten, windelfreisten, unerzogensten?????? Und beim Thema Kita/Kiga gehts ja auch noch weiter und hört beim Thema Schule noch lange nicht auf..

Mich macht das ganz verrückt, so verrückt das ich schon die Bindung zu meinen Kindern in Frage stelle obwohl ich nichts gravierend falsch mache außer dem Umstand das ich menschlich bin, fehler mache, meine Gefühle auslebe, auch wenn sie negativ sind.

Am Anfang stand das Kontinuum

Dem folgte Sears mit Attachment Parenting, es folgt die GfK basierende Erziehung, und das Unerzogen Lager. Es gibt autorative Erziehung, autoritäre Stile, schwarze Pädagogik, anti-autoritäre Erziehung usw usw… Mich setzt diese Masse ganz schön unter Druck, denn ich weiß was ich nicht will und ziemlich genau was ich möchte, doch das befassen mit diesen Themen zeigt auch: egal wie sehr ich mich bemühe: ein andere kanns noch besser. Da ist zum Beispiel meine liebe Freundin Katharina, die sagt so pingelig wie ich (nicht) erziehe, tut es ja kaum jemand. Ich kann dem leider nicht zu stimmen, denn ich  erkenne noch viele Dinge die ich besser machen könnte, wenn ich nicht den Druck verspüren würde immer zu funktionieren und mir erlauben würde von meinen Vorstellungen abzuweichen.

 

Mein Weg ist nicht dein Weg

 

Die (nicht) Erziehung von Kindern kann keinem Muster folgen, denn jedes Kind ist anders, jeder Elternteil ist anders. Was für mich gut funktioniert, funktioniert für Katharina nicht, weil ihre Umstände ganz anders strukturiert sind.

Am Anfang war ich ja der Meinung, wenn ich nur meinem Leitfaden folgen würde, dann würde alles gut gehen und gut werden. Es wäre einfach. In den letzten 2 Jahren habe ich viel dazu gelernt, vor allem das genau das nicht funktioniert, Erziehung nach Plan, wobei ich schätze das es funktionieren könnte wenn man seinen Plan mit aller Macht durchsetzen möchte, das liegt mir jedoch nicht. Folglich habe ich meinen Plan, meine Idee davon wie ich mit meinen Kindern umgehen möchte immer wieder angepasst, reflektiert und neu ausgerichtet. Aber für mich hat dieser Weg keinen Namen, denn er verbindet ganz undogmatisch Elemente aus vielen Wegen, Annahmen und Grundhaltungen zu einem Weg, der zu uns passt. Ich nenne ihn „The Ela Way“…

Zu meinem Weg gehört das ich versuche so wertschätzend und respektvoll wie möglich mit meinen Kindern umgehe, sowohl kommunikativ als auch in meinen Handlungen ( öffentliches Popo riechen finde ich so schrecklich entwürdigend, als Beispiel), ich hinterfrage meinen Ideen und Überlegungen nach ihrem Ursprung: WILL ICH das so? Oder glaube ich das zu wollen, weil man genau das von mir erwartet. Meine Twinnies haben sehr viele Freiheiten, dürfen mit bestimmen, selbst bestimmen, sogar in einem recht großzügigen Rahmen wie ich finde, dennoch treffe ich relevante Entscheidungen für meine Kinder weil ich in manchen Dingen eine Fähigkeit besitze die sie noch ausbilden müssen: Weitsicht. Ich kann Handlungen und Folgen in Relation zu einander bringen und so die Konsequenzen erfassen: es gibt also Grenzen der Selbstbestimmung für Knödel und Motte, es gibt ein paar Regeln die unser Zusammenleben 2:1 erleichtern weil es sonst einfach unsicher wird. Ich gebe also den Rahmen, passe ihn immer wieder an und in diesem Rahmen können sich beide frei bewegen, argieren und reagieren… Es gibt keine Strafen, keine Erpressungen, (kein) wenig Lob dafür viele Freiheiten, ein paar Regeln und Grenzen. Aber bei letzterem bin ich oft zu lasch und faul, wenn ich ehrlich bin…

Das Problem mit der Selbstbestimmung

Selbstbestimmung ist ja derzeit ein RIESEN Thema bei den Bloggern, es spaltet in zwei Lager. Ich bin hin und her gerissen, denn ich glaube das Selbstbestimmung funktionieren kann wenn die Umstände passen. Zunächst einmal steht einem ja oft die eigene Haltung im Weg, meine Freudin M kennt das sehr gut, und auch die eigene Erwartungshaltung steht einem oft im Weg und führt dann zu unnötigen Konflikten, daher denke ich das man sich selber vorher reflektieren sollte bevor man diesen Weg gehen will. Um bei M zu bleiben: Sie versuchte E an selbstbestimmten TV Konsum heran zu führen, merkte aber schnell das E nachmittags nur noch TV sehen wollte. Sie konnte das schlecht aushalten, denn das Kind braucht frische Luft, Bewegung und Kontakte. Was sie übersah war folgendes: E geht Vollzeit in die Krippe, er hat 8 Std am Tag Bewegung, Reize, Kontakte, freies und geführtes Spiel. Dieses Kind hat einen Vollzeitjob erlebt wenn er abgeholt wird, er sehnt sich nach Ruhe und Entspannung und wählt dafür den TV. Als ich M fragte was sie früher tat wenn sie von der Arbeit heim kam, schmunzelte sie dann erkennend welche Strategie E zum abschalten wählte. Sie passte ihre Erwartungen an mit der Konsequenz das sich die Situation entspannen konnte.

Bei uns funktioniert die Selbstbestimmung unter anderem deshalb, weil ich keine Erwartungen habe, selbstbestimmt ist selbstbestimmt, meine Erwartungen an meine Kinder haben da keine Relevanz, dennoch klappt es ganz gut in dem ich sie begleite in ihrer Selbstbestimmung, ihre Zeichen wahrnehme und sie dann leite, so klappt es mit dem TV Kosum genauso wie mit dem Schlafen- und zwar ohne weinen…

Aber ist das schon Unerzogen?

Ich sage nein, mir fällt es nämlich schwer gewisse Verhaltensweisen zu akzeptieren, wenngleich ich nachvollziehen kann was die Motivation dessen ist, dennoch kann ich das schlecht aushalten und unterbinde manche Dinge und biete Alternativen an… Natürlich werden die nicht immer gewollt, wäre ja auch zu einfach, aber es übersteigt einfach ab und zu meine Toleranzgrenze, ich kann es schlecht aushalten. Das zu wissen hilft mir trotzdem, denn ich kann meine Kinder reflektiert in ihrer Wut und Trauer begleiten…

Der Schlüßel liegt in diesem Satz:

Beziehung statt Erziehung“

Ich interpretiere ihn für mich so: wenn ich grundsätzlich in Kontakt ( Beziehung ) zu meinen Kindern trete, sie begleite und ihnen vorlebe dann werden sie kooperieren, nicht immer, nicht sofort, aber sie werden folgen, weil sie es wollen. Ich teile die Ansicht das Kinder aktiv an der Gesellschaft teilnehmen wollen, ein Teil davon sein wollen und das sie durch liebevolle Begleitung genau das werden und es auch gerne sind. Strafen und emotionale Erpressungen führen dazu das das Kind aus Angst vor Konsequenzen folgt und früher oder später rebelliert. Angst ist keine gute Komponente für eine Beziehung die gleichwürdig sein sollte, das ist bestimmt jedem bewusst. Gewaltfreie Erziehung ist demnach der Schlüßel zu kompetenten, selbstbewussten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ich finde ja, das wir davon viel mehr bräuchten, und wie erzieht ihr so? Hinterlasst gerne einen Kommentar, ich bin gespannt.

 

Oma ist mehr als ein Dino!

Die liebe Grummelmama schrieb über Großmütter. Wenn Mütter Löwen seien, so seien Großmütter Dinosaurier der Gattung Tyranosaurus Rex, der Artikel ist ganz amüsant, ein bisschen überspitzt und durchaus treffend. Aber Großmütter / Großeltern sind sehr viel mehr als kämpfende Urgesteine der Evolution!

 

Um Kinder zu erziehen benötigt man ein ganzes Dorf

 

Meine Großeltern waren mein ein und alles. Mit die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit verbinde ich mit meinen Großeltern, mit Opa im Wald, mit Oma beim Gummitwist und Seilspringen… Wir verbrachten sehr viel Zeit bei unseren Großeltern, nachdem unsere Mutter wieder zu arbeiten begann. Oma und Opa hatten also maßgeblich Einfluss auf unsere Erziehung, unsere Entwicklung und unser gesammtes Leben. Bis heute ist das so! Aber nicht nur Oma und Opa waren beteiligt. Auch Nachbarn, Onkels und Tanten, alle hatten ihren Anteil daran, das wir wurden wie wir sind. Es muss also was dran sein an dem Sprichwort.

Meine Eltern sind jetzt Großeltern!

Meine Eltern sind toll, wirklich! Mein Bruder und ich durften viel, kannten unsere liberal gesteckten Grenzen. Wir bekamen immer was wir brauchten, und ganz oft auch was wir uns wünschten. Sie schenkten uns Zeit und Erinnerungen, sie gaben uns Flügel und Wurzeln. Sie lehrten uns Werte, diskutierten verschiedene Meinungen statt sie zu unterbinden. Sie teilten den „Schwank ihrer Jugend“ mit uns, und zwar nicht nur die braven Dinge! Vor allem mein Dad hat ne Menge blödsinn angestellt.

Und jetzt sind sie Großeltern, die Großeltern meiner Kinder! Oh Schreck!!! Können sie genauso tolle Großeltern wie Eltern sein? Wie gehen sie damit um das ich einen Weg gehe, der nicht unbedingt der Norm entspricht? Können wir Differenzen und Konflikte überwinden ohne das unsere Beziehung leidet? Und wie entwickelt sich unsere Beziehung überhaupt? Viele Fragen die mir durch den Kopf gingen als ich vor etwas mehr als einem Jahr die Entscheidung traf wieder in ihre Nähe zu ziehen.

Viele Sorgen bzw Fragen haben sich relativiert. Meine Eltern sind wunderbare Großeltern, sie geben alles und noch mehr für uns, aber vor allem für die Knödels. Ja, es gibt Reibungspunkte, aber die lassen sich immer recht schnell und mit kurzen Worten entzerren. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir respektieren die Meinung des anderen. Unsere Beziehung ist eine andere geworden, vor allem die zu meiner Mama weil wir etwas besonderes teilen: die Erfahrung Mutter geworden zu sein! Meine Mama ist mein Anker wenn ich ins schlingern gerate, sie ist der Puffer wenn mir die kleinen tierisch auf den Keks gehen und ich sie am liebsten verkaufen würde. Sie ist die, die uns pflegt wenn wir alle 3 krank sind und sie ist die, die dann auch direkt Notfall-Schoki mitbringt wenns haarig wird. Und sie ist die, die von den Kindern abgöttisch geliebt wird. Aber auch Opa wird extrem geliebt und angehimmelt obwohl er viel strengere Ansichten hat, allerdings ist er weich wie Butter in der Sonne und lässt sich immer um den Finger wickeln. Obwohl er körperlich nicht mehr der aller fitteste ist, tobt er den Schmerzen zum Trotz mit den Knödels, geht mit ihnen Schaukeln und hilft beim erklimmen der Rutsche im Garten. Er füttert die Kids mit allem was sie mögen. Am liebsten jedoch mit Schokolade und Kartoffeln mit Majo ❤

Großeltern und ihre Rolle in der Erziehung

Wie der Name schon sagt, sie sind Eltern! Sie kennen sich aus mit Brutpflege und Kinder (V)erziehung. Sie sind Meinungsverstärker, Vermittler, Ratgeber, Tröster, Mut-zu-reder, sie sind die, die Laufräder repaieren obwohl sie nicht defekt sind, sie sind die, bei denen es mit den Regeln nicht so genau genommen werden muss, sie verteilen den ersten Keks, den ersten Schokoriegel und den ersten Becher mit Saft.  Aber sie sind auch extrem vorsichtig, oft sogar ängstlich in Situationen die mir als Mutter kaum eine Pulsbeschleunigung bescheren. An dieser Stelle treffen die Weisheit des Alters und die eigenen Erfahrungen auf entspannte Erstlingsmama sichtweisen. Trotzdem empfinde ich ihre Rolle im Leben der Knödels als unglaublich wichtig. Kinder können damit umgehen das es nicht immer gleich läuft, das es bei den Großeltern andere Regeln gibt, das man dort anders auf sich acht gibt. es ist wichtig für sie das zu lernen, zu begreifen zu erfassen. Es ist wichtig das sie weitere enge Bezugspersonen an sich binden um sich von mir lösen zu können. Und vor allem in meinem Fall ist der Opa besonders wichtig! Er ist eine konstante männliche Bezugsperson für den Knödel. Man weiß das Jungen, die von der Mutter allein aufgezogen werden oft nach einer männlichen Bezugs/orientierungsperson suchen, sie brauchen es für eine gesunde Entwicklung, sie wollen raufen, toben, kleinere Machtkämpfe austragen. Das sind eben Dinge von denen eine Mama nur ahnt, aber die Mama nicht oder nur bedingt erfüllen kann, denn Väter, Großväter oder Onkels usw gehen ganz anders mit Kindern um, als es Mütter, Großmütter oder Tanten täten.

Eine Hommage an meine Eltern

Natürlich gibt es nicht überall die Gegebenheiten das Kinder im engen Kontakt mit den Großeltern aufwachsen. Das erste Jahr war das für die Knödels auch so, und wären die Umstände anderes gewesen, wer weiß? Ob es nun die örtlichen Gegebenheiten sind oder persönliche Differenzen die es bezwecken das der Kontakt nur lose besteht, es gibt Gründe warum es so ist und so bleiben wird, aber da gehen wir nicht weiter drauf ein.

Ich schrieb diesen Text, weil er schon lange überfällig ist. Meine Eltern sind wunderbare Großeltern geworden, sie unterstützen uns mit allem was geht und darüber hinaus! Weil ich will, das sie wissen wie glücklich sie uns machen, und welch große Bedeutung sie im Leben der Knödelkinder haben, wie wichtig sie für uns sind und wie glücklich sie uns machen und weil ich nicht oft genug Danke sagen kann für all die Abendessen, Babysitterstunden, die unzähligen Tassen Kaffee und die 2382392784637468756398461938 Minuten am Telefon, für Wäscherei- und Trockenservice. Ihr sagt, für euch ist es selbstverständlich, für mich ist es das nicht. In den zwei schlimmsten Jahren meines Lebens kämpfte ich ziemlich verlassen von allen alleine, das ihr jetzt mit kämpft bedeutet mir die Welt.

Shit, jetzt weine ich. Dabei schrieb ich nur, weil ich mich mit Mama über den Artikel der Grummelmama unterhielt und sie der Meinung war, das Omas eher nicht so sind. Doch sind sie! Und Opas noch viel mehr! Aber ihr seid mehr als Kampfschweine an der Ungerechtigkeitsfront… Danke für alles was ihr seid und was ihr nicht seid, was ihr werden werdet!

Erinnerungen

Jeder hat diese eine Erinnerung an seine Kindheit die er unbedingt mit seinen Kindern neu auflegen will. Meine Lieblingserinnerung ist diese:

Es ist Sommer, meine Mama arbeitet. Mein kleiner Bruder und ich verbringen den Tag bei unseren Großeltern. Opa ist schon recht betagt, doch ein ausbund an Wissen. Mein Opa weiß einfach alles. Und er liebt die Natur. Nicht weit vom Hof meiner Großeltern liegt ein recht großer Wald. Höchstens 5 Gehminuten. Im Zentrum des Waldes befindet sich das Forsthaus. Drum herum befinden sich Ländereien und Pferdekoppeln. Am Forsthaus gibt es Eis und Cola.

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Wenn ich an diese Tage denke, ich war vielleicht 5 oder 6, an das Streifen durch den Wald, dann habe ich diesen Geruch des Waldes in der Nase, den Geschmack des Balla-Eis im Mund, die Stimme meines Opas, leicht außer Atem, in den Ohren und ich sehe meinen Opa auf der Bank vor dem Forsthaus wie er Kraft für den Rückweg schöpft. Ich sehe wie mein Bruder und ich die Pferde ansehen.

Nun ist dieser Wald nur 20 Minuten mit dem Auto von unsere Wohnung entfernt. Seitdem die Knödels so scharf aufs spazieren sind, wollte ich schon seit Wochen in den Wald fahren, durch die Wege streifen und mit den kleinen Rast am Forsthaus machen. Ich wollte ihnen meine Erinnerungen schenken.

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Ich weiß das es das Forsthaus nicht mehr gibt, bzw das es nicht mehr als Forsthaus dient. Man hat  daraus ein Klostercafe gemacht, denn auf dem Gelände wurde das Kloster ausgegraben, ziemlich modern rekonstruiert und für die Touristen schick gemacht. Es gibt keine Pferde mehr, kein Eis. Dafür Kuchen, Führungen durch die Ruine und einen Spielplatz. Nur der alte, tote Baum ist noch da. Aber das Gefühl von früher fehlt. Genau wie die Stimme von Opa.

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Trotzdem gehe ich gern in den Wald, auch wenn es dort nicht mehr so ruhig ist wie früher. Heute gibt es Kindergartengruppen, Touristen und geführte Reitausflüge. Aber wenn man früh genug ist und abseits der historischen Pfade unterwegs ist, dann ist es fast wie früher. Abgesehen von den Zombiemücken die sich aufführen als hätten sie noch nie Menschenblut gekostet. Wir fanden kleine Froschkinder und viele viele Schnecken. Motte war entzückt. Sie wollte alle Tiere einsammeln und mitnehmen. Hach, es tat weh ihr zu sagen das die Tiere in den Wald gehören und das sie sie nicht mitnehmen darf. Dieses flehende Gesicht, diese traurige Stimme die immer wieder „mit“ sagt wenn sie ein Tier fand, lassen das Mamaherz schon arg beben.

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Zwillinge stillen? Geht doch gar nicht! Oder doch???

Am Anfang meiner Schwangerschaft war für mich klar: Zwillinge stillen , das geht ja nicht. Im Verlauf reifte der Wunsch es zumindest zu versuchen. Zugegeben, der Start zum stillen war kein leichter. Ob eine erfolgreiche Stillbeziehung entstehen kann steht und fällt jedoch mit der Wahl des Geburtsortes und dem Personal. Das heißt zwar nicht grundsätzlich das man im Krankenhaus keinen guten Stillstart haben kann, doch ist man schon deutlich abhängiger von der Einstellung und dem Fachwissen der Schwestern und Hebammen. Auch bei einer ambulanten, Geburtshaus oder Hausgeburt kann immer etwas schief gehen und der Stillstart wird behindert.

Ein großer Faktor für das erfolgreiche Stillen ist das erste Bonding und das intuitive Stillen im Kreißsaal. Gerade bei Zwillingen ist aber hier schon ein potenzielles Problem zu finden: was ist wenn die kleinen zu früh in die Welt starten, es ihnen aus anderen Gründen nicht gut geht oder es viele Interventionen im Geburtsverlauf gab? Alles sind Punkte die Einfluss auf das stillen haben, die das Bonding stören. Viele Kinder sind auf Grund des durchschtnittlich niedrigeren Geburtsgewichts trinkschwächer.

Wenn die Kinder dann noch für eine Zeit auf der Neo-Intensiv betreut werden müssen, ist man auch noch häufig in den festgefahrenen Strukturen gefangen. Dann heißt es nur alle 4 Stunden stillen, maximal 15 Minuten soll das Kind an der Brust bleiben. Meldet sich das Neugeborene zwischen diesen Einheiten gibt es häufig , ohne Absprache mit den Eltern, einen Schnuller um das Baby auf seine Zeiten zu ziehen. Dann gibt es noch diese schrecklichen sogenannten Stillproben die nicht selten zu Verzweifelung und zufüttern mit Formulanahrung führen. Für viele Mütter mit Stillwunsch bedeutet dies der Anfang vom Ende, das Kind verweigert die Brust, der Milcheinschuß verzögert sich, die Milch reicht scheinbar nicht.

Der Weg zum Vollstillen ist an dieser Stelle ein schwerer für die Wöchnerin, er erfordert viel Geduld, Verständnis und Unterstützung im Umfeld. Doch gerade das Umfeld ist oft nicht hilfreich, es kommen Fragen ob man sich das wirklich antun möchte, eine Flasche wäre doch viel schneller und leichter gemacht, außerdem könnte man das Kind dann ja auch leichter abgeben. Neben der Tatsache, dass  diese Kommentare, genauso wie“ das Kind schreit vor Hunger, gib doch ne Flasche“, unter Umständen sehr verletzend und übergriffig empfunden werden, wird außer acht gelassen das zum besseren Bonding das Fläschchen vor allem in den ersten Lebensmonaten von den primären Bezugspersonen mit viel Körperkontakt gegeben werden sollen. Das sind in der Regel jedoch nicht die lieben Omas sondern Mama und Papa und das sollte von allen respektiert werden.

Doch was tun, wenn das Kind eigentlich schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen, es Stilprobleme gibt und man in dem Teufelskreis des zufütterns geraten ist?

Zunächst einmal sollte man natürlich seinen Wunsch mit seiner Hebamme besprechen, im Idealfall ist diese ausgebildete Stillberaterin, wenn nicht stellt sie Kontakt her.

Je nachdem wie der Gewichtsverlauf ist sollte man das zufüttern umgehend abbrechen oder, wenn das Gewicht noch problematisch sein sollte, tgl reduzieren. Es empfiehlt sich auf stillfreundliche Methoden wie das Fingerfeeding oder Bechern zurück zu greifen. Eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin könnte die frische, stillwillige Mama im Umgang mit einem Brusternährungsset schulen. Darüber hinaus:

Das Wochenbett gehört ausgiebig zelebriert:

Eine Woche im Bett

Eine Woche am Bett

Eine Woche ums Bett herum.

So sagen es die alten Hebammen gerne.

Außerdem: viel kuscheln, am besten nackt um viel Hautkontakt zu haben, das steigert die Ausschüttung von Oxytocin und unterstützt das Bonding, beides wichtige Indikatoren für das erfolgreiche Stillen. Auch das stillen nach Bedarf, das oft Nerven zerrende Cluster Feeding und das weglassen von Fremdsaugern unterstützen das Stillen, auch das abpumpen von Muttermilch kann, muss aber nicht, die Milchmenge steigern. ( auf der Seite http://www.stillkinder.de gibt es eine Anleitung zum „Power-Pumpen“).

Hilfreich ist es auch sich verschiede Positionen zum Stillen von Zwillingen zeigen zu lassen, von der LLL gibt es außerdem schöne Grafiken auf den verschieden Positionen schematisch dargestellt werden, denn Tandemstillen ist gerade in den ersten Wochen ein Lebensretter für stillende Mehrlings- oder mehrfach Mütter die länger stillen wollen. Die Milch fließt leichter, die Milchmenge reguliert sich schneller.

Und sollte es trotz der vielen Bemühungen nicht funktionieren, dann ist es zwar oft eine traurige Nachricht für die frisch gebackene Mama, doch auch die Zwiemilch-Ernährung, das Pump-Stillen oder das alleinige Füttern von Formulanahrung sind nicht allein entscheidend für eine glückliche Kindheit und eine sichere Bindung. Stillen ist nur einer von vielen Faktoren die eine sichere Bindung unterstützen. Dogmatismus ist an dieser Stelle nicht angebracht, und Vorverurteilungen ebenso. Das wichtigste ist immer das es Mutter und Kind gut geht mit dem Weg den man gewählt hat, unwichtig ist was andere denken.