Mein Weg zur VBA2C… Teil 1 #Gastartikel

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Vor einiger Zeit schrieb ich hier über meine Gefühle zur Schwangerschaft meiner Freundin Kitty. Heute möchte sie sich selber an euch wenden. Sie hat nicht so tolle Geburtserfahrungen machen dürfen und wünscht sich für ihr drittes Kind eine natürliche und interventionsarme Geburt.

VBA2C : vagnial birth after 2 cesarean sections. Also die vaginale Geburt nach 2 Kaiserschnitten.

 

Kitty erzählt euch von ihrer ersten Geburt und welche traumatischen und weitreichenden Folgen es für sie und ihren Sohn L. hatte. An dieser Stelle möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen. Das erlebte ist wirklich schwer zu verdauen für zarte Gemüter.

 

Für alle die sich fragen, nanu – wer schreibt denn da?

Ich bin Kitty, 34 Jahre jung und Mutter von 2 tollen Jungs! Mein Großer (L.) ist 2002 geboren und der Kleine (M.) 2010. Mit dem 3. Jungen bin ich aktuell in der 18. SSW. Und natürlich, auch wenn ich damit gar nicht so gerechnet hätte, kommt alles wieder hoch: ich wünsche mir eine heilende Geburt und ich habe Angst, dass alles schief geht. Leider werden einem eine Menge Steine in den Weg gelegt wenn man ein 3. Kind nach 2 Sectios spontan zur Welt zu bringen will.

Ich möchte euch teilhaben lassen, es gibt so viele Frauen, denen es ähnlich geht. Und so viele trauen sich nicht, werden mit noch mehr Ängsten wieder nach Hause geschickt. Die Ärzte und Hebammen machen Druck, man fühlt sich allein und denkt, man kann es nicht schaffen.

 

Allein Geburtsberichte zu bekommen, obwohl es gesetzlich jedem zusteht, ist ein Stein! Denn so einfach machen sie es einem nicht.

 

Aber nun erstmal zu meiner Geschichte, die Geburt meines ersten Sohnes!

Bei L. bin ich mit Wehen hier ins örtliche Krankenhaus gegangen, freute mich auf die Geburt, über die Wehen, war guter Dinge und uninformiert, es ging los! Endlich!

In ein paar Stunden würde ich Mama sein! Wunderbar! Soweit bis dahin. Es kam alles anders als gedacht. Nichts von alldem hatte ich vorher schonmal gehört, ich war auf nichts vorbereitet was dann kam. Damals hatte ich auch keine Hebamme, keinen Geburtsvorbereitungskurs, wir hatten kein Internet und so lief ich mit meiner rosa Brille, Jung und Naiv direkt in die Arme meiner persönlichen Geburtshölle.

Ich lag da also auf dem Bett, am Dauer CTG, warum? – das hatte mir keiner gesagt. Ich durfte nicht aufstehen, lag da alleine, mich fragend was denn los war, bekam aber keine Antworten. Es ist so lange her und ich habe mittlerweile vergessen, wie lange das alles gedauert hat. Es wird schon einige zeit gewesen sein, aber große Sorgen machte ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht, vielleicht war das auch einfach normal so.

 

Irgendwann kamen auf einmal mehrere Leute rein, ich weiß nicht wer das war. 

 

Krankenschwestern, Hebammen, Praktikanten, Zirkusdirektoren, Ärzte…. keine Ahnung! Einer der Menschen, ich schätze das war der Arzt, kam zu mir und wollte mich vaginal „untersuchen“. Dafür musste ich mich mit dem Poppes direkt an den Bettrand legen. Er legte los und nur einige Sekunden später platschte es, ich wurde nervös, fragte was das war und dann wurde es hektisch um mich herum.

Die ganzen Menschen stürmten um mich herum, verfrachteten mich auf ein anderes Bett, zogen mir da irgendwas anderes an, während mir eine einen Katheter legte und ich im gleichen Atemzug etwas unterschreiben musste, von dem ich nicht mal wusste, was das war. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Unterschrift komisch aussah… na klar – währenddessen wurde mir ja auch noch ein Venenzugang gelegt.

Ich wußte nicht was los war, ich weiß auch nicht mehr, was und ob man mit mir sprach. Als das alles getan wurde, brachten sie mich in den Aufzug und ab da weiß ich irgendwie nichts mehr. Ich weiß nicht mehr wie ich im Aufzug lag, in den OP kam und an die Narkose kann ich mich auch nicht erinnern.

Die erste Erinnerung ist dann die, als ich aufwachte und meine Mama neben mir am Bett saß und das einzige was ich fragte war, „Wo ist mein Baby!?“ Ich weiß nicht mehr wie oft ich das wiederholte. Es war wie ein Traum, ein schlimmer Traum. Ich wußte nicht was passiert ist, war mir nicht mal sicher ob ich noch lebe oder gestorben bin, ob mein Baby noch lebt. Alles war verschwommen und ich hatte furchtbare Angst. Was meine Mama antwortete weiß ich leider auch nicht mehr. Ich weiß nur, wie blaß sie war. Sie hatte auch Angst.

Der Papa von L., der während des ganzen Spektakels die ganze Zeit eine verzerrte Randfigur war, war verständlicherweise genauso fertig mit der Welt. Und ich frage mich immer wieder, wie können Menschen mit anderen Menschen so umgehen.

Nächste Erinnerung ist, dass ich auf ein Zimmer gebracht wurde. Es war Mittag. Ich fragte ob ich meinen Sohn sehen könnte, wurde aber verneint, da er auf der Säuglingsstation lag, er hatte wohl grünes Fruchtwasser, Kindspech hineingemacht, müsste beobachtet werden.

 

Man brachte mir ein Polaroid.

 

Später erfuhr ich dann, das ich, nachdem die Fruchtblase geplatzt ist, einen Nabelschnurvorfall hatte. Ich durfte nicht aufstehen, mein ganzer Körper war ein Schmerzklumpen, keiner konnte mir sagen warum. Tage später erfuhr ich, dass es wohl vom Gas kommt, womit ich aufgepumpt wurde und das jetzt durch meinen Körper wandert um raus zu kommen. Es waren solche Schmerzen, ich konnte beim weinen nicht mal ein wenig zucken. Und ich hab viel geweint.

Tage später durfte ich aufstehen und man fuhr mich im Rollstuhl nach oben auf die Station. Im ROLLSTUHL!! Wobei mich die Schwester so unsanft einfach überall gegen fuhr und so lieblos und unfreundlich war. Ich kam dann oben an, sah das kleine Bündel und sah das Bettschild, das Armbändchen.

 

Da stand ein falsches Datum, das wurde einfach einmal durchgestrichen…

 

…und das richtige drauf geschrieben. Und die ersten Tage manifestierte sich der Gedanke, die haben was falsch gemacht, ihn vertauscht, obwohl er aussah wie sein Vater. Aber manchmal macht das Gehirn seltsame Dinge mit einem. Ich wurde wieder auf mein Zimmer gebracht und am nächsten Morgen brachten sie ihn mir in mein Zimmer, stellten ihn ab und gingen wieder. Da saß ich dann. Leer, voller Angst, weinend, hilflos und donnerte geradewegs in eine fette Postnatale Depression. Und keiner bemerkte es, oder wollte es bemerken.

Am Abend wurde es richtig schlimm. Ich habe mich vorher in meinem Leben noch nie so gefühlt, ich wußte nicht, dass es so eine Welt überhaupt gab. Und es war so schlimm, dass ich eigentlich dafür keine Worte finden kann. Ich hatte Panik, bekam kaum Luft, weinte als gäbe es kein Morgen mehr, wünschte mir, ich wäre nicht am Leben, ich konnte diese Gefühle nicht aushalten, sie zersprengten mich, sie legten mich lahm, ich hatte keinen Gedanken mehr, der mir hätte helfen können.

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Mein Ich lag am Boden und verschmolz mit ihm zu einer Masse aus einzigem Schmerz.

 

Alle dachten es wäre Heimweh. Also dachte ich das auch. Woher sollte ich auch wissen, was es sonst sein könnte? Morgen, wenn ich zuhause bin wird alles gut! Das war der letzte Funken Hoffnung der mich aufrecht hielt. Ich denke, jeder kann sich jetzt denken, dass nicht alles gut wurde.

Ich besorgte mir auf anraten einer Schwester im Krankenhaus eine Hebamme, bzw tat sie das für mich, sie kam auch und versuchte irgendwas zu retten und war auch total überfordert, sie hatte sowas selber noch nicht erlebt. Ich konnte nicht schlafen, selbst die Schlaftabletten haben nicht geholfen.

Ich hatte Panik Attacken, war nur am weinen und hatte viele schlimme Gedanken. Ich konnte mich nicht um dieses kleine Baby kümmern. Ich hatte Angst vor ihm. Der Vater und ich lebten nicht mehr zusammen, er wohnte ein paar Häuser weiter und war gerade am renovieren. Und jedesmal, wenn L. wach wurde bekam ich Panik und musste ihn anrufen, damit er kommt.

Das legte sich etwas nach einiger zeit und ich konnte L. versorgen. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich ihn das erste mal alleine baden konnte! Das muss man sich mal vorstellen…. das kann man nicht, wenn man es nicht selber erlebt hat.

Damals wurde so eine Depression noch nicht so thematisiert wie heute! Heute fängt man endlich an, sie zu sehen, die Frauen zu sehen, denen es so geht. Und es sind viele. Früher gab es das nicht, keiner wußte irgendwie so recht was damit anzufangen. Und so blieb sie bei mir wohnen. In mir, neben mir. Jahrelang.

Als L. knapp 3 Jahre alt war, ging es mir wieder sehr schlecht. Ich habe es nie geschafft, eine Bindung zu meinem Kind aufzubauen. Ich habe ihn nie sehen können als das was er ist. Ein super süßes, total einfaches, entspanntes, tolles Baby und Kind! Heute zerreißt es mir mein Herz, wenn ich daran denke, Bilder von früher sehe und ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen und dieses kleine süße Bündel einfach in den Arm nehmen und es lieben. Es wieder gut machen.

Seit er knapp 3 Jahre alt war, lebte er bei meiner Mama. Sie hat ihn zu sich genommen als ich nicht mehr konnte. Mittlerweile wohnt er bei seinem Papa und seiner neuen Familie, er ist schon so groß, es geht ihm gut, er ist ein wirklich toller Mensch geworden. Wir haben Kontakt, wir schreiben uns und das was mich am meisten berührt ist, dass er nicht einmal böse auf mich ist, dieser liebe Junge, der sich sogar total freute als er erfuhr, dass sein kleiner Bruder M. unterwegs war.

 

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Nachdem L. zu meiner Mutter ging, wurde es natürlich nicht einfacher.

 

Die Menschen sind schlimme Wesen und als wäre mein schlechtes Gewissen und meine Selbstgeisselung nicht genug, ich bekam von allen Seiten Hiebe und Schläge. Keiner fragte warum aber alle wußten genau bescheid. Ich war ein schlimmer Mensch, ich wollte das arme Kind nur nicht, weil ich lieber feiern wollte und noch viele andere Dinge. Es war schlimm.

Und auch heute noch, so viele Jahre später, hab ich diese Schuldgefühle und es tut mir so leid. Mittlerweile ist es mir egal, was irgendwelche Menschen denken. Die mussten da nicht durch gehen. Und für mein Kind war es die beste Entscheidung, ihn bei meiner Mutter leben zu lassen.

 

Ein Kind brauch Liebe und Geborgenheit und jemand, der es küsst und kuschelt. All das konnte ich nicht. So sehr ich es versuchte.

 

Und bis heute kann ich über diese Geschichte nicht sprechen. Sobald es in die Richtung geht und ist es nur, dass ich erzählen muss, wie er auf die Welt kam, bin ich gefangen und ich muss weinen. Während ich diesen Text schreibe weine ich ununterbrochen. Es schmerzt immer noch und ich denke es wird auch niemals aufhören. Aber es ist gut, dass ich das jetzt schreibe. Wenn reden nicht geht, dann geht schreiben und endlich kann ich sagen, was ich gefühlt habe, das kann ich nicht, wenn ich es aussprechen muss. Wie es bei M. ablief, werde ich im nächsten Beitrag berichten!

 

Bis dahin – bleibt stark und steht für euch ein! Viele Grüße, Kitty

 

(copyright : Kitty Trashcore/ Keins bestellt, 2 bekommen)

 

HILFE! Meine Freundin ist schwanger!!!!

Links: das Wampi von J. im 4ten Monat Rechts mein Wampi im 8ten Monat

Links: das Wampi von J. im 4ten Monat Rechts mein Wampi im 8ten Monat.

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Passend zum letzten Beitrag und den vielen anderen darüber wie mies es mir ergangen ist schreibe ich heute mal darüber wie es eigentlich ist wenn Freundinnen schwanger sind.

J. und ich kennen uns schon eeeeeewig. Damals war ihr Mini noch miniklein. Heute geht er schon zur Schule. Sie ist/war auch alleinerziehend und wir haben immer den Kontakt gehalten. Mal mehr, mal weniger, doch wenns drauf ankam war sie da. So half sie wie ganz selbstverständlich beim Umzug mit, hat sogar ihren Freund verpflichtet obwohl wir uns ewig nicht sahen. Ich mag sie sehr.

Schon länger wünschen sie und ihr Freund sich ein Baby, im neuen Jahr wollten sie anfangen an einem Baby zu basteln, doch wie das manchmal so ist: Der neue Erdenbürger hat sich schneller eingeschlichen als erwartet.

Die Schwangerschaft löst zugegeben gemischte Gefühle bei mir aus. Immer noch schwingt Neid mit, wenn andere Frauen so unkompliziert schwanger sein können. Doch sehe ich diese Schwangerschaft auch als Chance für mich. Ich kann lernen und aktiv sehen wie eine Schwangerschaft sein kann, das es nicht schrecklich und lebensbedrohlich sein muss. Ich erlebe wie man achtsam mit dem Thema umgeht. Das alles ist ein Gewinn für mich. Mein Ziel ist es abschließen zu können und bisher habe ich den Eindruck das es mir,mit der Hilfe von J und ihrem Baby, gelingen könnte.

Irgendwas hat sich verändert und ich spüre wie ich mich mit dem Thema Schwangerschaft auf einer anderen Ebene befasse. Es tut mir gut das alles noch einmal passiv aber ganz nahe dran erleben zu können, denn J bezieht mich in viele Aspekte ihrer Schwangerschaft mit ein. Auch wünscht sie sich Begleitung und Unterstützung von mir, auch wenn noch nicht klar ist wie weit und in welchem Umfang, aber sie lässt mich bei so vielen Dingen Teil haben und ich bin genauso ungeduldig und aufgeregt als wäre ich selber schwanger, nur ohne dickes Wampi und ohne Kotzen. Man könnte es secondhand schwanger nennen und ich finde ganz langsam meinen Frieden mit meiner eigenen Schwangerschaft, denn ich sehe das es anders sein kann und ich habe Hoffnung das ich das auch so erleben darf.

Ich freue mich unglaublich darauf ein neues Menschenkind in meinem Leben begrüßen zu dürfen. Und ich verspreche euch: ich werde es weg schnüffeln.

Das große ABER:

ich bin neidisch. Nicht das ich ihr ihr Glück missgönne . Im Gegenteil ich freue mich sehr für sie aber da sind so kleine Stiche :

Sie darf unkompliziert schwanger sein.

Sie darf überhaupt schwanger sein.

Sie wird ein Baby haben.

Ich habe das alles nicht.  Das ist doof, denn ich wünsche mir mehr Kinder  ( Gott bin ich gestört), ich wünsche mir eine unkomplizierte Schwangerschaft.  Und einen Partner der sich das auch wünscht.

Habe ich aber nicht, also genieße ich secondhand Glück und fühle mich ganz gut dabei. Immerhin sind es ihre schlaflosen Nächte, ihre 1532o10472 Windeln am Tag , ihre Babykotze , ihre Wehen und ihre doofe Anfangsphase beim Stillen. Nicht meine! Finde ich auch nicht so schlecht. Ich kann derweil schön Baby schnüffeln, sie unterstüzen wenn nötig, grinsend an die letzten Jahre denken und sagen: habe ich hinter mir.

Ich weiß ja nicht, vielleicht ist das  auch generell so ein Mütterding:

Babyneid, gemeinsame Freude, Genugtuung das man es „hinter sich“ hat. Denn so richtig weiß man ja auch nicht mehr wie die ersten Monate mit Baby waren. Nur das was extrem toll war oder extrem scheiße. Hormone sind schon eine seltsam gestörte Angelegenheit , unsere Psyche ebenfalls.

Warum macht es so ambivalent wenn andere Frauen ein Baby bekommen und man selber nicht? Darauf habe ich echt keine Antwort.

Ich freue mich auf einen neuen Schritt in Richtung Seelenheil. Ich freue mich auf ein neues Menschenleben. Ich freue mich für J und B und auf viele neue Erinnerungen in meinem Kopf die das alte löschen werden wenn es an der Zeit sein wird.

 

Außerdem möchte ich mich bei allen für meinen kleinen SCHABERNACK entschuldigen. Ich bin nicht schwanger und habe trotz aller Babysehnsucht nicht vor daran derzeit was zu ändern denn ich habe noch viel vor, und wenn ich das erreichen konnte, dann werde ich bestimmt noch ein oder zwei Babys bekommen!

 

Copyright: Kitty Trashcore und Keins bestellt, 2 bekommen!

Allein unter Ein-Kind- Muttis

oder auch ein Kind ist kein Kind.

Als ich nach möglichen Themen für den Blog fragte wurde sich gewünscht, ich sollte mal erzählen wie das so ist, alleine unter Müttern die nur ein Kind haben, als ich dann noch für die „Eltern“ von Anneliese von Zwillinge: Einer schreit immer mit dem Satz : “ ein Kind ist kein Kind“ zitiert wurde , muss ich wohl oder übel mal Stellung beziehen.

Den Satz kennen viele Mütter, ich habe ihn, glaube ich, das erste mal bei Urnaturaen  gelesen, sie erzählte darüber das sie das Leben mit zwei Kindern doch zunächst ein bisschen unterschätzt habe und meinte dann: Eins ist keins. Also kein überheblicher Spruch einer unwissenden Zwillingsmama, sondern von einer Mama mit zwei Kindern unter 2 Jahren.

Natürlich ist man als Mutter von einem Kind geneigt ein bisschen angesäuert zu reagieren, schließlich können auch diese Kinder einen ganz schön in den Wahnsinn treiben. Doch liebe Mamas, ihr seid überwiegend in einer sehr schönen Lage, auch wenn es anstrengend ist. Und selbstverständlich gibt es auch Mamas deren Einling wesentlich anstrengender war, als die folgenden Zwillinge.

Doch wie ist es nun, allein mit Twins unter Einlingsmamas?

Ich muss sagen, es ist toll. Meine Freundinnen sind echt immer am Start wenn ich um Hilfe bitte und nehmen das erhöhte Kinderaufkommen extrem gelassen und trauen sich auch mal eine Weile mit allen Kids allein zu, damit ich mal ein bisschen Luft zum atmen habe. Doch es gibt Momente, da bin ich wirklich ein bisschen neidisch ( obwohl ich mein Doppelpack nie gegen ein Einzelkind tauschen würde), es sind häufig ganz banale Alltagssituationen wo ich schon denke, mit einem wäre es leichter, und wo auch die Mädels bestätigen, das sie sich das mit zweien nicht vorstellen können, allen voran: Haushalt und Einkaufen. Oder schlechte Laune bei den Minimenschen. Entweder hat man zu wenig Hände, oder zu viele, oder ein Kind muss mit seinen Bedürfnissen hinten anstehen. Mittlerweile ist das mit den Bedürfnissen nicht mehr ganz so schlimm, viele können sie auch zur Not selbst befriedigen oder schlicht und ergreifend warten.

Wenn ich also sage „ein Kind ist kein Kind“ so meine ich nicht, das ein Kind keine arbeit macht sondern lediglich die Überlegung wie einfach manch alltäglicher Stress zu bewältigen wäre, wären meine Zwillinge ein Einling geworden. Gerade auch das Thema schlafen ist so ne Sache, da denke ich oft: Mit einem wäre es einfacher, meine beiden halten sich nämlich gegenseitig wach, stören den Einschlafprozess und wecken sich zur Not auch. Trennen wird nicht toleriert, nacheinander ist auch keine Option. Natürlich weiß ich, auch ein Einzelkind schläft nicht zwingend schneller, besser oder länger, aber es wäre nur ein Kind mit starken Bedürfnissen, nicht zwei.

Daher, liebe Einkindmamas, nehmt es mir nicht übel, in meiner Vorstellung habt ihr es nicht leicht, aber manchmal leichter. Wenn ich das sage, dann will ich euch nicht herabwürdigen, ich spreche meinen heimlichen Frust aus. Und auch wenn das Leben mit zwei Kindern manchmal frustrierend ist, ich wünsche es mir gar nicht anders. Mit fast zwei Jahren ist es überwiegend schön, Zwillinge zu haben, zu sehen wie sie sich lieben, miteinander Blödsinn machen und die Welt entdecken.

Und das Leben unter Müttern ohne Zwillinge? Ich finde es schön, wir können zwar gegenseitig nicht immer nachempfinden wie es dem anderen gehen mag, doch pflegen wir einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. Manchmal äußern meine Süßen jedoch Mitleid wenn hier wieder alles drunter und drüber geht, sie können nur erahnen wie es dann für mich ist, doch nie würden sie sagen das sie nicht mit mir tauschen würden, nie sagen sie: „Zwillinge? Oh Gott, ich hätte mich umgebracht“ nein, sie sehen das Leben mit Zwillingen genauso wie ich: besonders, spannend, herausfordernd. Sie wissen um diese Aufgabe und freuen sich ein Teil dessen sein zu können. Dank der beiden kann ich alles das tun, was Einkindmütter auch tun können. Das ist wirklich wertvoll. Diese Unterstützung empfinde ich als einmalig und daher macht es für mich keinen Unterschied wie viele Kinder meine Freundinnen in wie vielen Geburten hatten. Was zählt ist die gegenseitige Wertschätzung und der gegenseitige Respekt vor der Aufgabe, Mutter zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Ein Kind ist kein Kind, aber manchmal auch anstrengend wie 2 oder mehr Kinder. 2 Kinder sind ne Ansage, aber auch das kann ganz  entspannt sein.

Von daher: weniger dogmatisch sehen, das Leben genießen und sich über die Kinder die man (um sich) hat freuen.

Freunde

Freunde sollen die Familie sein, die wir uns aussuchen. Doch was sagt es über mich aus, wenn ich bei der Wahl meiner Freunde ein äußerst schlechtes Händchen habe? Und was sagt das über meine Familie aus?

Zeit meines Lebens,  so fühlt es sich zumindest an, renne und rannte ich so genannten Freunden hinterher. Diese Freundschaften waren nie von bestand,  ich war nicht cool genug, nicht schlau genug, zu dick, zu unsportlich, ich war in falschen Klasse, wohnte im falschen Ort oder zog zur falschen Zeit um. Nie fand ich so richtig Anschluss.
Auch in der Ausbildung zeigte sich ein Problem: ich war zu jung und damit abhängig von meinen Eltern, und auch zu vernünftig.
Ich wurde erwachsen und entwickelte meine eigenen Vorstellungen von Moral,  Ethik und Empathie. Ich suchte nicht mehr nach Freunden sondern lebte mein Leben so wie es mir gefiel. Sollten sich Freundschaften entwickeln so würde ich mich nicht mehr anpassen sondern danach wählen ob diese Menschen in mein Leben passten. Nach meinem Umzug fand ich Freunde die zu mir passten ohne das ich mich anpassen müsste. Wir machten ne menge Blödsinn und dann wurde ich schwanger. Die Freundschaften waren dahin, sie zerbrachen an der Hyperrmesis. Es fehlte an gegenseitigem Verständnis für einander.

Es folgten 1,5 Jahre in denen ich nahezu ausschließlich virtuelle Kontakte pflegte da es mir kaum möglich war reale Kontakte zu pflegen. Erst die schwere Schwangerschaft, dann die erste Babyzeit mit zwei Steinzeit-Babys, dann die Depressionen.  Die Kontakte die ich noch pflegte zerbrachen an meinem Unwillen mich nach dem scheitern einer Beziehung zu entscheiden, ich wollte nicht zwischen zwei geliebten Menschen wählen und verlor dadurch wieder einen.
Auch die virtuellen Kontakte gingen verloren. Schuld daran bin ich gewesen,  beziehungsweise die Depressionen. Zumindest bei einer von ihnen konnte ich mich entschuldigen, sie reichte mir die virtuelle Hand und ich konnte sie nehmen und über meinen Schatten springen und um Verzeihung bitten.  Ich hoffe das ich nach und nach auch die Kraft finden werde, den anderen zu sagen das es mir leid tut.
Dann kam der Umzug. Alles auf Anfang.

Ich fand schnell Anschluss an eine Gruppe von Mamas und freute mich ein paar Menschen gefunden zu haben die ähnlich dachten und fühlten wie ich. Doch dummerweise machte ich einen Fehler, der mir schon öfter passierte: ich sagte schonungslos ehrlich meine Meinung,  zack Freundschaft kaputt. Ich weiß nicht ob die Freundschaft zu den anderen langfristig bestehen bleiben kann, ich würde es mir sehr wünschen, doch bevor sie zwischen mir und einer anderen Person wählen müssen, verzichte ich lieber. Man sollte sich nicht zwischen Menschen die man mag entscheiden müssen. Das ist kacke.

Heißt Freundschaft also 100% Anpassung?  Verzicht auf eure eigene Meinung? Immer nur ja sagen und positive Aspekte sehen um die negativen auszublenden?
Ehrlich gesagt kann ich das nicht beantworten,  doch wenn das Freundschaft ausmacht,  will ich das nicht.  Es erscheint mir falsch und heuchlerisch,  doch es passt zum oberflächlichen, schnelllebigen Zeitgeist unserer Generation in der man alles haben kann und kaputtes entsorgt wird, statt zu reparieren. Warum um etwas kämpfen und gemeinsam an einem Problem arbeiten wenn Nachschub an jeder Ecke verfügbar ist?

Es ist eine traurige Entwicklung, aber vielleicht ist es auch naiv von mir zu glauben es gäbe sie wirklich: wahre Freunde die bedingungslos hinter einem stehen und auch konträre Meinungen akzeptieren ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen.
Doch ich glaube wirklich an diese bedingungslose Freundschaften, denn eine handvoll Menschen für die Freundschaft genau das ist darf ich kennen, aber das schönste ist, dass ich sie Freunde nennen darf ( ihr fehlt mir so) und vielleicht darf ich auch meine neuen Freunde doch behalten,  weil sie sich nicht entscheiden mussten und sich mit ein wenig Distanz alles zum guten wendet.