Es ist Zeit los zu lassen – die Knödels gehen in den Kindergarten 

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Eigentlich, so war der Plan, sollten die Knödels nicht in den Kindergarten gehen. Meine Mutter sollte als Tagesmutter die beiden betreuen wenn ich wieder arbeiten gehen würde. Die besten Pläne taugen aber  nichts wenn man das Leben nicht einkalkuliert. Lange Rede, kurzer Sinn:

Meine Mutter wird keine Ressourcen haben um Motti und Knödel zu betreuen und ich muss eine alternative finden. Also haben wir diese Woche mehrere Kindergärten und KiTas angesehen.

Die Einrichtung im Ort ist keine Option 

Natürlich gibt es bei uns auch Kindergärten, sogar richtig viele aber sie passen nicht zu uns und unseren Bedürfnissen. Die kleinen Einrichtungen haben schreckliche Zeiten zur Betreuung, die mit den besseren Zeiten nehmen meine Kinder erst wenn ich schon lange wieder arbeiten muss oder sie sind mit über 120 Kindern mehr als ausgelastet. Das möchte ich nicht für meine Kinder also habe ich bei der Gemeinde einen Antrag zur Kostenübernahme gestellt damit die Knödels außerhalb einen Kindergarten besuchen können. Und dann begann die Suche und das war gar nicht so leicht!

Folgende Fragen habe ich bei der Auswahl zu Grunde gelegt:

– wo ist die Einrichtung? Ist sie gut für mich und auch meine Mutter zu erreichen?

– in welchen Zeiten wird betreut?

-wie flexibel bin ich in der Nutzung der Betreuungszeiten?

– wie stehen die Erzieher zu Stoffwindeln und zur vegan/vegetarischen Ernährung?

– wie sehr wird auf die Bedürfnisse der kinder geachtet? 

– und natürlich auch wie ist der Betreuungsschlüßel?

Nachdem ich eine Woche lang nur telefoniert habe, konnte ich eine Vorauswahl treffen und am Ende blieben 3 Kindergärten über, die wir uns gemeinsam näher ansehen wollten.

Erste Station:

Das Montessori Kinderhaus!( private Einrichtung)

Eigentlich wäre dieser Kindergarten meine erste Wahl aber leider waren wir zu spät und ein flexibler Vollzeitplatz für gleich 2 Kinder war nicht zu meinem Wunschtermin machbar. Wir hätten nur einen Nachmittagsplatz bekommen können. Gegangen wäre das bestimmt auch irgendwie aber mir fehlte trotzdem etwas die flexibilität die ich in meinem Beruf benötige um genug Geld für uns 3 zu verdienen.

Die Einrichtung war wirklich schön, sehr ansprechend arrangiert und eingerichtet. Dort können 108 Kinder in Gruppen von maximal 25 Kids bzw. 18 Kids in der Integrationsgruppe betreut werden. Trotz der Menge an Kindern war es angenehm ruhig und alle Kinder wirkten zufrieden und ausgeglichen. Ich hätte die Twins gerne dort angemeldet. Aber wir hatten ja noch weitere Stationen.
Die Kindervilla ( städtische KiTa )

Eigentlich hatte ich große Erwartungen an diese KiTa, sie ist sehr neu und hat nur 20 Kinder in der Betreuung. Plätze wären auch schnell verfügbar gewesen. Die Betreuungszeiten sind nicht optimal aber es wäre mit Hilfe von Freunden und Familie machbar gewesen. Leider war der Underdog in der Liste den Erwartungen in keinster Weise gerecht geworden. Den Kindergarten als solches gibt es schon wirklich sehr, sehr lange aber vor etwa einem Jahr hat der Träger gewechselt. Ich hatte nicht viele Erwartungen aber diese wurden noch unterboten:

  • es gab kein Konzept in das man als Eltern hinein sehen konnte.
  • die Einrichtung ist teilweise saniert worden und wirkt unfertig
  • der Ablauf wirkt unstrukturiert
  • das Inventar ist spärlich und zum Teil schon sehr alt und defekt ( man merkt im Vergleich zu den andern Einrichtungen das dieser KiTa die finanziellen Mittel fehlen)
  • Die Leitung wirkte nicht aufrichtig im Gespräch, ich hatte den Eindruck sie würde sagen was ich hören wollte.
  • Festgelegte Zeiten zum Essen, Mahlzeiten werden gestellt, man hat keinen Einfluss auf die Nahrungsmittel für die Kinder.
  • Der Kontakt zu den Kindern wirkte lieblos

Das einzige pro in dieser Einrichtung ist die vergleichsweise kleine Gruppe. Es gibt 16 Kindergartenplätze und 4 Krippenplätze. Der Spielplatz ist auch sehr schön aber auch eher spartanisch angelegt.

 

Der Kindergarten ( kommunale Einrichtung)

 

Diese Einrichtung hatte bei mir einen Platz unter den Favoriten schon bevor wir sie besucht haben, denn neben einem wirklich schönen Internetauftritt und einem ausführlichen Konzept als PDF-Datei zum download die schon früh Pluspunkte sammelten weil alles stimmig war, kenne ich viele die dort in den Kindergarten gingen, später die angehörige Grundschule besuchten ( nach 3 privaten Schulen für mich in der Region ebenfalls Favorit) und weiß wie zufrieden sie dort waren und das sie auch selber ihre Kinder dort hin schicken würden. Auch gehen/ gingen 3 von 4 Tageskindern meiner Mutter in diesen Kindergarten, auch diese Eltern sind höchst zufrieden mit dem Kindergarten an der Grundschule.  Im letzten Jahr lernen die Kinder die Lehrer ihrer zukünftigen Schule kennen, durch die gemeinsame Nutzung von Turnhalle und Schwimmhalle sind sie bereits bestens mit den Nebengebäuden ihrer zukünftigen Grundschule vertraut, denn auch das Mittagessen wird in der Mensa der Schule eingenommen. Getrennt vom Schulhof gibt es einen wirklich schönen, anregenden, großen Spielplatz für die die Kindergartenkinder.

Letztlich habe ich mich für den klassischen Kindergarten entschieden, denn Wohnortnähe, flexible Zeiten und ein bedürfnisorientierter Umgang mit den Kindern sind dort sichergestellt, so können die Kinder beispielsweise frei wählen wann und mit wem sie ihr Frühstück einnehmen und auch entsprechend ihres Ruhe- und Schlafbedürfnisses schlafen. Desweiteren können sich die Kinder innerhalb der Einrichtung frei zwischen den Räumen bewegen und ein Angebot ihren Neigungen entsprechend nutzen, denn außer dem Morgenkreis finden innerhalb der geschloßenen Gruppe nur recht wenige starre Einheiten statt. Die Kinder können frei wählen und auch das freie Spiel nimmt einen großen Stellenwert ein.

Auch die Tatsache das der Kindergarten sich für die Grundrechte der Kinder einsetzt und eine gewaltfreie Erziehung für das höchste Gut hält haben zu dieser Entscheidung beigetragen, aber auch das Wohlbefinden der Knödels hatte Anteil an dieser Entscheidung, denn nirgendwo waren sie so schnell und entspannt im Kontakt mit den Erzieherinnen.

 

Wie war das denn bei euch? War die Wahl des richtigen Kindergartens eher schwer oder habt ihr sie in die Einrichtugen vor Ort gegeben?

Liebe Grüße Ela

 

copyright der Bilder: Keins bestellt, 2 bekommen

 

In freudiger Erwartung…

Guter Hoffnung sein…

img_20161112_133120.jpg Mädchen? oder doch ein Junge?wp-image-457261868jpg.jpg

Für die Schwangerschaft gibt es viele Synonyme. Erwartung… Hoffnung… Das beschreibt den Umstand einer Schwangerschaft sehr deutlich wie ich finde. Man macht sich Gedanken um das kleine Wesen im eigenen Bauch. Man überlegt wie es aussehen wird und auch welches Geschlecht es haben wird. Ob es gesund sein wird. Aus dem „es“ im Bauch wird irgendwann eine Person. Ein Name. Man folgt dem Bauchgefühl und versucht zu erspüren wer dort in einem wächst. Man schafft eine Verbindung und ein Bild. Und dieses Bild kann vielfältig aussehen. Ist es ein Mädchen? Ist es ein Junge? Mit diesem Bild beginnt die Hoffnung. Natürlich ist es am wichtigsten das das Baby gesund sein wird, doch so ganz tief in einem schlummert die Hoffnung auf ein bestimmtes Geschlecht. So auch bei die Rabenmutti, die über ihre Gefühle nach dem Geschlechtsouting schreibt. Das was sie schreibt ist hart und für viele schwer nachzuvollziehen.

Ich verstehe es…

Zumindest ein bisschen. Man kann zwar darüber streiten ob man so etwas öffentlich macht und wie man das macht aber ja: ich verstehe sie ein bisschen.

Mein 25 Jahre altes Ich konnte mit Kindern nichts anfangen. Mein 26 Jahre altes Ich- frisch schwanger-kannte nur einen Gedanken: Bitte einen Jungen. Einen! An Zwillinge dachte ich zum Zeitpunkt nicht. Mein Gefühl war klar: ein Junge. Als das Zwillingsouting kam blieb die Hoffnung: Bitte Jungs. Bitte keine 2 Mädchen! Das schaffe ich nicht. Ich kann mit diesem Mädchenkram nichts anfangen. In der 16. SSW gab es ein erstes Outing: 80% Junge und 50% Junge. Ich war wie auf Wolken! Ich hätte nicht glücklicher sein können und malte mir bereits die wildesten Spiel mit meinen 2 Jungs aus. Nicht eine Minute lang zweifelte ich daran das es 2 Jungen sein könnten.

 

 

Herzlichen Glückwunsch, es wird ein Pärchen!

 

Wenige Wochen später hatte ich einen Termin in der Pränataldiagnostik – durch die HG und die Medikamente wurde mir eine feindiagnostische Untersuchung ans Herz gelegt. Ich hatte gemischte Gefühle und war gleichzeitig gespannt was ich alles sehen würde und hatte Angst vor dem was eventuell gefunden werden könnte.

Während der Arzt meinen Bauch ausgiebig mit dem Ultraschallkopf bearbeitete beobachtete ich die Bilder sehr genau. Ichkonnte nicht glauben was ich sah: Der 50% Junge zeigte sich als 100% Mädchen.

 

Achterbahn der Gefühle

 

Das kann ich nicht war mein erster Gedanke. Ich konnte und wollte mich darauf nicht einlassen zu dem Zeitpunkt. Ich hatte bereits alles besorgt für die Jungs. Ich brachte es nicht über mich viel für ein Mädchen zu kaufen. Nur ein kleines Set kaufte ich. Fürs Krankenhaus. Ich weinte viel, ich war wirklich traurig. Mein Wunsch, meine Hoffnung? Weg! Zumindest ein Name war schnell gefunden.

 

Am Ende wird alles gut!

 

Motte, meine Tochter, das Mädchen das mich so traurig machte, erlöste mich schließlich gändigstens so schnell wie sie konnte von meiner Schwangerschaft in dem sie den Ärzten ein Schnippchen schlug. Sie war führend und somit die erste die Geboren werden würde. Mein erstes Baby! Die einzigen 10 Minuten im Leben meiner Kinder in denen sie mich ganz allein für sich haben konnten gehörten meiner Tochter. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Es war nicht wichtig welches Geschlecht sie hatte – nur das sie da war. Danach wurde es dunkel. An den ersten Kontakt mit Knödel kann ich mich kaum und nur sehr verschwommen erinnern denn direkt danach kollabierte ich. Doch das macht nichts, er hätte mich nicht versöhnen können mit der Tatsache das mein Männerdoppel ein Pärchen wurde.

 

Ganz langsam kam ich an im Leben mit einem Pärchen

 

Je mehr ich mich mit meinen Kindern und dem Thema Zwillinge beschäftigte, desto glücklicher wurde ich darüber das es ein Pärchen wurde. Eine größere Chance auf ein individuelles Aufwachsen konnten sie nicht haben. Mir wurde gezeigt das am Ende nicht das Geschlecht entscheidend ist, sondern die Persönlichkeit eines Menschen, eines Kindes. Wir haben die Freiheit unsere Kinder weitgehend frei von solchen Fragen aufwachsen zu lassen ( zumindest bis zum Kindergarten).  Kinder sind einfach Kinder und nicht nur ein Geschlecht. Diese Freiheit macht es meinen Kindern möglich zu sein wer sie wollen. Motte ist der leicht verlotterte Wildfang, Knödel der zarte, verschmuste dauerkuschler. Sie entsprechen nicht den allgemeinen Erwartungen die ihr Geschlecht weckt. Sie sind einfach sie selber, und das ist gut so.

Die Enttäuschung über das vermeintlich „falsche“ Geschlecht kann grenzenlos sein, ich habe selber gespürt wie sehr es schmerzen kann wenn das Bild des eigenen Babys im Kopf zusammen bricht und man aus diesen Trümmern ein neues errichten muss, wenn man seine Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen ziehen lassen muss und neue finden wird. Jeder findet seinen Weg damit umzugehen, zu trauern.

 

Ela

 

Auch lesenswert zur Diskussion:

http://www.oeko-hippie-rabenmuetter.de/der-kleine-%ef%bb%bfluisa/

http://aufbruch-zum-umdenken.de/freude-oder-ablehung-spuert-ein-baby-die-gefuehle-der-mutter-im-bauch/

http://runzelfuesschen.blogspot.de/2017/01/madchen-oder-junge-die-enttauschung-von.html

 

 

Und dann geht einfach einer // Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort #3 Tamara

 

Meine liebe Bekannte Tamara hat lange für ihr kleines Glück kämpfen müssen. Bereits 2013 erlitt sie eine stille Geburt in der 24 SSW. Anfang 2014 war sie erneut schwanger, es sollten Zwillinge werden, doch leider kam es dann ganz anders. Das bezaubernde kleine Mädchen, das eigentlich ein Zwilling ist, machte sich im August 2014 alleine auf den Weg zu ihren Eltern Tamara und Jens. Tamara hat sich bereit erklärt für euch darüber zu reden, wie es ist einen Stern auf die Welt zu bringen und wie es ist eine Zwillingsmama mit nur einem Kind an der Hand zu sein und ob was dran ist, an den verwaisten Zwillingen, denn auch darüber wird sie mit euch reden!

Triggerwarnung

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Tamara, es wäre nett wenn du dich kurz vorstellen würdest!

Ich bin 30 Jahre alt, seit 2009 verheiratet mit einem wundervollen Mann Namens Jens und habe seit August 2014 eine wundervolle Tochter mit dem Namen Ida an der Hand.

 

Du hast bereits vor deiner Zwillingsschwangerschaft einen kleinen Jungen in der 24 SSW verloren. War damit zu rechnen das so etwas passieren würde oder traf euch dieses Schicksal ganz unerwartet? Was ist passiert?

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Dieses Schicksal traf uns völlig unerwartet. Wir waren unterwegs an diesem Wochenende. Abends sagte ich schon zu Freunden, dass ich mein Baby nicht spüre aber man sagt ja es sei völlig normal in der Zeit. Meine Schwangerschaft lief bis zu diesem Zeitpunkt völlig perfekt. Außer, dass ich mich regelmäßig übergeben musste war alles wie es sein sollte. Sonntag tagsüber verließ mich mein komisches Gefühl nicht und ich betete morgens noch in der Kirche das Gott doch bitte auf mein über alles ersehnte Baby aufpassen soll, doch das war wohl schon zu spät.

Am Abend rief ich meine Hebamme an. Sie gab mir den Rat mal laut auf einen Topf zu schlagen das könne das Baby wohl hören und wenn keine Reaktion kommt ins Krankenhaus zu fahren nur um sicher zu gehen.

Es kam keine Reaktion und ich sagte zu meinem Mann das Gefühl zu haben alleine zu sein und das Babys Herz nicht mehr schlägt.

Im Krankenhaus angekommen meinte die Hebamme im Kreißsaal sie müsse erstmal fragen ob ein Arzt überhaupt schallt weil es ja so häufig vorkommt zu dieser Zeit das man mal nichts spürt. Der Arzt kam und ich sah auf dem Ultraschall schon das kein Herzschlag da war. Mein Mann brach zusammen und weinte. Ich stand unter Schock und funktionierte nur noch. Der Arzt war unglaublich einfühlsam und schallte eine Stunde lang leider ohne Ergebnis.

Am nächsten Tag sollte eingeleitet werden und ich erfuhr dass ich mein Baby auf natürlichem Weg gebähren muss. Ich wollte die Nacht zu Hause verbringen und am nächsten Tag traten wir den schwersten Weg unseres Lebens an und fuhren ins Krankenhaus. Vermutlich war es eine Thrombose in der Plazenta. Mein Sohn Klaas wurde also nicht mehr ausreichend versorgt.
Eine stille Geburt ist das schlimmste was eine werdende Mutter sich vorstellen kann. Wie hast du diese Geburt erlebt? Konntest du Abschied nehmen? Was hat dir in deiner Trauer geholfen?

 

Die Einleitung dauerte drei Tage bis es richtig los ging. Mir wurde am Abend vom 29.01.13 eine PDA gelegt damit ich nochmal schlafen konnte. Um 23 Uhr merkte ich aber das die Entspannung für mich wohl auch loslassen hieß, denn die Wehen wurden heftiger und ich wurde in den Kreißsaal gefahren.

Dort angekommen wurde es auch immer stärker. Irgendwann wurde mir die Fruchtblase aufgestochen und zwei Wehen später war mein wunderschöner viel zu kleiner Sohn auf der Welt. Ich hatte solche Angst vor diesem Moment. Wie sieht er wohl aus? Wie klein ist er? Diese Sorgen waren unbegründet. Mein Sohn war das schönste viel zu kleine Baby auf der ganzen Welt. Durch die Hormonausschüttung empfand ich einfach nur bedingungslose Liebe.

Leider schrie er nicht und öffnete nicht seine Augen. Es war der schönste und gleichzeitig schlimmste Moment meines Lebens. Auf der einen Seite bin ich Mutter geworden und wollte es in die Welt hinausschreien. Auf der anderen Seite musste ich das wichtigste und wertvollste was ich habe wieder gehen lassen.

Ich wollte und musste es doch beschützen… und konnte nicht. Uns wurde nahegelegt uns um einen Bestatter zu kümmern. Das war unglaublich. Ich danke meinem Vater von Herzen dafür das er, dass alles für uns übernommen hat!!!
Wenn ein Baby im Mutterleib verstirbt, ist es oft schwer zu begreifen, man stellt sich selber und seinen Körper in Frage. Wie hast du gelernt wieder Vertrauen in dich und deinen Körper zu fassen?

Puuuhhh …

Ich habe das Vertrauen bis heute (was eine Schwangerschaft betrifft) nicht 100% ig wieder aber zu 80%. Idas Geburt und der Umstand das sie als wundervolles Wesen völlig gesund ist haben mir geholfen meinem Körper wieder zu vertrauen. Ausserdem hat mein Körper mir bei Klaas schon gesagt das etwas nicht stimmt. Und das war völlig richtig.

 

Ein Verlust wie eurer ist unermesslich. Wie seid ihr als Paar mit der Trauer umgegangen? Wie ist dein Mann damit zurecht gekommen?

Wir haben uns sehr gestützt und es hat uns noch so viel enger zusammengeschweißt. Er war für mich der Fels der mich ohne Worte in den Arm nahm, wenn ich ohne Pause geweint habe.

Allerdings hat er sich zu der Zeit sehr zurückgenommen und kämpft noch heute sehr oft mit Gefühlen die ihn ohne Vorwarnung überrollen. Auch er hat sich das Kind sehnlichst gewünscht. Wir haben viel geredet und waren einfach füreinander da. Anfangs waren wir täglich zusammen am Grab. Dieser Weg war für uns sehr wichtig als Eltern.
Wenige Monate nach der stillen Geburt warst du erneut schwanger. Es sollten Zwillinge werden! Wie hast du die Botschaft aufgenommen? Welche Ängste hattest du hinsichtlich der Tatsache das es zwei Babys geben sollte? Das verdaut man, bzw. ich, ja nicht mal eben so.

 

Wir haben uns im ersten Moment sehr gefreut. Zwei Kinder auf einen Rutsch! Genau so wie wir uns das immer gewünscht hatten. Irgendwie hätten wir das gestemmt, immerhin haben wir uns so sehr nach einer Familie gesehnt. Allerdings hatte ich kein Vertrauen zu meinem Körper und hatte Angst, dass es beide nicht schaffen.
Schon um die 9./10. SSW gab es leider schon wieder keine gute Nachricht. Das Herz von einem der Zwillinge hatte aufgehört zu schlagen. Wie hast du das erlebt? Welche Auswirkungen hatte das auf deine weitere Schwangerschaft mit eurer Tochter? Wie bist du nach der Geburt damit umgegangen das du eigentlich eine Zwillingsmama bist, aber nur ein Baby in den Arm schließen konntest?

Es war kein riesiger Schock da der Zwilling von Anfang an kleiner war. Es wurde oft geschaut ob der Zwilling noch da ist bei den darauf, folgenden Untersuchungen. Ich hatte im ersten Moment Angst davor dieses Baby in mir zu behalten. Man erklärte mir das der Körper das Baby resorbiert oder es mitgeboren wird. Mit dieser Erklärung konnte ich leben und musste auch irgendwie erst nach Idas Geburt so wirklich Abschied von ihrem Zwilling nehmen.

Gab es einen Moment in dem du Erleichterung verspürtest über die Tatsache das du einen Zwilling verloren hast weil du angst hattest der Aufgabe als Zwillingsmutter nicht ausreichend gewachsen zu sein?

Ich war natürlich traurig aber auch erleichtert. Bitte nicht falschverstehen! natürlich habe ich um den Zwilling getrauert aber ich dachte so kann sich mein Körper auf ein Baby konzentrieren und dieses gesund zur Welt bringen. Ich hatte so schlimme Angst am Ende wieder kein Baby behalten zu dürfen.

Siehst du dich trotzdem als Zwillingsmama? ( ich tue es, es waren zwei. Einer ging zu den Sternen, geliebt, erwartet und betrauert.)

Irgendwie sehe ich mich schon als Zwillingsmama, ich frage mich sehr oft ob es ein Mädchen oder Junge geworden wäre und wie es jetzt wäre. Es war jemand da, wenn auch nur kurz und dieser jemand gehört einfach zu meiner Tochter.

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Eure Tochter ist ein verwaister Zwilling. Bemerkst du unterschiede zwischen ihr und Einlingen? Hast du das Gefühl das Ida eine weiterhin bestehende Verbindung zu ihrem Zwilling hat, oder hältst du solche Überlegungen für unsinn? Werdet ihr Ida von ihren Geschwistern in den Sternen erzählen? Wie würdet ihr das machen?

Ida ist ein besonderes Kind. Sie ist sehr emphatisch, einfühlsam und ich glaube, nein ich bin überzeugt das sie um ihren Zwilling weiß. Meine Hebamme sagte damals was Schönes: „ Vielleicht hat Ida einen Begleiter ins Leben gebraucht und das war ihr Zwilling“.

Das eine weiter Verbindung besteht kann ich mir gut vorstellen. Ida ist sehr anhänglich und braucht immer jemanden an Ihrer Seite. Ganz anders als bei anderen Kindern. Aber so wie ich es bei deinen Kindern beobachten konnte. Nur das da jetzt Mama und Papa für da sind. ( Amn: Tamara und ich lernten uns bei der Kursleiterausbildung kennen, saßen völlig ungeplant nebeneinander, unsere Kinder sind nur wenige Wochen auseinander. Wink des Schicksals,oder?)

Wir gehen immer mit Ida zum Friedhof und erzählen Ihr sehr oft von Ihren Geschwistern. Der kleine Prinz ist dafür eine tolle Stütze.

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Welchen Stellenwert haben eure Sternenkinder in eurem Familienleben?

Einen sehr großen. Sie gehören dazu Tag für Tag auch wenn wir nicht jeden Tag darüber sprechen. Manchmal kullern heute noch Tränen weil Sie uns fehlen ( Sie wie jetzt wo ich darüber berichte) Oder weil man andere Familien glücklich mit zwei der drei Kindern sieht und unsere Plätze am Tisch leer sind. Es wird immer ein Teil von uns sein.
Hat dich der Verlust deiner beiden Kinder zu einem anderen Menschen gemacht? Hat es dich stärker oder schwächer gemacht? Wie hat sich Ingesamt eure Ehe dadurch verändert?

Ja hat es. Man lacht nicht mehr so unbeschwert. Das Herz ist gebrochen und lässt sich leider nicht mehr reparieren. Der Alltag geht weiter und es gibt unglaublich tolle unbeschwerte Tage und doch holt es einen immer wieder ein. Ich bin nicht mehr so belastbar und schnell traurig. Es hat mich zwar irgendwie stark gemacht aber auch auf eine Art geschwächt. Ohne den Rückhalt von meinem Mann traue ich mich nicht mehr wichtige oder mutige Schritte zu gehen.

Ich brauche Ihn, meinen Fels der hinter mir steht damit ich nicht falle. Vor den Erfahrungen war ich aufgeschlossen, mutig und immer positiv und gut drauf. Leider kann ich das bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht so ganz wieder sein, aber ich werde es immer ein bisschen mehr.
Wünscht ihr euch noch weiter Kinder, oder habt ihr Angst vor einem weiteren Verlust?

Ja und ja. Wir wünschen uns sehr noch ein lebendes Geschwisterchen für Ida. Einen verbündeten für Sie der unser Familienleben komplettiert. Aber ich habe so große Angst dann noch so ein Verlust schaffe ich nicht…

 

Vielen Dank für deine offenen und ausführlichen Antworten! Es war sicher nicht leicht für dich, so direkt über eure Verluste zu sprechen. Ich drücke dich und deine kleine Familie und freue mich euch kennen zu dürfen.

 

( Copyright der Bilder: Tamara und Jens Vasikonis)

Bist du Zwillingsmama und möchtest aus dem Nähkästchen plaudern, dann schreib mir eine Email oder kontaktiere mich auf Facebook.

 

Faultier-Tag

Wir hatten eine laaaaaaange, anstrengende Woche. Wir waren täglich von morgens bis spät abends unterwegs. Und bei hypersensiblen Kindern ( und Müttern) rächt sich das. Das Knödel-Kind hin bereits gestern mit Fieber in den Seilen, das Motten-Kind trägt Augenringe und blassen Teint durch die Welt. Logische Konsequenz: NICHTS TUN!

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Ich vermisse diese faulen Sonntage aber lang hatte ich immer ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Kinder wenn ich so einen Tag in Erwägung zog. Stichwort: Dein Alltag ist ihre Kindheit. Doch ist ihre Kindheit auch mein Alltag. Wir leben ja schließlich in einer Beziehung zueinander, mit dieser Erkenntnis fiel mir die Umsetzung des faulste, und langweiligsten Tags überhaupt wirklich sehr viel leichter. Unsere Woche war ja wirklich reich an Action. Wir waren so viel Unterwegs und haben so viel erlebt und voran getrieben und bei uns allen ist das Limit erreicht.

Unser Sonntag startete somit nicht mit dem Wecker und Stress, sondern mit möglichst lange schlafen, viel kuscheln zum wach werden. Wir frühstückten auf dem Sofa begleitet mit TV-Programm, wir kuschelten. Später gabs noch einen Besuch meiner lieben Freundin M nebst Energiebündel E, wir haben zusammen einfach nichts gemacht außer rum sitzen und die Kinder beim Spielen beobachten. Dazu gabs Tee bzw. Kaffee. Herlich entspannt. Nur leider gehts heute nicht mehr ganz ohne was tun, das habe ich gemerkt und dafür habe ich auch gar nicht die Ruhe. Ich erledigte also schnell die nötigste Hausarbeit damit wir nicht im ultimativen Chaos versinken. Die Minis sind erst spät zum Mittagsschlaf gegangen und werden demnach auch heute lange wach sein.

Wir werden heute Nachmittag genauso viel tun: nichts außer viel kuscheln, viel ungesundem Futter und TV. Wir haben uns das verdient und ich habe auch fast kein schlechtes Gewissen weil ich die kleinen bei dem wirklich super Spätsommerwetter nicht draußen durch die Welt schubse um irgendwas zu besichtigen, zu sammeln oder zu lernen. Wir entsprechen eh nicht der klassischen Vorzeigefamilie, also können wir uns das heute auch mal sparen. Wir haben diese Woche nämlich schon alles erledigt: Wir waren im Wald, auf dem Spielplatz, in der Stadt, zum Eis essen, am Wasserspiel, bei Freunden zum Spielen, ganz entspannt einkaufen, Kuchen backen, mit meiner Familie essen, mit Freunden kochen und essen, in der Opa-Werkstatt usw.

Ich befriedige unser Bedürfnis nach Ruhe und unter uns sein. Es zeichnete sich bereits in den letzten Tagen ab, wie sehr die Twinies sich danach sehnten. Sind sie sonst die ersten an der Tür wenn wir weg wollen, so musste ich sie in den letzten Tagen schon sehr motivieren überhaupt ihre Schuhe zu holen und ins Auto zu steigen. Sie zeigten auch abends deutlich das sie nicht mehr können. Essen? Keine Chance, sie wollten nur noch abschalten und ließen sich das notwendigste von mir anreichen und sind über müde ins Bett gefallen und konnten doch nur schlecht Ruhe finden und einschlafen. Mir ging es genauso, ich konnte keine Ruhe finden, so viele Eindrücke, so viele wichtige Termine, so viel Stress. Mein Kopf ist einfach zu voll gewesen um entspannen zu können, selbst ein bisschen Yoga konnte mir nicht helfen. Dieser faule Tag ist also wirklich nötig für uns alle, damit wir gestärkt und entspannt in die neue Woche starten können, die leider schon wieder viele Termine für usn bereit hält. Termine auf die ich mich sehr freue, so werde ich zum Beispiel zu Attachment Parenting Kongress nach Hamburg fahren, doch auch das ist mit Stress für die Kids und mich verbunden, wir müssen packen, fahren, es gibt Input ohne Ende.

Positiver Stress motiviert, aktiviert doch auch da ist irgendwann das Maß voll und man bricht unter all dem Druck zusammen. Das kenne ich schon, daher versuche ich diesen Tag zu genießen, mein schlechtes Gewissen zu beruhigen in dem ich mir genau das vor Augen führe: Wir 3 brauchen Ruhe, wir dürfen auch mal nichts tun, es sind Bedürfnisse die wir befriedigen müssen, sonst geht es uns nicht gut.

Ich weiß natürlich das viele diese Freizeitgestaltung nicht gut heißen, bei gutem Wetter drinnen, TV für Kleinkinder usw. Aber wenn man sich an die Zeit vor den Kindern erinnert, werden viele erkennen das sie sich auch mal so schändlich faul verhalten haben. Elternschaft ist aber kein Marathon der wer machts am besten und korrektesten, das geht gar nicht, denn jede Familie ist anders und hat andere Bedürfnisse, daraus muss man keinen Wettkampf machen, das raubt nur unnötige Zeit in der man sich auch mit viel Achtsamkeit um sich und seine Familie kümmern kann.

Überhaupt habe ich oft das Gefühl das diese Achtsamkeit viel zu kurz kommt, weil man immer diesen Satz im Kopf hat wie ein Mantra. Dein Alltag ist ihre Kindheit. Dein Alltag ist ihre Kindheit.

Kinder sollten Kinder sein, ihnen wird es nicht schaden wenn sie nicht Tag für Tag mit Reizen beladen werden, sie werden nicht darunter leiden wenn sie einfach mal nichts tun müssen, sondern einfach nur Kind sein, gerade auch wenn Kinder in die Betreuung gehen. Sie erleben jeden Tag so viele Dinge, sie lernen so viel Neues, sie müssen nicht auch noch am Wochenende ein straffes Programm absolvieren. Selbstverständlich verstehe ich, das Eltern nach einer langen Woche möglichst viel Quality Time mit ihren Kindern möchten, doch diese zeichnet sich nicht durch eine endlose Abfolge von Aktivitäten aus, sondern vor allem darin eine gute Zeit zu haben, Entspannung zu finden und viel Liebe zu versprühen.

Dieser Text ist ein Plädoyer für Faulheit, seid faul, habt euch lieb und tut einfach mal nichts, baut ne Höhle und esst darin Kekse, verbringt den Tag im Schlafanzug. Genießt die Stunden ohne Termine, ohne Erwartungen und seid zusammen glücklich. Ein Wellness-Wochenende wird nicht mehr Entspannung für euch herzaubern. Celebriert Faultier-Tage wenn ihr das Gefühl habt der Alltag frisst zu viel von euch als Familie. Tut einfach mal nichts, habt langeweile, unterhaltet euch.

Schönen Sonntag

 

Ela

 

 

( Bild von http://www.abenteuer-regenwald.de)

Selbstbestimmt schlafen

Immer wieder kommt das Thema unter Eltern-Bloggern auf. Es gibt die Pro-Seite, die Contra-Seite und die funktioniert das wirklich Seite. Ich gehöre ganz klar zu der Seite der Befürworter. Viele wie zum Beispiel Frida von 2Kindchaos stecken da oft nicht so richtig freiwillig drin.

Meine süßen waren schon immer schlechte schläfer. Sie schliefen, spät ein, wachten früh wieder auf und brauchten ganz schnell nur noch einen Mittagsschlaf von maximal 1 Stunde. Jegliche versuche die beiden zu einem mir angemessen erscheinenden Rhythmus zu bewegen scheiterten kläglich. Das kürzen von Schläfchen war genauso wirkungslos wie das frühere wecken ( vor allem Knödel nimmt einem das extrem übel) oder das schrittweise vorziehen vom Nachtschlaf. Nichts hat geklappt, es wurde höchstens mit gebrüll der Marke BUHÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ quittiert. Nichts hat funktioniert, wirklich gar nichts. Geschlafen haben sie schon immer nur wenn sie müde genug waren und auch in der Stimmung tatsächlich schlafen zu wollen.

 

Ungefähr 9 Monate habe ich versucht so etwas wie einen Rhythmus zu etablieren, ich ritualisierte alles mögliche. Ich trug, schob und schaukelte meine Minis durch die Gegend, bot ihnen die Brust an, bettelte, weinte vor Müdigkeit. Immer diese Stimme im Kopf die mir sagt: Schaffe einen Rhythmus, schaffe Rituale und Struktur, sie werden schlafen und nicht mehr schreien. Vergeblich. Es gibt keine Tages- oder Nachtzeit zu der die kleinen nicht schon ihren vorübergehenden Rhythmus etabliert hatten. Sie haben ihn immer wieder angepasst, ohne meine Hilfe. Irgendwann habe ich aufgegeben mit den Bestrebungen, immer mal wieder kamen sie wieder aber ich versuchte es nur noch halbherzig, meistens dann wenn die beiden eine äußerst nervige, anstrengende Phase durchlebten, wenn meine Kraft schwand und ich mich nach nichts mehr sehnte als nach etwas ME-Time.

Letztlich habe ich dann komplett aufgegeben, und siehe da: es wurde alles gut! Meine Kinder haben die Chance bekommen ihren eigenen Rhythmus zu finden, und das taten sie auch. Und mit dem Rhythmus verbesserte sich ihr Schlafverhalten stetig, so dass sie mit 20 Monaten angefangen haben durchzuschlafen, naja zumindest in 6 von 7 Nächten tun sie das, aber hey! Ich will nicht meckern, denn ich weiß das es bei vielen anderen viel schlimmer aussieht und ich selber auch ganz schlimme Zeiten mit meinen süßen hatte in denen sie nur auf mir schliefen ( 8 Monate lang), in denen sie nur mit Körperkontakt und an der Brust schliefen ( bis 14 Monate) wo sie mindestens alle 1-2 Stunden erwachten, häufig sogar noch öfter und immer und immer nur die Brust gefodert haben, mich gefordert haben und mir gezeigt haben: Mama wir brauchen dich so sehr.

Sie begannen besser zu schlafen, als ich sie an der Entscheidung beteiligte, als ich nur noch eine begleitende und gelegentlich auch führende Rolle übernahm und ihnen auch die Freiheit gab sich lösen zu dürfen von mir und eine Bindung zu anderen aufbauen lies.

Mir ist bewusst das es nicht überall funktioniert weil die Kinder zum Beispiel Probleme mit der Selbstregulation haben, weil sie überreizt sind weil sie so extrem anfällig dafür sind. Oder weil die Kinder ihren eigenen Rhythmus noch nicht etablieren konnten, weil sie ihn selber noch nicht kennen. Gründe warum es nicht funktioniert gibt es viele. Aber genauso viele Gründe gibt es dafür das es funktioniert.

Vielleicht noch eine kleine Erläuterung dazu wie ich selbstbestimmt schlafen derzeit empfinde:

 

Meine Kinder müssen nicht zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett weil ich denke das es notwendig ist. Motte und Knödel fordern es entweder selber ein, in dem sie sich ihr Buch wünschen, nach der Brust fragen oder eben direkt nach oben ins Schlafzimmer gehen. Manchmal gelingt ihnen das jedoch nicht, zum Beispiel wenn sie einen aufregenden Tag hatten, oder weil sie so sehr ins Spiel vertieft sind ( oder vor der Glotze kleben geblieben sind), dann übernehme ich die Führung, ich beobachte die beiden, benenne meinen Eindruck, kündige das Ende von Aktivitäten nach xyz an, biete ihnen dann an ihr Buch im Bett zu lesen, ihnen ihren Schlafanzug anzuziehen und die Zähne zu putzen bzw die Zahnbürsten zu richten. Sie nehmen diese Führung gerne an, und kooperieren und gehen gerne ins Bett, sie freuen sich auf diese ablenkungsfreie Exklusivzeit in der es nur um uns 3 geht, wir ganz eng zusammen liegen, ein schönes Buch lesen, den Tag resümieren, kuscheln und auf Wunsch auch stillen. Nie gibt es Proteste darüber das die Zeit zum ins Bett gehen wohl doch erreicht wurde ( weil sie einfach kaum noch die Augen aufhalten können und nur noch herum stolpern), wenn sie meine Angebote jedoch ablehnen, akzeptiere ich das für den Moment, in der Regel kommen sie wenig später dann doch von alleine oder ich wiederhole mein Angebot 15-20 Minuten später noch mal. Ganz ohne Druck, ganz ohne müssen.

Doof ists trotzdem manchmal, als es so schön war, da tobten die Knödels nach 22 Uhr noch hier herum, zerstochen von Mücken und Energie geladen durch die schönen Erlebnisse, die Sonnenstrahlen, des entspannten Lebens das es nur gibt wenn das Wetter so unglaublich schön und heiß ist, wenn man selber einfach nur entspannt das Leben genießt. Doof ist auch wenn sie ihren Mittagsschalf nicht machen möchten. Dann ist hier um spätestens 17-18 Uhr ende im Gelände und für mich ist dann klar: um 3-5 Uhr ist hier der Tag am start. In der Regel jedoch stehen sie zwischen 6 und 7 Uhr auf, halten um ca 12 Uhr einen kurzen Mittagsschlaf und gehen zwischen 20.30 und 21.30 zu Bett, selten das es früher oder später ist. Uns allen geht es gut mit diesem Rhythmus, ich mein okay, ich habe mich damit arrangiert das ich nie wieder ausschlafen werde obwohl ich gedacht hatte genau das in meiner Elternzeit tun zu können, denn immerhin stehe ich seit mittlerweile 23 JAHREN!!! früh auf, aber meine Kinder schlafen endlich, sie schlafen ohne dauerhaften Körperkontakt, ohne dauerhaft an der Brust zu sein, sie schlafen meistens durch und sie gehen gerne schlafen, sie freuen sich auf diese extreme Kuschelzeit. Das bestätigt mich in meinem Weg.

 

Jetzt würde ich natürlich gerne wissen: wie läuft es denn bei euch mit dem ins Bett gehen und schlafen? Seid ihr da eher entspannt oder habt ihr feste, vielleicht durch euch, vorgegebene Zeiten?

 

Liebe grüße Ela

(copyright für die Bilder bei Keins bestellt, 2 bekommen)

Oma ist mehr als ein Dino!

Die liebe Grummelmama schrieb über Großmütter. Wenn Mütter Löwen seien, so seien Großmütter Dinosaurier der Gattung Tyranosaurus Rex, der Artikel ist ganz amüsant, ein bisschen überspitzt und durchaus treffend. Aber Großmütter / Großeltern sind sehr viel mehr als kämpfende Urgesteine der Evolution!

 

Um Kinder zu erziehen benötigt man ein ganzes Dorf

 

Meine Großeltern waren mein ein und alles. Mit die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit verbinde ich mit meinen Großeltern, mit Opa im Wald, mit Oma beim Gummitwist und Seilspringen… Wir verbrachten sehr viel Zeit bei unseren Großeltern, nachdem unsere Mutter wieder zu arbeiten begann. Oma und Opa hatten also maßgeblich Einfluss auf unsere Erziehung, unsere Entwicklung und unser gesammtes Leben. Bis heute ist das so! Aber nicht nur Oma und Opa waren beteiligt. Auch Nachbarn, Onkels und Tanten, alle hatten ihren Anteil daran, das wir wurden wie wir sind. Es muss also was dran sein an dem Sprichwort.

Meine Eltern sind jetzt Großeltern!

Meine Eltern sind toll, wirklich! Mein Bruder und ich durften viel, kannten unsere liberal gesteckten Grenzen. Wir bekamen immer was wir brauchten, und ganz oft auch was wir uns wünschten. Sie schenkten uns Zeit und Erinnerungen, sie gaben uns Flügel und Wurzeln. Sie lehrten uns Werte, diskutierten verschiedene Meinungen statt sie zu unterbinden. Sie teilten den „Schwank ihrer Jugend“ mit uns, und zwar nicht nur die braven Dinge! Vor allem mein Dad hat ne Menge blödsinn angestellt.

Und jetzt sind sie Großeltern, die Großeltern meiner Kinder! Oh Schreck!!! Können sie genauso tolle Großeltern wie Eltern sein? Wie gehen sie damit um das ich einen Weg gehe, der nicht unbedingt der Norm entspricht? Können wir Differenzen und Konflikte überwinden ohne das unsere Beziehung leidet? Und wie entwickelt sich unsere Beziehung überhaupt? Viele Fragen die mir durch den Kopf gingen als ich vor etwas mehr als einem Jahr die Entscheidung traf wieder in ihre Nähe zu ziehen.

Viele Sorgen bzw Fragen haben sich relativiert. Meine Eltern sind wunderbare Großeltern, sie geben alles und noch mehr für uns, aber vor allem für die Knödels. Ja, es gibt Reibungspunkte, aber die lassen sich immer recht schnell und mit kurzen Worten entzerren. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir respektieren die Meinung des anderen. Unsere Beziehung ist eine andere geworden, vor allem die zu meiner Mama weil wir etwas besonderes teilen: die Erfahrung Mutter geworden zu sein! Meine Mama ist mein Anker wenn ich ins schlingern gerate, sie ist der Puffer wenn mir die kleinen tierisch auf den Keks gehen und ich sie am liebsten verkaufen würde. Sie ist die, die uns pflegt wenn wir alle 3 krank sind und sie ist die, die dann auch direkt Notfall-Schoki mitbringt wenns haarig wird. Und sie ist die, die von den Kindern abgöttisch geliebt wird. Aber auch Opa wird extrem geliebt und angehimmelt obwohl er viel strengere Ansichten hat, allerdings ist er weich wie Butter in der Sonne und lässt sich immer um den Finger wickeln. Obwohl er körperlich nicht mehr der aller fitteste ist, tobt er den Schmerzen zum Trotz mit den Knödels, geht mit ihnen Schaukeln und hilft beim erklimmen der Rutsche im Garten. Er füttert die Kids mit allem was sie mögen. Am liebsten jedoch mit Schokolade und Kartoffeln mit Majo ❤

Großeltern und ihre Rolle in der Erziehung

Wie der Name schon sagt, sie sind Eltern! Sie kennen sich aus mit Brutpflege und Kinder (V)erziehung. Sie sind Meinungsverstärker, Vermittler, Ratgeber, Tröster, Mut-zu-reder, sie sind die, die Laufräder repaieren obwohl sie nicht defekt sind, sie sind die, bei denen es mit den Regeln nicht so genau genommen werden muss, sie verteilen den ersten Keks, den ersten Schokoriegel und den ersten Becher mit Saft.  Aber sie sind auch extrem vorsichtig, oft sogar ängstlich in Situationen die mir als Mutter kaum eine Pulsbeschleunigung bescheren. An dieser Stelle treffen die Weisheit des Alters und die eigenen Erfahrungen auf entspannte Erstlingsmama sichtweisen. Trotzdem empfinde ich ihre Rolle im Leben der Knödels als unglaublich wichtig. Kinder können damit umgehen das es nicht immer gleich läuft, das es bei den Großeltern andere Regeln gibt, das man dort anders auf sich acht gibt. es ist wichtig für sie das zu lernen, zu begreifen zu erfassen. Es ist wichtig das sie weitere enge Bezugspersonen an sich binden um sich von mir lösen zu können. Und vor allem in meinem Fall ist der Opa besonders wichtig! Er ist eine konstante männliche Bezugsperson für den Knödel. Man weiß das Jungen, die von der Mutter allein aufgezogen werden oft nach einer männlichen Bezugs/orientierungsperson suchen, sie brauchen es für eine gesunde Entwicklung, sie wollen raufen, toben, kleinere Machtkämpfe austragen. Das sind eben Dinge von denen eine Mama nur ahnt, aber die Mama nicht oder nur bedingt erfüllen kann, denn Väter, Großväter oder Onkels usw gehen ganz anders mit Kindern um, als es Mütter, Großmütter oder Tanten täten.

Eine Hommage an meine Eltern

Natürlich gibt es nicht überall die Gegebenheiten das Kinder im engen Kontakt mit den Großeltern aufwachsen. Das erste Jahr war das für die Knödels auch so, und wären die Umstände anderes gewesen, wer weiß? Ob es nun die örtlichen Gegebenheiten sind oder persönliche Differenzen die es bezwecken das der Kontakt nur lose besteht, es gibt Gründe warum es so ist und so bleiben wird, aber da gehen wir nicht weiter drauf ein.

Ich schrieb diesen Text, weil er schon lange überfällig ist. Meine Eltern sind wunderbare Großeltern geworden, sie unterstützen uns mit allem was geht und darüber hinaus! Weil ich will, das sie wissen wie glücklich sie uns machen, und welch große Bedeutung sie im Leben der Knödelkinder haben, wie wichtig sie für uns sind und wie glücklich sie uns machen und weil ich nicht oft genug Danke sagen kann für all die Abendessen, Babysitterstunden, die unzähligen Tassen Kaffee und die 2382392784637468756398461938 Minuten am Telefon, für Wäscherei- und Trockenservice. Ihr sagt, für euch ist es selbstverständlich, für mich ist es das nicht. In den zwei schlimmsten Jahren meines Lebens kämpfte ich ziemlich verlassen von allen alleine, das ihr jetzt mit kämpft bedeutet mir die Welt.

Shit, jetzt weine ich. Dabei schrieb ich nur, weil ich mich mit Mama über den Artikel der Grummelmama unterhielt und sie der Meinung war, das Omas eher nicht so sind. Doch sind sie! Und Opas noch viel mehr! Aber ihr seid mehr als Kampfschweine an der Ungerechtigkeitsfront… Danke für alles was ihr seid und was ihr nicht seid, was ihr werden werdet!

Erinnerungen

Jeder hat diese eine Erinnerung an seine Kindheit die er unbedingt mit seinen Kindern neu auflegen will. Meine Lieblingserinnerung ist diese:

Es ist Sommer, meine Mama arbeitet. Mein kleiner Bruder und ich verbringen den Tag bei unseren Großeltern. Opa ist schon recht betagt, doch ein ausbund an Wissen. Mein Opa weiß einfach alles. Und er liebt die Natur. Nicht weit vom Hof meiner Großeltern liegt ein recht großer Wald. Höchstens 5 Gehminuten. Im Zentrum des Waldes befindet sich das Forsthaus. Drum herum befinden sich Ländereien und Pferdekoppeln. Am Forsthaus gibt es Eis und Cola.

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Wenn ich an diese Tage denke, ich war vielleicht 5 oder 6, an das Streifen durch den Wald, dann habe ich diesen Geruch des Waldes in der Nase, den Geschmack des Balla-Eis im Mund, die Stimme meines Opas, leicht außer Atem, in den Ohren und ich sehe meinen Opa auf der Bank vor dem Forsthaus wie er Kraft für den Rückweg schöpft. Ich sehe wie mein Bruder und ich die Pferde ansehen.

Nun ist dieser Wald nur 20 Minuten mit dem Auto von unsere Wohnung entfernt. Seitdem die Knödels so scharf aufs spazieren sind, wollte ich schon seit Wochen in den Wald fahren, durch die Wege streifen und mit den kleinen Rast am Forsthaus machen. Ich wollte ihnen meine Erinnerungen schenken.

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Ich weiß das es das Forsthaus nicht mehr gibt, bzw das es nicht mehr als Forsthaus dient. Man hat  daraus ein Klostercafe gemacht, denn auf dem Gelände wurde das Kloster ausgegraben, ziemlich modern rekonstruiert und für die Touristen schick gemacht. Es gibt keine Pferde mehr, kein Eis. Dafür Kuchen, Führungen durch die Ruine und einen Spielplatz. Nur der alte, tote Baum ist noch da. Aber das Gefühl von früher fehlt. Genau wie die Stimme von Opa.

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Trotzdem gehe ich gern in den Wald, auch wenn es dort nicht mehr so ruhig ist wie früher. Heute gibt es Kindergartengruppen, Touristen und geführte Reitausflüge. Aber wenn man früh genug ist und abseits der historischen Pfade unterwegs ist, dann ist es fast wie früher. Abgesehen von den Zombiemücken die sich aufführen als hätten sie noch nie Menschenblut gekostet. Wir fanden kleine Froschkinder und viele viele Schnecken. Motte war entzückt. Sie wollte alle Tiere einsammeln und mitnehmen. Hach, es tat weh ihr zu sagen das die Tiere in den Wald gehören und das sie sie nicht mitnehmen darf. Dieses flehende Gesicht, diese traurige Stimme die immer wieder „mit“ sagt wenn sie ein Tier fand, lassen das Mamaherz schon arg beben.

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