Break the Silence! #Triggerwarnung traumatisches Geburtserlebnis

Der November steht für nicht wenige Frauen vor allem für ein Thema: Gewalt in der Geburtshilfe.

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Ich bin selber davon betroffen gewesen und stelle im Umgang mit anderen Frauen fest: Gewalt in der Geburtshilfe ist vielfältig und wird oft mit einem „Hauptsache uns geht es gut“ abgetan. In meinem aktuellen BabySteps Kurs gibt es außer mir noch 4 andere Frauen. 4 von uns haben interventionsreiche Geburten erlebt bis hin zum Not-Kaiserschnitt. Diese Frauen reden nur sehr verhalten über das erlebte. Es schwingt die Angst vor dem Urteil mit.

Hat man wirklich versagt? Ist es wirklich nicht so schlimm? Wenigstens leben wir ja noch alle…

Genau das ging mir in den ersten Monaten nach meiner Geburt auch so.

Ich wurde erlöst, den Kindern geht es gut. Narben verblassen, Wunden heilen . Nur ganz langsam brach die Erinnerung über das erlebte in mein Bewusstsein ein und es stürzte mich in ein Loch .

Aufmerksame Blogleser wissen das meine Schwangerschaft sehr heftig verlief und ich nur noch wenige Ressourcen hatte. Ich hatte viel negatives im Bezug auf die Hyperemesis zu hören bekommen und bekam von allen Seiten sehr viel Druck gemacht. Ich freute mich so auf die Geburt. Aber in Wirklichkeit machte die Geburt das Trauma „Kinder bekommen“ erst richtig groß .

Mitten in der Nacht ging es los. Da mich keiner ins Krankenhaus bringen konnte, musste ich die Kollegen vom Rettungsdienst anrufen. Selber fahren war keine Option. Während ich packte und meine Tiere versorgte spürte ich eine tiefe Einsamkeit . Von allen verlassen würde ich meine Kinder zur Welt bringen. Das wenigstens meine Hebamme dabei sein würde gab mir halt. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus. Meine Hebamme verkabelte mich am CTG ( gegen meine Willen), gab mir ein Antibiotikum ( ohne Indikation), hängte mich an eine Dauerinfusion ( warum?) und verschwand während ich allein den Kreißsaal in Rückenlage voll kotzte. Lagewechsel? Unmöglich alleine. Zu viele Schläuche und Kabel.

Meine Hebamme kam zurück mit einer Anästhesistin. Neben der PDA- Einverständnis hatten die beiden auch noch Aufklärungsunterlagen für einen Kaiserschnitt mitgebracht ( wollte beides nicht aber war zu schwach um mich zu wehren).

Nach der Zwangs-PDA ging gar nichts mehr. Sie wurde zu hoch dosiert. Keine spürbaren Wehen, keine Möglichkeit mich selbstständig zu bewegen und ständig dieses Kotzen. Ich war alleine bis ca 10.30. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits mehr als 6 Stunden im Kreißsaal. Überwiegend alleine, ganz alleine, mutterseelenallein! Dann kam Hektik auf. Der Wehentropf kam auf Vollgas und man versuchte mich zum pressen zu zwingen ( weil ich nichts mehr spürte hatte ich kein Bedürfnis dazu). Ich wurde angebrüllt, ich wurde in Zwangslange gebracht, meine Beine fixiert und rums : aus dem mittleren Becken heraus wurde Motte mit der Saugglocke geholt. Sie war nur kurz bei mir, dann wurde sie weggebracht. Kurz darauf das gleiche Spiel mit Knödel. Das ich zusätzlich extreme Verletzungen hatte brauche ich wohl niemandem erklären der sich ein bisschen auskennt.

Auch das Knödelchen sollte nur kurz bei mir bleiben, dann war auch er weg. Derweil ging das muntere treiben weiter.

Noch ein Wehentropf und dann gab’s n Ruck, ein flatsch und weg war ich. In dem Moment in dem man die Plazenten aus meinem Uterus zog verlor ich den Kontakt zur Welt. Ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an das was dann passierte. Ich hörte meine Mama und durfte sie nicht sehen, ich lag in Schocklage und bekam Sauerstoff. Ich erinnere mich an hektische Blutdruckmessungen und daran das ich das Gefühl  hatte, Tod zu sein. Die nächste Erinnerung kommt aus dem OP. Ich musste ausgeschabt werden, man musste mich umfangreich nähen. Wieder Nebel.

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Ich erwache in einem Mini-Zimmer. Meine Mutter und eine Freundin sind da. Sie halten meine Babys. Ich will sie haben doch ich bin kaum in der Lage sie zu halten. Ich will stillen und kuscheln. Ich bekomme jedoch kaum Hilfe.  Dann ist die Hebammen da, sie fummelt kurz rum sagt klappt nicht testet den Blutzucker der Kids und bringt Flaschen.

Meine Kinder sind unterzuckert und ausgekühlt. Knödel wurde direkt weggebracht. Motte durfte noch 2 Stunden bleiben.

Ich hatte kein Bonding, kein intuitives Stillen, kein Stillen nach Bedarf und auch kein Kuscheln. Ich hatte ja nicht mal Kinder da.

Meine Hebamme entband neben mir noch weitere Frauen. Es lagen von 4 geborenen Kindern 3 auf der Neo-Intensiv. Meine Hebamme war auch jetzt nicht greifbar und nur der engagierten Stillberaterin Eva ist es zu verdanken das es überhaupt klappte mit dem Stillen.

Ich kämpfte derweil mit den Folgen der Geburt und kämpfte mit den Ärzten um die Verlegung meiner Kinder. An meinem Geburtstag sollte ich entlassen werden. Ich machte deutlich das ich meine Kinder nicht zurücklassen würde und sie auch gegen die Empfehlung mitnehmen würde. Natürlich wurde das nicht so gern gehört. Wie so vieles.

Ich fasse zusammen:

In der Schwangerschaft wurde ich entweder nicht ernst genommen mit meinen Beschwerden oder unter Druck gesetzt weil ich nicht den Vorgaben bezüglich Vorsorge und Geburt folgte. Ich erlebte verbale, psychische Gewalt.

Unter der laufenden Geburt war ich quasi komplett allein. Niemand der mich begleitete oder hätte anleiten können. Stattdessen bekam ich ein Dauerctg, Infusionen und Medikamente. Und mir war so kalt. Es gab aber keine Decken, das sei im Kreißsaal nicht vorgesehen, nur ein dünnes kaltes Laken bekam ich. Man zwang mir eine PDA auf. Ich musste in zwanghafter Rückenlage gebären. Ich wurde beschimpft und angebrüllt. Meine Beine wurden fixiert und ich bekam einen Dammschnitt der nicht gewollt war. Meine Plazenten wurden gezogen, keiner hatte Zeit abzuwarten, meine Kinder wurden sofort abgenabelt und weg gebracht. Es gab kein Bonding und keine Hilfe beim ersten Stillen.

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Während ich versorgt wurde, wurden meine Kinder nicht versorgt sondern meiner Mutter und einer Freundin überlassen. Keiner besah sich die massiven Hämatome durch die VE.

Man ließ mich nur alle 3-4 Stunden zu meinen Kindern, man gab ihnen ohne Absprache Schnuller und Flaschen. Man wollte sie nicht mit mir zusammen entlassen.

Diese 5 Tage sind schlimmer gewesen als all die Monate zuvor in denen ich mehr starb als lebte. Man hatte mich fast umgebracht in der gesichtslosen Maschinerie Krankenhaus. Man hat den Zwillingen und mir so vieles genommen das wir über sehr sehr lange ganz intensiv nachholen mussten. Über uns wurde entschieden als wären wir Ware.

Meine Hebamme war zu keinem Zeitpunkt der Nachsorge bereit mit mir zu reden oder mir zu sagen das ich volle Kanone in die Depressionen rauschte. Sie sagte mir nicht wo ich Hilfe finden würde. Sie war nie dazu bereit mit mir über die Geburt zu sprechen obwohl ich den Bedarf deutlich gemacht habe. Stattdessen wurde alles was ich tat belächelt oder als falsch dargestellt. Ich wurde auch nach der Geburt nicht ernstgenommen mit meinen Sorgen.

Fast ein Jahr lang war mein Leben von Fremden bestimmt die keine Minute auf mich und meine Bedürfnisse geachtet haben. Ich habe so gut es geht gekämpft für mich und meine Selbstbestimmung aber am Ende war ich zu schwach, zu ausgelaugt und ohnmächtig um zu bestehen. An meiner Schwangerschaft war nichts selbstbestimmt, ebenso wenig wie bei der Geburt der Zwillinge. Vom Schwangerschaftstest bis viele Wochen nach der Entbindung war ich lediglich eine Goldmiene für Ärzte und Hebammen.

Das alles zeigt, wie wichtig die adäquate Versorgung durch Hebammen ist, die nicht überlastet sind sondern frei sind sich bestmöglich um ihre Gebärenden zu kümmern. Es zeigt auch das Zeit Geld bedeutet. Und Geld ist wichtiger als das Seelenheil einzelner Frauen die vielleicht nicht nach Plan gebären oder gar eigene Wünsche diesbezüglich haben. Geld darf nicht bestimmen wie und wo wir gebären und auch darf es nicht bestimmen welche Diagnose man bekommt damit man ein guter Fall zum abrechnen wird. Die Politik zerstört wissentlich eine Geburtskultur die seit so vielen 1000 Jahren funktionierte. Warum sollten Frauen heute nicht mehr in der Lage sein selbst zu gebären wie sie es immer taten? Ich verstehe das nicht.

Meine Wünsche hatte ich vor der Geburt sowohl mit dem Krankenhaus als auch mit meiner Hebamme ausdrücklich besprochen und einen Geburtsplan formuliert. Letztlich hat mir diese Vorbereitung nichts aber auch gar nichte gebracht außer Hoffnungen die nicht wahr wurden. Keiner nahm sich letztlich die Zeit sich damit zu befassen und keiner war da meine Interessen für mich durchzusetzen als ich es nicht konnte.

Seit 3 Jahren nehme ich mir vor am 25.11. Eine Rose niederzulegen und einen Brief zu schreiben. Ich kann es nicht. Die Angst vor dem Ort des Grauen ist noch immer zu groß und zu präsent. Ich bin traumatisiert und vieles hat sich in meinem Leben deswegen verändert. Sex? Keine Chance. Die Angst ist zu groß. Einem Arzt vertrauen? Ich bin doch nicht lebensmüde. Wieder als Krankenschwester arbeiten? Niemals werde ich wieder Teil des Gesundheitswesen in Deutschland. Nicht solange der Profit vor den Menschen kommt.

Der Roses Revolution Day ist am 25.11. Er will aufmerksam machen und betroffenen Frauen eine Stimme geben. Die mediale Aufmerksamkeit ist nämlich mehr als gering. Mit Frauen die keine Traumgeburt hatten kann eben nur wenig Geld verdienen. Daher hat Nora Imlau zur Blogparade aufgerufen und dieser Beitrag ist Teil davon.

Break the Silence ! Name it! Each  Woman is a Rose!

 

Hast du selber auch Gewalt während der Geburt deines Kides oder deiner Kinder erlebt und möchtest darüber schreiben melde dich, auf meinem Blog ist Platz für dich und deine Geschichte!

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12 von 12 #1

Es ist Samstag. Der 12.11.16 also Zeit für die #12von12.

Normalerweise sind unsere Samstage wenig ereignisreich. Twinpapa kommt meistens aber dieses Wochenende ist das ganze auf den Sonntag verschoben. Der Morgen begann frostig. Selbst der Kanal vor dem Haus ist zugefroren.

Wir fuhren zum einkaufen. Die Zwillinge lieben es, denn ein eigener Einkaufswagen ist natürlich das Highlight für beide. Aber gerade am Wochenende ist es sehr voll und die Gänge sind eng. Alle laufen Slalom, aber die Knödels haben Spaß.  

Außerdem muss ich meine neue Wickeltasche auf Herz und Nieren prüfen damit ich demnächst einen schönen Testbericht schreiben kann. Stylisch ist sie ja.

Beim verlassen des Ladens treffen wir meinen Vater und meinen Bruder. Wir verabreden uns für den Tag. Das Wetter ist toll, Zeit zum abgrillen! Doch vorher rocken wir noch durch das viele Herbstlaub 

Da ich mal wieder ziemlich erkältet bin, warm eingepackt und ungeschminkt!

Der schönste Platz zum schlafen ist das selbstgebaute „Bett“ unter dem großen Tisch im Wohnzimmer meiner Eltern.

Doch das reicht dem Knödelkind noch nicht. Eine extra Runde Schlaf auf Mamas Bauch ist ja nie verkehrt. Hatten wir lange nicht mehr. So schön kuschelig. 

Zeit den Grill anzuwerfen.  Die kleinen waren total fasziniert vom Feuer und den funken im Dunkeln.

Nachdem die Kids so ziemlich fertig waren, mussten sie ganz viel Opa tanken. Ich könnte immer wieder platzen vor liebe wenn ich die 3 kuscheln sehe.

Auf dem Weg nach Hause habe ich meine geliebten Wildlinge für euch festgehalten . Ich liebe das laufgefühl in den Barfußschuhen so sehr. Obwohl es das Sommermodel ist bleiben meine Füße immer schön warm.