Tschuldigung Schatz

Jede unserer Handlungen und Taten haben Auswirkung auf das Leben unserer Kinder. Seien es banale Floskeln oder ernste Entgleisungen.
Ich weiß nicht ob es richtig ist hier und jetzt darüber zu schreiben, aber wer meinem Blog hier schon länger folgt weiß das es immer wieder lange Phasen gibt in denen ich nichts veröffentliche. Der Grund ist auch bekannt:

Ich habe Depressionen. Nicht das es etwas relativieren würde oder so, aber diese Information ist wichtig um zu verstehen warum ein einziger Satz meiner Motte mir das Herz in Stücke reißt.

Die Depressionen kommen immer dann wenn der Druck für mich zu groß wird. Dann kann ich nicht mehr kämpfen, nichts mehr regulieren. Ich explodiere und zerfetze was um mich liegt. Mit Worten. Es bricht aus mir heraus. Ich schreie, ich wüte und trete gegen Sachen, behandle Freunde und Bekannte wie Dreck. Die Knödels bekommen davon in der Regel nichts mit, außer einem einzigen mal.

Ich explodierte vor ihren Augen. Sie hatten Angst schätze ich, denn sie weinten so schrecklich schlimm. Aber sie erdeten mich damit, holten mich auf den Boden zurück. 

Mit meinen Kindern, dem wertvollsten in meinem Leben, in den Armen weinte ich und sprach immer wieder zu Ihnen diesen einen Satz:

Tschuldigung Schatz, es tut mir leid.

 Ich versuchte uns zu trösten, versuchte meine Mitte zu finden, drückte beide so fest an mich um zu zeigen ich bin da.

Dieses Ereignis liegt einige Monate zurück und hat eigentlich nicht das geringste mit dem heutigen Tag zu tun, der eigentlich wie immer war. Zumindest wenn man Mottis ausraster heute Nachmittag außer acht lässt. 

Sie durchlebte heute einen Wut- und Verzweifelungsanfall der Marke Teenager garniert mit der theatralik eines typisch zweijährigen Kindes.

Sie schrie und schrie, schmiss sich zu Boden, trat um sich und riss alles mit sich.  Irgendwann konnte ich in Kontakt mit ihr kommen und tröstete sie. Alles schien gut zu sein…
…Bis heute Abend :

Im Bett fing sie an nacheinander all ihre liebsten Kuschelgefährten an sich zu drücken. Sie schaukelte sie in ihren armen und wiederholte immer wieder 

“ tschuldigung mein Schatz, tut mir leid “
Meine Tochter hat sich bei ihren kuschels dafür entschuldigen wollen das sie so daneben war heute nachmittag. Genauso wie ich es tat vor einigen Monaten. 

Ich hatte es schon fast vergessen, besser gesagt verdrängt,  aber mein Herz zerbrach bei jeder Wiederholung. Weinen wollte ich, doch ich tat es nicht, es käme mir falsch vor und würde nur meinem schlechten Gewissen dienen, also beobachtete ich Motti. Als ich den Eindruck hatte sie wäre fertig bot ich ihr an zu kuscheln und sie nahm es an. Ich spürte das sie erleichtert war. Sie konnte ohne diese Last im Herzen den Tag los lassen und einschlafen. 

Warum erzähle ich euch das eigentlich?  Immerhin zeigt es deutlich das ich einfach auch öfter versage als heldenhaft bin, doch darum geht es gar nicht. Hier geht es gar nicht um mich oder Depressionen oder darum das Mütter immer stark sein müssen. Das sollen sie nicht sein und müssen sie auch nicht. 

Ich habe das auch nicht geschrieben um Absolution zu erbitten. Nein, sie Vorgeschichte ist wichtig um zu verstehen was ich sagen will:

Jede eurer Handlungen, positiv wie negativ,  prägen eure Kinder. Sogar mehr als man es manchmal für möglich hält und oft kommt der Effekt den euer handeln hervorruft erst mit viel billiger Verzögerung. Es macht deutlich wie wichtig unser Weg ist. Welchen Stellenwert Gleichwürdigkeit in einer Eltern-Kind-beziehung haben muss damit unsere Kinder zu den Menschen werden die sie sein wollen und sollen.

Respektvolle und wertschätzende Interaktion mit dem Nachwuchs ist die Essenz dessen was wir für unsere Kinder wollen. Das heißt natürlich nicht das Eltern jede potentiell negative Impulsregung unterdrücken sollen, im Gegenteil: Kinder müssen und sollen erfahren wie breit das Spektrum menschlicher Gefühle ist, es geht darum authentisch zu bleiben in Momenten in denen man nicht mehr anders kann als zu platzen. Doch wie wir damit umgehen, währenddessen und danach wird der Wegweiser für das Verhalten unserer Kinder.

Ich habe mich geschämt für meinen Ausbruch, das wurde deutlich in der Art wie ich mich danach verhalten habe, die Reue die ich verspürt habe. All das habe ich heute Abend auch bei Motte gesehen und den ganzen Tag über gespürt. Man konnte beobachten wie es in ihr gearbeitet hat.

„tschuldigung Schatz, es tut mir leid“ 

Ein Satz der alles in einem anderen Licht darstellt und mir erneut verdeutlicht wie wichtig und richtig mein Weg ist. Denn mit meinem Verhalten beeinflusse ich das Leben meiner Kinder für immer, meine Art mit schlechten Momenten umzugehen wird ein Teil ihrer Strategien werden. Obwohl ich das weiß ist es mir erst jetzt bewusst geworden,  erst heute Abend habe ich erkannt was das mit den Knödels macht und welche Bedeutung sie den kleinsten Dingen beimessen, Dinge die wir vergessen, verdrängt haben oder für bedeutungslos halten. 

Bitte urteilt nicht zu hart. 
Liebe grüße 

Ela 
( vom Handy gepostet daher möglich das das Layout nicht passt)

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Ein Gedanke zu “Tschuldigung Schatz

  1. Ich finde es bewundernswert, dass du es schaffst, diese Momente irgendwie von dem Kindern fernzuhalten. Und wahrscheinlich ist es die beste Strategie, damit umzugehen, indem du im Nachhinein darüber sprichst und um Entschuldigung bittest. So lernen die Kinder,it dir umzugehen – und mit sich selbst eben auch.

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