Spielplatz-Mutti-Typen Dorfedition

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Normalerweise gehen wir vormittags in den Wald, da ist weniger los, es ist so schön ruhig und es stört uns keiner wenn wir durch die Gegend stromern und die Wege verlassen. Nachmittags ist im Wald echt die Hölle los habe ich heute gemerkt. Auch der Spielplatz am Kloster ist gut besucht, sonst ist er immer leer. Heute nicht und endlich kam ich mal in den Genuss die Mutti-Typen zu beobachten. Quasi die Dorfedition, denn die unterscheiden sich doch noch mal deutlich von der Großstadtversion.

Die Dorfschickeria

Die schicke Mutti vom Dorf. Sie kommt mit Hightech-Fahrrad und ebensolchem Sitz fürs Kind angebraust. Statt High Heel trägt die die edelvariante der Chucks. Zu ihrem Sonnenstudio gezüchteten Bronze Teint präsentiert sie eine Frisur der Marke sportlich-elegant aufgemotzt mit Highlights vom Nobelfriseur in der nächsten Stadt. Sie ist dekoriert mit viel Bling Bling und genauso hat sie auch ihre Tochter dekoriert. Das mit dem Fahrrad heran geschaffte Kind trägt bei 20 Grad und Sonne Hannentrittmantel so wie dauraf abgestimmt Mütze und Schal. Für den Fall das der Mantel Schaden oder Beschmutzung erleiden könnte trägt das Kind einen dicken Wollpullover, es soll ja nicht frieren. Nach der Ankunft wird das Kind in der Sandgrube angesetzt und Kurs auf das Cafe genommen. Die Verweigerung des Kindes allein unter so vielen Fremden zu sein wird mit missmut und genervtheit beantwortet, aber immerhin bleibt sie. Das Kind wird permanent gebürstet, abgewaschen und es wird im regelmäßigen Abstand bemerkt wie schmutzig es sich doch gemacht habe. Snacks und Getränke führt sie natürlich nicht mit, sie bemerkt lautstark das sie jetzt ins Kaffee gehen werde um dort Kaffee und Kuchen zu verzehren. Auch das Kind der Schickeria-Mutti ist ein besonderes Exemplar: Lautstarkt erklärt es immer wieder allen alles gehört mir, meine Rutsche, mein Pferd, meine Schaukel, mein Sand. Nebenbei werden noch ein paar Bilder zum herzeigen gemacht, man mag ja schließlich gut da stehen, doch das täuscht nicht über ihre „nichts passiert“ oder „steh wieder auf“ „mach das alleine“ und ihr immerwährendes Lob hinweg, es überschreibt auch nicht den Umstand das sie die einzige ist, die dem Prestigesymbol laut und fordernd hinterher schreit.

 

Die praktisch-organisierte alles im Griff Mama

 

Während es in Großstädten zum guten Ton der Supermuttis gehört alles dabei zu haben, es möglichst ökologisch zu haben und am besten alles selbst gemacht zu haben ist es im Dorf eine eher seltenere Spezies.

Man erkennt sie daran wie sie flott mit dem grünen Croozer-Doppelsitzer durch den Wald stoffelt, immer ein Ziel vor Augen, keine Zeit um vom Kurs abzuweichen. Immerhin ist der Ausflug zum Spielplatz im Wald eine logoistische Herausforderung, man muss immerhin ein großes Sortiment frisches Obst und Gemüse mitführen, süßes in Form von selbstgebackenem sowie ein großes Sortiment Spielzeug. Sämtliches Zubehör transportiert sie mit einem großen ,selbstgenähten Beutel. Mutter und die 1-4 Kinder sind normal gekleidet, eher unaufällig, aber sauber und ordentlich. Die Kinder zeichnen sich durch erfrischend, höffliches aber offensichtlich anerzogenes Verhalten aus, natürlich teilt dieser Mutter-Typus breitwillig alles was sie hat.

 

Die junge, desorganisierte Mama


Das Kind das am lautesten schreit? Das gehört ihr. Der Buggy der bis unters Dach vollgepackt ist? Ebenfalls ihrer. Ist auch okay, ihr wütend zeterndes Kind trägt sie wahlweise auf der Hüfte oder untern den Arm geklemmt mit sich rum, trägt sie es nicht, so rennt sie ihm hinterher weil das Kind auf abwege gerät. Von den anderen Mutter-Typen, welche doch sehr uniform gekleidet mit Jeans und Weste auftauchen, unterscheidet sie sich mit ihren bunten, aufsehen erregenden Haaren und ihrem versuch sich Kleidungstechnisch von den Unifromen abzuheben. So richtig gelingt das aber dann doch nicht. Das Kind zeichnet sich durch einen wilden Mix aus DIY-Mode, Discounterkleidung und ein paar edleren Stücken aus dem Secondhand aus. Es ist das, das sofort schmutzig ist, und auch das einzige das später nahezu nackt über den Spielplatz fegt. Sie hingegen lümmelt sich im Gras oder Sand, Barfuß und verschmiltz mit der Szene völlig. Das lauteste, schmutzigste Kind ist tollpatschig und stiftet innerhalb kürzester Zeit größt mögliches Chaos. Die junge, desorganisierte Mama versucht sich an alternativen Methoden, steht sich aber selber im Weg weil sie von Unsicherheit begleitet agiert. Sie macht viele viele Bilder und immerhin hat auch sie etwas Proviant dabei.

Die Zwillingsmama aka ICH

 

Ich trage seit 3 Jahren überwiegend meine Umstandskleidung weil mein Arsch für alles andere zu fett ist. Kinderwagen oder sonstige Gefährte besitze ich nicht. Dafür habe ich ein Sortiment Tragetücher und Tragehilfen in meine viel zu kleine, als Wickeltasche im Prinzip ungeeignete coole Designertasche vom Outlet gestopft. Außer einem Sortiment Gedöns und ein paar Trinkbechern so wie 2 Windeln habe ich alles vergessen: Getränke? Nope! Snacks, Spielzeug oder Bargeld? Fehlanzeige! Ich bin halt Zwillingsmama, ich bin froh das meine Kinder heile und überwiegend sauberden Weg zum Spielplatz geschafft haben ( hat ja nur ne knappe Stunde gedauert). Ich bin die, die keine Schuhe mehr trägt weil die Socken zu kurz sind um mit Schuhen und Socken an durch den Sand zu latschen weils sonst scheuert. Und ich bin auch die, die einfach auf der Bank sitzt, ein Handy in der Hand ( Notizen für den Artikel machen). Ich mache keine Fotos. Ich mache eigentlich fast nichts. Ich bin die, die ihre Kinder einfach machen lässt, kein Programm vorgibt. Ich beobachte sie, genieße die Ruhe und den Moment, ich lasse mir das Gesicht von den letzen Sonnenstrahlen kitzeln, ich atme bewusst die frische Herbstluft ein.  Zumindest tue ich das so lange bis eins meiner Kinder brüllt, weil es von der Schaukel gefallen ist ( die ich zu doll angestoßen habe) Oder weil es auf dem Kletterturm eingekeilt ist weil die Gummistiefel feststecken. Meine Kinder sehen aus als wären sie in die Kleiderkiste gefallen, aber immerhin haben sie sich alles selbst ausgesucht. Inklusive der Gummistiefel und ausnahmsweise behalten sie sie sogar beim Spielen an.


Und jetzt will ich wissen: welche Mutti-Typen gibt es auf euren Spielplätzen?

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6 Gedanken zu “Spielplatz-Mutti-Typen Dorfedition

  1. Ich bin mir bei folgendem Satz nicht sicher, wie du ihn meinst, deshalb dachte ich, ich frage mal nach 😉
    „Die Kinder zeichnen sich durch erfrischend, höffliches aber offensichtlich anerzogenes Verhalten aus“
    Das klingt für mich so, als würdest du anerzogenes Verhalten für etwas schlechtes halten.. Täuscht das oder habe ich das richtig verstanden?
    Falls du das schon irgendwo auf dem Blog erklärt hast tut es mir leid, ich lese hier noch nicht so lange und leider wegen Zeitmangel auch nicht so regelmäßig mit:)

    Gefällt mir

    • Hallo, schön das du da bist. Ich hatte in einem der letzten 3 oder 4 Artikel mal darüber schwadroniert wie ich das ganze erziehungsding so sehe. Ich bin der Ansicht das man nichts anerziehen muss, wenn man respektvoll und wertschätzend mit seinen Kindern umgeht werden sie auch so mit anderen umgehen. Weil sie es wollen. Nicht weil sie es müssen. Erziehung drückt aus das das Kind in die Form der eigenen Vorstellungen gezogen wird. Genau das möchte ich nicht. Ich möchte das meine Kinder sich frei entwickeln ohne das Gefühl das sie sich so verhalten müssen weil ich es verlange. Sie sollen Handeln wie sie es möchten und das tun sie im besten Fall so wie ich es Vorlebe.

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