Und wie erziehst du so?

Mir schwirrt der Kopf, je mehr ich mich mit Themen der Erziehung befasse, desto mehr habe ich den Eindruck das das aufwachsen von Kindern einem Wettkampf gleicht:

Wer hat am längsten gestillt? Wer hat am längsten getragen? Wo gibt es das größte Familienbett? Wer ist am vegansten, plastikfreisten, windelfreisten, unerzogensten?????? Und beim Thema Kita/Kiga gehts ja auch noch weiter und hört beim Thema Schule noch lange nicht auf..

Mich macht das ganz verrückt, so verrückt das ich schon die Bindung zu meinen Kindern in Frage stelle obwohl ich nichts gravierend falsch mache außer dem Umstand das ich menschlich bin, fehler mache, meine Gefühle auslebe, auch wenn sie negativ sind.

Am Anfang stand das Kontinuum

Dem folgte Sears mit Attachment Parenting, es folgt die GfK basierende Erziehung, und das Unerzogen Lager. Es gibt autorative Erziehung, autoritäre Stile, schwarze Pädagogik, anti-autoritäre Erziehung usw usw… Mich setzt diese Masse ganz schön unter Druck, denn ich weiß was ich nicht will und ziemlich genau was ich möchte, doch das befassen mit diesen Themen zeigt auch: egal wie sehr ich mich bemühe: ein andere kanns noch besser. Da ist zum Beispiel meine liebe Freundin Katharina, die sagt so pingelig wie ich (nicht) erziehe, tut es ja kaum jemand. Ich kann dem leider nicht zu stimmen, denn ich  erkenne noch viele Dinge die ich besser machen könnte, wenn ich nicht den Druck verspüren würde immer zu funktionieren und mir erlauben würde von meinen Vorstellungen abzuweichen.

 

Mein Weg ist nicht dein Weg

 

Die (nicht) Erziehung von Kindern kann keinem Muster folgen, denn jedes Kind ist anders, jeder Elternteil ist anders. Was für mich gut funktioniert, funktioniert für Katharina nicht, weil ihre Umstände ganz anders strukturiert sind.

Am Anfang war ich ja der Meinung, wenn ich nur meinem Leitfaden folgen würde, dann würde alles gut gehen und gut werden. Es wäre einfach. In den letzten 2 Jahren habe ich viel dazu gelernt, vor allem das genau das nicht funktioniert, Erziehung nach Plan, wobei ich schätze das es funktionieren könnte wenn man seinen Plan mit aller Macht durchsetzen möchte, das liegt mir jedoch nicht. Folglich habe ich meinen Plan, meine Idee davon wie ich mit meinen Kindern umgehen möchte immer wieder angepasst, reflektiert und neu ausgerichtet. Aber für mich hat dieser Weg keinen Namen, denn er verbindet ganz undogmatisch Elemente aus vielen Wegen, Annahmen und Grundhaltungen zu einem Weg, der zu uns passt. Ich nenne ihn „The Ela Way“…

Zu meinem Weg gehört das ich versuche so wertschätzend und respektvoll wie möglich mit meinen Kindern umgehe, sowohl kommunikativ als auch in meinen Handlungen ( öffentliches Popo riechen finde ich so schrecklich entwürdigend, als Beispiel), ich hinterfrage meinen Ideen und Überlegungen nach ihrem Ursprung: WILL ICH das so? Oder glaube ich das zu wollen, weil man genau das von mir erwartet. Meine Twinnies haben sehr viele Freiheiten, dürfen mit bestimmen, selbst bestimmen, sogar in einem recht großzügigen Rahmen wie ich finde, dennoch treffe ich relevante Entscheidungen für meine Kinder weil ich in manchen Dingen eine Fähigkeit besitze die sie noch ausbilden müssen: Weitsicht. Ich kann Handlungen und Folgen in Relation zu einander bringen und so die Konsequenzen erfassen: es gibt also Grenzen der Selbstbestimmung für Knödel und Motte, es gibt ein paar Regeln die unser Zusammenleben 2:1 erleichtern weil es sonst einfach unsicher wird. Ich gebe also den Rahmen, passe ihn immer wieder an und in diesem Rahmen können sich beide frei bewegen, argieren und reagieren… Es gibt keine Strafen, keine Erpressungen, (kein) wenig Lob dafür viele Freiheiten, ein paar Regeln und Grenzen. Aber bei letzterem bin ich oft zu lasch und faul, wenn ich ehrlich bin…

Das Problem mit der Selbstbestimmung

Selbstbestimmung ist ja derzeit ein RIESEN Thema bei den Bloggern, es spaltet in zwei Lager. Ich bin hin und her gerissen, denn ich glaube das Selbstbestimmung funktionieren kann wenn die Umstände passen. Zunächst einmal steht einem ja oft die eigene Haltung im Weg, meine Freudin M kennt das sehr gut, und auch die eigene Erwartungshaltung steht einem oft im Weg und führt dann zu unnötigen Konflikten, daher denke ich das man sich selber vorher reflektieren sollte bevor man diesen Weg gehen will. Um bei M zu bleiben: Sie versuchte E an selbstbestimmten TV Konsum heran zu führen, merkte aber schnell das E nachmittags nur noch TV sehen wollte. Sie konnte das schlecht aushalten, denn das Kind braucht frische Luft, Bewegung und Kontakte. Was sie übersah war folgendes: E geht Vollzeit in die Krippe, er hat 8 Std am Tag Bewegung, Reize, Kontakte, freies und geführtes Spiel. Dieses Kind hat einen Vollzeitjob erlebt wenn er abgeholt wird, er sehnt sich nach Ruhe und Entspannung und wählt dafür den TV. Als ich M fragte was sie früher tat wenn sie von der Arbeit heim kam, schmunzelte sie dann erkennend welche Strategie E zum abschalten wählte. Sie passte ihre Erwartungen an mit der Konsequenz das sich die Situation entspannen konnte.

Bei uns funktioniert die Selbstbestimmung unter anderem deshalb, weil ich keine Erwartungen habe, selbstbestimmt ist selbstbestimmt, meine Erwartungen an meine Kinder haben da keine Relevanz, dennoch klappt es ganz gut in dem ich sie begleite in ihrer Selbstbestimmung, ihre Zeichen wahrnehme und sie dann leite, so klappt es mit dem TV Kosum genauso wie mit dem Schlafen- und zwar ohne weinen…

Aber ist das schon Unerzogen?

Ich sage nein, mir fällt es nämlich schwer gewisse Verhaltensweisen zu akzeptieren, wenngleich ich nachvollziehen kann was die Motivation dessen ist, dennoch kann ich das schlecht aushalten und unterbinde manche Dinge und biete Alternativen an… Natürlich werden die nicht immer gewollt, wäre ja auch zu einfach, aber es übersteigt einfach ab und zu meine Toleranzgrenze, ich kann es schlecht aushalten. Das zu wissen hilft mir trotzdem, denn ich kann meine Kinder reflektiert in ihrer Wut und Trauer begleiten…

Der Schlüßel liegt in diesem Satz:

Beziehung statt Erziehung“

Ich interpretiere ihn für mich so: wenn ich grundsätzlich in Kontakt ( Beziehung ) zu meinen Kindern trete, sie begleite und ihnen vorlebe dann werden sie kooperieren, nicht immer, nicht sofort, aber sie werden folgen, weil sie es wollen. Ich teile die Ansicht das Kinder aktiv an der Gesellschaft teilnehmen wollen, ein Teil davon sein wollen und das sie durch liebevolle Begleitung genau das werden und es auch gerne sind. Strafen und emotionale Erpressungen führen dazu das das Kind aus Angst vor Konsequenzen folgt und früher oder später rebelliert. Angst ist keine gute Komponente für eine Beziehung die gleichwürdig sein sollte, das ist bestimmt jedem bewusst. Gewaltfreie Erziehung ist demnach der Schlüßel zu kompetenten, selbstbewussten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ich finde ja, das wir davon viel mehr bräuchten, und wie erzieht ihr so? Hinterlasst gerne einen Kommentar, ich bin gespannt.

 

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12 Gedanken zu “Und wie erziehst du so?

  1. Ich weiß schon, warum ich keine Erziehungsratgeber lese. Bei den meisten Artikeln in Zwitschirften und C habe ich schon immer das Gefühl, dass diese „Experten“ selber keine Kinder haben, oder die Kindererziehung ihre Partner übernommen haben, weil sie mit ihren Theorienentwicklungen zu beschäftigt waren.
    Ich mache das frei Schnauze. Vllt würde ich es Bedürfnisorientiert nennen, kenne aber die Fachdefinition nicht. Für mich heißt es, dass alle Bedürfnisse brücksicht werden, so eben auch meine. Und wenn ich bestimmte Verhaltensweisen oder Aktionen nicht will, dann ist das eben auch so. Rücksicht muss mein Kind auch lernen, auch, wenn es meine Beweggründe noch nicht versteht. Natürlich ist es mir am wichtigsten, dass es meinem Kind gut geht, das tut es aber sicher auch nicht, wenn ich mich vollends aufgebe. Wir sind durchaus streng und konsequent. Lassen aber auch viel Freiheit zur eigenen Entwicklung. Wir Fördern nicht gezielt, was kommt, das kommt und dann unterstützen wir gern. Und ich denke auch, dass Erziehung Aufgabe der Eltern ist, es aber auch das sprichwörtliche Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen. Wenn es nötig scheint, darf sich gern jemand einmischen, so wie auch ich nicht hinterm Berg halte, wenn sich zB ein anderes Kind in unserer Gegenwart daneben benimmt. Ich denke, es greifen bei uns so viele verschiedene Erziehungsarten ein, dass es gar nicht zu definieren ist ^^

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      • Was heißt streng? „Nein“ heißt „nein“, aber meist lässt sich die Aufmerksamkeit auf was anderes lenken. Hat sie dann einen kurzen Trotzanfall, warte ich, bis sie fertig ist, dann frag ich „knuddeln?“ und dann kommt sie auch schon wieder 🙂 Wir sind viel auf spielplätzen, wo sie sich fast frei bewegen kann, aber haben auch zB feste Zeiten (wann aufstehen für Kita, Abendessen, schlafen gehen). Daherum ist es immer Termin und Zufallsabhängig. Wir geben den Rahmen und die Regeln vor, die einzuhalten sind, dazu gehört auch Etikette, aber darin hat sie dann ihre Freiheiten.
        Bsp: Sie klettert unheimlich gern, ich verbiete ihr ja nicht auf ihren Schaukeldino oder auf Stühle und Tische zu klettern, weil ich ihr was böses will, sondern ich verhindern möchte, dass sie stürzt (und an Fenster kommt und aus dem ersten Stock fällt). Ich weiß nicht, ob ich das jetzt klr rüber gebracht bekomme ^^

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      • Doch ich verstehe es schon denke ich, doch bei mir ist Nein eher selten im Gebrauch. Fenster sind abgeschlossen und beide können super in ihren hochstühlen stehen und tanzen sowie raus klettern. Gestürzt sind sie eigentlich nie außer meine mama war in der nähe und hat Panik verbreitet. Finde da den Ansatz von emmi Pickler ganz interessant, vielleicht ist das ja noch mal ein Ansatz der deinen Blickwinkel auf das klettern ein bisschen entspannt

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      • Das kommt eher später, wenn sie versteht, dass man nicht aus Fenstern klettert, auch wenn man das Fenster öffnen kann und motorisch noch etwas sicherer ist. Da denke ich mir einfach, dass ich als Erwachsene die Gefahr besser einschätzen kann, als eine 16-Monatige 😉

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  2. Ach Ela, es klingt so negativ, was du über meine Aussage über dich schreibst. So negativ sehe ich das gar nicht.
    Du hast eine genaue Vorstellung von Nicht-Erziehen und diese Vorstellung ist doch auch eine Art der Erziehung. Ihr drei geht euren Weg sehr konsequent („nicht“ erzogen, wobei es für mich kein Nicht-Erziehen gibt. Vorleben ist auch erziehen), aber nicht pingelig. Pingelig ist das falsche Wort 😉

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  3. Huhu, bin grad auf deinen Blog gestoßen und hab mich etwas durchgewühlt. Du schreibst ganz tolle Beiträge. Ich bin Erzieherin und habe eine kleine Tochter, knapp 1 Jahr alt. Da ich vor einigen Wochen gemerkt habe, dass ich noch nie mit ihr geschimpft habe und auch das Wort „Nein“ versuche, nur in einer direkten Gefahrensituation in den Mund zu nehmen(zB wenn sie kurz davor ist, sich mal wieder in Windeseile draußen ein giftiges Blatt in den Mund zu schieben🙈), setze ich mich grad selbst mit dem Thema „Unerzogen“ auseinander. Danke für deine ausführlichen Artikel. Sowas lese ich grad sehr gern 🙂

    Liebe Grüße!
    Valerie

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