Erinnerungen

Jeder hat diese eine Erinnerung an seine Kindheit die er unbedingt mit seinen Kindern neu auflegen will. Meine Lieblingserinnerung ist diese:

Es ist Sommer, meine Mama arbeitet. Mein kleiner Bruder und ich verbringen den Tag bei unseren Großeltern. Opa ist schon recht betagt, doch ein ausbund an Wissen. Mein Opa weiß einfach alles. Und er liebt die Natur. Nicht weit vom Hof meiner Großeltern liegt ein recht großer Wald. Höchstens 5 Gehminuten. Im Zentrum des Waldes befindet sich das Forsthaus. Drum herum befinden sich Ländereien und Pferdekoppeln. Am Forsthaus gibt es Eis und Cola.

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Wenn ich an diese Tage denke, ich war vielleicht 5 oder 6, an das Streifen durch den Wald, dann habe ich diesen Geruch des Waldes in der Nase, den Geschmack des Balla-Eis im Mund, die Stimme meines Opas, leicht außer Atem, in den Ohren und ich sehe meinen Opa auf der Bank vor dem Forsthaus wie er Kraft für den Rückweg schöpft. Ich sehe wie mein Bruder und ich die Pferde ansehen.

Nun ist dieser Wald nur 20 Minuten mit dem Auto von unsere Wohnung entfernt. Seitdem die Knödels so scharf aufs spazieren sind, wollte ich schon seit Wochen in den Wald fahren, durch die Wege streifen und mit den kleinen Rast am Forsthaus machen. Ich wollte ihnen meine Erinnerungen schenken.

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Ich weiß das es das Forsthaus nicht mehr gibt, bzw das es nicht mehr als Forsthaus dient. Man hat  daraus ein Klostercafe gemacht, denn auf dem Gelände wurde das Kloster ausgegraben, ziemlich modern rekonstruiert und für die Touristen schick gemacht. Es gibt keine Pferde mehr, kein Eis. Dafür Kuchen, Führungen durch die Ruine und einen Spielplatz. Nur der alte, tote Baum ist noch da. Aber das Gefühl von früher fehlt. Genau wie die Stimme von Opa.

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Trotzdem gehe ich gern in den Wald, auch wenn es dort nicht mehr so ruhig ist wie früher. Heute gibt es Kindergartengruppen, Touristen und geführte Reitausflüge. Aber wenn man früh genug ist und abseits der historischen Pfade unterwegs ist, dann ist es fast wie früher. Abgesehen von den Zombiemücken die sich aufführen als hätten sie noch nie Menschenblut gekostet. Wir fanden kleine Froschkinder und viele viele Schnecken. Motte war entzückt. Sie wollte alle Tiere einsammeln und mitnehmen. Hach, es tat weh ihr zu sagen das die Tiere in den Wald gehören und das sie sie nicht mitnehmen darf. Dieses flehende Gesicht, diese traurige Stimme die immer wieder „mit“ sagt wenn sie ein Tier fand, lassen das Mamaherz schon arg beben.

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6 Gedanken zu “Erinnerungen

  1. Wie süss!! Sehr schöne Erinnerungen, die Du mit Deinen Kindern teilen möchtest- auch wenn dies wohl nie hundertprozentig gelingen wird. Aber diese Erinnerungen an besondere, wenn auch ganz schlichte und unspektakuläre Alltagsmomente sind die, die Einem bleiben. Für immer. Verbunden mit speziellen Gerüchen, Geschmäckern, einer Stimme. Ich habe gestern zum Thema Kindheitserinnerungen auch einen Blogartikel verfasst- kannst ja mal reinschauen: https://mammamiamitzweimaeusen.wordpress.com/2016/07/16/wie-schafft-man-kindheitserinnerungen/ Viele liebe Grüße unbekannterweise von Claudia

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    • Oh das ist ja toll, da lese ich gerne mal rein! Natürlich kann man nicht alles zurück holen, aber gerade wo die Welt scheinbar wieder aus den angeln gehoben wird möchte ich am liebsten für immer diesen einen Sommer mit meinem geliebten Opa zurück holen und ihn mit meinen Kindern teilen

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      • Das verstehe ich voll und ganz! Irgendwie hat man beim Blick zurück auf die eigene Kindheit und die eine oder andere geliebt Person das Gefühl, dass die Welt „damals“ noch in Ordnung war. Wahrscheinlich ist es die unserer Kinder jetzt auch noch…

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      • Meine süßis sind ja noch klein, für sie ist die Welt in Ordnung.
        Denke ich diese 20-22 Jahre zurück dann weiß ich, es gab Spannungen im nahen Osten. Doch sie sind so alltäglich. Sie waren nie weg und der nahe Osten so unglaublich weit weg.
        Heute habe ich den Eindruck das die Welt durch den Ausbau der sozialen Medien schrumpft. Jede Gefahr ist plötzlich so unglaublich nah….

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      • Man bekommt einfach viel mehr mit, und vor allem hautnaher. Dinge, die „damals“ weit weg schienen, passieren heute nebenan und vollkommen unerwartet. Leider wird damit genau das erreicht, was man erreichen will: Unwohlsein, Angst, Misstrauen schaffen. Nicht zuletzt haben einige Blogerinnen über den Sinn, noch Kinder in die Welt zu setzen, geschrieben. Verständlicherweise. Denn will man ihnen denn nicht auch eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen?

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      • Versteh mich nicht falsch, angst habe ich keine. Ich bin besorgt über die Entwicklung der Welt doch bin ich davon überzeugt das das leben immer weiter gehen wird. Das wie ist mir dabei zunächst einmal egal so lange ich leben darf, sein darf, bei meinen Kindern bin.
        Das leben ist unbeschwert. Wir haben uns nur schlicht von vielen Dingen der leidtungsgesellschaft vollkommen vereinnahmen lassen und leben dadurch existenzielle Ängste viel intensiver aus.

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