Enfant terrible…

Das Leben mit Kindern ist ja schon besonders.

Besonders schön.

Besonders spannend.

Besonders anstrengend.

Besonders ermüdend.

Besonders ätzend…

Doch zurück auf den Anfang:

Wenn man schwanger ist, glüht man voller Vorfreude auf das was einen als Eltern erwartet. Wie wird es sein ein Kind zu haben, wie wird das Kind aussehen. Ist man dem ganzen gewachsen? Ihr kennt das.

Das erste Lebensjahr mit Zwillingen:

Müdigkeit kennt keine Grenzen. Wirklich. Man ist ein stillender, Windeln wechselnder Mombie mit fettigen Haaren und Kotze auf der Kleidung. Also wenn man denn Kleidung trägt. Meistens reicht es nur für den Schlafanzug oder ein ausgebeultes Tshirt mit Jogginghose ( braucht man sonst eh nicht mehr, Zeit für Sport gibt es ja nicht).

Wenn frau es dann doch mal geschafft hat geduscht und kotzfrei gekleidet zu sein, hat sie einen Termin. Und wird zu spät kommen. Immer. Weil einer schreit und der andere scheißt. Und zwar so viel das es aus der Hose läuft.

Doch es gibt auch schöne Momente die für so vieles entschädigen. Das erste lächeln, die ersten selbstständigen Bewegungen. Die Kinder lernen sich zu drehen, zu robben, zu greifen, zu krabbeln und vielleicht macht der Nachwuchs noch die ersten Schritte. Die kleinen werden sich selbstständig hinsetzen, sie werden beginnen zu essen. Sie fangen an sich mitzuteilen.

Das erste Jahr ist wirklich schön und auch wenn man immer müde ist, wünscht man sich mit Ende des ersten Jahres immer mal wieder zurück zu der Zeit wo die Kinder nur essen, schlafen und kacken im Sinn haben. Denn je älter sie werden, desto mehr treiben sie dich in den Wahnsinn…

Das zweite Lebensjahr mit Zwillingen:

tt

Unser zweites Jahr neigt sich dem Ende zu, wir sind zwar noch nicht ganz am Ziel aber wir nähren uns dem sehr sehr rasch.

Die ersten 6 Monate des zweiten Jahrs sind wunderbar: die Kinder schlafen noch recht viel, sind leicht zufrieden zu stellen. Sie folgen und sind einfach zauberharft. Man neigt dazu zu denken: ich habs geschafft. Meine Kinder sind wunderbar. Keine Dramen, keine Wutanfälle etc. Das zweite Jahr macht Spaß!

Aber ist das nicht ein bisschen zu früh mit der Freude?

Nach den ersten 18 Monaten verändern sich eure Kinder.

Wirklich!

Zum einen lernen sie Sprechen. Da liegen Freud und Leid nah bei einander. Auch wenn die Kinder keine komplexen Sätze zustande bringen, so sind sie doch schonungslos ehrlich… Alte Oma, Oma ist alt, Onekl J schmeckt wie Pizza sind da noch harmlose verbale Entgleisungen. Auch wenn es braucht Monate den kleinen das erste MAMA zu entlocken, so erlernen diese unschuldigen kleinen Wesen mit unglaublicher Geschwindigkeit Worte wie: scheiße, fuck, kacke, geil usw. Auch Worte wie Eis, Pizza, Kekse und Kakao ( so wie Cola???) lernen sie unglaublich schnell.

Das führt dann zu solchen Dialogen:

Motte, willst du was trinken?

Oh ja, Cola!

Aber Motte wir haben keine Cola. Magst du was anderes?

Ja, Eis. Is läääääckaaaaa!

 

Grmpf. Spiel, Satz und Sieg Motte.

Knödelchen konnte das Wort Kekse tatsächlich früher sagen als Mama. Aber er nascht nur hochwertig. Gekaufte Kekse? Ne danke, von Mama oder Oma gebacken? Wenns sein muss. Bevorzugt werden die Kekse von Uroma gegessen. Nun ist meine Oma eine in ehren ergraute, nicht mehr so ganz gesunde 85 jährige, die sich redlich bemüht den Kekshunger zweier fast 2 jähriger zu stillen ( so wie den aller anderen Enkel, Urenkel und Ururenkel!! Ja von uns gibt es viele viele Generationen 😉 )

Doch was wirklich gruselig ist, ist folgendes:

AUTONOMIE!

Man nennt es Trotz oder Autonomiephase… Ich nenne es Autonomieentwicklung, denn es ist keine Phase sondern ein lebenslanger Prozess.

Mit dem Beginn der Autonomie wird es spannend. Das ist mein Ernst. Je nach Temperament des Kindes wird es extrem oder krass extrem.

Ich weiß ja nicht ob es bei euch auch so ist, aber meine beiden sind ein bisschen am durchdrehen. Sie wissen was sie wollen, aber sie können es noch nicht ausdrücken, während sie ziemlich gut ausdrücken können das die Kuh auf dem benachbarten Feld gerade gekackt hat. ( Kuhhhh kackaaaaa). Das ganze birgt also ein großes Potential für Konflikte. Mein Stesslevel steigt mit der Lautstärke des buhäääää. Meine Hilflosigkeit übrigens auch.

emotional-reaction-flowchart

Neben dem buhääää und ich will das aber ich kann es nicht sagen gibt es noch etwas tolles:

nalllleiiiiiiiiineeeee! Egal was, sie wollen es alleine machen. Hilfe wird grundsätzlich abgelehnt. Auch wenn sie im Begriff sind sich umzubringen. Wage ich es dennoch helfend einzugreifen, landen wir automatisch wieder bei: ich will das nicht, aber was ich will kann ich nicht sagen. Dieses Alleine machen ist wirklich anstrengend. Nicht nur das wirklich alles ewig dauert, ich muss es später heimlich noch einmal machen. Zum Beispiel die Wäsche aufhängen oder die Fenster putzen. Ich liebe es zwar wenn sie so geschäftig sind, aber mich nervt es wahnsinnig das ich ihnen nicht helfend zur Seite stehen soll, ihnen nicht zeigen darf wie sie es auch machen könnten. Und ab und zu bleibt mir auch das Herz stehen wenn die Minis im affenzahn eine über 2 Meter hohe Rutsch hoch klettern, dabei mehrfach nicht umsichtig sind und daneben treten, doch auch hier: Hilfe, nein danke. Ich übe mich also in scheinbarer Gelassenheit, immer auf dem Sprung meine in den vermeindlichen Tod stürzenden Knödels zu retten. Mein Stresslevel bleibt also oben.

Dann kommt noch der wechsel von der oralen Phase zur sogenannten genitalen Phase. Sie stecken nicht mehr alles in den Mund ( sondern nur noch das was gefährlich ist) und sie entdecken das sie ausscheiden können. Im Idealfall ist das der Zeitpunkt an dem man mal das Töpfchen oder die Toilette anbietet. In der Realität wird ständig irgendwo ein Haufen oder eine Pfütze hinterlassen und mit den Worten “ Gucke Haufe“ kommentiert. Manche Exemplare der Mini-Autonomen gehen sogar noch einen Schritt weiter und gehen in direkten Kontakt mit ihren Ausscheidungen und verteilen diese großzügig auf sich und der Umgebung. Selbst Windeln schützen hier vor nicht. Denn es gibt ja noch diese gemeinsamen Machenschaften in denen sie sich gegenseitig dazu verhelfen noch mehr Blödsinn zu machen. Da wird dann dem Geschwister oder dem Kumpel beim entfernen der ungeliebten Windel geholfen.

Natürlich sind das jetzt die extremen Beispiele der letzten Wochen, es gibt auch tolle Momente. Es ist so wunderbar zu sehen wie sie Tag für Tag riesige Schritte nach vorne machen ( und es nervt gleichzeitig extrem weil sie sich nebenbei wieder zurück entwickeln), sie gehen so neugierig und voller Wissensdurst in die Welt ( und schockieren mich damit, das sie sich neurdings für geschriebene Worte und Buchstaben interessieren).

Es ist auch unglaublich schön das sie mir erzählen wie toll ihre „Busie-Milch“ schmeckt, und wo nach ( heute wechelste es zwischen Kakao und Mayo ( danke Papa, für diesen Floh)) aber das sie quasi am Mops wohnen und permanent die Brust fordern nervt auch mega, zumal wir eigentlich mal nur noch zum schlafen gestillt hatten.

Die zweite Hälfte des zweiten Lebensjahrs ist also wie folgt zu betrachten:

Freud und Leid liegen genauso nah bei einander wie das gerührt sein und das genervt sein.

Es gibt ja diese Meinung das das dritte Lebensjahr die terrible Two genannt werden sollte. Ich bekomme eine Idee davon, warum und hoffe inständig das wir verschont bleiben. Doch die Chancen stehen sehr sehr schlecht…

Trotzdem freue ich mich auf das was die nächsten Monate so bringen wird, und ob sich das ganze wirklich noch bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus steigern wird, und vor allem wie das aussehen mag…

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2 Gedanken zu “Enfant terrible…

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