Zwillinge stillen? Geht doch gar nicht! Oder doch???

Am Anfang meiner Schwangerschaft war für mich klar: Zwillinge stillen , das geht ja nicht. Im Verlauf reifte der Wunsch es zumindest zu versuchen. Zugegeben, der Start zum stillen war kein leichter. Ob eine erfolgreiche Stillbeziehung entstehen kann steht und fällt jedoch mit der Wahl des Geburtsortes und dem Personal. Das heißt zwar nicht grundsätzlich das man im Krankenhaus keinen guten Stillstart haben kann, doch ist man schon deutlich abhängiger von der Einstellung und dem Fachwissen der Schwestern und Hebammen. Auch bei einer ambulanten, Geburtshaus oder Hausgeburt kann immer etwas schief gehen und der Stillstart wird behindert.

Ein großer Faktor für das erfolgreiche Stillen ist das erste Bonding und das intuitive Stillen im Kreißsaal. Gerade bei Zwillingen ist aber hier schon ein potenzielles Problem zu finden: was ist wenn die kleinen zu früh in die Welt starten, es ihnen aus anderen Gründen nicht gut geht oder es viele Interventionen im Geburtsverlauf gab? Alles sind Punkte die Einfluss auf das stillen haben, die das Bonding stören. Viele Kinder sind auf Grund des durchschtnittlich niedrigeren Geburtsgewichts trinkschwächer.

Wenn die Kinder dann noch für eine Zeit auf der Neo-Intensiv betreut werden müssen, ist man auch noch häufig in den festgefahrenen Strukturen gefangen. Dann heißt es nur alle 4 Stunden stillen, maximal 15 Minuten soll das Kind an der Brust bleiben. Meldet sich das Neugeborene zwischen diesen Einheiten gibt es häufig , ohne Absprache mit den Eltern, einen Schnuller um das Baby auf seine Zeiten zu ziehen. Dann gibt es noch diese schrecklichen sogenannten Stillproben die nicht selten zu Verzweifelung und zufüttern mit Formulanahrung führen. Für viele Mütter mit Stillwunsch bedeutet dies der Anfang vom Ende, das Kind verweigert die Brust, der Milcheinschuß verzögert sich, die Milch reicht scheinbar nicht.

Der Weg zum Vollstillen ist an dieser Stelle ein schwerer für die Wöchnerin, er erfordert viel Geduld, Verständnis und Unterstützung im Umfeld. Doch gerade das Umfeld ist oft nicht hilfreich, es kommen Fragen ob man sich das wirklich antun möchte, eine Flasche wäre doch viel schneller und leichter gemacht, außerdem könnte man das Kind dann ja auch leichter abgeben. Neben der Tatsache, dass  diese Kommentare, genauso wie“ das Kind schreit vor Hunger, gib doch ne Flasche“, unter Umständen sehr verletzend und übergriffig empfunden werden, wird außer acht gelassen das zum besseren Bonding das Fläschchen vor allem in den ersten Lebensmonaten von den primären Bezugspersonen mit viel Körperkontakt gegeben werden sollen. Das sind in der Regel jedoch nicht die lieben Omas sondern Mama und Papa und das sollte von allen respektiert werden.

Doch was tun, wenn das Kind eigentlich schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen, es Stilprobleme gibt und man in dem Teufelskreis des zufütterns geraten ist?

Zunächst einmal sollte man natürlich seinen Wunsch mit seiner Hebamme besprechen, im Idealfall ist diese ausgebildete Stillberaterin, wenn nicht stellt sie Kontakt her.

Je nachdem wie der Gewichtsverlauf ist sollte man das zufüttern umgehend abbrechen oder, wenn das Gewicht noch problematisch sein sollte, tgl reduzieren. Es empfiehlt sich auf stillfreundliche Methoden wie das Fingerfeeding oder Bechern zurück zu greifen. Eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin könnte die frische, stillwillige Mama im Umgang mit einem Brusternährungsset schulen. Darüber hinaus:

Das Wochenbett gehört ausgiebig zelebriert:

Eine Woche im Bett

Eine Woche am Bett

Eine Woche ums Bett herum.

So sagen es die alten Hebammen gerne.

Außerdem: viel kuscheln, am besten nackt um viel Hautkontakt zu haben, das steigert die Ausschüttung von Oxytocin und unterstützt das Bonding, beides wichtige Indikatoren für das erfolgreiche Stillen. Auch das stillen nach Bedarf, das oft Nerven zerrende Cluster Feeding und das weglassen von Fremdsaugern unterstützen das Stillen, auch das abpumpen von Muttermilch kann, muss aber nicht, die Milchmenge steigern. ( auf der Seite http://www.stillkinder.de gibt es eine Anleitung zum „Power-Pumpen“).

Hilfreich ist es auch sich verschiede Positionen zum Stillen von Zwillingen zeigen zu lassen, von der LLL gibt es außerdem schöne Grafiken auf den verschieden Positionen schematisch dargestellt werden, denn Tandemstillen ist gerade in den ersten Wochen ein Lebensretter für stillende Mehrlings- oder mehrfach Mütter die länger stillen wollen. Die Milch fließt leichter, die Milchmenge reguliert sich schneller.

Und sollte es trotz der vielen Bemühungen nicht funktionieren, dann ist es zwar oft eine traurige Nachricht für die frisch gebackene Mama, doch auch die Zwiemilch-Ernährung, das Pump-Stillen oder das alleinige Füttern von Formulanahrung sind nicht allein entscheidend für eine glückliche Kindheit und eine sichere Bindung. Stillen ist nur einer von vielen Faktoren die eine sichere Bindung unterstützen. Dogmatismus ist an dieser Stelle nicht angebracht, und Vorverurteilungen ebenso. Das wichtigste ist immer das es Mutter und Kind gut geht mit dem Weg den man gewählt hat, unwichtig ist was andere denken.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Zwillinge stillen? Geht doch gar nicht! Oder doch???

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s