Wie ich Muttertier wurde… Teil 1

„Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.“ Gertrud von le Fort (1876-1971)

 

 

muttertier

Immer wieder merke ich, dass viele Menschen die mir in den verschiedenen Netzwerken folgen ein völlig anderes Bild von mir haben, als ich es selber habe. Niemanden wundert es das ich Langzeitstillerin bin, spontan Geboren habe, im Familienbett schlafe, einen Faible für Tragetücher habe und in Zukunft sogar mit Müttern und ihren Babys arbeiten werde.

Ich war aber nicht immer so!

Da viele aber, die mich schon sehr viele Jahre kennen, gar nicht verstehen können warum ich heute so bin wie ich bin und warum ich heute so andere Ansichten habe, gibt es jetzt eine kleine Zeitreise. Wir fangen an im Jahr 2006:

Ich bin 18, während ich zum dritten Mal versuche meinen Führerschein zu bestehen, meine Zwischenprüfungen absolviere und von einer Party zur anderen flitze sind Kinder mein absoluter Albtraum. Ich mag keine Kinder, ich will auch keine. Kinder sind für mich ein Einschnitt in meine persönliche Entwicklung und Freiheit. Sie stören mich, ich mag es nicht wenn sie schreien. Mit 19 kommen die Pflichtpraktika auf der Kinderstation, der Neo-Intensiv und natürlich auch in der Geburtshilfe/ Wöchnerinnenstation. Der Horror. Ich weiß nicht wie ich mit den Frauen umgehen soll, wie ich mit den kleinen Babys und Kindern reden soll, sie pflegen und versorgen soll. Hat mir auch nicht gefallen.

2009:

Ich habe einen festen Freund, so richtig fest. Wir wohnen zusammen, ich bin wegen ihm von zu Hause ausgezogen, ich bin jetzt 20, fast 21. Das Leben ohne Eltern ist geil, aber auch seltsam anstrengend, ich muss Verantwortung für mein Handeln übernehmen. Mein erster Job: Schwangerschaftsvertretung mit Aussicht auf Festanstellung. Die frisch gebackene Mama kehrt nach dem Mutterschutz zurück in den Beruf. Ich bin beeindruckt, die Frau hat Biss und lässt sich von einem Kind nicht die Karriere vermasseln. Eine Kollegin nach der anderen fällt aus. SCHWANGER!

Für mich ist das alles ganz weit weg, ziehe sogar eine Sterilisation in Erwägung. Kinder kann ich immer noch nicht leiden. Sie sind laut, sabbern und nerven. Auch in der Familie werden viele Babys geboren. Ich bin weit weg und muss ich Gott sei Dank kaum damit befassen.

2011:

Ich befürchte schwanger zu sein, meine Periode ist überfällig. Zum ersten Mal beschäftige ich mich damit, wie es sein könnte ein Kind zu bekommen. Stillen finde ich ziemlich abgespaced, nein um ehrlich zu sein, ich finde es ekelig, Muttermilch rangiert für mich auf der gleichen Ekelposition wie Kuhmilch. Auch der Gebärvorgang ekelt mich an. Dieses Geschrei, Blut, Körperflüssigkeiten, diese offen präsentierte Nacktheit. Nicht mit mir. Während ich mich mit verschiedenen Kinderwagen beschäftige und schließlich sogar einen finde der mir gefällt überlege ich mir, das es voll ok wäre wenn der Mann zu Hause bleibt, schließlich hat er schon Karriere gemacht, ich noch nicht.

Der Termin beim Gyn gibt Entwarnung: nicht schwanger! Haleluja was für ein Segen, mit 23 bin ich eh zu Jung.

2013:

Es ist ein schwieriges Jahr, in meinem Kopf steht die Frage will ich heiraten und eine Familie gründen? Meine Beziehung wir schwierig. Wir trennen uns. Gut für mich. Ich greife mein altes, geliebtes Leben wieder auf, feiern, Konzerte, viel arbeiten und weiterbilden. Ich beschäftige mich mit Pädagogik, entscheide studieren zu wollen. Kinder? Bremsen mich aus, und ohne Partner ist das eh kein Thema. Meine Auszubildende hat ein Kind bekommen, kurz vor ihrem Examen. Oh junge, und dann stillt sie auch noch und macht sich den ganzen Stress. Ich gebe ihr den Ratschlag nicht immer auf jedes Schreien zu reagieren, das Kind würde sie nur manipulieren, auch wenn es natürlich sehr süß sei, es müße wissen wer der Chef ist. Sie schafft es dennoch ihre Ausbildung erfolgreich zu beenden, ich bin wirklich stolz auf sie und freue mich sehr das sie das TROTZ Kind und dem ganzen Gedöns geschafft hat, doch das sie in Elternzeit geht und ihre frische Ausbildung weg wirft, verstehe ich nicht. Ich finde das verantwortungslos. Es hat die Monate vorher doch auch gut geklappt?

2013/2014

Ich habe einen Mann kennen gelernt. Er ist Vater. Sein Sohn ist 12. Puh. Will ich das? Keine Ahnung. Ich beschließe es auszuprobieren, es ist ja schließlich kein Baby mehr, sondern quasi erwachsen. Ich lege klare Regeln fest. Dein Kind, deine Verantwortung, deine Sache. Ich halte mich da raus. Hat leider nicht funktioniert.

Meine zweite Azubi wird über Weihnachten und Silvester krank. Ich bin selber auch krank, gehe aber trotzdem zum Dienst. Silvester würde ich mich ja ausruhen können. Keine Party, sondern son Familiending, Er, Ich, sein Sohn… Kein besaufen bis in den nächsten Morgen…

Meine Azubi ist weiter Krank. Schließlich ruft sie mich an und sagt: Ela ich bin schwanger…

Ich versuche mich zu freuen, sie ist eine tolle Mutter, die trotz Kind die Ausbildung packt, doch jetzt? Mittendrin ein zweites. Total krasser scheiß für mich. Ich verspreche ihr, sie so gut es geht zu unterstützen, biete witzelnd meine Babysitterdienste an und warte darauf sie endlich in den Arm nehmen zu können, und ihr wirklich aufrichtig Glückwünsche zu überbringen. Wie unwissend ich doch bin…

26.1.2014:

Meine Mens ist heute fällig, ich habe so ein flauschiges, nicht beschreibbares Gefühl zwischen meinen Hüftknochen. Ich frage K wie sie spürte das sie schwanger sei. Und kaufte einen Test. Am nächsten Morgen würde ich ihn machen. Doch was ist das? Endlich ein Zeichen das die Mens kommt. Tasse rein und gute Nacht. Am nächsten Tag leider: Nix… Außer zwei fetten blauen Streifen… Fuck ich bin SCHWANGER!!!!

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2 Gedanken zu “Wie ich Muttertier wurde… Teil 1

  1. Pingback: Wie ich Muttertier wurde… Teil 2 | Keins bestellt, 2 bekommen

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