Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort! #1 Uli

Uli ist eine bemerkenswerte Person, Mutter von 3 Kindern, selbstständige Friseurmeisterin, eine Menge Kleinvieh und ein Ehemann runden ihren Alltag ab. Doch was ich sehr beeindruckend finde: Uli stillt ihre Zwillinge und spendet außerdem noch Muttermilch- für einen erwachsenen Mann, der an Krebs erkrankt ist. Keine Frage, diese Frau müssen wir näher kennen lernen.

 

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1. Erzähl doch mal ein bisschen über dich:
Ich heiße Uli, bin verheiratet und Mama von 3 Kindern. Frida im Mai 2013 geboren und ihre Zwillingsbrüder Hugo und Franz nicht ganz 2 Jahre danach im Mai 2015. Mein eigentlicher Traumberuf war immer Altenpflegerin.Will was Gutes tun! Habe mich dann aber doch spontan dazu entschieden Friseurin zu werden.

Mein Job hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und deshalb habe ich mich viel weitergebildet und irgendwann dann den Meister gemacht um selbstverständig zu sein. Mein Motto ist: „wer aufhört besser zu sein, hat aufgehört gut zu sein“. Mein Geschäftlein (ganz bewusst 1 Mann Betrieb) ist sofort explodiert.

Ich habe mein Leben genossen. Hatte nen sehr geilen Job, mit klasse Kunden, ein tolles Haus, auf großem Grundstück, viele Freunde und einen tollen Mann! Es war alles so perfekt! Jeder Tag war ein Abenteuer! Es gab ein ganz großes „aber“: mein Mann wünschte sich sehnlichst ein Baby/Kind. Wenigstens eines… Ein Kind kam aber für mich nicht so schnell in Frage. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich nicht sogar einfach gar keines möchte 😕 und ein Einzelkind schon gleich gar nicht!
Mein Mann hat mir 10 Jahre wirklich jeden Wunsch erfüllt, den ich hatte (das tut er übrigens heute auch noch) und mein 30er rückte auch immer näher.

Auf der Hochzeit meiner liebsten Freundin, bei der ich sogar Trauzeugin sein durfte, habe ich meinem Mann gesagt, dass ich bereit bin Mama zu werden. Und was soll ich sagen…. 8 Tage später war die kleine Frida in meinem Bauch 😅 meeeega Schock, aber ich habe mich natürlich auch gefreut. Und mein Mann war vom ersten Tag an voll mit dabei.

Die Schwangerschaft war ganz böse. Mir ging es schlecht und die Diagnosen waren nicht gut! Ich hatte eine Hausgeburt angedacht, dann wollte ich im Geburtenhaus entbinden. Da das kleine Ding in meinem Bauch aber nicht richtig wachsen wollte, wurde mir da auch abgesagt. Zum Schluss wurde ich mit Plazentaablösung eingeleitet und hatte trotzdem eine traumhafte Geburt! Das Mädchen war gesund!!! Wir hatten es nicht mal mehr gehofft. Für mich heute noch ein Riesen großes Wunder! Wir gingen nach einem Tag mit den süßesten 1800g heim, die ich je in den Armen halten durfte. Frida war gesund, und der Start war traumhaft! Es war so perfekt!

Die Welt hätte schöner nicht sein können! Meinen Job vermisste ich überhaupt nicht! Ich wollte nur noch Mama sein! Mein Haushalt, meine Ehe, mein Familienglück, es war alles so perfekt. Frida entwickelte sich prächtig und war mein ganzes Glück! Ich merkte aber recht schnell, dass ich mehr Kinder will. Das Mädchen soll auf keinen Fall alleine bleiben. Ich wollte wieder was kleines 😅

Als sie 15 Monate alt war, haben wir dann die Verhütung weg gelassen. Da ich noch stillte, dachte ich, dass es sicher eh länger geht. Hahaha, falsch gedacht! Nach ein paar Tagen war ich wieder schwanger 😂
Mit dem positiven Test dann zur Frauenärztin, die hat mir Blut abgenommen und einen Termin zum ersten Ultraschall ausgemacht.
Hier dann der Schock.

Fruchthöhle war da, aber keinen Herzschlag. Die Ärztin meinte, da es so ein frühes Stadium ist, würde es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit selbst abgehen. Nach einer Woche ohne Veränderungen, dann Schmerzen im Unterbauch. Wieder zur Ärztin. Die Fruchthöhle sah größer aus. Aber immer noch kein Herzschlag. Meine Ärztin meinte, wir müssen mein Blut nochmal untersuchen und in 2 Tagen nochmal schallen. Sollten meine Hormone nicht gestiegen sein, müssen wir zum Ausschaben (schreckliches Wort).

2 Tage später dann plötzlich beim US einen Herzschlag. Winzig klein in der rechten Ecke der Gebärmutter. Mein Mann hatte mich begleitet. Wir waren überglücklich und erleichtert! Als die Ärztin nach dem Grund für meine Schmerzen suchte, tauchte auf einmal links oben nochmal was auf. Nochmal ein Herzschlag. Mein Mann lachte nur noch. Er fand es total witzig! Ich allerdings weinte Wochenlang. Die Zeit mit Frida war so innig! Ich konnte so viel mit ihr machen.

Mir war klar, dass bei Zwillingen alles anders ablaufen wird und muss. Dazu muss ich erwähnen, dass ich keine Oma habe, die mir die Kinder mal für 1-2 Stündlein abnehmen kann oder mich unterstützen kann. Im Gegenteil! Da mein Mann Einzelkind ist, versorgen wir die so gut es geht alleine mit.
Meine Große geht seit der Zwillingsschwangerschaft in die Kita. Nur Vormittags. Sie geht leidenschaftlich gerne und ich konnte in der Zeit Arzttermine wahrnehmen und alles was so anfiel machen. Nachmittags und Abends bin ich ausschließlich Mama und für meine Familie da!

2. Wie läuft ein typischer Tag bei euch ab?
Einen ganz typischen Tag gibt es bei uns nicht, da mein Mann im Schichtdienst ist. Die Kinder stehen um 6:30 Uhr auf und um 19:30 Uhr gehen sie ins Bett. Der Rest ist flexibel. Ich mache den Haushalt und den größten Teil mit den Kindern und mein Mann seine Eltern, und den Zoo (Hund, Kaninchen und 2 Nager).

Jeder unterstützt den anderen da, wo es nötig ist und geht. So funktioniert es hier echt ganz gut! Sonntags kommen häufig die Patentanten und das ist das Highlight der Woche. Da wird viel gespielt, sich unterhalten, und immer besonders lecker und manchmal auch aufwendig gekocht (weil ich dann gut in die Küche stehen kann, weil die Tanten Babysitten).
Mein frohes Gemüt habe ich aus Dankbarkeit! Ich bin jeden Tag so sehr froh über mein wahnsinnig erfülltes und glückliches Leben, dass ich einfach gar nicht dauerhaft schlecht drauf sein kann!!

Klaro weine ich und schimpfe ich auch! Ich hatte sehr lange mit dem Schicksal Zwillinge zu kämpfen. Habe mich jetzt aber einfach damit abgefunden und liebe die zwei Buben von ganzem Herzen! Ich bin so froh, dass ich sie habe! So schlimm und so viel Arbeit, wie ich dachte ist es echt nicht!

Schade einfach nur, dass so viel schönes wegfällt!
Arbeiten tu ich im Moment noch nicht. Ich stehe zwar immer wieder in meinem Geschäftlein, aber für meinen Mann, meine Tochter, meine Schwestern, die Omas oder den Opa und die engsten 3 Freundinnen. Als Friseurin nicht zu arbeiten geht glaub gar nicht 😁

3.  Was ich bemerkenswert finde: du spendest deine Muttermilch. Jedoch nicht für ein Krankenhaus, sondern für einen erwachsenen Mann. Wie kam es dazu? Das ist ja nicht alltäglich.
Ich bin durch das ständige Stillen sehr viel online.  Sobald ich stille, habe ich meistens das Handy in der Hand. Facebook ist für mich der Blick nach draußen und die Möglichkeit trotz Vollzeitmama auch Freundschaften zu pflegen.

Vor ein paar Wochen ist mir dann bei Facebook in einer Regionalen Gruppe aufgefallen, dass Muttermilch gesucht wird. Ich bin von Grund auf ein sehr neugieriger Mensch und das Thema Muttermilch und Stillen für mich persönlich generell sehr spannend, da ich meine 9,5 Monate alten Bubis noch voll stille.

Also habe ich dann einfach mal nachgefragt, wofür die Muttermilch denn gesucht wird und wieviel gebraucht wird.
Eine junge Frau antwortete mir dann, dass ihr Onkel an Magenkrebs erkrankt sei und sie für ihn Milch suchten. Darauf hin habe ich der Frau erlaubt, Kontakt zwischen mir und der Tochter des Erkrankten herzustellen.
Die Tochter erzählte mir, dass sie fest an die Kraft der Muttermilch glauben (was mir natürlich sehr imponierte). Sie schien so fest davon überzeugt zu sein, dass meine Milch ihrem Papa helfen kann, dass ich einfach Zusagen musste, Milch zu spenden.

Das Pumpen waren meine Brüste überhaupt nicht gewöhnt! Es kam nur Tropfenweise oder sogar gar nichts! Ich trank Malzbier, kaufte mir Boxhornkleekapseln, futterte Kalorien wie eine verrückte. Trank 2 Liter Stilltee und pumpte in jeder freien Minute.

Recht schnell merkte ich, dass mehr Milch produziert wurde, aber die wollte einfach mit der Pumpe nicht so richtig raus. Ich entleerte dann von Hand, kaufte mir ein anders Bruststück, lieh mir 3 Tage mal ne andere Pumpe in der Apotheke. So richtig half erst mal nichts!
Von meiner lieben Freundin Caro habe ich dann eine Handmilchpumpe bekommen. Mit der komme ich gut zurecht. Ich pumpe zum Anregen und entleere von Hand. Das mache ich jetzt schon seit ein paar Wochen so und es kommt jeden Tag ein bissel mehr mit der Pumpe, dass ich auch immer weniger von Hand entleeren muss 👍🏼

Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich pumpte bis zu 600ml am Tag ab. Merkte dann aber schnell, dass es für mich zu viel ist. Ich kam mit Essen nicht mehr hinterher, hatte Schwierigkeiten mit dem Kreislauf und wurde einmal sogar ohnmächtig. Auch meine Zähne begannen zu leiden. Also habe ich beschlossen schweren Herzens nur noch 200ml am Tag zu pumpen. Jetzt geht es mir wieder besser und ich habe die letzten 2 Tage wieder 400ml geschafft.

Mein Mann schaut mir da mit einem weinenden und einem lachenden Auge zu. Er findet mein Engagement super, hat aber Bedenken, dass ich mich übernehme.

Mit der Tochter des Patienten stehe ich über Whatsapp im Kontakt. Sie appelliert auch immer an mich, dass weder ich noch meine Familie daran Schaden nehmen sollen! Hier muss ich noch erwähnen, dass ich selten mit jemandem so herzlichen zu tun hatte! Ich kenne die Frau kaum, aber ich mag sie wahnsinnig gerne!

Auch mit dem kranken Mann fühle ich mich sehr verbunden, obwohl er mir komplett fremd ist, fieber ich mit jedem Ergebnis mit und hoffe so arg auf Verbesserung der Krankheit.

4. Gab es negatives Feedback?

Was für mich ganz überraschend ist, dass ich bis jetzt von überhaupt niemandem was negatives gesagt oder geschrieben wurde! Als Stillmami muss man sich schon oft Kritik und Widerspruch konfrontieren lassen. Manchmal glaube ich, wenn man in den ersten 6 Lebensmonaten des Babys nicht stillt, ist man eine Rabenmutter, und wenn man über die 6 Monate raus stillt, hat man nen psychischen Schaden! Schade, dass Stillen nicht als das angesehen wird, was es ist: einfach nur natürlich und normal!

Zu den Milchspenden bekomme so viel Anerkennung und Zuspruch, dass mich das echt zusätzlich pusht! Freunde und Bekannte finden die Aktion richtig toll!
Der Ansturm an Mails und lieben Worten, seit die Stillbuchautorin Dora Schweitzer (tolle Frau übrigens) meine Geschichte veröffentlicht hat, geht echt ins unermessliche! Einziger Skeptiker ist da mein Mann. Der hat manchmal Angst, dass ich mich übernehme….

5. Wie geht dein Mann damit um? Du sprichst immer nur sehr positiv von ihm.

Wir streiten auch 😂 aber noch viel wichtiger: wir respektieren und akzeptieren uns! In seinen Augen bin ich das tollste Fettarschwalross, dass er kennt (ich liebe meinen Spitznamen).
In seinen Augen sollte ich manchmal auch mal an mich denken. Er glaubt (fälschlicherweise), dass ich das nicht tue. Das stimmt aber nicht! Er und die Kinder sind mein Leben!! Und ich opfere mich nicht, sondern ich gehe in meiner Rolle voll auf! Er und die Kinder sind das Beste, was mir passieren konnte!
Er würde sich glaub manchmal wünschen, dass ich weniger im Haushalt machen würde und auch mal über nen Wäscheberg hinweg sehen könnte. Da war ich vor den Kindern sehr gut darin 😂 Mittlerweile weiß ich aber, dass es ihn nicht um den Haushalt geht, sondern um mich ❤️

6. Was willst du den Lesern noch mitgeben?

Mein Appell an alle Menschlein da draußen:
Tut Gutes! Lächelt, sagt „Danke“ und „Bitte“ oder auch mal „Entschuldigung“. Seid geduldig und nachsichtig und ihr werdet positiv überrascht sein, was mit eurem eigenen Leben passiert.

 

Also ich finde ja das Uli ein knaller ist, wenn ihr das ähnlich seht, sagt uns doch, was ihr so denkt über diese Powerfrau!

Wenn auch ihr etwas zu sagen habt, dann meldet euch gern, ich quetsche euch aus 🙂

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4 Gedanken zu “Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort! #1 Uli

  1. Uli ist die Beste! Einfach nur zu bewundern, auch wenn Ihr Mann Manu bestimmt recht hat aufzupassen dass sie sich nicht übernimmt. Aber Uli, solang es Dir gut geht und es Dich erfüllt, machst Du alles richtig! Ich kann’s nur immer wieder sagen, Hammer wie Du das alles gewuppt bekommst 🙂

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