Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort #2 Kerstin aus Tirol

Heute kommt die liebe Kerstin zu Wort. Und warum? Weil sie ein Leben wie in einer Telenovela lebt. Ihr wisst schon, Hotels, Personal und Traumhafte Kulisse und sie ist der Chef. Wie das Leben im Hotel mit Ehemann und 3 kleinen Kindern läuft, könnt ihr hier lesen:

Als erstes : erzähl doch ein bisschen von dir als Person!

Ich bin Kerstin, 28 Jahre und lebe in Tirol. Mit meinem Mann Mario bin ich seit 3 Jahren verheiratet, kennen tun wir uns seit 15 Jahren mittlerweile. Wir arbeiten beide in der Hotelkette meines Großvaters. Ich leite den Bereich Sales und Marketing für 4 Hotels und bilde mit meinem Mann zusammen die Geschäftsleitung vom Alpenhotel ….fall in Love

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1. Du bist Mama von 3 Kindern, 2 davon sind noch sehr klein und darüber hinaus auch noch Zwillinge. Und du stillst, das stelle ich mir wahnsinnig anstrengend vor. Wie klappt das in der Umsetzung und wie beschäftigst du den Großen?
Ich muss dazu sagen dass ich Kinder als puren Luxus empfinde. Es ist Luxus sich Kinder heute leisten zu können, insbesondere viele Kinder denn unsere Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen. Es ist Luxus mit ihnen Zeit verbringen zu dürfen und überhaupt welche zu bekommen. Als PCO Patientin ist es für mich pures Glück. Da ich für den Betrieb leider unerlässlich bin, muss unser Alltag in Schichten funktionieren. Wir bekommen eine Nanny zur Verfügung gestellt damit das klappen kann. Kim ist bei uns seit die Kinder 3 Monate sind, solange arbeite ich auch schon wieder – eigentlich 20 Stunden die Woche aber jeder Selbstständig weiß dass es nicht dabei bleibt 😉
Damit das Stillen geklappt hat hab ich 16 Wochen sehr kämpfen müssen. Danach „lief“ es im wahrsten Sinne des Wortes. Mittlerweile ist das Stillen eine feste Verbindung zwischen Evamarie, Alois – die wir Ivy und Lio nennen – und mir! So komme ich vom Arbeiten weg wenn auch nur kurz. Wir stillen noch morgens, mittags und abends. Und wenn es sein muss nachts. Wir brauchen es im Moment alle 3 noch sehr. Die beiden werden im März jetzt ein Jahr und wir werden wohl nicht so schnell aufhören.
Mein großer Mann Levin ist jetzt 4,5 Jahre alt. Er ist ein wunderbares Kind, sehr hilfsbereit und kümmert sich hingebungsvoll um seine Geschwister. Ich muss sagen er ist mehr eine Unterstützung wenn ich alleine bin als das er mir mehr Arbeit macht. Er besucht den Kindergarten bis 11:30 und ist auch oft bei seinen Urgroßeltern die mit Mitte 70 noch sehr fit sind und bei denen ich als Kind schon unglaublich viel Zeit verbracht habe. Ein Vorteil des Familienunternehmens, wir wohnen alle in unmittelbarer Nähe – sehen uns täglich und unterstützen einander wo immer es geht.

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2. Ein Leben wie in einer Telenovela: Ihr lebt im Hotel und habt zusätzlich auch noch einen weiteren Wohnsitz. Ist es nicht wahnsinnig anstrengend immer zu pendeln? Wie oft pendelt ihr?
Das Leben im Hotel klingt immer so toll. Als Kind – zugegeben – ist es das auch. Ich bin selbst in einem aufgewachsen und es ist immer was los, immer Programm, immer neue Kinder zum Spielen, leckeres Essen, ein eigenes Schwimmbad, Kinderclub, Pub und Diskos, ein Hausmädchen, ein Kindermädchen usw.
Jetzt als Erwachsener sind diese Vorteile oft anstrengend. Man sucht seinen persönlichen Ruhepol und schafft es innerhalb seines eigenen Unternehmens nicht abzuschalten.
Einen normalen Haushalt führen, das ist etwas das wir nicht brauchen und nicht tun.
Für mich und meinen Mann war es aber klar: Wir wollen das alles und es auch unseren Kindern vermitteln. Deshalb haben wir uns ein kleines Häuschen fernab des touristischen Trubels im Karwendel Tal gekauft – mitten in den Bergen wo sich Hase und Fuchs Gute Nacht sagen. Komplette Ruhe – Natur pur und ein geregelter Familienalltag mit Haushalt und Kochen und allem Drum und Dran. Das genießen wir sehr. Leider können wir nur von Samstagnachmittag bis Montagmittag dort sein. Die Strecke beträgt nur 8 km. Trotzdem ist eine Herausforderung an beiden Wohnorten ALLES zu haben. Jetzt sind wir ausgestattet und brauchen nichts mitzunehmen egal wo wir gerade sind.
3. Wie kommen die Kinder damit zurecht?
Der Große freut sich sehr auf das Haus. Dort sind wir nur für die Kinder da. Er hat einen Garten mit Spielplatz. Wir kochen gemeinsam und spielen. Für all das ist unter der Woche keine Zeit. Die Kleinen, denke ich, hatten da schon ihre Probleme des ständigen Wechselns. Wir haben aber bis die beide 10 Monate waren, Familienbett praktiziert. Somit waren ihre Mittelpunkte trotzdem da – Mama und Papa. Auch habe ich mein Wochenbett in unserem Haus verbracht was beim Stillen sehr geholfen hat. Die Schlafschwierigkeiten führen wir allerdings schon darauf mit zurück. Wir freuen uns dass sich das mittlerweile aber etwas eingependelt hat. Man sieht nun dass sie das Haus wieder erkennen und auch ihre Betten dort und ihre vielen Spielsachen können sie jede Woche neu entdecken 
4. Wie schaffst du den Spagat zwischen Geschäftsfrau im Hotel und der Hausfrau zu Hause? Hast du Hilfe? Wie sieht diese aus?
Hier habe ich schon ein bisschen Voraus gegriffen. Ich habe sehr viel Hilfe sogar. So viel dass ich oft auch traurig bin dass ich nicht gezwungen bin zu Hause zu bleiben. Das Kindermädchen ist 9 Stunden 5 Mal die Woche da. Am 6. Tag den wir auch arbeiten müssen haben wir noch eine weiter Nanny für 5 Stunden die schon bei Levin damals ausgeholfen hat. Unsere Wohnung wird von den Zimmermädchen in Ordnung gehalten. Die machen ebenso unsere ganze Wäsche. Essen holen wir in einem unserer 5 Restaurants oder essen direkt dort. Mit BLW Kindern ein großer Vorteil nachher nicht aufräumen zu müssen. Die Kellner sind entzückt wenn wir kommen
Der Betrieb fordert mich sehr. Ich habe das Alpenhotel 2012 als Konkursbetrieb übernommen mit 8 Mitarbeitern und 10% Auslastung. Heute stehen wir bei 50 Mitarbeitern und 70-80% Auslastung im Durschnitt als gut laufendes Hotel mit Gewinn da. Es war ein Kraftakt. Davor habe ich schon 2 solche Projekte betreut. Ich war damals mit 21 wohl eine der jüngsten Hotelchefinnen. Das hat mich sehr geprägt. Ich bin dadurch sehr strukturiert und organisiert, bin absolut nicht leicht zu Stressen und kann jederzeit lächeln. Das kann ich im Alltag mit den Kindern auch sehr gut gebrauchen muss ich sagen 
5. Wie sieht euer Leben im Hotel aus? Wie läuft der Tag ab und vor allem: wie präsent sind die Kinder im Hotelbetrieb?
Unser Tag beginnt regulär um 7 Uhr morgens, wir stillen, machen den Großen fertig und gehen um 8 zum Arbeiten bzw. Levin in den Kindergarten. Die kleinen machen dann Frühstück, anziehen, spielen und spazieren, alles mit Nanny. Um 11:30 holt mein Mann ihn ab und um 12:00 folgt das gemeinsame Mittagessen mit der ganzen Familie in unserem Haupthotel das nebenan liegt. Danach geht es an den Mittagsschlaf, der im Moment noch nicht so ganz klappt. Ich stille die Kinder und mein Mann und ich legen sie hin. Die Nanny hat am Nachmittag ihre Pause. Um 15:00 gibt es Jause und um 16:00 gehen wir wieder an die Arbeit. Die Kinder gehen dann alle gemeinsam spazieren und wir treffen uns um 18:00 Uhr zum Abendessen. Danach kümmere ich mich um die Kinder. Es gibt ein gemeinsames Bad, Pyjama, Gute Nacht Geschichte und nochmal stillen. Meistens ist um 20:00 Uhr dann Ruhe eingekehrt. Mein Mann kommt zwischen 20:30 und 22:30 nach Hause – je nach Lage. Die Kinder sind bei uns im Alpenhotel nicht sehr präsent. …fall in Love lässt schon erahnen – es ist ein Kuschel und Romantikhotel für Pärchen. Ruhe, Wellness, und Zweisamkeit lassen sich nur wenig mit Kindern vereinbaren, deshalb ist eine Anreise erst ab 16 Jahre möglich. Unsere andern Hotels sind ebenso spezialisiert. Ein Baby und Kinderhotel mit 5 Smileys sowie ein Familienhotel (unser Haupthaus nebenan) zählen ebenso dazu. Hier sind wir viel mit den Kindern in den Spielbereichen, der Lobby zum Kuchen Essen und Tee trinken am Nachmittag, beim Tanztee um 5 Uhr, im Schwimmbad usw. Es gibt dort auch viele andere Kinder zum Spielen.

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6. Würdest du eure Leben ändern wenn du es könntest?
Ich kenne es nicht anders. Ich bin so aufgewachsen und weiß also dass die Kinder davon keinen Schaden nehmen werden. Was ich als Kind vermisst habe, versuche ich einzubauen mit unserem Familien-Haus um meinen 3 Kuschelmäusen eine gelungene und glückliche Kindheit ermöglichen zu können. Für uns zählt der Grundsatz dass die Qualität der Familienzeit mehr zählt als die Quantität. Manchmal beneide ich Hausfrauen um ihre Rolle. Sie können rund um die Uhr bei ihren Kindern sein. Das kann ich leider nicht. Andererseits liebe ich meinen Beruf. Es ist meine ebenso meine Familie, meine Heimat und die Zukunft meiner Kinder wenn sie das möchten.

 

 

 

Wenn auch ihr mal so richtig aus dem Nähkästchen plaudern wollt, ein unglaublich spannendes Leben führt oder einfach mal von eurer Geschichte erzählen wollt, meldet euch bei mir, ich quetsche euch liebend gerne aus.

 

Wie ich Muttertier wurde… Teil 2

“Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.” Gertrud von le Fort (1876-1971)

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Immer wieder merke ich, dass viele Menschen die mir in den verschiedenen Netzwerken folgen ein völlig anderes Bild von mir haben, als ich es selber habe. Niemanden wundert es das ich Langzeitstillerin bin, spontan Geboren habe, im Familienbett schlafe, einen Faible für Tragetücher habe und in Zukunft sogar mit Müttern und ihren Babys arbeiten werde.

In Teil 1 habe ich euch über mich erzählt, über das „Ich“ von früher. Geendet habe ich im Januar 2014 mit einem positiven Schwangerschaftstest. Hier werde ich euch von meiner Wandlung berichten.

Ungewollt Schwanger…

Februar 2014:

Mir geht es nicht gut, ich habe nicht nur erfahren das ich Zwillinge erwarten werde, ich darf auch nicht mehr arbeiten, denn  ich leide an Hyperemesis Gravidarum. Und nicht nur das, ich habe bereits zwei mal Blutungen gehabt. Ich fühle mich bestraft. Und schmiede pläne. Natürlich werde ich einen Kaiserschnitt bekommen und stillen geht auch nicht, Twinpapa wird in Elternzeit gehen und ich wieder arbeiten. Ich liege den ganzen Monat im Krankenhaus. Ich möchte gern sterben. Ich suche auf FB nach anderen Betroffenen und finde sie, außerdem bin ich jetzt in einer Gruppe für vegane Schwangere, schadet ja nicht zu wissen worauf man achten muss.

Mai 2014:

Natürlich werde ich meine Kinder tragen. Tragetücher finde ich toll, meine Freundin Jess hat ihr Kind auch getragen, das finde ich cool. Aber ob das geht mit Zwillingen? Ich bin mir nicht sicher. Ich bin fast immer alleine, die Beziehung zum Twinpapa musste ich beenden. Es funktionierte nicht, er verstand nicht, was ich im Umgang mit den Kindern erwarte und kann es nicht mal bei dem großen umsetzen.

Wandlungen…

Juni 2014:

Dieser Sommer ist die Hölle, ich habe schlimme Wassereinlagerungen und Kreislaufprobleme. Meine Hebamme ist keine große Hilfe. Draußen ist es unerträglich für mich, ich verlasse die Wohnung nur noch abends. Gott sei Dank kann ich im nächsten Ort bist 24.00 Uhr einkaufen gehen. Tagsüber liege ich im Bett unter der Klimaanlage und vertreibe mir die Zeit mit Recherche. Ich habe in verschiedenen Gruppen tolle Frauen kennen gelernt. Außerdem habe ich etwas entdeckt das Attachment Parenting heißt. Das finde ich wahnsinnig interessant und auch einleuchtend. Da ich mich schon beruflich mit Pädagogik beschäftigt hatte erscheint mir das Konzept von AP, Unerzogen und GFK sehr natürlich und Intuitiv. Es fühlt sich richtig an, wie der Schlüßel zum Erfolg in Sachen selbstbewusste, empathische Kinder… Ich bin beigeistert und denke das ist super einfach.

Juli 2014:

Ich bin die Heldin im GVK, die anderen sind beeindruckt das ich meine Kinder spontan gebären will und das ich sie stillen und tragen möchte. Das ich all dies eigentlich abgelehnt habe bis ich schwanger wurde weiß keiner, es fühlt sich auch für mich sehr fern an. Auch einen Plan für eine selbstbestimmte, interventionsarme Geburt habe ich bereits. Leider ist es mir körperlich nicht mehr möglich, nach dem vierten Mal weiter  zum Kurs zu gehen, aber ich fühle mich trotzdem gut vorbereitet. Ich lese das Hypnobirthing-Buch und beschäftige mich mit dem Gebären allgemein. Ich habe ein deutliches Bild davon wie meine Geburt aussehen soll.

August 2014:

Nestbau ist angesagt. Ich habe lange überlegt und entschieden das ich Babybetten kaufen möchte. Irgendwann würden meine Kinder darin schlafen. Mein Bruder nimmt sich Urlaub und fährt mit mir zum Babyshopping zum Möbel- Schweden. Gemeinsam mit meinem besten baut er die Möbel auf während ich die Babywäsche wasche.

September 2014:

Es geht los, ich habe um Beendung der Schwangerschaft gebeten. Mir geht es so scheiße, ich kann nicht mehr warten. Bald wird eingeleitet werden, doch ich habe Glück und es geht von allein los. Obwohl ich so einen guten Plan habe, werden meine Wünsche ignoriert. Ich erlebe eine Geburt aus der Hölle, es gibt kein Bonding und kein sofortiges Stillen im Kreißsaal. Dafür gibts ne Not-Op, Neo-Intensiv und Blutkonserven. Nix ist geworden wie ich es will. Aber wir Leben.

Dezember 2014:

Ich zweifel an meinem Weg. Egal was ich tue, meine Grenzen sind fast erreicht. Ich tue wirklich alles für meine Kinder, doch es scheint nicht zu reichen. Auch ein Besuch beim Osteopathen hat keine Besserung gebracht. Ich kann es nicht ertragen. Willen brechen. Osteo-Ferbern. Obwohl ich früher dachte das ich mich über meine Kinder hinweg setezn muss. Ich freue mich auf die Feiertage bei meinen Eltern. Es ist die Hölle, die kleinen sind völlig überreizt. Angeblich ist meine Erziehung schuld, obwohl ich einfach nur meinem Instinkt folge. Meine Babys wohnen praktisch auf mir.

Januar 2015:

Das Knödelkind ist sehr krank, muss ins Krankenhaus. Ich stehe vor der schlimmsten Entscheidung überhaupt: Wer muss ohne mich auskommen? Gemeinsam mit dem Twinpapa entscheide ich, dass wir Knödel auf eigene Verantwortung wieder mitnehmen, seine Werte sind stabil. Ich hätte nie wählen können wer ohne mich auskommen muss. Wir gehen jeden Tag zum Arzt und lassen das Knödelbaby untersuchen, der Kinderarzt hat veranlasst das ich im Notfall mit beiden Kindern ins Krankenhaus aufgenommen werden kann. Es mag verantwortungslos erscheinen, doch ich habe mich dafür entschieden den bedürfnisorientierten Weg zu gehen und will nicht das einer von beiden Leiden muss, so lange ich die Verantwortung für eine Behandlung zu Hause tragen kann. Langsam aber sicher bessert sich das Zustand von Knödel. Alles wird gut.

April 2015:

Ich werde umziehen meinen Kindern zu Liebe, ich kann mich nicht mehr gut um ihre Bedürfnisse kümmern, meine eigenen kann ich nicht einmal mehr erspüren.

September 2015:

Wir haben das erste Jahr überlebt. Nicht immer habe ich so bedürfnisorientiert gehandelt wie ich es möchte, doch ich werde immer besser darin die Bedürfnisse meiner Kinder, von mir und meinen Mitmenschen zu erkennen und zu benennen. Ich habe ein paar Mädels kennen gelernt, die ähnlich ticken wie ich. Das freut mich.

Dezember 2015:

Ich werde wirklich das erste mal seit 2 Jahren ausgehen. Ich mache mir große Sorgen meine Kinder könnten das nicht gut verkraften, doch ich möchte auch endlich mal wieder meine Bedürfnisse pflegen, seit dem ich Kinder habe, habe ich nur für sie gelebt. Ich habe meine ganzen Ansichten auf den Kopf gestellt und vielen Menschen damit vor den Kopf gehauen. Ich versuche es gelassen zu nehmen.

Unklare Zukunft

Januar 2016:

Die Mädels und ich haben eine tiefe und ehrliche Freundschaft entwickelt, im Kontakt mit ihnen merke ich erst, wie sehr ich das Konzept von Attachment Parenting und GFK verinnerlicht habe, mehr sogar als ich je erwartet hätte. Ich bin quasi ein AP Handbuch geworden das bei jedem Konflikt versucht die einzelnen Bedürfnisse der argierenden Personen zu ergründen, ich schaue wie ich meine Ansichten gewaltfrei anbringen kann. Manchmal gelingt es mir ganz gut, doch gerade mit meinen Eltern scheitere ich oft. Sie wissen welche Knöpfe sie drücken müssen.

Ich überlege wie unsere Zukunft aussehen soll, ich habe bereits länger den Wunsch allumfassend für Mütter, Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere, Kinder, Babys und Familien da zu sein. Doch wie soll ich das angehen?

März 2016:

Die Beziehung hat für mich einen immer höhren Stellenwert, ich kann ohne Probleme überall mit meinen Kindern hingehen, sie sind ausgeglichen und neugierig. Sie sind ein gutes Beispiel dafür das es richtig ist, seine Kinder nicht zu erziehen. Ich habe eine gute und spürbare Beziehung zu meinen Kindern aufgebaut, ich stille ihre Bedürfnisse immer noch so gut ich kann, doch manchmal sage ich auch stopp, jetzt bin ich dran. Ich begreife immer mehr den Wert der Kommunikation und verstehe das Erziehung und Beziehung nur ein paar kommunikative Nuancen weit auseinander liegen. Ich fühle mich angekommen, denn ich darf auch in Zukunft den Menschen den Wert von Beziehungen, Bedürfnissen und Kommunikation nahe bringen.

Abschließend:

Ich habe mich wirklich komplett verändert, zumindest in meiner Art zu kommunizieren und in meiner Einstellung zu Kindern, Babys und Geburten. Aus meiner Anti-Haltung heraus ist es mir gelungen das Beste aus mir heraus zu holen. Meine Kinder wecken das Beste in mir, denn ich stelle fest: Ich bin mehr als nur mein Job und die letze Party. Ich bin ein Mensch mit vielen Facetten und diese darf ich jetzt als Mutter voll ausleben. Nie habe ich gedacht das mich die Rolle als Mutter erfüllen könnte, mir Zufriedenheit schenken würde. Lange habe ich mit dem Schicksal Zwillinge gehardert, auch nach der Geburt, als die beiden kleinen Wesen untröstlich geschrien haben, fühlte ich mich oft bestraft, weil ich doch dachte ich würde alles richtig machen. Heute weiß ich viel mehr über Babys, Pädagogik und Geburten so das ich mich viel besser auf Babys einlassen kann, und natürlich auch auf meine Kinder. Ich habe gelernt zu verstehen das Babys das überbleibsel der Evolution sind. Sie werden es vermutlich auch für immer sein. Steinzeitbabys und Kinder. Sie können nicht anders sein als sie sind, aber das ist okay.

Ich bin all das was ich nie sein wollte, doch ich bin sehr glücklich und es erfüllt mich mit Stolz sagen zu können:

“ Ich bin Ela, meine Kinder sind 18 Monate alt, ich habe sie spontan geboren, wir stillen immer noch und wir schlafen zusammen im Familienbett. Ich trage meine Kinder an meinem Körper durch das Leben wann immer sie diese Nähe benötigen und einfordern. Ich lasse meine Kinder auch jetzt nicht schreien, obwohl ich scheißen müde bin und mir wünsche endlich mehr wie 4-5 Stunden pro Nacht zu schlafen. Mein Küchenboden sieht seit 10 Monaten aus wie das Buffet eines Hotels, aber meine Kinder lieben es selber zu essen und taten es von Anfang an, und sie essen fast alles.

Ich nehme finanzielle Einbusen in Kauf um meine Kinder mindestens bis zu ihrem dritten Lebensjahr zu hause betreuen zu können. Und gebe sie so selten wie möglich, so häufig wie nötig ab um mal für mich sein zu können. In meinen geliebten Job werde ich nicht mehr zurück gehen, die Zeit mit meiner Familie ist wertvoller als ein dickes Konto“

Ich bin ein Muttertier und stolz drauf. Meine Geschichte erklärt deutlich warum ich das Zitat von von le Fort wählte. Ich wurde durch die Geburt meiner Kinder zur Mutter, nicht nur körperlich auf emotional. Meine Kinder schenkten mir das Leben als Mutter, ich schenkte ihnen das Leben als unschuldige kleine Babys. Wir sind gemeinsam geboren worden, wir werden gemeinsam wachsen. In Liebe und Geborgenheit.

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Wie ich Muttertier wurde… Teil 1

„Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.“ Gertrud von le Fort (1876-1971)

 

 

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Immer wieder merke ich, dass viele Menschen die mir in den verschiedenen Netzwerken folgen ein völlig anderes Bild von mir haben, als ich es selber habe. Niemanden wundert es das ich Langzeitstillerin bin, spontan Geboren habe, im Familienbett schlafe, einen Faible für Tragetücher habe und in Zukunft sogar mit Müttern und ihren Babys arbeiten werde.

Ich war aber nicht immer so!

Da viele aber, die mich schon sehr viele Jahre kennen, gar nicht verstehen können warum ich heute so bin wie ich bin und warum ich heute so andere Ansichten habe, gibt es jetzt eine kleine Zeitreise. Wir fangen an im Jahr 2006:

Ich bin 18, während ich zum dritten Mal versuche meinen Führerschein zu bestehen, meine Zwischenprüfungen absolviere und von einer Party zur anderen flitze sind Kinder mein absoluter Albtraum. Ich mag keine Kinder, ich will auch keine. Kinder sind für mich ein Einschnitt in meine persönliche Entwicklung und Freiheit. Sie stören mich, ich mag es nicht wenn sie schreien. Mit 19 kommen die Pflichtpraktika auf der Kinderstation, der Neo-Intensiv und natürlich auch in der Geburtshilfe/ Wöchnerinnenstation. Der Horror. Ich weiß nicht wie ich mit den Frauen umgehen soll, wie ich mit den kleinen Babys und Kindern reden soll, sie pflegen und versorgen soll. Hat mir auch nicht gefallen.

2009:

Ich habe einen festen Freund, so richtig fest. Wir wohnen zusammen, ich bin wegen ihm von zu Hause ausgezogen, ich bin jetzt 20, fast 21. Das Leben ohne Eltern ist geil, aber auch seltsam anstrengend, ich muss Verantwortung für mein Handeln übernehmen. Mein erster Job: Schwangerschaftsvertretung mit Aussicht auf Festanstellung. Die frisch gebackene Mama kehrt nach dem Mutterschutz zurück in den Beruf. Ich bin beeindruckt, die Frau hat Biss und lässt sich von einem Kind nicht die Karriere vermasseln. Eine Kollegin nach der anderen fällt aus. SCHWANGER!

Für mich ist das alles ganz weit weg, ziehe sogar eine Sterilisation in Erwägung. Kinder kann ich immer noch nicht leiden. Sie sind laut, sabbern und nerven. Auch in der Familie werden viele Babys geboren. Ich bin weit weg und muss ich Gott sei Dank kaum damit befassen.

2011:

Ich befürchte schwanger zu sein, meine Periode ist überfällig. Zum ersten Mal beschäftige ich mich damit, wie es sein könnte ein Kind zu bekommen. Stillen finde ich ziemlich abgespaced, nein um ehrlich zu sein, ich finde es ekelig, Muttermilch rangiert für mich auf der gleichen Ekelposition wie Kuhmilch. Auch der Gebärvorgang ekelt mich an. Dieses Geschrei, Blut, Körperflüssigkeiten, diese offen präsentierte Nacktheit. Nicht mit mir. Während ich mich mit verschiedenen Kinderwagen beschäftige und schließlich sogar einen finde der mir gefällt überlege ich mir, das es voll ok wäre wenn der Mann zu Hause bleibt, schließlich hat er schon Karriere gemacht, ich noch nicht.

Der Termin beim Gyn gibt Entwarnung: nicht schwanger! Haleluja was für ein Segen, mit 23 bin ich eh zu Jung.

2013:

Es ist ein schwieriges Jahr, in meinem Kopf steht die Frage will ich heiraten und eine Familie gründen? Meine Beziehung wir schwierig. Wir trennen uns. Gut für mich. Ich greife mein altes, geliebtes Leben wieder auf, feiern, Konzerte, viel arbeiten und weiterbilden. Ich beschäftige mich mit Pädagogik, entscheide studieren zu wollen. Kinder? Bremsen mich aus, und ohne Partner ist das eh kein Thema. Meine Auszubildende hat ein Kind bekommen, kurz vor ihrem Examen. Oh junge, und dann stillt sie auch noch und macht sich den ganzen Stress. Ich gebe ihr den Ratschlag nicht immer auf jedes Schreien zu reagieren, das Kind würde sie nur manipulieren, auch wenn es natürlich sehr süß sei, es müße wissen wer der Chef ist. Sie schafft es dennoch ihre Ausbildung erfolgreich zu beenden, ich bin wirklich stolz auf sie und freue mich sehr das sie das TROTZ Kind und dem ganzen Gedöns geschafft hat, doch das sie in Elternzeit geht und ihre frische Ausbildung weg wirft, verstehe ich nicht. Ich finde das verantwortungslos. Es hat die Monate vorher doch auch gut geklappt?

2013/2014

Ich habe einen Mann kennen gelernt. Er ist Vater. Sein Sohn ist 12. Puh. Will ich das? Keine Ahnung. Ich beschließe es auszuprobieren, es ist ja schließlich kein Baby mehr, sondern quasi erwachsen. Ich lege klare Regeln fest. Dein Kind, deine Verantwortung, deine Sache. Ich halte mich da raus. Hat leider nicht funktioniert.

Meine zweite Azubi wird über Weihnachten und Silvester krank. Ich bin selber auch krank, gehe aber trotzdem zum Dienst. Silvester würde ich mich ja ausruhen können. Keine Party, sondern son Familiending, Er, Ich, sein Sohn… Kein besaufen bis in den nächsten Morgen…

Meine Azubi ist weiter Krank. Schließlich ruft sie mich an und sagt: Ela ich bin schwanger…

Ich versuche mich zu freuen, sie ist eine tolle Mutter, die trotz Kind die Ausbildung packt, doch jetzt? Mittendrin ein zweites. Total krasser scheiß für mich. Ich verspreche ihr, sie so gut es geht zu unterstützen, biete witzelnd meine Babysitterdienste an und warte darauf sie endlich in den Arm nehmen zu können, und ihr wirklich aufrichtig Glückwünsche zu überbringen. Wie unwissend ich doch bin…

26.1.2014:

Meine Mens ist heute fällig, ich habe so ein flauschiges, nicht beschreibbares Gefühl zwischen meinen Hüftknochen. Ich frage K wie sie spürte das sie schwanger sei. Und kaufte einen Test. Am nächsten Morgen würde ich ihn machen. Doch was ist das? Endlich ein Zeichen das die Mens kommt. Tasse rein und gute Nacht. Am nächsten Tag leider: Nix… Außer zwei fetten blauen Streifen… Fuck ich bin SCHWANGER!!!!

Schrecken in der Nacht

Es war still eine Weile. Das hatte mehrere Gründe. Ich habe versucht die Knödels nachts abzustillen ( und zwar schon zwei mal). Beim ersten mal musste ich abbrechen, da ich die nächtlichen Wachzeiten von mehr als 3 Std PRO KIND nicht mehr ertragen konnte. Beim zweiten Versuch kam uns ein ungebetener Gast dazwischen. Sein Name: Nachtschreck.

 

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Zunächst einmal: Was ist das überhaupt?

Der Nachtschreck wird medizinisch Pavor nocturnus genannt. Hinter diesem Namen steckt eine Schlafstörung die vor allem Klein- und Schulkinder betrifft, seltener sind auch Babys und Kleinskinder betroffen. Diese Schlafstörung ist harmlos und tritt oft in Kombination mit Schlafwandeln auf.

Die betroffenen Kinder befinden sich zwischen 2 Schalfphasen und können weder in die eine oder die andere Schlafphase übergehen. Sie stecken zwischen wach sein und schlafen fest wenn man es so ausdrücken will. Die Kinder schrecken zunächst keuchend, wimmernd auf, auch ein initialer Schrei ist möglich. Die Kinder ( seltener auch erwachsene) verspüren große Angst und zeigen auch alle physichen Anzeichen von panischer Angst, also klater Schweiß, Herzrasen und eine beschleunigte Atmung. Desweiteren sind die Kinder desorientiert und erkennen weder ihre Umgebung noch ihre Bezugsperson. Nach dem Anfall erwachen die betroffenen kurz, und schlafen wieder ein. In der Regel können sie sich nicht, anders als bei Albträumen, an diesen Vorfall erinnern, daher ist es wichtig, die Kinder am nächsten Tag nicht danach zu befragen. Ein Anfall dauert zwischen 2 und 30 Minuten, seltener können sie auch länger dauern.

Dieser Schrecken hat uns fest im Griff gehabt, nach dem wir das nächtliche abstillen in angriff nahmen. Obwohl ich meinen Wunsch nach dem nächtlichen abstillen mit den Minis kommunzierte, sie drauf vorbereitete und ihnen erzählte das ihre, genauer gesagt meine, „Busies“ müde sind und gerne schlafen möchten, kam es jeden Abend um ziemlich genau 22.00 Uhr zum initialen Schrei, dem dann ein meist 20-30 Minütiges wüten, weinen und schreien folgte. Ich konnte Knödel nicht anfassen oder ansprechen, das regte ihn nur noch mehr auf. Nach dem er dann erwachte, konnte er jedoch ohne die Brust nicht wieder einschlafen, Wasser oder einen Schnuller ( welchen ich als alternative zum stillen des Saugbedürfnisses anbieten wollte) lehnte er weinend ab. Er lag nach diesen Anfällen weinend und wimmernd vor Müdigkeit in meinem Arm zog an meinem Pullover und sagte nur „da , Busie“.

Mein Mutterherz zerbrach in diesen Momenten und ich beschloß zumindest Knödel vom abstillen auszuschließen und ihn weiter nach Bedarf zu stillen, für mich wäre es schon eine Erleichterung wenn nur ein Kind nachts nicht mehr stillen würde. Doch leider ließ sich das nicht wirklich umsetzen. Lediglich einen Teilerfolg konnte ich erzielen, Motti akzeptiert auch einen Schnuller und etwas Wasser sowie kuscheln zum weiter schlafen, doch lieber ist auch ihr das stillen, damit schläft sie schneller und zuverlässiger wieder ein. Naja Mission deutlich gescheitert.

I`m so tired but I can`t sleep….

Tja, da sitze ich nun, extrem müde und manchmal auch extrem gereizt mit meinen Steinzeitbabys und mache weiter wie bisher, denn nach ein wenig Recherche stellte ich fest das eine Ursache für das auftreten des Nachtschrecks psychozialer genese sein kann. Im konkreten beinhaltet dies emotionale Streßsituationen und Überforderung. Aber auch positive, aufregende Erlebnisse können das auftreten des Nachtschrecks begünstigen, daher empfielt es sich die zweite hälfte des Tages ruhiger zu gestalten und auch die Einschlafsituation ruhig zu gestalten.

Aufgrund der Information, dass emotionaler Stress das Auftreten begünstigt, habe ich recht schnell das nächtliche abstillen als entscheidenden Faktor ausmachen können, denn nur wenige Tage nach dem ich das Thema aufgab, legten sich die Schreiattacken und kommen seit dem nur noch sehr selten vor, meist an sehr stressigen, aufregenden Tagen…

Aber wenn jetzt alles wieder gut ist, warum bin ich dann so müde? Nun ja, auch wenn nicht mehr stundenlang geschrien und geweint wird, kann ich nicht gut schlafen. Bis ca 0.00 Uhr brauchen mich die beiden ca alle 45- 60 Minuten. Erst ab Mitternacht schlafen sie konstant mehrere Stunden. AUF MIR! Meist an der Brust nuckelnd. Ich liege also von 0.00-6.00 Uhr auf dem Rücken, zwei 1,5 jährige an meinen Körper gepresst, die bei jedem Versuch meinerseits eine bequemere Position zu finden lautstark protestieren. Erholsamer Schlaf geht anders, habe ich zumindest gehört.

Ich hoffe auf bessere Nächte, gestillte Bedürfnisse verschwinden von alleine – angeblich.

Ich mache also weiter wie bisher, immer hoffend das irgendwann der Knoten platzt und aus meinen Schlechtschläfern kleine Langschläfer werden, auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass sie es erst im Teeniealter sein werden, wer hat schon von einem 16 jährigen gehört, der freiwillig früh aufsteht? Ich kenne keinen…

 

Habt ihr Erfahrungen mit dem Nachtschreck machen müssen? Wie seid ihr damit umgegangen?

Zwillingsmütter stehen Rede und Antwort! #1 Uli

Uli ist eine bemerkenswerte Person, Mutter von 3 Kindern, selbstständige Friseurmeisterin, eine Menge Kleinvieh und ein Ehemann runden ihren Alltag ab. Doch was ich sehr beeindruckend finde: Uli stillt ihre Zwillinge und spendet außerdem noch Muttermilch- für einen erwachsenen Mann, der an Krebs erkrankt ist. Keine Frage, diese Frau müssen wir näher kennen lernen.

 

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1. Erzähl doch mal ein bisschen über dich:
Ich heiße Uli, bin verheiratet und Mama von 3 Kindern. Frida im Mai 2013 geboren und ihre Zwillingsbrüder Hugo und Franz nicht ganz 2 Jahre danach im Mai 2015. Mein eigentlicher Traumberuf war immer Altenpflegerin.Will was Gutes tun! Habe mich dann aber doch spontan dazu entschieden Friseurin zu werden.

Mein Job hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und deshalb habe ich mich viel weitergebildet und irgendwann dann den Meister gemacht um selbstverständig zu sein. Mein Motto ist: „wer aufhört besser zu sein, hat aufgehört gut zu sein“. Mein Geschäftlein (ganz bewusst 1 Mann Betrieb) ist sofort explodiert.

Ich habe mein Leben genossen. Hatte nen sehr geilen Job, mit klasse Kunden, ein tolles Haus, auf großem Grundstück, viele Freunde und einen tollen Mann! Es war alles so perfekt! Jeder Tag war ein Abenteuer! Es gab ein ganz großes „aber“: mein Mann wünschte sich sehnlichst ein Baby/Kind. Wenigstens eines… Ein Kind kam aber für mich nicht so schnell in Frage. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich nicht sogar einfach gar keines möchte 😕 und ein Einzelkind schon gleich gar nicht!
Mein Mann hat mir 10 Jahre wirklich jeden Wunsch erfüllt, den ich hatte (das tut er übrigens heute auch noch) und mein 30er rückte auch immer näher.

Auf der Hochzeit meiner liebsten Freundin, bei der ich sogar Trauzeugin sein durfte, habe ich meinem Mann gesagt, dass ich bereit bin Mama zu werden. Und was soll ich sagen…. 8 Tage später war die kleine Frida in meinem Bauch 😅 meeeega Schock, aber ich habe mich natürlich auch gefreut. Und mein Mann war vom ersten Tag an voll mit dabei.

Die Schwangerschaft war ganz böse. Mir ging es schlecht und die Diagnosen waren nicht gut! Ich hatte eine Hausgeburt angedacht, dann wollte ich im Geburtenhaus entbinden. Da das kleine Ding in meinem Bauch aber nicht richtig wachsen wollte, wurde mir da auch abgesagt. Zum Schluss wurde ich mit Plazentaablösung eingeleitet und hatte trotzdem eine traumhafte Geburt! Das Mädchen war gesund!!! Wir hatten es nicht mal mehr gehofft. Für mich heute noch ein Riesen großes Wunder! Wir gingen nach einem Tag mit den süßesten 1800g heim, die ich je in den Armen halten durfte. Frida war gesund, und der Start war traumhaft! Es war so perfekt!

Die Welt hätte schöner nicht sein können! Meinen Job vermisste ich überhaupt nicht! Ich wollte nur noch Mama sein! Mein Haushalt, meine Ehe, mein Familienglück, es war alles so perfekt. Frida entwickelte sich prächtig und war mein ganzes Glück! Ich merkte aber recht schnell, dass ich mehr Kinder will. Das Mädchen soll auf keinen Fall alleine bleiben. Ich wollte wieder was kleines 😅

Als sie 15 Monate alt war, haben wir dann die Verhütung weg gelassen. Da ich noch stillte, dachte ich, dass es sicher eh länger geht. Hahaha, falsch gedacht! Nach ein paar Tagen war ich wieder schwanger 😂
Mit dem positiven Test dann zur Frauenärztin, die hat mir Blut abgenommen und einen Termin zum ersten Ultraschall ausgemacht.
Hier dann der Schock.

Fruchthöhle war da, aber keinen Herzschlag. Die Ärztin meinte, da es so ein frühes Stadium ist, würde es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit selbst abgehen. Nach einer Woche ohne Veränderungen, dann Schmerzen im Unterbauch. Wieder zur Ärztin. Die Fruchthöhle sah größer aus. Aber immer noch kein Herzschlag. Meine Ärztin meinte, wir müssen mein Blut nochmal untersuchen und in 2 Tagen nochmal schallen. Sollten meine Hormone nicht gestiegen sein, müssen wir zum Ausschaben (schreckliches Wort).

2 Tage später dann plötzlich beim US einen Herzschlag. Winzig klein in der rechten Ecke der Gebärmutter. Mein Mann hatte mich begleitet. Wir waren überglücklich und erleichtert! Als die Ärztin nach dem Grund für meine Schmerzen suchte, tauchte auf einmal links oben nochmal was auf. Nochmal ein Herzschlag. Mein Mann lachte nur noch. Er fand es total witzig! Ich allerdings weinte Wochenlang. Die Zeit mit Frida war so innig! Ich konnte so viel mit ihr machen.

Mir war klar, dass bei Zwillingen alles anders ablaufen wird und muss. Dazu muss ich erwähnen, dass ich keine Oma habe, die mir die Kinder mal für 1-2 Stündlein abnehmen kann oder mich unterstützen kann. Im Gegenteil! Da mein Mann Einzelkind ist, versorgen wir die so gut es geht alleine mit.
Meine Große geht seit der Zwillingsschwangerschaft in die Kita. Nur Vormittags. Sie geht leidenschaftlich gerne und ich konnte in der Zeit Arzttermine wahrnehmen und alles was so anfiel machen. Nachmittags und Abends bin ich ausschließlich Mama und für meine Familie da!

2. Wie läuft ein typischer Tag bei euch ab?
Einen ganz typischen Tag gibt es bei uns nicht, da mein Mann im Schichtdienst ist. Die Kinder stehen um 6:30 Uhr auf und um 19:30 Uhr gehen sie ins Bett. Der Rest ist flexibel. Ich mache den Haushalt und den größten Teil mit den Kindern und mein Mann seine Eltern, und den Zoo (Hund, Kaninchen und 2 Nager).

Jeder unterstützt den anderen da, wo es nötig ist und geht. So funktioniert es hier echt ganz gut! Sonntags kommen häufig die Patentanten und das ist das Highlight der Woche. Da wird viel gespielt, sich unterhalten, und immer besonders lecker und manchmal auch aufwendig gekocht (weil ich dann gut in die Küche stehen kann, weil die Tanten Babysitten).
Mein frohes Gemüt habe ich aus Dankbarkeit! Ich bin jeden Tag so sehr froh über mein wahnsinnig erfülltes und glückliches Leben, dass ich einfach gar nicht dauerhaft schlecht drauf sein kann!!

Klaro weine ich und schimpfe ich auch! Ich hatte sehr lange mit dem Schicksal Zwillinge zu kämpfen. Habe mich jetzt aber einfach damit abgefunden und liebe die zwei Buben von ganzem Herzen! Ich bin so froh, dass ich sie habe! So schlimm und so viel Arbeit, wie ich dachte ist es echt nicht!

Schade einfach nur, dass so viel schönes wegfällt!
Arbeiten tu ich im Moment noch nicht. Ich stehe zwar immer wieder in meinem Geschäftlein, aber für meinen Mann, meine Tochter, meine Schwestern, die Omas oder den Opa und die engsten 3 Freundinnen. Als Friseurin nicht zu arbeiten geht glaub gar nicht 😁

3.  Was ich bemerkenswert finde: du spendest deine Muttermilch. Jedoch nicht für ein Krankenhaus, sondern für einen erwachsenen Mann. Wie kam es dazu? Das ist ja nicht alltäglich.
Ich bin durch das ständige Stillen sehr viel online.  Sobald ich stille, habe ich meistens das Handy in der Hand. Facebook ist für mich der Blick nach draußen und die Möglichkeit trotz Vollzeitmama auch Freundschaften zu pflegen.

Vor ein paar Wochen ist mir dann bei Facebook in einer Regionalen Gruppe aufgefallen, dass Muttermilch gesucht wird. Ich bin von Grund auf ein sehr neugieriger Mensch und das Thema Muttermilch und Stillen für mich persönlich generell sehr spannend, da ich meine 9,5 Monate alten Bubis noch voll stille.

Also habe ich dann einfach mal nachgefragt, wofür die Muttermilch denn gesucht wird und wieviel gebraucht wird.
Eine junge Frau antwortete mir dann, dass ihr Onkel an Magenkrebs erkrankt sei und sie für ihn Milch suchten. Darauf hin habe ich der Frau erlaubt, Kontakt zwischen mir und der Tochter des Erkrankten herzustellen.
Die Tochter erzählte mir, dass sie fest an die Kraft der Muttermilch glauben (was mir natürlich sehr imponierte). Sie schien so fest davon überzeugt zu sein, dass meine Milch ihrem Papa helfen kann, dass ich einfach Zusagen musste, Milch zu spenden.

Das Pumpen waren meine Brüste überhaupt nicht gewöhnt! Es kam nur Tropfenweise oder sogar gar nichts! Ich trank Malzbier, kaufte mir Boxhornkleekapseln, futterte Kalorien wie eine verrückte. Trank 2 Liter Stilltee und pumpte in jeder freien Minute.

Recht schnell merkte ich, dass mehr Milch produziert wurde, aber die wollte einfach mit der Pumpe nicht so richtig raus. Ich entleerte dann von Hand, kaufte mir ein anders Bruststück, lieh mir 3 Tage mal ne andere Pumpe in der Apotheke. So richtig half erst mal nichts!
Von meiner lieben Freundin Caro habe ich dann eine Handmilchpumpe bekommen. Mit der komme ich gut zurecht. Ich pumpe zum Anregen und entleere von Hand. Das mache ich jetzt schon seit ein paar Wochen so und es kommt jeden Tag ein bissel mehr mit der Pumpe, dass ich auch immer weniger von Hand entleeren muss 👍🏼

Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich pumpte bis zu 600ml am Tag ab. Merkte dann aber schnell, dass es für mich zu viel ist. Ich kam mit Essen nicht mehr hinterher, hatte Schwierigkeiten mit dem Kreislauf und wurde einmal sogar ohnmächtig. Auch meine Zähne begannen zu leiden. Also habe ich beschlossen schweren Herzens nur noch 200ml am Tag zu pumpen. Jetzt geht es mir wieder besser und ich habe die letzten 2 Tage wieder 400ml geschafft.

Mein Mann schaut mir da mit einem weinenden und einem lachenden Auge zu. Er findet mein Engagement super, hat aber Bedenken, dass ich mich übernehme.

Mit der Tochter des Patienten stehe ich über Whatsapp im Kontakt. Sie appelliert auch immer an mich, dass weder ich noch meine Familie daran Schaden nehmen sollen! Hier muss ich noch erwähnen, dass ich selten mit jemandem so herzlichen zu tun hatte! Ich kenne die Frau kaum, aber ich mag sie wahnsinnig gerne!

Auch mit dem kranken Mann fühle ich mich sehr verbunden, obwohl er mir komplett fremd ist, fieber ich mit jedem Ergebnis mit und hoffe so arg auf Verbesserung der Krankheit.

4. Gab es negatives Feedback?

Was für mich ganz überraschend ist, dass ich bis jetzt von überhaupt niemandem was negatives gesagt oder geschrieben wurde! Als Stillmami muss man sich schon oft Kritik und Widerspruch konfrontieren lassen. Manchmal glaube ich, wenn man in den ersten 6 Lebensmonaten des Babys nicht stillt, ist man eine Rabenmutter, und wenn man über die 6 Monate raus stillt, hat man nen psychischen Schaden! Schade, dass Stillen nicht als das angesehen wird, was es ist: einfach nur natürlich und normal!

Zu den Milchspenden bekomme so viel Anerkennung und Zuspruch, dass mich das echt zusätzlich pusht! Freunde und Bekannte finden die Aktion richtig toll!
Der Ansturm an Mails und lieben Worten, seit die Stillbuchautorin Dora Schweitzer (tolle Frau übrigens) meine Geschichte veröffentlicht hat, geht echt ins unermessliche! Einziger Skeptiker ist da mein Mann. Der hat manchmal Angst, dass ich mich übernehme….

5. Wie geht dein Mann damit um? Du sprichst immer nur sehr positiv von ihm.

Wir streiten auch 😂 aber noch viel wichtiger: wir respektieren und akzeptieren uns! In seinen Augen bin ich das tollste Fettarschwalross, dass er kennt (ich liebe meinen Spitznamen).
In seinen Augen sollte ich manchmal auch mal an mich denken. Er glaubt (fälschlicherweise), dass ich das nicht tue. Das stimmt aber nicht! Er und die Kinder sind mein Leben!! Und ich opfere mich nicht, sondern ich gehe in meiner Rolle voll auf! Er und die Kinder sind das Beste, was mir passieren konnte!
Er würde sich glaub manchmal wünschen, dass ich weniger im Haushalt machen würde und auch mal über nen Wäscheberg hinweg sehen könnte. Da war ich vor den Kindern sehr gut darin 😂 Mittlerweile weiß ich aber, dass es ihn nicht um den Haushalt geht, sondern um mich ❤️

6. Was willst du den Lesern noch mitgeben?

Mein Appell an alle Menschlein da draußen:
Tut Gutes! Lächelt, sagt „Danke“ und „Bitte“ oder auch mal „Entschuldigung“. Seid geduldig und nachsichtig und ihr werdet positiv überrascht sein, was mit eurem eigenen Leben passiert.

 

Also ich finde ja das Uli ein knaller ist, wenn ihr das ähnlich seht, sagt uns doch, was ihr so denkt über diese Powerfrau!

Wenn auch ihr etwas zu sagen habt, dann meldet euch gern, ich quetsche euch aus 🙂