Rabenmutter lässt grüßen

Ich spiele nicht gern mit meinen Kindern. Jetzt ist es raus, zerfleischt mich wenn ihr wollt. Mir macht es einfach keinen Spaß auf dem Boden rumzulungern und ewig das gleiche zu tun ( Legosteine zusammen setzen, Türme stapeln und umstoßen, Klötze in eine Kiste werfen usw). Das schlechte Gewissen nagt natürlich total, vor allem weil meine Mädels scheinbar ihren Lebensraum auf den Fußboden verlegt haben ( und mir damit auch noch ein schlechtes Gewissen machen, weil ich ewig nicht gewischt habe).

Während also 2 Erwachsene und 4 Kinder auf dem Boden sitzen und spielen und plaudern, sitze ich gemütlich auf der Couch ( die auch viel bequemer ist als der Boden) und trinke mein koffeinhaltiges Heißgetränk. Dort ist es sicher vor kleinen neugierigen Kinderhänden, ich kann es nahezu genießen und es ist meist sogar noch heiß.

Meine kleinen versuchen mich oft zum Spielen zu motivieren aber ich mag das wirklich nicht. Ich sehe ihnen lieber von weitem zu, wenn sie ausprobieren, üben, sich freuen, wütend werden und dennoch völlig in ihr Spiel versunken sind ( und dabei meistens ihre Windel bis oben hin voll haben -> Dilemma!).

An dieser Stelle mag man mich schütteln und brüllen spiel mit ihnen, aber mein Lieblingsautor Jesper Juul bestätigt mich in meiner Faulheit ein stückweit wenn er sagt: Eltern sollen keine Spielpartner sein oder auch Kinder dürfen und sollen sich langweilen. Beides ist gesund und fördert die kindliche Phantasie. Und natürlich muss ich auch ein wenig relativieren, denn auch wenn es jetzt den Eindruck erweckt ich würde mich nicht um das Spielbedürfnis kümmern, so ist er doch falsch ( zumindest für mein Empfinden), ich spiele nicht mit Spielzeug aber unser Alltag ist ein „Kinder“- Spiel.

Ich beziehe die kleinen in meine Tätigkeiten im Haushalt mit ein, wenn  ich koche, so kochen sie mit; sie bekommen ein paar Kartoffeln oder Nudeln, ein paar schalen und Löffel und auf geht`s . Wenn ich Wäsche mache, machen sie mit, die Maschine füttern, ausräumen, in den Trockner stopfen oder auf die Leine hängen, egal was zu tun ist, sie machen mit Begeisterung mit, wir blödeln, und schreien laut herum um zu schauen wer am lautesten schreien kann, ich singe und tanze, die kleinen tanzen mit. Wenn ich die Betten mache, wuseln die kleinen rum und warten darauf das ich sie in den Decken verstecke und kitzel. Wenn wir windeln wechseln müssen, spielen wir fangen, wenn wir auf dem Sofa sitzen, wird gekuschelt, danach wird getobt, getanzt, gekitzelt und rum“geschleudert“. Wenn ich Geschirr spüle, spülen die kleinen ihre Teller und Tassen auch. Es gibt unzählige Beispiele aus unserem Alltag, die ein Spiel darstellen. Spielen ist das erlernen von Alltagsfertigkeiten, und genau das machen wir jeden Tag gemeinsam. Sie spielen „groß“ sein, und sie spielen es gerne. Was hier übrigens auch sehr beliebt ist, ist den Hof fegen, sie haben kleien Besen und Schaufeln und flitzen mit ihren Bobbycars und ihrer Ausrüstung über den Hof und verteilen meine Haufen großflächig, der Effekt ist zwar der, das der Dreck immer noch rum liegt, aber dadruch das er groß verteilt ist, fällt er weniger auf. Auch wenn es ein neues Spielzeug gibt, setze ich mich mit den beiden zusammen, zeige ihnen ein paar Möglichkeiten auf, aber danach ziehe ich mich raus und überlasse den kleinen das erforschen des neuen Gegenstandes und beobachte wie sie wohl den Gegenstand verwenden. Das hat in meinen Augen so viel Mehrwert als das gesteuerte, gezeigte „sinngemäße“ Spielen…

Ich lese den kleinen gerne vor, betrachte mit ihnen die Bilder und beantworte ihre fragenden „Da da da da da“ wenn sie auf etwas zeigen, wir üben Wörter aussprechen und erfinden neue, wir kritzeln zusammen auf dem Papier herum und freuen uns über unsere Werke, ich gehe mit ihnen raus, begleite sie beim Welt entdecken.

All das tue ich wirklich gerne, doch bleibt mit weg mit Türmchen bauen und Duplos zusammen stecken. Ich mag das nicht, der Fußboden ist unbequem, die Motorikschleife im Gesicht tut weh, und Stapelbecher auseinander pulen ist auch nicht so der Hit.

Manchmal habe ich wirklich ein schlechtes Gewissen deswegen, dann setze ich mich zu ihnen, mache Spielangebote, doch eigentlich klappt das seltenst, denn kaum sitze ich dort auf dem Boden in einer annährend bequemen Position, stürmen die beiden auf mich los, wollen kuscheln, Bücher lesen oder stillen, alles Dinge die auf der Couch wesentlich gemütlicher funktionieren, daher wechseln wir den Standort.

Sitze ich auf dem Sofa und Motti kommt mit ihrer Motorikschleife, dann sage ich auch selbstverständlich nicht nein zu ihrem Angebot mit mir zu spielen, doch nach ein paar Minuten ist das beiderseitige Interesse weg, das Spiel wird zunehmend frustrierender und endet dann auch meist in einem tränenreichen Desaster. Auch Knödel schiebt Frust wenn er mit seinen Duplosteinen zu mir kommt, sie mir mit einem aufgeregten DA DA DA DA hinhält und ich keine Ahnung habe ob ich sein Werk jetzt bewundern, erweitern oder zerstören soll. Auch hier: meistens Tränen und Verzweifelung auf beiden Seiten.

Tja, so ists bei uns, wie macht ihr das? Spielen oder beobachten? Was liegt euch mehr? Oder wechselt ihr eure Positionen und seid ihr da ganz ausgeglichen?

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4 Gedanken zu “Rabenmutter lässt grüßen

  1. Ich bin da sehr ähnlich. Man kann die Situationen an einer Hand abzählen, an denen ich mit meinem Kind Lego gespielt habe. Ich mag das ebenfalls gar nicht. Aber, ich gehe gern mit ihm auf den Spielplatz, lese viel vor (wenn ich nicht zu müde bin ;-)) und beziehe mein Kind ebenso viel im Alltag ein. Das liebt es sehr, besonders das gemeinsame Backen.

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  2. Jetzt will ich unbedingt mit dir befreundet sein 😉 !!!
    Endlich mal eine Mama, die es genau so macht wie ich. Ich dachte schon, dass ich damit alleine wäre. Danke dass du diesen Beitrag geschrieben hast ❤
    Ich glaube daran, dass Kinder nicht bespielt werden müssen/sollten, da so das altersgerechte freie Spiel verhindert wird. Kinder spielen einfach anders als Erwachsene. Selbst Kinder unterschiedlichen Alters, wenn sie instinktiv spielen dürfen, bespielen das gleiche Spielzeug höchst unterschiedlich. Diese Kreativität will ich nicht einschränken, in dem ich meine elterliche Sicht auf das Spielzeug dem Kind aufdränge.
    Ich lese viel vor und wir singen und musizieren gemeinsam. Auch malen und basteln findet gemeinsam statt, aber eben auch nicht angeleitet.
    Übrigens: K2 hat gerade mit mir die Waschmaschine bestückt und hat ganz nebenbei bis 10 gezählt 🙂 … Das zeigt mir immer wieder: Kinder lernen am besten durch Nachahmung! Also bin ich ihnen ein Vorbild ❤ – genau so wie du.
    Ich verstehe bis heute nicht, wieso sich so viele Mütter beschweren, dass sie ihren Haushalt nur machen können, wenn die Kinder schlafen oder nicht im Haus sind. Würde ich unter dieser Prämisse arbeiten, dann wäre ich jetzt vermutlich unter einer 5jährigen Staubschicht erstickt 😉 …

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo 🙂
    Ich lese grade bei dir, bin keine Mama und auch nicht schwanger (wollen würde ich ja schon aber der Mann fehlt auch dazu)
    Aaaaber ich bin Patentante… und zwar eine faule. Zumindest teilweise. Ich sitze gar nicht gern auf dem Boden, Duplo und so mag ich auch nicht. Beim Puzzlen darf ich nicht mitmachen, bzw. soll dann nur machen was die kleine will, da hab ich dann gar keine Lust mehr. Ich mag gern kuscheln und Bücher vorlesen, spazieren gehen oder im Garten sitzen. Und was ich auch total gerne mag ist mir der großen (3 Jahre) zusammen kochen, sie hilft nämlich schon ganz toll mit, das mag ich total und sie ist so stolz drauf etwas geschafft zu haben.
    Grüßle, ich les dich echt gern.
    Claudia

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