Freunde

Freunde sollen die Familie sein, die wir uns aussuchen. Doch was sagt es über mich aus, wenn ich bei der Wahl meiner Freunde ein äußerst schlechtes Händchen habe? Und was sagt das über meine Familie aus?

Zeit meines Lebens,  so fühlt es sich zumindest an, renne und rannte ich so genannten Freunden hinterher. Diese Freundschaften waren nie von bestand,  ich war nicht cool genug, nicht schlau genug, zu dick, zu unsportlich, ich war in falschen Klasse, wohnte im falschen Ort oder zog zur falschen Zeit um. Nie fand ich so richtig Anschluss.
Auch in der Ausbildung zeigte sich ein Problem: ich war zu jung und damit abhängig von meinen Eltern, und auch zu vernünftig.
Ich wurde erwachsen und entwickelte meine eigenen Vorstellungen von Moral,  Ethik und Empathie. Ich suchte nicht mehr nach Freunden sondern lebte mein Leben so wie es mir gefiel. Sollten sich Freundschaften entwickeln so würde ich mich nicht mehr anpassen sondern danach wählen ob diese Menschen in mein Leben passten. Nach meinem Umzug fand ich Freunde die zu mir passten ohne das ich mich anpassen müsste. Wir machten ne menge Blödsinn und dann wurde ich schwanger. Die Freundschaften waren dahin, sie zerbrachen an der Hyperrmesis. Es fehlte an gegenseitigem Verständnis für einander.

Es folgten 1,5 Jahre in denen ich nahezu ausschließlich virtuelle Kontakte pflegte da es mir kaum möglich war reale Kontakte zu pflegen. Erst die schwere Schwangerschaft, dann die erste Babyzeit mit zwei Steinzeit-Babys, dann die Depressionen.  Die Kontakte die ich noch pflegte zerbrachen an meinem Unwillen mich nach dem scheitern einer Beziehung zu entscheiden, ich wollte nicht zwischen zwei geliebten Menschen wählen und verlor dadurch wieder einen.
Auch die virtuellen Kontakte gingen verloren. Schuld daran bin ich gewesen,  beziehungsweise die Depressionen. Zumindest bei einer von ihnen konnte ich mich entschuldigen, sie reichte mir die virtuelle Hand und ich konnte sie nehmen und über meinen Schatten springen und um Verzeihung bitten.  Ich hoffe das ich nach und nach auch die Kraft finden werde, den anderen zu sagen das es mir leid tut.
Dann kam der Umzug. Alles auf Anfang.

Ich fand schnell Anschluss an eine Gruppe von Mamas und freute mich ein paar Menschen gefunden zu haben die ähnlich dachten und fühlten wie ich. Doch dummerweise machte ich einen Fehler, der mir schon öfter passierte: ich sagte schonungslos ehrlich meine Meinung,  zack Freundschaft kaputt. Ich weiß nicht ob die Freundschaft zu den anderen langfristig bestehen bleiben kann, ich würde es mir sehr wünschen, doch bevor sie zwischen mir und einer anderen Person wählen müssen, verzichte ich lieber. Man sollte sich nicht zwischen Menschen die man mag entscheiden müssen. Das ist kacke.

Heißt Freundschaft also 100% Anpassung?  Verzicht auf eure eigene Meinung? Immer nur ja sagen und positive Aspekte sehen um die negativen auszublenden?
Ehrlich gesagt kann ich das nicht beantworten,  doch wenn das Freundschaft ausmacht,  will ich das nicht.  Es erscheint mir falsch und heuchlerisch,  doch es passt zum oberflächlichen, schnelllebigen Zeitgeist unserer Generation in der man alles haben kann und kaputtes entsorgt wird, statt zu reparieren. Warum um etwas kämpfen und gemeinsam an einem Problem arbeiten wenn Nachschub an jeder Ecke verfügbar ist?

Es ist eine traurige Entwicklung, aber vielleicht ist es auch naiv von mir zu glauben es gäbe sie wirklich: wahre Freunde die bedingungslos hinter einem stehen und auch konträre Meinungen akzeptieren ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen.
Doch ich glaube wirklich an diese bedingungslose Freundschaften, denn eine handvoll Menschen für die Freundschaft genau das ist darf ich kennen, aber das schönste ist, dass ich sie Freunde nennen darf ( ihr fehlt mir so) und vielleicht darf ich auch meine neuen Freunde doch behalten,  weil sie sich nicht entscheiden mussten und sich mit ein wenig Distanz alles zum guten wendet.

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8 Gedanken zu “Freunde

  1. Ach Ela… Kommt mir bekannt vor zumindest in Ansätzen Sind nicht mehr so viele übrig aber dafür andre dazu gekommen. Ich sag auch nicht jedem alles, vielleicht bin ich auch zu oft enttäuscht und dann vorsichtig geworden. Kein Rat von mir aber eine Umarmung ❤️ Du scheinst ein ganz besonderer, starker und tiefgründiger Mensch zu sein und du wirst es auch weiterhin schwer haben aber ich glaub immer weiter daran dass es sich lohnt gut zu sein und das Richtige zu tun ((( ))) mach drin Ding du wirst deinen Platz und die richtigen Leute finden. Hallo ich bin über 30 😬👍 Deine Frida (und dein Fan)

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  2. Ach, die Sache mit den Freundschaften….

    Freunde kommen und gehen, ein Leben lang und ich bin mir fast sicher, dass ich nicht für immer diese eine, feste Freundin haben werde.
    Ich habe hier und da Menschen, mit denen ich mich echt gut verstehe, aber da weiß ich genau: Das geht nur, weil ich mir oft meine wahren Gedanken verkneife. Dennoch würde ich sie als Freunde bezeichnen.
    Und dann gibts da ‚die Eine‘, mit der ich schon mein halbes Leben lang befreundet bin. WIr lieben uns und wir sind füreinander da. Auch hier gehts dennoch ein ABER: es gab lange Zeiten der Funkstille. Als ich Helena bekam war die Freundschaft in meinem Kopf schon fast abgehakt, denn ich war die erste mit Kind und konnte kein Verständnis erwarten. Ich wurde ausgeschlossen. Das hat mich noch depressiver gemacht als ich eh schon bin. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt und es war fast reinigend für unsre Freundschaft. ABER auch hier geht es nur mit der richtigen Mischung Ehrlichkeit und Klappe halten. Wenn ich IMMER sagen würde, was ich denke, wäre die Freundschaft schon lange dahin. Das weiß ich sehr genau. Deswegen halte ich den Mund, hier und da. Ob das richtig ist? Wer weiß. Aber es scheint tatsächlich der einzige Weg zu sein, Freundschaften am Laufen zu halten.
    Und eines Tages, da werde ich an der falschen Stelle, beim falschen Thema ehrlich sein. Oder aber all das, was ich mir so denke, platzt aus mir heraus. Und dann war es das mit dieser einen Freundschaft. Auch wenn ich nicht hoffe, dass das passiert.

    Kurzum: Es ist ein Kreuz mit den Freundschaften. Und der Toleranz. Und der Ehrlichkeit.
    Manchmal ey, da kommt einem das alles scheiße vor und man hat keinen Bock mehr, so zu sein wie man ist oder aber sich dauernd verstellen zu müssen.
    Du liest dich sehr sympathisch und ich wünsche dir von Herzen, dass ‚alles gut‘ wird. Bleib auf jeden Fall, wie du bist, denn alles andere wäre völlig falsch. Änder dich bloß nicht! Vielleicht machts das schwerer aber ich bin überzeugt davon, dass man nur so die richtigen, echten, dauerhaften Freunde finden kann.

    Jaja, nächtliches Geschwafel meinerseits. Sorry.

    Mara

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  3. Ich unterscheide zwischen Freunden und Bekannten. Echte Freundschaften habe ich nur sehr wenige. Die aber schon mein halbes Leben lang. Bei ihnen muss ich mich nicht verstellen – weder bei meinen Themen, noch bei ihren. Das geht aber nur mit genügend gegenseitigen Respekt vor der Individualität der einzelnen Person. Das Leben ist bunt und viele Wege führen zum Ziel, aber leider können viele diesen Standpunkt nicht einnehmen. Kritik wird oftmals sehr persönlich genommen und nicht als Denkanstoß, der vielleicht sogar gut gemeint war, verstanden. Wahre Freundschaft sollte auf Augenhöhe sein, ohne Minderwertigkeitskomplexe, dann werden ehrliche Worte auch so verstanden, wie sie gemeint sind: oftmals von Herzen kommend ❤
    Verbiege dich nicht und bleib wie du bist. Du weist ja, ich würde nur zu gerne deine Freundin sein 😉 … und: für sachliche Kritik bin ich immer zu haben. In jeder Kritik liegt auch immer eine Chance um an sich selbst zu wachsen. So eine Gelegenheit würde ich mir doch niemals entgehen lassen 🙂

    Viele freundschaftliche Grüße
    Mother Birth

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  4. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Beim Stöbern im Netz bin ich durch Zufall drauf gestoßen und er spricht mir aus der Seele! Auch ich habe beinahe alle Freundschaften verloren aufgrund Umzug und Depressionen vor meiner Schwangerschaft. Seit meine Zwillinge nun da sind, haben sich auch die letzten Bindungen in Wohlgefallen aufgelöst. Ich habe deshalb sehr viel geweint, vorallem als zur diesjährigen Hochzeit meiner ehemals besten Freundin nicht mal eine Einladung kam. Bis vor nicht mal zwei Jahren nannte uns jeder unzertrennlich… dann wurde ich krank und musste noch dazu für ein Jahr umziehen. Das war ihr zu weit weg… nun versuche ich das Beste draus zu machen und mir nicht ständig die Frage zu stellen ob ich so eine schlechte Freundin war. Und ich versuche den Worten meines Mannes zu vertrauen: Freunde kommen und gehen, einige begleiten dich nur ein Stück deines Lebensweges, doch die ganz wenigen wirklich Wichtigen bleiben bis zum Schluss.
    Und die wirklich Wichtigen sind die, zu denen auch nach längerer Funkstille der Kontakt noch genauso vertraut ist wie vorher!

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    • Es tut mir sehr leid das du das erleben musstest. Ich finde das immer sehr erschreckend wie vielen es so geht. Ich drücke dich ganz doll

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