Zwischen Bedürfnisbefriedigung und persönlichen Grenzen

Der Grad zwischen bedingungsloser Liebe und Bedürfnisbefriedigung und Selbstaufgabe ist schmal und individuell. Wo meine Grenze noch Luft nach oben hatte, haben andere eine wesentlich geringere Grenze der Belastungsfähigkeit.

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Die Entscheidung die Zwillinge im Sinne des von Sears auf den Weg gebrachten Konzepts des Attachment Parenting groß zu ziehen war ein langer Weg der persönlichen Entwicklung. Noch wenige Monate vor meiner Schwangerschaft quälte ich meine damalige Auszubildende mit den üblichen Sprüchen.

       Wenn du wissen willst, wie du deine Kinder erziehen sollst, frage die, die keine haben. Die wissen was du falsch machst.

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Und genauso war es, bis ich selber schwanger wurde. Ich befasste mich mit verschiedenen Modellen und Möglichkeiten der Kindererziehung. Durch den Kontakt mit anderen Müttern lernte ich sehr viel und fand meinen Weg. Die Idee war geboren, jetzt musste sie nur noch umgesetzt werden. Ich stellte mir das ganze wesentlich leichter vor, als es letztlich war.

Meine Enttäuschung war grenzenlos, als ich erkennen musste, das ich offenbar alles falsch machte. Stunden um Stunden verbrachte ich damit, die kleinen zu stillen und zu tragen, zu schaukeln und zu singen. Monate schlief ich im sitzen. Und ich verstand nicht warum. Ich schenkte meinen Kindern grenzenlose Liebe und Bedrüfnisbefriedigung doch es schien nicht zu funktionieren.

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    Zu schlau zum ferbern, zu doof für Attachment Parenting!???

Wo also lag der Fehler? In meiner Naivität nahm ich an, dass, wenn ich nur alles tun würde was nötig sei, ich rund um zufriedene und glückliche Babies haben würde. Leider hatte ich das nicht. Keine Ahnung warum, aber meine Babies schrien und schrien und schrien. Ruhe war nur wenn sie auf mir lagen und stillen konnten. Die Kommentare aus meiner Umgebung waren noch schmerzhafter als mein vermeintliches Versagen als Mutter. Oft überlegte ich, einfach schluß zu machen mit dem ganzen und auf „Standard“ umzuschalten. Doch meine Grenzen waren dehnbar. Sehr dehnbar.

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  Die Erfolge kamen langsam. Aber sie kamen. Schritt für Schritt zu glücklichen Babies.

In dieser Zeit, in der ich 24/7 ans Sofa gefesselt war, begann ich mich näher mit dem Wesen von Babies zu becshäftigen, warum sind sie wie sie sind und warum „funktionieren“ sie nicht so wie man es sich eigentlich vorstellt. Das half mir, mehr Verständnis für meine Puper aufzubringen und ich hörte auf, das Verhalten meiner Kinder zu pathologisieren und nahm es als gegeben hin. Zunehmend entspannte ich mich und das wirkte sich auch auf A und M sehr nachhaltig aus. Schritt für Schritt kamen wir gemeinsam im Leben an und fanden zu einander nachdem wir 5 Monate gekämpft hatten. Ich war oft an meinen Grenzen und schaffte es, darüber hinaus zu gehen.

In dieser Zeit war ich viel unterwegs, besuchte meine Eltern, reiste mit Bekannten in den Harz für ein Wochenende. Ich lebte auf und traf eine Entscheidung, die mich zum Zusammenbruch führte.

                           Aufopferung und klein bei geben oder kämpfen?

Die Erkenntnis, mehr Unterstützung zu benötigen, führte dazu, das ich einen Umzug plante, doch leider verlief das ganze Unternehmen nicht mal annährend so wie gewünscht. Genau genommen ist das alles  immer noch nicht geklärt, und hängt mir nach. Meine Kräfte waren aufgebraucht. Ich hatte alles in die Kinder investiert und keine Ressourcen mehr um für uns und unser Recht zu kämpfen, da mussten meine Eltern für mich in die Bresche springen und taten das ohne zu zögern, damit ich weiter für meine Kinder da sein konnte, trotz des Zusammenbruchs.

Gemessen an der Länge eines ganzen Lebens, ist die Zeit in der unsere Kinder so sehr auf uns angewiesen sind verschwindend gering.

Die Bedürfnisse meiner Kinder haben sich verändert, sie lassen es zu das auch andere ihre Bedürfnisse befriedigen und geben mir mehr Raum meine Bedürfnisse in den Vordergrund zu rücken ( manchmal zumindest). Ich habe alles gegeben für meine Kinder, in dem Wissen das es irgendwann erträglicher, leichter, anders werden würde. Daran hielt ich mich fest und das gab mir den Antrieb immer weiter zu machen.

Ich habe mich aufgeopfert und meine Bedürfnisse ganz weit weg geschoben. Ich denke jede Mutter macht das wenn sie keine andere Wahl hat. Ich hatte keine, denn ich handle aus tiefer Überzeugung und habe ja auch nicht wirklich jemanden der mich entlasten kann. Aber ich weiß das diese Zeit kurz ist und habe sie genossen, manchmal vermisse ich sie sogar ein wenig, denn ich muss anfangen los zu lassen. A und M werden flügge und entdecken die Welt mit meiner Hilfe auf eigenen Beinen. Sie brauchen mich, aber sie brauchen mich immer weniger. Wenn ich sie zu meinen Eltern bringe um ein bisschen Babyfrei zu haben, schieben sie mich zur Tür raus und winken freudig. Dann weiß ich, das ich alles richtig gemacht habe. Und ich würde es wieder tun.

     Elternschaft bis an die Grenzen und darüber hinaus

In den ersten Monaten steht alles hinten an, selbst die Befriedigung der eigenen Grundbedürfnisse. Jeder gesteht dem Baby zu, laut, anstrengend und an Mama geklebt zu sein, doch nach wenigen Wochen oder Monaten wird uns von der Gesellschaft vermittelt das jetzt bitte das Baby  alleine schlafen soll, stillen nach Bedarf ist Blödsinn, tragen verwöhnt das Kind nur noch mehr und wenn wir auf das schreien reagieren, sind wir Opfer unseres manipulativen Babytyrannen. Eltern, egal welchen Weg sie wählten, kommen an ihre Grenzen. Wo bleibt der Platz für meine Bedürfnisse, bin ich egoistisch wenn ich sage ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr?

Nein! Attachment Parenting bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren und dem Kind stets zu Diensten zu sein. Bindungs- und Bedürfnisorientierung bedeuten miteinander zu wachsen und sich aufeinander einzustellen, und auch Babys und Kleinkinder können sich im kleinen Ausmaß auf andere einstellen und je älter sie werden desto mehr darf auch der Fokus wieder auf den elterlichen Bedürfnissen liegen, ohne das der Nachwuchs schaden davon nimmt. Und genau da beginnt das Dilemma. Wie schaffe ich es meine Bedürfnisse mit denen meiner Kinder abzustimmen? Wie verkraftet mein Kind das es Grenzen gibt und das auch ich welche habe? Wer an diesem Punkt die Kurve nicht bekommt, gerät endgültig in die Selbstaufgabe. Man fragt sich unweigerlich ob es ok ist Grenzen zu ziehen und tut sich schwer damit, den richtigen Rahmen aus Freiheit, Grenzen, Bedürfnisbefriedigung und eigenen Bedürfnissen zu finden. Doch wenn man einmal damit angefangen hat, fällt es einem immer leichter…

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Dieser Artikel ist Teil der Blogparade von Frau Chamailion. Ich freue mich das ich mitmachen konnte und hoffe, ihr hattet ein bisschen Spaß am lesen.

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2 Gedanken zu “Zwischen Bedürfnisbefriedigung und persönlichen Grenzen

  1. Pingback: Wie ich Muttertier wurde… Teil 2 | Keins bestellt, 2 bekommen

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