Schwanger mit Zwillingen, Eva bekam ihre Jungs schon in der 30 Schwangerschaftswoche

Während ich an meinem Geburtsbericht bastelte kam mir die Idee zu zeigen das nicht jede Zwillingsschangerschaft und nicht jede Entbindung die Hölle sein muss, und so fragte ich meine Bekannte Eva ob sie nicht von ihrer Schwangerschaft und der ersten Zeit danach berichten möchte, denn ihre Jungs kamen sehr früh auf die Welt.

Für Eva war dies kein großes Problem, denn sie ist Kinderkrankenschwester und war dementsprechend entspannt.

Hier könnt ihr lesen, wie es Eva erging:

 

An Weihnachten 2013 entschlossen mein Mann und ich, dass wir eines der Kinderzimmer schnell nach dem Einzug ins neue Haus füllen wollen.
Schon am 8.2. hatte ich einen vagen Verdacht. Und so machte ich einen Test. Aus dem Verdacht wurde eine ziemlich dunkelblaue Linie und Freudentränen.
Nachdem ich meinem Mann von unserem Glück erzählt hatte, machte ich mich zwei Tage später auf zum Frauenarzt. Ein Bluttest bestätigte schnell, dass die blaue Linie kein Fehlalarm war.
Sofort ging ich zu meinem Chef, der mich von meiner Arbeit als Kinderkrankenschwester entband.
Eine Woche später kam mir in einer schlaflosen Nacht die Idee, dass wir in ein paar Monaten zwei kleine Menschchen in unseren Armen halten würden. Ich kann nicht erklären warum, aber es wurde für mich immer realer. Meinem Mann, meiner Mama und ein paar Freunden erzählte ich, dass ich in ein paar Tagen schon das erste Ultraschallbild von DEN BEIDEN zeigen kann.
Da mein Mann am Tag der ersten Untersuchung leider keine Zeit hatte, kam meine Mama mit zum Arzt. Im Wartezimmer sprachen wir noch über Zwillinge. Und auch der Ärztin erzählte ich von meinem Verdacht.
“ Sie bekommen tatsächlich Zwillinge“ war wohl der Satz auf den ich gewartet hatte und mich und meine Mama in Freude ausbrechen ließ.
Jetzt war die Ahnung zur Realität geworden. Oh mein Gott, Zwillinge.
Diese Nachricht löste bei den meisten meiner Verwandten und Freunden Freude und Staunen aus. Andere reagierten mit Sätzen wie: “ Oh Gott, ich würde mich erschießen“.
Aber, anders als vermutet, lösten solche Reaktionen in mir keine Angst aus, sondern einen unbändigen Stolz. Wir werden Eltern von Zwillingen. Und wir werden Zweiflern zeigen, dass unsere Kinder die richtigen Eltern gewählt haben. Denn man bekommt nur so viel auf die Schultern geladen, wie man auch tragen kann!! Wenn unsere Schultern dafür nicht stark genug sind, wessen dann?? Zumindest an die Zeit NACH der Geburt hatte ich diese Erwartung.
Aber vor der Schwangerschaft hatte ich Angst. Was ist, wenn ich schon früh ins Krankenhaus muss?? Ich wochenlang liegen muss um eine Frühgeburt zu vermeiden? Ich nicht eigenhändig Möbel, Kleidung, Kinderwagen aussuchen darf, weil ich ans Bett gefesselt sein werde? Was ist, wenn meine Kinder extreme Frühchen werden, weil mein Körper nicht stark genug ist?
Ich ging von Anfang an davon aus, dass ich es höchstens bis zur 35. Woche schaffen werde. Ich plante nichts, sagte Freunden nie fest zu Geburtstagen, Hochzeiten etc. zu. Es wurden keine Karten für die Freilichtbühne gekauft, wie sonst jedes Jahr. Schließlich möchte ich niemanden enttäuschen.
Aber, mir ging es prächtig. Ich konnte nicht besonders viel essen, morgens war mir mal ein wenig flau und besonders motiviert etwas zu tun war ich auch nicht, aber mir ging es gut. Meine Schwester sorgte dafür, dass ich fleißig Kilometer auf dem Fahrrad mit ihr machte und ich meine Ration an Eis erhielt. Ich nutzte meine freie Zeit um das Leben noch einmal in vollen Zügen zu genießen. Das erste Mal seit langer Zeit, hatte ich keine Rückenschmerzen und ich hatte einen tiefen Schlaf ohne Albträume, die mich sonst oft quälten, wenn ich am nächsten Morgen früh aufstehen musste.

Ich konnte beim Umzug ins Eigenheim noch gut mit anpacken und Einkäufe für die beiden Jungs, wie sich schnell herausstellte, selber mit durchführen. Ja, ich hatte eine tolle Schwangerschaft.
Auch die Ärztin hatte nichts zu meckern. Alles gesund und munter. Und wie erträumt kam ich ohne Komplikationen in der 30. SSW an. Jetzt war alles okay, wenn sie jetzt kommen würden, kann man mit wenig Komplikationen rechnen, dass konnte ich aus Berufswegen zumindest bestätigen.

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Eine Woche bevor die Jungs geholt wurden, absolvierte Eva noch ein Baby-Bump-Shooting. Man kann ihr ansehen, wie entspannt sie ist.
Am 13.08. gingen mein Mann und ich morgens zum Frauenarzt zum CTG. Danach wollten wir in der Stadt frühstücken und es uns nach vielen Tagen auf der Baustelle mal wieder gut gehen zu lassen.
Aber es kam anders. Das CTG war unauffällig aber der Gebärmutterhals war schon deutlich verkürzt und wir mussten ins Krankenhaus. In meinem Kopf kreisten die Gedanken: Jetzt musst Du wochenlang im Bett liegen und brüten. Neun Wochen fades Krankenhausessen, neun Wochen nicht nach Hause und mit fremden Frauen in einem Zimmer. Ich war völlig am Boden und hoffte darauf, dass meine Kinder schnellstmöglich kommen. ( Heute weiß ich nicht, was mich zu solchen Gedanken getrieben hat. Vermutlich die Hormone die einen steinharten Egoisten aus mir machten)
Im Krankenhaus angekommen kam ich sofort ans CTG. Welches plötzlich doch Wehen aufschrieb. Ich spürte diese aber nicht. Auch der Gebärmutterhals wurde erneut untersucht und hatte sich weiter verkürzt.
Ich bekam Tabletten gegen die Wehen, die sich aber stark auf den Blutdruck auswirken. Darüber wurde ich aufgeklärt. Erst im Nachhinein kam uns der Gedanke, dass dies für meine bekannten Herzrhythmusstörungen vielleicht nicht besonders schön sei und erwähnten dies. Kurz darauf fand ich mich gefesselt an Tropf, CTG und EKG wieder. Dazu bekam ich die Spritze für die Lungenreife der Kinder, um ihnen einen möglichen zu frühen Start ins Leben zu erleichtern.
So lag ich Stunden auf dem Kreißbett und harrte der Dinge die da kommen. Es kam nichts. Außer weitere Wehen. Und die Nacht.
Am nächsten Morgen musste ich unausgeschlafen und verheult wieder eine Untersuchung und stundenlanges CTG über mich ergehen lassen, was immer noch Wehen verzeichnete. Also gab es die herkömmliche Tokolyse über einen Tropf.
Ärzte versuchten uns langsam an das Thema Frühgeburt heranzuführen. Ich brauchte nicht herangeführt werden. Ich wollte das alles hinter mir haben. Lieber jetzt als später. Immer wieder kam der Satz:“ Jeder Tag im Mutterleib ist ein gewonnener Tag.“ Ich hasste diesen Satz. Ich wollte nicht mehr. Mir ging es dazu nicht gut. Die Tokolyse sorgte dafür, dass ich am ganzen Körper zitterte und mir kalt war. Und das Liegen machte mich wahnsinnig. (Rückblickend betrachtet würde ich mich freuen, nochmal eine längere Zeit am Stück einfach nur im Bett zu verbringen)
Am nächsten Tag wurden immer noch Wehen aufgezeichnet. Langsam aber sicher wurde mir klar, dass ich wohl keine neun Wochen im Krankenhaus liegen muss. PUH
Im Mittag, mein Mann war kurz nach Hause gefahren und meine Mutter zu Besuch, kam der erlösende Satz: “ Um drei Uhr holen wir Ihre Kinder“
Um Punkt 15 Uhr fand ich mich auf dem OP- Tisch sitzend wieder. Erleichtert quatschte ich mit dem netten Personal während ich die Spinalanästhesie bekam.

Ich war entspannt und freute mich.
Auch als es soweit war, hatte ich keine Sorgen, dass etwas schief gehen würde. Ich hatte das Gefühl sehr gut aufgehoben zu sein und wusste, dass ich meine Kinder in ein paar Wochen munter mit nach Hause nehmen darf.
Nach einigen Minuten wurde uns das erste Baby gezeigt und man hörte kurz darauf einen kleinen heiseren Schrei vom Zweiten. Ich wurde weiter versorgt, während der Kinderarzt noch schnell sagte, dass die beiden sich wacker schlagen.
Im Kreißsaal zurück, kam meine Mama dazu. Mein Mann sollte mit den Jungs nach unten während sie bei mir blieb. Einer der Jungs wurde noch kurz zu mir geschoben um ihn einmal zu berühren. Dass das jetzt wirklich meiner war, realisierte ich erst Tage später, als wir die beiden das erste Mal auf den Wickeltisch, außerhalb des Inkubators hatten. Die Versorgung im Inku und das Känguruen löste bei mir noch nicht das Gefühl des Mutter- seins aus. Ich wurde eher in die Zeit meiner Ausbildung zurück versetzt.

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Kängurun im Bonding-Top um die Bindung von Frühgeborenen und Mutter zu stärken und Unterstützen.

Mutter wurde ich erst beim ersten Bad und anschließendem Ankleiden. Ab dem Moment waren es zwei richtige Babys- MEINE BABYS.
Fünf Wochen später durften wir sie mit nach Hause nehmen. Heute sind sie entwickelt wie andere Einjährige und machen unseren Alltag bunt und aufregend…

11997827_913474972075528_1828000541_n Heute mit einem Jahr sind alle Sorgen vergessen, die Jungs sind super drauf und zeigen keine Einschränkungen im vergleich zu Reif geborenen Kindern.

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