Das große Kotzen

oder auch: Schwanger und Krank

Hier in diesem Beitrag geht es um die Krankheit Hyperemesis Gravidarum, im Link Schwanger und Krank erfahrt ihr was das ist und im Verlauf könnt ihr lesen wie es mir damit ging. Aus Gründen des Anstandes werde ich nicht alle schlimmen Details veröffentlichen, sondern aus Rücksicht auf andere Schwangere nur einen kurzen Bericht abgeben.

Hier seht ihr wie ich mich im laufe meiner Schwangerschaft veränderte:

Vor der SS


Das war ich ungefähr 6 Monate vor meiner Schwangerschaft

8 ssw erstes mal im krankenhaus, kurz vor der künstlichen ernährung

8 ssw erstes mal im krankenhaus, kurz vor der künstlichen ernährung

 

jeden zweiten tag gabs infusionen

20 ssw zugenommen bis dahin 1,5 kg

30 ssw schon voll mit wasser, wegen kreislauf und wehen im krankenhaus

30 ssw schon voll mit wasser, wegen kreislaufproblemen und wehen im krankenhaus

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die Einlagerungen waren so schlimm, dass mein Katzenbaby Pfotenabdrücke auf meinen Beinen hinterlies wenn sie über diese hinweg lief

36 ssw, der körperliche verfall ist nicht mehr zu übersehen, ich habe ca 36 liter waser eingelagert

36 ssw, der körperliche verfall ist nicht mehr zu übersehen, ich habe ca 36 liter waser eingelagert, 5 Tage nach diesem Foto sollte eingeleitet werden

Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich wirklich ausführlich über meine Schwangerschaft berichten sollte, nach dem ich schon für Zwillinge: Einer schreit immer    über meiner Schwangerschaft geschrieben habe. ( was ich schrieb könnt ihr hier lesen). Da ich aber plane einen Geburtsbericht zu schreiben, muss ich vorab ein bisschen weiter ausholen.

Schon öfter deutete ich an, das meine Schwangerschaft kein inneres Blumen pflücken war.

Im Janura 2014 ging es los, schon bevor ich wusste das ich schwanger bin plagte mich die Übelkeit. Ich dachte mir nichts dabei, viele meiner Kollegen waren krank, vllt hatte es mich auch erwischt. Nach dem jedoch meine Periode ausblieb und ich darauf hin einen Test machts, war dieser sofort positiv. Die Übelkeit nahm stetig zu, doch das störte mich nicht so sehr, denn als Krankenschwester wusste ich, ein bisschen Übelkeit und Übergeben gehört bei den meisten dazu.

Die Übelkeit nahm immer weiter und stetig zu, nach 3 Tagen musste ich mich das erste mal übergeben. Die Auswahl an verträglichen Nahrungsmitteln reduzierte sich stündlich, und mit jedem bisschen das ich nicht mehr essen konnte musste ich mich öfter übergeben. Nach weiteren 2 Tagen konnte ich gar nichts mehr esse, übergab mich bis zu 40 mal am Tag. Ich ging zu meinem Arzt und erhielt nutzlose Tips, wirksame Medikamente wollte er mir nicht geben. 2 Weitere Tage später, saß ich wieder in der Praxis und erhielt Infusionen, damit ich das Wochenende überstehen konnte.

An diesem Wochenende, genau genommen am Samstagabend, übergab ich mich so heftig, das ich dachte ich müsste sterben. Und dann sah ich es: Blut! Friches Blut! Ich versuchte Ruhe zu bewahren und die Fassung nicht zu verlieren. Ich telefonierte mit meiner Mutter und wir vereinbarten, das ich am Sonntag ins Krankenhaus fahren würde, wenn die Blutungen anhielten. Dies war der Fall, und der Twinpapa brachte mich in die Klinik. Man machte einen Ultraschall und schickte mich wieder heim.

Am Montag sollte ich mich zur Kontrolle bei meinem Gynäkologen einfinden. Es war alles in Ordnung, Medikamente bekam ich erneut nicht, nur eine Vitamin Infusion. Auf dem Heimweg besorgte ich mir dann ein verträgliches, frei verkäufliches, Antiemetikum in der Apotheke. Zu Hause dann: wieder Blutungen, wieder das große Kotzen. Also wartete ich darauf, das der Twinpapa von der Arbeit zu mir kam und mich ins Krankenhaus brachte. Wie in Trance packte ich meine Tasche, ich spürte, dass sie mich diesmal nicht gehen lassen würden. 2 mal Blutungen innerhalb von 3 Tagen, seit nahezu einer Woche nix mehr gegessen, fast nichts mehr getrunken.

Bei 7+1 wurde ich also stationär aufgenommen, bekam zunächst ein gängiges Mittel gegen HG, doch dies half mir leider nicht. Nach 3 Tagen Krankenhaus brach ich kotzend auf der Toilette zusammen. Man gab mir ein anderes Medikament, und die Beschwerden ebbten ab, doch ganz verschwanden sie nicht.

Die Übelkeit blieb, doch das Erbrechen hatte ich auf ein erträgliches Maß von 2-5 mal am Tag eingependelt. Mein Gewicht fiel immer weiter, ab dem Punkt, wo ich minus 13 kg hatte, wurde ich vor die Wahl gestellt: Essen oder künstliche Ernährung. Da ich großes Heimweh litt, zwang ich mich zum essen. Als ich 500 gr zugenommen hatte durfte ich nach 18 Tagen endlich nach Hause.

Mein Gynäkologe wollte mir das Medikament nicht verordnen, so versuchte ich es mit anderen Mitteln. Nach 5 Tagen hatte ich die mühsam erarbeiteten 500 gr wieder ausgekotzt. Ich bettelte so sehr ich konnte. Und Gott sei Dank hatte mein Gyn ein einsehen. Er ließ mich unterschreiben, das ich das Medikament auf eigene Verantwortung nähme und stellte ein Rezept aus.

Wenige Wochen später landete ich erneut im Krankenhaus. Mein Kreislauf machte schlapp. Man gab mir Infusionen und Medikamente und entließ mich nach 3 Tagen wieder.

Die Tage gingen dahin, ich vegetierte auf dem Sofa vor mich hin, mittlerweile allein da die Beziehung zum Twinpapa zerbrach, und versuchte zu überleben.

Um die 25/26 SSW gab es eine Phase in der es mir besser ging, doch mittlerweile wusste ich von anderen betroffenen Frauen, dass diese Zeit nicht lange andauern würde. Ich fuhr in dieser Zeit nach Hamburg, zum letzten Konzert vor den Baby.

Und danach wurde es erst richtig schlimm. Mein Kreislauf versagte immer öfter und immer stärker. Das Wetter im Hochsommer schaffte mich zusätzlich.

Die Übelkeit wurde wieder stärker, und mit der Übelkeit kam das Wasser. 36!!!! Liter Wasser. Ich hatte einen so starken Eiweißmangel, das mein Körper Hungerödeme entwickelte ( ihr kennt alle die Bilder mangelernährter Kinder aus Entwicklungsländern mit ihren Wassereinlagerungen) Ich konnte überhaupt nicht mehr essen, denn neben der immer noch präsenten und alles verschlingenden Übelkeit lag Männerbaby wahlweise mit Kopf oder Po unter meinen Rippen auf meinem Magen. Jede Bewegung wurde zur Qual, auch weil ich einen Beckenschiefstand hatte, der regelmäßig von einer Hebamme behandelt wurde.

Ich kämpfte mich durch, und überlebte auch wenn ich ganz oft dachte, dass es besser sei Tod zu sein, zu sterben um endlich erlöst zu werden. Wenn ich in den ersten Wochen die Kraft gehabt hätte, so wäre ich aus dem Fenster gesprungen so unerträglich war dieser Zustand. Und er hängt mir immer noch nach. Mein Körper hat seine Leistungsfähigkeit verloren. Nicht nur durch die Schwangerschaft, auch durch die Entbindung. Ich habe panische Angst vor dem Erbrechen. Ich ekel mich bis heute vor bestimmten Lebensmitteln.

ich wurde betrogen, um meine Schwangerschaft, um die Zeit der guten Hoffnung. Ich beneide Frauen um ihre tollen, unkomplizierten Schwangerschaften.

Heute vor einem Jahr stand ich im Kreißsaal. Tränen überströmt, Schweiß gebadet, mit Schmerzverzerrtem Gesicht und bettelte die Ärzte an, meinem Leiden endlich ein Ende zu bereiten. Sie untersuchten mich und Gaben mir einen Termin zur Einleitung. 5 Tage sollte mein Leiden noch dauern und egal was kommen würde, danach wäre es vorbei. Ich freute mich so sehr, doch es kam alles anders…

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3 Gedanken zu “Das große Kotzen

  1. Pingback: Wie ich Muttertier wurde… Teil 2 | Keins bestellt, 2 bekommen

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