Blogger für Flüchtlinge

Ich gebe zu, ich bekomme wenig mit von dem was in Deutschland und der Welt passiert. Meine Zeit geht fast vollständig für die Zwillinge drauf, für den Haushalt und Freunde.

Doch manches kommt auch bei mir an, in dem kleinen Dorf in Ostfriesland in dem ich lebe.

Die Lage in Deutschland ist beschämend. Wirklich beschämend. Und eigentlich ist die Lage der Welt beschämend.

 

Ein Grund warum ich keine Kinder wollte, ist die Art und Weise wie ich die Welt sehe: die Welt ist schlecht. Es herrschen Krieg, Hunger, Leid und Elend. Wir sind dem nahe zu hilflos ausgeliefert. Ich wollte nicht das meine Kinder in so einer Welt groß werden müssen und ich erklären muss warum die Lage so ist wie sie ist. Doch jetzt sind sie da, und irgendwann werde ich erklären müssen. Was ist Krieg und warum gibt es ihn? Warum gibt es Menschen die Flüchten und warum wird es ihnen so schwer gemacht? Das sind Fragen vor denen ich Angst habe.

In den letzten Wochen und Monaten zeigte sich das wahre Gesicht vieler ( oder nur einiger wenigen) in unserem Land lebenden Menschen.

Als Conchita Wurst den ESC gewann schwappte eine Woge der Homophobie durch Europa. Kurz danach kam Pegida und unter dem Schutz der Meinungsfreiheit und dem Versammlungsrecht fanden sich jene zusammen, die Angst haben, Angst vor dem was fremd ist, sie folgten einer lauten und charismatischen Stimme ( die Geschichte Deutschlands sollte eigentlich zeigen das das meist keine gute Idee ist) . Dann kamen die Flüchtlinge und eine neue Welle des Hasses brach los. Hass gegen die ärmsten der Armen. Die Argumente sind so haarsträubend das ich darauf nicht eingehen möchte, zu sehr schäme ich mich für meine Mitmenschen. Getrieben von Sorge und Angst lassen sich viele im Sog der braunen Brühe mitreißen und wettern gegen Flüchtlinge, sie blockieren die Wege zu den Notunterkünften, sie brennen Heime nieder und brüllen Fahnen schwingend rechte Parolen und es werden immer mehr.

Die Medien versuchen ein Bild zu zeichnen von denen die fliehen, sie versuchen ihnen ein Gesicht zu geben doch sie geben auch dem Fakeln und Fahnen schwingenden Mob eine Bühne und geben ihnen neues Futter wenn sie über die schlimme Lage in den Camps berichten. Die Medien zeichnen auch ein Bild politischen Versagens, vor allem in Ballungsgebieten. Die Versorgung der Flüchtlinge wird fast ausschließlich von freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern und privaten Spenden getragen. Und diese Menschen sind vor allem psychisch am Ende des erträglichen angelangt.

In der Stadt in der ich bis vor einiegn Wochen lebte engagierte sich eine junge Frau aufopfernd für die Flüchtlinge in der Stadt, sie begleitete sogar eine Frau bis in den Kreißsaal und gewährte ihr und ihrem Neugeborenen unterschlupf in der eigenen Wohnung da die Unterbringung arg verschimmelt ist. Doch die Stadt verbot ihr dies und schickte eine Wöchnerin und ihr erst wenige Tage altes Baby zurück in die Unterkunft. Auch andere Hilfen seitens der jungen Frau und vielen Helfern wurden unterbunden. Gern wäre ich mit einer Freundin in die Unterkunft gefahren und hätte den Müttern mit Babys Unterstützung angeboten beim Stillen und Tragen ihrer Kinder, wir hatten sogar Tragetücher organisiert, welche wir hätten spenden können, doch dazu kam es nicht. Es wurde uns verboten.

Die Lage wird immer bedrohlicher. Den vorläufigen Höhepunkt fand das innerdeutsche Drama um die Flüchtlinge an diesem Wochenende in Heidenau bei Dresden. Der Mob pöpelt, und es passiert nichts. Keiner äußert sich während auf diversen Facebook-Seiten zur dritten Krawallnacht aufgerufen wird. Man will die Flüchtlingsunterkunft, einen alten, leer stehenden Baumarkt, stürmen.

Während ich meine Kinder schlafen legte, stellte ich mir die Frage wie das ganze auf die Flüchtlinge wirken mag. Auf Menschen die große Gefahren eingegangen sind, vor Verfolgung, Gewalt und Not zu fliehen, dabei ihr Leben riskierten und das ganze Geld ihrer Familie für die Flucht ausgaben und viele ihrer Lieben zurück lassen mussten. Jetzt kommen sie an, in der Hoffnung auf ein besseres friedlicheres Leben und das erste was sie erleben? Besoffene Nazis, Gewalt und Verfolgung. Auch hier sind sie nicht sicher, die Ressourcen sie alle zu schützen gibt es nicht. Das macht mich traurig.

Wir sind alle Bürger dieser Welt, wir gehen unter der selben Sonne, schlafen unter den selben Sternen, atmen die selbe Luft und doch trennt uns der Hass, die Angst und die Gewalt. Wir sind keine einzelnen Rassen die besser oder schlechter sind als andere. Wir sind alle Menschen!

Der Grund für diese wirren Gedanken in Schrifftform ist folgender:

Wir, die Menschen dieses Landes, wir Blogger, wollen ein Zeichen setzen gegen den Hass, die Gewalt und den braunen Sumpf. Ihr seid viele aber wir sind mehr.

Jeder kann etwas tun um die Lageder Flüchtlinge in Deutschland zu verbessern. Ihr könnt helfen oder spenden und wenn ihr das nicht wollt oder könnt: empfangt diese armen Seelen mit einem Lächeln und vermittelt ihnen das Gefühl willkommen zu sein. Schreibt ihnen Briefe oder Postkarten oder was auch immer, zeigt ihnen das sie Wertschätzung erfahren können und nicht nur Hass. Schreibt darüber, seid laut und schreit lauter als der Mob : Refugees Welcome!

 

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