Von einem kleinen Mann der sich auf machte Menschen zu verbinden

kleiner mann

“ Ich erzähle dies vor allem, um ihn nicht zu vergessen. Denn es ist traurig, einen Freund zu vergessen. “

 

„Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können! Und wenn Du Dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein! Du wirst Lust haben mit mir zu lachen und Du wirst manchmal Dein Fenster öffnen.“

( Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry 1900–1944)

 

 

Es gibt Themen, über die möchte man nicht schreiben und doch ist das Bedürfnis sie in Worte zu fassen, sie greifbar zu machen groß, denn der Schmerz im Herzen wiegt so schwer. Heute schreibe ich genau über dieses Thema.Ich schreibe über einen kleinen Jungen, der kaum auf der Welt, diese schon wieder verlassen musste. Ich schreibe über ein Kind, das ich nie kennen lernte, noch sah. Doch er und seine Familie berührten mich tief, und nicht nur mich sondern viele 100 andere.

Jene die mich persönlich kennen, wissen das ich Facebook liebe, vor allem Facebook-Gruppen. Vor ziemlich genau einem Monat wurde ich auf einen „Hilfe Ruf“ in einer Gruppe aufmerksam. Eine Mama berichtet davon, dass sie mit ihrem Sohn im Krankenhaus sei, sie wünschte sich ein bisschen Mitleid angesichts der Situation, Mama und Kind stehen unter Quarantäne, es bestand der Verdacht einer schweren Magen-Darm-Infektion. Sie berichtete über die schier unerträglichen Umstände und die organisatorischen Missstände. Sie bekam viel Zuspruch und aufmunternde Worte, es wurden Fragen gestellt. Mami berichtete regelmäßig über den Zustand des kleinen Mannes, über die Untersuchungen, viele nahmen Anteil. Nach 2 Tagen die brutale, grausame Diagnose, das Monster das den kleinen Mann so quälte war ein Hirntumor. Die Betroffenheit war groß, diese Nachricht war einfach zu nieder schmetternd. Mami teilte jeden Schritt mit uns, sie berichtete über den Zustand des kleinen Mannes, teilte uns mit wann er in welcher Form operiert werden würde.  Vor der Operation des kleinen Mannes sagte Mama einen Satz der mich so unendlich berührte, der ihre unglaubliche stärke angesichts der Situation zeigte… Sie schrieb“Es zerreißt mich, aber er muss nicht um jeden Preis bleiben. Wenn er nicht mehr kann, dann darf er gehen. Ich bin so unendlich traurig

Ihr einziger Wunsch war, das wir eine Kerze anzünden sollen für den kleinen Mann. Sie wünschte sich keine Hilfe oder Unterstützung. Nur Kerzen. Und es folgten Fotos von Kerzen und ihnen sollten noch so viele folgen. Und den Kerzen folgte eine Idee. C. machte den Vorschlag eine Gruppe zur Unterstützung zu gründen, diese Idee wurde auch umgehend umgesetzt. L. und ich wurden Admins um C unter die Arme zu greifen.

Diese Gruppe voller unbekannter Menschen wurde verbunden durch den kleinen Mann und seine starke Mutter. Mama hielt uns weiterhin so gut es ging auf dem laufenden, sie berichtete täglich über Veränderungen, zeigte uns Fotos des kleinen Mannes, ihres Hochzeits-Essens in der Klinik.

Es wurden unglaublich viele Hilfangebote gemacht, man bot der Familie Geld an, Mahlzeiten für die Klinik, einige Mütter wollten krankenhaustauglich Kleidung für den kleinen Mann nähen, andere wollten Spielzeug geben. Doch Mama wünschte sich Bilder, Briefe und der gleichen, eine kleine Form der Anteilnahme. Sie war so unglaublich stark. Es wurden Bilder gemalt, Karten gebastelt und Briefe geschrieben. Eine Mutter aus der Nähe des Krankenhauses überbrachte die gesammelten Briefe gemeinsam mit ihrem wunderbaren Kind. Der Zusammenhalt war so unglaublich groß und ist auch jetzt noch ungebrochen.

Nach dem sich der Zustand mal besserte, mal verschlechterte und nach vielen Operationen, vielen Gebeten, einem Hoffen und Bangen vieler 100 Menschen hat der kleine Mann uns verlassen. In der Nacht der Sternschnuppen wurde er davon getragen. Er hinterlässt die stärksten Menschen die ich kennenlernen durfte. Seine Mama und seinen Vater. Mit dieser Nachricht brach eine Welle der Trauer und Tränen los, nicht nur bei der Familie des kleinen Mannes, auch bei uns, die diesen Weg virtuel mit ihm und seiner Familie gegangen sind, die teilweise ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben machen mussten. Die Welle der Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Es werden spenden gesammelt für eine würdevolle Beisetzung, Spenden für andere Betroffene.

Warum ich das hier schreibe, die Geschichte von völlig fremden?

Der kleine Mann hat mich tief berührt. Und nicht nur mich auch ganz viele andere spüren eine tiefe Verbundenheit. Dieses Kind war etwas ganz besonderes, er führte Menschen zusammen. Er hat eine Verbindung geschaffen.

Ich bin nicht besonders gläubig oder sehr esoterisch, doch ich glaube das der kleine Mann eine Mission zu erfüllen hatte. Er sollte uns verbinden, uns lehren und führen. Und das hat er getan.

Er lehrte uns, unsere Kinder mit andern Augen zu sehen, die Zeit mit ihnen anders zu spüren und zu nutzen, er hat uns miteinander und mit unseren Kindern verbunden. Er hat einen Platz in den Herzen vieler Menschen, die ihn und seine Familie nie vergessen werden, die seiner gedenken und dafür sorgen das er uns nie verlässt.

In der Nacht, in der der kleine Mann mit den Sternen ging spürte ich das etwas nicht stimmt, auch meine Kinder haben dies gespürt. Und auch andere berichten darüber das sie spürten das er gehen würde. Ich bin mir sicher der kleine Mann war hier, die Zwillinge schauen oft nach oben, sie sehen etwas, dann brabbeln sie und lachen. Es ist ein warmes wohliges Gefühl das ich verspüre wenn sie das tun. Es mag Einbildung sein, wenn dem so ist, ist es eine schöne Einbildung, vielleicht ist es auch einfach so, dass ich meine Kinder anders wahrnehme, doch ich bin mir sicher, es gibt mehr zwischen Himmel und Erde.

Der kleine Mann wird, so berichtet seine Mama, in einem Wald beigesetzt, an einem Baum, er ist noch sehr jung und wird mit dem kleinen Mann wachsen und in sich ruhen.

Danke kleiner Mann, das du bei uns warst.

Danke das du uns verbunden hast.

Danke das du uns die Zeit mit unseren Kindern anders genießen lässt.

Danke das du uns Demut angesichts der Leiden andere und allen voran dem deiner Mama und deines Papas gelehrt hast.

Kleiner Mann, ich sah deine Bilder. Im Leben und auch im Sterben und darüber hinaus. Du strahltest. Deine Augen leuchteten. Du warst so schön und bist es noch. Du wurdest geliebt. Und du hast die stärksten Eltern, die ein krankes Kind sich wünschen kann.

Du hinterlässt eine Lücke, die nie zu füllen sein wird. Und doch wirst du uns nie verlassen.

Danke das ich dich und deine Familie kennen durfte.

stern

Worte können euren Schmerz nicht lindern, keiner kann ermessen wie groß und schwer dieser Verlust wiegt, doch ihr seid nicht allein.

Wir sind bei euch, jeden Tag ein bisschen…

 

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3 Gedanken zu “Von einem kleinen Mann der sich auf machte Menschen zu verbinden

  1. Du hast das so unheimlich schön in Worte gefasst. Der kleine Mann war etwas ganz besonderes. Geschickt um eine Mission zu erfüllen, vielleicht uns an das zu erinnern was wesentlich ist, zu erinnern dass man nicht alleine auf der Welt ist. Ich werde ihn nie vergessen. Nicht seine Geschichte, nicht seine tiefen Augen.

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  2. Das ist soo wunderschön geschrieben- und es ist so traurig. Manche Sachen darf es einfach nicht geben und für Eltern gibt es nichts Schlimmeres. Ich habe das Geschehen auch täglich verfolgt und saß jedes Mal zitternd vor dem PC und hoffte und bangte…
    Du hast die richtigen Worte gefunden und das zweite Bild ist etwas ganz Besonderes!

    Danke für deine Worte!

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  3. Mein aufrichtiges Beileid an die Eltern und Angehörigen. Wir sind uns wirklich manchmal nicht bewusst was wir für ein Glück haben. Ich erlebte auch schon einmal eine Beisetzung eines kleinen Mann der das Licht der Welt nie erblicken dürfte, wir stehen oft an seinem Grab und wir denken an all die Sternchen im Himmel. Ich wünsche besonders den Eltern ganz viel Kraft eine Trauerphase die sie alles ein Stück bewältigen lässt.

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