Hebamme? Nein danke!

Vor einiger Zeit wurde ich auf Twitter auf ein besonderes Thema aufmerksam. Es ging um die Erfahrungen die andere Bloggerinnen mit ihren Hebammen gemacht haben. Ich laß zwei Artikel und tauschte mich mit den Verfasserinnen aus und beschloß euch von meinen Erfahrungen zu berichten ( hier  und hier mit den Berichten von Frühlingskindermama und Reni vom Mamiblog. ) Das es auch anders sein kann beschreibt Rubbelbatz hier.

Eigentlich war ich der Ansicht, dass ich keine Beleghebamme brauche, ich würde einfach eine aus dem Krankenhaus nehmen und mir eine für die Nachsorge vermitteln lassen, schließlich wusste ich ja als Krankenschwester recht gut Bescheid und sah keine große Notwendigkeit darin eine Hebamme zu Wählen. Doch meine Meinung änderte sich im Verlauf meiner Schwangerschaft und im zuge des Austauschs mit anderen Müttern.

In der 17 Schwangerschaftswoche ging ich nach einem Termin bei meinem Gynäkologen einfach in die Hebammenpraxis im gleichen Gebäude. Ich war im Freudentaumel, denn ich hatte ein erstes wages Geschlechts-Outing gehabt. Ein Baby würde definitiv ein Junge werden, bei dem zweiten Bauchbewohner war es nicht sicher erkennbar. Die Hebamme Frau R war auch gleich voll dabei, zückte ihren Kalender, welcher bereits übervoll war und quetschte mich dazwischen. Nebenbei erklärte sie mir das ich Ende August so wie Ende September und die erste Oktober Woche nicht entbinden dürfte, sie sei dann im Urlaub. Und auch erklärte sie mir, dass „Wir“ natürlich spontan entbinden werden und „wir“ selbstverständlich stillen werden und ich die Medikamente gegen die Hyperemesis gegen Akupunktur und Tapes austauschen könnte. Auch wäre es toll einen Teil der Vorsorgeuntersuchungen von ihr machen zu lassen. Boom. Ela mal wieder überrollt und platt.

Ich wusste nicht wie ich mich zur Wehr setzen sollte. Und ließ sie erst einmal machen, es war ja noch Zeit und ich könnte meine Wünsche sammeln und Argumente sammeln.

Meine Hebamme lenkte das Zwillingsmutterschiff durch die Schwangerschaft ohne Rücksicht auf Verluste, wenn sie nicht weiter wusste war ich wehleidig oder meine vegane Ernährung war Schuld, ich bat sie meine Blutwerte zu kontrollieren und teilte ihr mit welche Werte relevant waren, doch diese zeigten wie zu erwarten keine Ursachen für meine Beschwerden.

Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem nichts mehr ging und Frau R. mir endlich zustimmte, dass eine Einleitung und die Beendung meines schon 35 Wochen andauernden Martyriums wohl das beste seien.

Der Zeitpunkt war dann auch genehm, denn Frau R würde dann grade aus dem Urlaub zurück sein.

In der 37 Schwangerschaftswoche sollte eingeleitet werden, bei 36+3, mein Körper wollte sich jedoch nicht daran halten und war der Meinung bei 36+1 Wehen bekommen zu müssen ( schlechter Zeitpunkt).

Ich bekam also in der Nacht von Montag auf Dienstag Wehen, und mit mir noch 3 andere Frauen die von Frau  R begleitet wurden, so lag ich ans CTG gefesselt Stunde um Stunde meist allein im Kreißsaal, bekam eine PDA aufgenötigt, einen Wehentropf und wurde regelmäßig kurz begutachtet und wieder verlassen.

Meine Kraft war weg. Ich wollte das es endlich plopp macht und die Minimenschen ins Leben pressen, doch ich konnte es nicht.

Meine Hebamme sorgte dafür das die kleinen mit der Saugglocke aus meinem Körper gerissen wurden, und nach ihnen die Plazenten. Meine Hebamme versorgte die Babys nicht mit Nährstoffen während ich im Operationssaal lag und fast starb.

Meine Hebamme sprach auch nicht mit mir über die Erlebnisse. Meine Hebamme tat überhaupt nichts für mich. Sie schaute nach den Babys und versuchte weiter mich zu dominieren und meine Handlungen zu beeinflussen, sie beriet mich schlecht. Durch ihre schlechte Beratung gefährdete ich das Leben von Männerbaby.

Diese Frau hat nichts für mich getan. Sie tat alles nur für sich, machte sich im wahrsten Sinne die Taschen mit mir voll… Das Elend der Hebammen? Kein Thema für sie, sie sei nicht betroffen.

Mir tun die Hebammen sehr leid, ihre Situation ist schlecht, wird schlechter, die Krankenkassen löschen sie aus, doch auch die Hebammen löschen sich selber aus. Nicht alle, aber die Exemplare die die anderen Bloggerinnen kennenlernen durften, und meine Frau R und bestimmt noch einige andere sorgen mit ihrem Verhalten dafür, dass sich Frauen beim nächsten Kind gegen eine individuelle Betreuung durch eine Hebamme entscheiden. Diese Hebammen schaden ihrem Berufsstand.

In Deutschland werden die Hebammen aussterben, auf der einen Seite bin ich traurig. Mir tun diese Frauen leid, die ihren Beruf mit Liebe und Freude ausüben, mir tun auch die Frauen leid die unter diesen Umständen gebären müssen und keine schöne Geburt erleben dürfen. Auf der anderen Seite bin ich mir sehr sicher, dass, sollte ich noch einmal ein Baby bekommen, ich auf die Betreuung einer Hebamme verzichten werde. Zu groß ist das Trauma und die Angst erneut so eine Walküre zu wählen. Ich möchte gebären so wie ich es mir wünsche und nicht wie es der Zeitplan einer überlassteten Hebamme zulässt. Ich wünsche mir eine Hausgeburt, alleine. Punkt!

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4 Gedanken zu “Hebamme? Nein danke!

    • Wir sammeln grade Links zu anderen Hebammenerfahrungen, sowohl positiv als auch negativ.
      Es ist so unglaublich traurig wie viele “ wir “ sind.

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  1. Oh Mann, das klingt wirklich fürchterlich, und die Bilder dazu auf Twitter untermauern das noch! Es tut mir total leid für Dich und alle, die solche oder ähnliche Erfahrungen machen mussten (inkl. mich selbst bei meiner ersten Nachsorgehebamme). Sowas sollte niemals passieren!
    Ich finde es wichtig, dass solche Berichte veröffentlicht werden, um zu zeigen, dass nicht alles Hebammen Heilige sind und ihren Job gut machen. ich hab ja auch in den Kommentaren zu meinem Text viele ähnliche Erfahrungen gesammelt. Schade bzw. fahrlässig finde ich, dass es keine Kontrollinstanz für Hebammen gibt, d.h. kein Qualitätsmanagement wie in anderen Berufen. gerade hier wäre das so wichtig!
    Ich umarme Dich und hoffe, Du konntest es durch’s Aufschreiben etwas aufarbeiten.
    Liebe Grüße!

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  2. Pingback: Wie ich Muttertier wurde… Teil 2 | Keins bestellt, 2 bekommen

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