Vom dauernd arbeitenden Partygirl zum doppelten Muttertier

2013 war ein scheiß Jahr.

Ich trennte mich von meiner ersten großen Liebe nach fast 7 Jahren, verließ ihn für einen anderen.

Das Glück auf Wolke 7 hielt genau 5 Monate an.

5 Monate voller Streit, verbaler Gewalt und der Erkenntnis, den falschen Mann gewählt zu haben. Er betrog mich,  nutze mich aus und als ich Stop sagte packte er sein Zeug (und einiges von meinem )und verschwand so schnell wie er in mein Leben trat.

Innerhalb von 6 Monaten stand ich ein zweites Mal vor den Trümmern meines Lebens.

ich beschloss mich wieder mehr um mich zu kümmern,  begann ein berufsbegleitendes Studium. Ich lebte wie es mir gefiel,  feierte, reiste quer durch Deutschland,  besuchte Freunde und Konzerte.

Es muss November gewesen sein, als ich Twinpapa kennen lernte.

Er habe einen Sohn, sagte er mir. Ich bekam Zweifel.  Kinder waren in meinem Leben nicht vorgesehen. M lullte mich ein, und ehe ich mich versah, lernte ich P kennen. Mittlerweile wohnte M schob mehr oder weniger bei mir und auch P verbrachte seine Papatime zu 98 % bei mir.

Ich vermied eine Definition der Art unseres Verhältnisses, doch irgendwann wurde ich überrollt von M und so wurden wir zu Silvester offiziell ein Paar.

Mein Leben änderte sich abermals sehr drastisch,  plötzlich gab es da einen Mann und einen 12j ährigen Jungen. Ich wurde in die Mutter Rolle gedrückt, eine Rolle mit der ich mich nicht wohlfühlen wollte.

Die Geschwindigkeit war enorm. Zusammen wohnen, Zukunft planen alles innerhalb weniger Wochen.

Und dann wurde ich Schwanger!  Ungeplant, ungewollt.

Ich war doch nicht einmal sicher ob M wirklich der richtige für mich war. Wir kannten uns doch erst wenige Wochen,  kaum mehr als 3 Monate um genau zu sein.

Dann, in mitten meiner persönlichen Tragödie,  teilte man mir mit das ich Zwillinge erwarten würde.

Meine Welt war ein Trümmerhaufen.

Schwangerschaft, Zwillinge,  dazu schwerste Hyperemesis Gravidarum, Beschäftigungsverbot. Nix würde mehr sein wie es einmal war.

Während der vielen Wochen um Krankenhaus zeichnete sich bereits ab, das es Probleme zwischen M und mir geben wird.

Meine Erwartungen an einen werdendem Vater waren andere als das was M zu leisten bereit war. Vielleicht konnte er nicht mehr leisten.

Es kam immer öfter zum Streit und im April 2014 schließlich zur endgültigen Trennung.

Aufgrund meiner schlechten Verfassung konnte ich kaum das Haus verlassen und so beschäftigte ich mich mit der Aufgabe Mutter zu sein. Ich begann meine alten Ansichten zu überdenken und eigene Ideen von einer Mutter zu entwickeln.

Ich gründete eine Gruppe für Mütter mit ähnlichen Interessen auf Facebook, informierte mich umfassend, lernte und bildete mich weiter.

Meine Bauchbewohner entwickelten sich prächtig und ich sehnte die Geburt herbei. Ich hoffte auf eine Entschädigung für die schrecklichen Qualen meiner Schwangerschaft. Doch leider sollte die Geburt meiner Kinder nicht weniger traumatisch werden wie die Schwangerschaft.

Meine Stimmung kippte immer mehr und ich verließ meine Mommie-Gruppe.

Ich konnte all sie glücklich schwangeren mit ihren perfekten Geburten nicht mehr ertragen.

Mein Verhalten in den Wochen danach wurde immer diffuser bis schließlich der lange überfällig gewesene Zusammenbruch kam. Und damit so langsam die Normalität und versuche der Annahme und Akzeptanz meiner Situation.

Bin ich glücklich?

Ja!

Würde ich rückwirkend andere Entscheidungen treffen?

definitiv!

Bereue ich meinen Weg?

Teilweise.

Doch ich lerne jeden Tag mehr meine Situation anzunehmen und entwickele Pläne für meine Zukunft.

Ich bin umgezogen. Ich lebe wieder in der Nähe meiner Eltern. Versuche neue Freundschaften zu schließen und alte wieder aufzufrischen.

Viele meiner vermeintlichen Freunde habe ich verloren. Zum Teil weil meine veränderte Lebenssituation nicht in das Weltbild und das Bild das sie von mir hatten passten, zum Teil auch weil ich mich verändert habe. Ich betrachte die Dinge heute anders, bin kritischer und lebe nicht mehr in den Tag hinein. Ich treffe meine Entscheidungen allein ohne vorher ewige Telefonate zu führen und die Themen unendlich lange auf Facebook oder via Whatsapp durch zu hecheln. Dafür habe ich schlicht keine Zeit mehr und keinen Nerv.

Doch die Mutterschaft bescherrte mir neue Kontakte. Einen dieser Kontakte schätze ich jetzt schon sehr, obwohl ich sie erst recht kurz kenne.

Der Zufall führte Tanja, Bloggerin bei Ostfriesenmutti, und mich zusammen. Meine Mutter machte mich auf ihren Blog und ihren Burzzi-Dance Kurs aufmerksam. So kamen wir ins Gespräch und stellten fest, dass wir in vielen Dingen ähnliche Ansichten vertreten. Es tut gut sich auf Augenhöhe auszutauschen und dabei nicht nur das Thema Kinder oder nur das Thema „privates“ Drama und Männer zu haben.

Früher bin ich viel unterwegs gewesen, reiste kreuz und quer durch Deutschland, besuchte Freunde und Konzerte, trank und feierte das Leben und mich. Immer nur heute nie einen Gedanken an morgen verschwenden.

Ich dachte mit Kids müsste sich kaum was ändern, abgesehen vom Alkohol. Doch ich täuschte mich. Sowohl die Schwangerschaft als auch die erste Zeit mit den Twins belehrten mich eines besseren. Der Wandel ist vollzogen: Goodbye Party, Hello Babys.

Ich bin ein Muttertier. Und meistens bin ichs gern. Und irgendwann kann ich beides sein: Partygirl und Muttertier. Doch nicht so lange meine Kinder ( wie unglaublich lange es dauerte das ich dies von mir gegeben konnte) so klein und bedürftig sind, kann das warten. Die Angst etwas zu verpassen schrumpft jeden Tag, ich verpasse nix wichtiges, denn ich sehe tgl Dinge die ich auf keinen Fall verpassen wollen würde:

Das erste Wort, das erste krabbeln, wie die kleinen Menschlein voreinander sitzen und sich unterhalten, wie sie die Welt entdecken und alles in sich aufsaugen wie kleine Schwämme und immer wieder ihre unschuldigen, entspannten Gesichter wenn sie in meinen Armen einschlafen. Da kann kein Konzert und keine Party mithalten.

 

 

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