Das Bedürfnis nach Regelmäßigkeit

Meine Mini – Menschen sind die letzten Abende immer mehr zu kleinen Schreihälsen mutiert. Sie schrien wirklich aus leibeskräften, als hätten sie starke Schmerzen und Todesangst.

Zunächst konnte ich mir nicht erklären warum sie plötzlich wieder zu kleinen Brüllkäfern mutierten, doch heute endlich die Erkenntnis : ich hatte in das abendliche essen/ baden/ schlafen Ritual eingegriffen. Ich hatte etwas verändert,  das mir nicht so gravierend erschien,  doch die kleinen reagierten ganz heftig auf diese, für mich, kleine Veränderung

Mädchenbaby wird mobil, sie zieht sich in den Stand hoch, das tut sie auch im Badezimmer um dann voller Enthusiasmus mit den Händen im Badewasser zu plantschen ( die Minimenschen werden in einer Wanne in der Dusche sitzend gebadet). Als sie dies das erste mal machte,  war sie grade frisch gebadet und gekleidet, während ich Männerbaby versorgte,  enterte sie die Badewanne und war am ende von oben bis unten nass. Das erneute ausziehen, abtrocknen und anziehen hat ihr überhaupt nicht gefallen im Gegensatz zum spielen mit dem Wasser.

Da ich ihr dieses Spiel nicht nehmen wollte, ihr den Spaß lassen wollte entschied ich mich dafür, die abendliche Reihenfolge beim baden zu verändern ohne das ich immer von vorn anfangen müsste.

So begann ich am Folgeabend zuerst das Männerbaby zu baden und sie so lange in Windeln wuseln zu lassen bis er fertig versorgt ist. In der Theorie ein hervorragender Plan. Die Praxis sah anders aus.

Als Männerbaby fertig war und sich frei im Bad bewegte, während ich das Mädchenbaby badete, fing er, scheinbar, grundlos an zu schreien. Auch Mädchenbaby schrie ziemlich bald darauf. Ich beeilte mich, Mädchenbaby zu ende zu versorgen und nahm beide mit ins Schlafzimmer um sie in den Schlaf zu stillen, wie jeden Abend. Doch ließen sie sich kaum beruhigen, weder gut zureden noch stillen oder tragen halfen ihnen, sich zu beruhigen. Ich war gezwungen ihr leid mit ihnen auszusitzen. Das ganze dauerte unendliche 30 Minuten,  bis sie sich wieder fingen. Sie stillen kurz und danach waren sie voll auf spielen und Unfug machen aus.

Am folgenden Abend das gleiche Spiel bei gleichem Ablauf. Ich begann zu überlegenwas das Problem sein könnte und erkannte heute erst,  4 Tage später also, das sie auf meine kleine Veränderung reagierten.

Der Mensch, so sagt man, ist ein Gewohnheitstier. Wir mögen Rituale und vorhersehbares. Wir scheuen oft vor dem ungewohnten und unbekannten zurück.

Dinge und Abläufe die wir kennen vermitteln uns Sicherheit. Sie geben uns einen Rahmen in dem wir uns frei bewegen können ohne das wir ein großes Risiko eingehen.

Jeder kennt dieses mulmige Gefühl wenn wir in einer eigentlich bekannten Situation sind und dann ganz unverhofft etwas anders ist, als erwartet.

Was war also passiert? Ich hatte denMinimenschen ihren gewohnten Rahmen zerstört in dem ich nur eine Kleinigkeit änderte. Ich handelte entgegen ihrer Erwartungen und verunsicherte sie dadurch.

Sie schrien tatsächlich aus Angst. Angst vor dem was passieren würde. Dies zu erkennen gab mir einen Stich ins Herz. Ich hatte ohne nach zu denken das Bedürfnis nach Regelmäßigkeit,  nach Sicherheit mit Füßen getreten, da es für mich keinen großen Unterschied machte, wen ich zuerst baden würde, ich suchte eine leichte Lösung für ein nicht wirklich vorhandenes Problem. Ich wollte es für mich bequemer machen. Letztlich habe ich wohl wissend um die Wichtigkeit von Ritualen ohne mit der Wimper zu zucken den sicheren Rahmen empfindlich gestört.

Das erste was wir als Ratschlag erhalten, wenn wir das erste mal Eltern werden ist dieser: schafft euch Rituale!  Sie erleichtern euch den Tag, da die kleinen so wissen, was erwartet wird.

Am Anfang habe ich nicht wirklich versucht Rituale einzuführen,  da ich annahm das diese eher meinen Bedürfnissen entsprächen,  denn denen der Zwillinge. Ich wollte mich doch von ihren Bedürfnissen leiten lassen und ihnen nicht meine aufdrücken. Nach dem wir dann erstmal so richtig im Chaos versunken sind und ich  Rande des Wahnsinns wandelte, begann ich kleine Rituale einzuführen. Und siehe da: die wirklich 24 Std am Tag schreienden Babys schrien immer weniger. Ich hatte in der Besessenheit ihren Bedürfnissen zu folgen eins ihrer wichtigsten Bedürfnisse ignoriert, nämlich das Bedürfnis nach Struktur und Sicherheit. Im laufe der Monate veränderten sich die Rituale immer ein wenig, sie passten sich automatisch an den sich wechselnden Bedürfnissen an ohne das man groß eingreifen muss und das ist toll! Es heißt das es ungefähr 14 Tage braucht um das Einschlaf- Ritual zu verändern, doch mir ist es das nicht wert. Ich werde schon eine Lösung finden mit der wir alle glücklich sein können.  Vllt habt ihr ja einen kleinen Tipp für uns?

habt nen feinen abend!

Bis bald ela

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