Warum wir einiges anders machen als unsere Eltern und Großeltern…

Eigentlich wollte ich was wahnsinnig spannendes zum Thema zahnen verfassen. Doch am Wochenende kam mir die Idee für dieses Geschreibsel.

Welch besseren Anlass kann es geben seine 200 km weit entfernten Eltern zu besuchen, als zahnende, schubende und verschnupfte Zwillinge? Es gibt kaum einen. Kurz um: ich war mit den Nerven reichlich am Ende, müde und dezent genervt. Kurz entschloßen informierte ich meine Eltern ( eine Woche Vorlauf sollten genügen um sich auf die Zwillinge und mich einzurichten) packte unser Zeug und schwang mich hinters Steuer meines schon leicht betagten Autos.

Vor Ort kamen eigentlich immer wieder die gleichen Konfliktpunkte von meinen Eltern und meiner Großmutter.

Ihr kennt sie sicher alle:

-du verwöhnst die kleinen

-sie sollten nicht mit dir in einem Bett schlafen

-du solltest anfangen mit der Beikost

-sie werden nicht satt durchs stillen

-das bisschen schreien schadet nicht

(- die vegane Ernährung ist nicht gut für euch, der Haarausfall und die rheumatischen Beschwerden sind bestimmt Mängel)

– usw usw ich denke jedem Fällt noch was ein um diese Liste zu ergänzen.

Meistens gehe ich der Diskussion aus dem Weg, je nach dem von wem die Aussagen kommen mit einem müden lächeln oder auch mit der Aussage: meine Kinder meine Entscheidung. Oft habe ich das Gefühl, das Welten aufeinander treffen und es auf beiden Seiten an Verständnis mangelt.

Ich begann mich also zu Fragen warum?

Wir schieben nicht, wir tragen.

Wir stillen (langzeit) statt die kleinen mit der Flasche zu füttern.

Wir teilen uns zumindest das Zimmer wenn nicht gar das Bett, statt die kleinen in ihrem eigenen Zimmer zur Nacht schlafen zu legen.

Wir stillen nach Bedarf nicht nach Zeitplan.

Wir kritisieren Ärzte statt einfach zu folgen.

Wir geben keinen Brei wir machen Baby led weaning, wenn der Nachwuchs so weit ist und nicht weil er ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Wir lassen unseren Nachwuchs nicht schreien, sondern kümmern uns bereits „frühzeitig“ um seine Bedürfnisse

Für unsere Eltern und Großeltern ist das alles neumodischer Kram, der unnötig ist, doch eigentlich besinnen wir uns nur auf das was immer war.

Wir lassen die Geschichte aus. Gemeint ist die Zeit in der „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ bzw “ Die Mutter und ihr erstes Kind“ der Standart waren. Dieses Werk von Johanna Haarer ist eng verbunden mit der Ideologie der NS-Zeit, es lehnt alles ab was wir instintiv tun wollen, wenn ein Baby schreit oder mit uns in Kontakt tritt.

Unsere Eltern und Großeltern sind von diesem Werk geprägt, bewusst oder unbewusst. Mehr oder weniger intensiv, doch dieses Denken ist in den Köpfen gefestigt. Die Angst davor das Kind zu verwöhnen groß, schließlich wird seit über 80 Jahren übermittelt das das genau falsch sei. Hinzu kam dann noch das populär werden der so genannten “ Ferber-Methode“. Das Dilemma ist komplett als 1995 das Buch “ Jedes Kind kann schlafen lernen“ erscheint.

In vielen Artikeln ist zu erkennen das von Babys ein bestimmtes Verhalten erwartet wird, erfüllt der Säugling diese Erwartungen nicht, so wird er als anstrengend und manipulativ betrachtet. Dieses Denken, diese Erwartungen finden sich eigentlich nur in deutschen und einigen anderen westlichen Ländern wieder. In anderen Teilen der Welt gelten diese Dinge als normal. Eine starke Bindung zwischen Eltern und Kind so wie die Ansicht das jedes Kind ein Wesen mit individuellen Neigungen und Bedürfnissen ist, prägen heute viele frischen Eltern.

Der Konflikt ist geboren. Nicht nur Generationsübergreifend sondern auch unter jungen Eltern bergen diese zwei so grunverschiedenen Ansätze großes Streipotenzial.

Wir haben heute eine vielzahl an Informationsquellen zur Verfügung, sind medial vernetzt. Wir lesen Bücher von Karp, Sears, Renz-Polster und vielen anderen und stellen in Frage was wir einst für normal und richtig erachteten. ( ähnlich wie das auch im ethisch motivierten Veganismus der Fall ist).

Wir verliesen den uns bekannten Weg, wählten einen anderen.

Einen, der uns ethischer, moralischer und menschlicher erscheint. Und wir halten nicht damit hinterm Berg.

Ich denke uns ist oft nicht bewusst, welche Gefühle wir bei unserem Gegenüber damit auslösen.

Wie sehr wir damit verletzen können, ohne zu wollen, unzulänglichkeit Vermitteln, wenn wir alles über den Haufen werfen was für voran gegangene Generationen als normal betrachtet wurde.

Dabei haben wir das Rad gar nicht neu erfunden, wir besinnen uns auf unsere Instinkte, unseren angeborenen Reflex unsere Kinder mit Liebe und Nähe überschütten wollen, wenn wir ihre Bedürfnisse stillen wollen.

Wenn also jemand kommt und sagt :“ früher, da war nicht alles schlecht“ , dann diskutiert nicht sondern sagt: “ stimmt vor 200-300 Jahren haben sie das auch schon so gemacht“:

In diesem Sinne gute Nacht und danke fürs lesen meiner ( für mich) ziemlich verwirrenden Gedankengänge.

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5 Gedanken zu “Warum wir einiges anders machen als unsere Eltern und Großeltern…

  1. Letztens erst mit meiner Mutter darüber diskutiert, die sich – wie oben beschrieben – „unzulänglich fühlte“, weil ich ihr das Gefühl gebe, alles anders machen zu wollen. Stimmt ja nicht, hab ich gesagt, ich will nur einfach das Beste für mein Kind rausholen! Und die Tatsache, dass ich so denke, dass ich empathisch bin und mein Kind liebevoll erziehen will, ist schließlich Verdienst meiner Eltern, die aus mir einen liebevollen, mitfühlenden Menschen gemacht haben. Also, für mich gar nicht so verwirrend, deine Gedankengänge 😉 Schönes Ding!

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  2. Erstmal, ich könnte deine Mutter sein. Mein Ältester ist 27. 🙂 Er wurde nach Bedarf gestillt. Durfte im Schlafzimmer schlafen und auch auf der Besucherritze 😉 . Wurde sofort getröstet und musste nicht seine Lungen stärken. Und noch vieles mehr. Also dieser Generationenkonflikt ist eigentlich nicht neu. Auch ich bekam damals schon diese wertvollen Ratschläge, die mich eher verunsicherten, als dass sie mir halfen. Meine Erfahrung ist einfach auch, dass wir alle sehr unterschiedlich sind. Auch heute machen viele junge Mütter es anders als du und ich und sind davon überzeugt. Genau wie damals…
    Meine Devise war und ist, auf mein Gefühl zu hören. Das war mir meistens der beste Ratgeber.
    Viel Freude mit deinen Kleinen wünscht dir
    Claudia

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    • Das finde ich wunderbar, ich habe nur das gespiegelt was ich selber erlebe und vieler Orts von anderen Mamis erfahren habe. Toll das du deinem Sohn seine Bedürfnisse gestillt hast wann immer es nötig war.

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