Schwanger und Krank!

Für fast jede Frau ist es eine große Überraschung wenn es heißt : Herzlichen Glückwunsch sie sind schwanger. Neben der Überraschung kommen oft mals viele Zweifel die einen mental sehr belasten können. Fragen wie: Können wir das schaffen? Wie sieht das finanzielle aus? Werden sie Gesund sein? Hoffentlich kommt es nicht zu früh! Das sind nur einige von den Dingen die einem durch den Kopf gehen.

Doch neben der mentalen Belastung ist eine (Zwillings)schwangerschaft auch für den Körper eine massive Herrausforderung.

Die Belastung ist größer, das Risiko von Komplikationen ist um ein vielfaches erhöht.

Einer Komplikation möchte ich jetzt  etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Zum einen weil ich selbst darunter litt, zum anderen weil sie recht unbekannt ist und von vielen, auch vom Fachpersonal verkannt wird.

Es handelt sich bei dieser Komplikation um Hyperemesis Gravidarum.

Hyperemesis Gravidarum ist eine Krankheit die ausschließlich in der Schwangerschaft auftritt. Sie zählt zu den so genannten Frühgestosen. Doch was verbirgt sich hinter dem Namen?

Hyperemesis Gravidarum beschreibt das übermäßige Erbrechen in der Schwangerschaft, es setzt sich aus den Wörtern Hyper ( grie. über, oberhalb) Emesis ( grie. Erbechen) und Gravidarum ( lat. Schwangerschaft). Diese Krankheit, im folgenden HG genannt, stellt einen lebensbedrohlichen zustand dar, der dringend Behandlung bedarf.

Ca. 1-2% aller schwangeren Frauen erkranken an HG, besonders gefährdet sind neben Zwillingsschwangeren, Erstgebärende, Frauen die Mädchen erwarten ( wo bei sich diese These im Austausch mit anderen Betroffenen nicht halten lies) und Frauen deren nahe Verwandte ( Mutter, Großmutter oder Schwester, seltener auch Tante) betroffen waren.

Die Symptome sind vielfältig, die Diagnostik schwierig, da keine eindeutige Definition des Krankheitsbildes besteht und auch die Schweregrade von Frau zu Frau, und oft von Schwangerschaft zu Schwangerschaft stark variieren ( dazu wird es zu gegebener Zeit zwei Berichte von Betroffenen Frauen geben).

Neben dem unstillbaren Erbrechen und der anhaltenden, alles verschlingenden Übelkeit gehören die Exsikkose, Gewichtsverlust von mindestens 5%,, Mundtrockenheit, Kreislaufbeschwerden und Tachycardie und Hypotonie, Elektrolytentgleisung und Acetongeruch ( oral) zu den Hauptsymptomen, außerdem sind oft Ketone im Urin zu finden und der Körper übersäuert extrem. Dazu kommen die individuellen Symptome wie Geruchsempfindlichkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit so wie Zahnfleischblutungen und -entzündungen, Verdauungsprobleme, Depressionen und soziale Isolation.

Am Anfang steht immer die Hoffnung: in 12-14 Wochen ist es vorbei, doch meist haben die Frauen bis dahin schon mehrere Krankenhausaufenthalte so wie ambulante Infusionstherapien hinter sich. Mit jeder weiteren Woche schwindet die Hoffnung darauf, dass sich etwas ändert. Der Leidensdruck ist groß. Und die Gesellschaft, Ärzte, Hebammen und anderes medizinisches Personal verstärken ihn massiv, wenn kein verständnis für die Krankheit besteht. Früher wurde fälschlicher Weise angenommen, es sei eine psycho-somatische Störung und es würde ausreichen, das noch ungeborene kleine Wesen in seinem Körper an zu nehmen, doch warum sind auch Frauen mit Kinderwunschbehandlung betroffen? Das kann also nicht die Ursache sein,. Auch eine besodere Wehleidigkeit wird oft vorgeschoben, Man hört  Sätze wie: Stell dich nicht so an, du bist schwanger und nicht krank! Oder da muss jede durch, das bisschen spucken gehört dazu.

Doch die HG-Schwangeren sind krank! Sie sehen krank aus, sie fühlen sich krank, sie benötigen Infusionen und Medikamente zum Überleben. Das hat nix mit Wehleidigkeit zu tun. Welche Frau, die ein Kind erwartet, liegt schon gern im Krankenhausbett statt sich voller Eifer auf den Nestbau zu konzentrieren?

Doch wie sieht die Behandlung eigentlich aus?

Der berühmte Keks am Morgen? Der wird meist gar nicht runterbekommen, so bald sich die Augen öffnen übergibt man sich!

Viele kleine Mahlzeiten? Keine Chance, man ist schon froh wenn man Flüssigkeit zu sich nehmen kann.

Globuli? Achtung Erstverschlimmerung ( darüber hinaus sollten Globuli immer mit einem Homoöpathen individuell abgestimmt werden)

Akupunktur? Aua , bringt kaum bis gar nichts, oft wird es gar schlimmer!

Akupressurarmbänder? Sehen nicht gut aus, stören und verursachen Schmerzen!

Ingwer in jeglicher Form? Fragen sie mal eine Betroffene nach ihrem Verhältniss zu Ingwer 😉

Also was macht man? Hausmittel funktionieren nicht. Neben einem Gynäkologen, der die Krankheit frühzeitig erkennen sollte, gehören Infusionen und Medikamente aus dem Bereich der Antiemetika zur Standarttherapie. Nicht jede Frau kommt mit jedem Mittel zurecht, doch gibt es eine große Liste an möglichen Arzneien, einzusehen bei http://www.embryotox.de oder auch telefonisch erfragbar. Auch kann eine pschologische Betreuung hilfreich sein mit der oft schwer traumatisierenden Situation umzugehen. Doch das wichtigste: nehmt die Frauen ernst! Es ist ein grausamer Zustand der nicht enden will.

Ich war selber betroffen. Habe von der 4. Schwangerschaftswoche bis zur Entbindung bis zu 40 mal am Tag erbrochen. Neben Medikamenten und Infusionen hat mir eins am meisten geholfen: VERSTÄNDNIS!

Dieses fand ich vor allem bei anderen betroffenen Frauen, welche ich in einer Facebookgruppe für betroffene fand.

Mein Appell an euch: wenn ihr jemanden kennt der betroffen ist und Hilfe braucht, macht ihm Mut, zeigt das ihr der schwangeren glaubt und unterstützt sie bei der Suche nach hilfe und verurteilt sie nicht, weil sie trotz Schwangerschaft Medikamente nimmt, sondern akzeptiert und motiviert die betroffene genau diese zu nehmen, denn dadurch kann viel Leid erspart werden

http://www.hyperemesis.de/

https://www.facebook.com/groups/789097041137278/?fref=ts

https://www.embryotox.de/

http://www.helpher.org/

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9 Gedanken zu “Schwanger und Krank!

  1. Ich kannte das vorher gar nicht, meine Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Aber ich bin froh davon jetzt zu wissen um im Falle eines Falles betroffenen Frauen zu helfen oder mir selbst, falls es mal dazu kommen sollte.
    Danke!

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  7. Super geschrieben. Es war so schwer ernst genommen zu werden. Wie gerne hätte ich jedem meine Faust mitten ins Gesicht gehauen der mir gesagt hat ich sei doch „nur schwanger“.
    Zum Glück hatte ich gute Ärzte und so war der Schlimmste Teil nach „nur“ 16 Wochen vorbei.

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